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Du brauchst auf jeden Fall Zirkuserfahrung - am Besten in allen Bereichen, ebenfalls musst du flexibel und spontan sein können, sowie offen in der Begegnung mit anderen Menschen

Name:JohannaEinsatzstelle:Circus Mojo, Kentucky, USAInhaltliche Ausrichtung:Soziales Zirkusprojekt

Nun nach den ersten 2 Monaten hier in Kentucky/USA, kommt von mir der erste Zwischenbericht.
Es ist ziemlich viel Neues zu erfahren und zu entdecken, viele neue Dinge, an die ich mich gewöhnen muss, aber ich beginne mal von Anfang an.
Am 24.08.2014 habe ich mich von Hannover aus auf den Weg über den Teich gemacht. Mit vielen Tränen, warmen Worten und langen Umarmungen wurde sich von Familie und den engsten Freunden am Flughafen verabschiedet. Mein Flug sollte von Hannover über Paris nach Cincinnati (KY) gehen. Meine erste grosse Reise allein begann also.

In Cincinnati angekommen, musste ich durch die Visum/Passkontrolle der Homeland Security, ihr könnt euch nicht vorstellen, wie nervös ich war (bis dahin hatte ich nicht die besten Dinge über sie gehört). Zum Glück war der Beamte (nachdem ich ca. 1 Stunde gewartet hatte) einigermaßen nett und ich bekam mein Visum für 12 Monate genehmigt. So weit so gut.
Nachdem ich mich durch weitere Gepäckkontrollen gekämpft hatte, stand ich also nach vielen Stunden Flug da und wartete auf jemanden, der mich abholen sollte (sowie meine Kontaktperson es mir versprochen hatte). Ich wartete allerdings vergeblich und versuchte händeringend jemanden zu erreichen. Da ich erstmal niemanden erreichte, ging ich aus dem Gebäude um mir einen Überblick zu verschaffen. Ich also mit meinem Herbstmantel, Schal und Gepäck, gehe aus dem Flughafen und mich trifft fast der Schlag. In Kentucky war gerade die wärmste Jahreszeit mit durchschnittlich 36°C (mittlerweile ist es zum Glück auf so ca. 27ºC abgekühlt). Nach 4 Stunden warten (da bekam ich schon mal den ersten guten Eindruck von den Amerikanern) im Flughafen sah ich endlich meine Kontaktperson und seine Truppe und ihr könnt euch nicht vorstellen wie glücklich ich darüber war. Nach ein paar Witzen über mein Outfit ging es dann mit einem Truck nach Ludlow zum Zirkus Mojo.
Ich habe super viel Glück mit meiner Unterkunft, sie ist direkt über dem Büro des Zirkus und die Trainingsräume sind nebenan.

Ich habe zwei Mitbewohner - ein Mädchen aus Mexiko und einen Jungen aus Kalifornien - beide sind super nett und mit beiden habe ich mich von Anfang an sehr gut verstanden. Die beiden und ein Jugendlicher der schon seit Jahren im Zirkus Mojo ist  haben mich sofort unter ihre Fittiche genommen und mir alles Wichtige gezeigt.
Ein Freund hier studiert an der NKU und lernt seit 2 Jahren Deutsch. Einmal in der Woche gibt es in der Universität am Mittwoch eine Kaffestunde, bei der Menschen aus Deutschland, sowie die Studenten, die Deutsch lernen, teilnehmen können. Netterweise wurde ich dorthin mitgenommen, sodass ich neue Kontakte knüpfen und endlich mal wieder (ohne über Vokabeln und Grammatik nachdenken zu müssen) in meiner Heimatsprache quatschen konnte.
Apropos Sprache: Ich bin ebenfalls sehr froh, dass alle hier so geduldig mit mir waren/sind, wenn ich zum wiederholten Male nach der Bedeutung von Wörtern frage. Mittlerweile klappt es jedoch schon viel besser, ich muss nicht mehr groß drüber nachdenken und habe schon viele neue Wörter gelernt.

