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Mein IJFD in den USA

Ich bin jetzt mit meinen „Villagern“ vertrauter und mache regelmäßige Sonntagsausflüge mit ihnen alleine. Es tut sehr gut, mit ihnen in Parks spazieren zu gehen und leckere Eisbecher zu essen. Dann erzählt mir A. jedes Mal etwas Neues über seinen Radiosender WCBSFM 101.1 und M. regt sich über die Baseballergebnisse und deren „cheats“ auf.

Name:MariaEinsatzstelle:Camphill Village Kimberton Hills, USAInhaltliche Ausrichtung:Anthroposophische Einrichtung für Menschen mit Behinderung

Seitdem ich hier bin, hat sich einiges verändert in meinem Leben. Ich komme jetzt endlich mit der englischen Sprache klar. Die ersten Wochen war es ganz schön hart für mich, von der deutschen Sprache in die englische Sprache umzudenken. Ich bin jetzt mit meinen „Villagern“ vertrauter und mache regelmäßige Sonntagsausflüge mit ihnen alleine. Es tut sehr gut, mit ihnen in Parks spazieren zu gehen und leckere Eisbecher zu essen. Dann erzählt mir A. jedes Mal etwas Neues über seinen Radiosender WCBSFM 101.1 und M. regt sich über die Baseballergebnisse und deren „cheats“ auf. Miss S. mag es sehr, mit fremden Menschen zu reden und sorgt immer für verwirrende Blicke, was mich dann zum Schmunzeln bringt. Ich habe sie sehr in mein Herz geschlossen, da sie eine aufrichtige und liebenswerte Person ist. Sie erzählt immer gleich das, was sie denkt, und das macht mir das Leben einfacher, da ich gleich handeln und ihr helfen kann. Meine andere „Villagerin“ namens B. ist eine gemütliche und lebensfrohe Person. Sie hat ein sehr schlimmes Kniegelenk und braucht von allen die meiste Hilfe. Dennoch gefällt es ihr, etwas an ihrem „Day off“ zu unternehmen und raus zu gehen. Manchmal ist es schwer mit ihr umzugehen, da sie gerade im Winter sehr träge und motivationslos ist. Was bedeutet, dass sie unglaublich viel Zeit braucht, um sich morgens fertig zu machen. Sie fällt leicht in einen Babymodus, wo sie anfängt, dich Mama zu nennen und in einer Kleinkindsprache kommuniziert.

Ich habe in der letzten Zeit etwas Phantastisches festgestellt. Menschen mit Behinderung sind durchaus sensibler eingestellt, als Menschen ohne Behinderung. Das heißt, dass sie die Wetterveränderung mehr zu Kenntnis nehmen und auch emotionaler reagieren. Sie fühlen auch, wenn ein_e Mitarbeiter_in emotional geladen ist und reagieren sofort darauf.

Meine Wohnsituation hat sich nicht verändert. Ich fühle mich sehr wohl im Haus Sankanac zu leben. E., mein „Householder“ ist eine sehr taffe Frau und wir haben eine sehr enge Freundschaftsbindung entwickelt. Jeden Freitagabend unternehmen wir etwas zusammen. Mein Stundenplan hat sich ein wenig verändert. Ich habe angefangen, im Mosaik-Workshop zu arbeiten. Vorher war ich im Orchard, was ein Garten-Workshop ist und habe hauptsächlich an Apfelbäumen gearbeitet. Doch ab dem Zeitpunkt, als der Wintereinbruch kam, fühlte ich mich nicht mehr so wohl. Meine Produktivität war nicht mehr dieselbe und ich empfand die drei Stunden Arbeit draußen zu kalt. Es war kein großes Problem für mich, zu wechseln, und die neue Mosaikarbeit erfüllt mich sehr. Ich fühle mich seitdem künstlerisch mehr ausgelastet und arbeite sogar mit „Villagern“ zusammen, mit denen ich vorher keinen Kontakt hatte.

Die anderen Workshops laufen alle sehr gut und ich habe mit der Zeit mehr Verantwortung übernommen. Ich kümmere mich zum Beispiel in der Töpferwerkstatt um den Brennofen und leite mit einer Gruppe von „Villagern“ ein größeres Projekt. Jede zweite Woche hole ich Lebensmittel von „Trader Joe’s“ ab für mein Camphill. Der Laden ist eine Dreiviertelstunde von hier entfernt und er gibt uns laut „Haltbarkeitsdatum“ abgelaufene Lebensmittel die sie normalerweise in den Müllcontainer entsorgen müssen.

Die in meinem Village sind alle sehr gut drauf und unternehmen viel. Dennoch gibt es ein ständiges Kommen und Gehen. Die Hälfte der „Coworker“, mit denen ich angefangen habe, zu leben, sind gegangen. In meinem Haus leben zwei „Coworker“, die hier schon seit sieben Jahren leben. Sie arbeiten Hauptsächlich im CSA-Garten und ich habe nicht allzu viel Kontakt mit ihnen. Deshalb ist es wichtig, dass die anderen zwei „Coworker“ viel im Haus aushelfen und zusammen arbeiten.

Viele Grüße, Maria
Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.