Den ersten Tag hatte ich frei, damit ich erstmal ankommen konnte. Im Laufe der nächsten Tage wurde ich in die Arbeit im Krankenhaus eingeführt – eine besondere Arbeit. Wir als Clowns in einem Kinderkrankenhaus in Cincinnati jonglieren, balancieren und bespaßen Kinder - sowie ihre Eltern.
Es ist toll zu sehen, wie eine so "einfache" Arbeit allen - egal ob Jung oder Alt - ein Lächeln aufs Gesicht zaubern kann, auch wenn den meisten der Patienten nicht zum Lachen zu Mute ist.
Ansonsten trainiere ich ein Mädchen aus Ludlow auf dem Hochseil und betreue Kindergeburtstage. Ebenso sind wir viel auf Veranstaltungen - eine davon fand ich besonders beeindruckend - der Buddy Walk. Dort geht es um das Bewusstsein für das Down Syndrom, um die Akzeptanz und Inklusion von Menschen mit Down Syndrom. Viele Menschen (mit und ohne Behinderung) treffen sich auf einem Platz um gemeinsam zu laufen, sich auszutauschen und zu erkundigen.
Wir arbeiten nicht nur im Krankenhaus und verschiedenen Veranstaltungen, sondern unteranderem auch im Nursing Home, dies ist ein Ort in dem Senioren leben. Einmal die Woche am Freitag besuchen wir sie und bringen ihnen Jonglieren mit Tüchern, Balancieren von speziellen Blancing Faethers und Tellerdrehen bei.

Einmal die Woche, am Mittwoch arbeiten wir mit einer Montessori Schule und der Ackermann Schule hier in Cincinnati. Die Kinder erlernen verschiedene Fähigkeiten wie Seiltanz, Laufkugel, Tellerdrehen, Jonglieren, Stelzenlaufen und vieles mehr.
Die Einarbeitung in das Unterrichten war für mich nicht schwer, da ich schon viel mit Menschen gearbeitet habe und verschiedene Ferienprogramme im Zirkus Bikonelli betreut habe. Im Gegensatz dazu stand die Arbeit im Krankenhaus, diese bedurfte längere Einarbeitung, viele Trainingseinheiten im Jonglieren und vor allem eine Handvoll ärztlicher Untersuchungen.
Vor 3 Wochen wurde der 150 jährige Geburtstag von Ludlow gefeiert, dort hatten wir vier Shows, darunter eine Feuershow. Das Wochenende war super anstrengend, aufregend und super warm (ich hatte danach einen Sonnenbrand). Alles in allem hat es aber auch total viel Spaß gemacht!
Wenn ich mal nicht arbeite, unternehme ich viel mit den Leuten hier. Wir besuchen verschiedene Events - wie das Feuerwerk in Cincinnati, das Oktoberfest (ohja ihr habt richtig gelesen) in Covington und Cincinnati oder besuchen die Gegend  rundum Cincinnati.

Auch darf natürlich der Sport nicht fehlen, nahezu täglich wird in den Zirkusräumen trainiert und zusätzlich Kurse wie Zumba, Boxen und Hip Hop belegt. Vieles ist neu - aber ich habe mich schon an eine Menge gewöhnt und fühle mich pudelwohl. Und das erste Mal einen "eigenen" Haushalt führen klappt auch besser als ich erwartet hatte. Das Einzige, an das ich mich wohl nicht so schnell gewöhnen werde, ist das Essen!! Es ist möglich sich gesund zu ernähren, aber leider auch im Vergleich sehr teuer!!
Ein Wochenende  habe ich in Chicago bei einem Freund verbracht um mir die Stadt anzugucken und um am Sonntag eine Truppe Jugendlicher aus Dänemark zum empfangen. Kurz bevor ich in die USA gekommen bin habe ich mit zwei Mitarbeitern den Zirkus Charlie in Dänemark besucht und wir haben mit den Jugendlichen an einer Show gearbeitet. Sonntag Abend sind die Dänen mit nach Ludlow gekommen um hier eine Woche zu arbeiten, mit uns am Freitag die aktuelle Show „Varakai“ von Cirque du Soleil anzuschauen und gemeinsam am Sonntag die Show aufzuführen.
Im Laufe der nächsten Monate möchte ich weiter an meinen Fähigkeiten in der Artistik arbeiten, sowie weitere Erfahrungen in der Arbeit mit Menschen machen. In der nächsten Zeit beginnen wir in der psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses zu arbeiten - das wird eine ganz neue Erfahrung fuer mich und ist ebenfalls sehr interessant für meinen späteren Berufswunsch Psychologie zu studieren. Ich freue mich schon riesig auf die nächsten Monate und bin gespannt was noch auf mich zu kommt.
 

Viele Grüße, Johanna
Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.