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Mein IJFD in den USA


Ich kann gar nicht sagen, wie glücklich ich bin, dass ich die Chance bekommen habe, dieses Jahr in „Pendle Hill“ zu verbringen.

Name:LeonardEinsatzstelle:Pendle Hill, USAInhaltliche Ausrichtung:Bildungs- und Konferenzzentrum

Ich hatte mich bei der Organisation ijgd beworben, weil ich nach meinem Abitur einen Freiwilligendienst in den USA machen wollte. Von den unterstützten Einsatzstellen der ijgd hat mich vor allem die Einsatzstelle „Pendle Hill“ angesprochen, da sie sich sehr von den anderen Einsatzstellen unterscheidet. Es handelt sich bei „Pendle Hill“ um ein Bildungs- und Konferenzzentrum der Quäker. Der Schwerpunkt liegt dabei weniger auf der sozialen Arbeit, sondern mehr auf den verschiedenen Arbeitsfeldern in „Pendle Hill“. So wird den Freiwilligen angeboten, in „Pendle Hill“ in der Küche und im Garten, im Gästeservice oder im Bereich der Instandhaltung der Gebäude tätig zu sein. Diese unterschiedlichen Arbeitsfeldern und die Einsatzstelle an sich hatten mich zu der Zeit sehr angesprochen und aus diesem Grund habe ich mich für das Projekt entschieden.

Als ich die Zusage bekam, so weiß ich noch genau, wie sehr ich mich damals auf das kommende Jahr gefreut habe! Ich konnte es kaum abwarten auszuziehen und mich vollkommen auf das kommende Jahr einzulassen. Wovon ich damals als Kind noch geträumt hatte, wurde endlich Realität, und ich konnte es kaum abwarten, mein Leben in den USA leben.

Als ich dann in „Pendle Hill“ ankam, wurde ich sehr offen empfangen und willkommen geheißen. Besonders in den ersten Wochen hat mir das sehr geholfen, da ich mich zunächst an die neue Umgebung gewöhnen musste. Vor allem die Tatsache, dass die anderen deutschen Freiwilligen ungefähr zeitgleich ankamen, hat es erleichtert. Das lag vor allem daran, dass ich die deutschen Freiwilligen bereits vom Seminar kannte und man außerdem jemanden hatte, mit dem man sich auf Deutsch unterhalten konnte. Somit habe ich mich überraschenderweise schnell eingelebt und mich an mein „neues“ Leben rasch gewöhnt. Es bestand darin, dass ich vier Tage in der Woche in der Küche in „Pendle Hill“ gearbeitet habe und die restlichen Tagen frei hatte. Es blieb also einem selbst überlassen, wie man seine freien Tage nutzte. Ich muss an dieser Stelle eine Freundin aus „Pendle Hill“ zitieren, die es sehr passend auf den Punkt gebracht hat. Sie sagte zu mir, sie schätze an „Pendle Hill“ vor allem, dass es jedem/jeder selbst überlassen ist, wie man als Freiwillige_r sein Jahr verbringt. Und nach einem Jahr kann ich das voll und ganz bestätigen. In „Pendle Hill“ zu leben und zu arbeiten bedeutet, ein sehr unabhängiges und freies Leben zu führen. Natürlich, man arbeitet vier Tage in der Woche, aber in der restlichen Zeit ist man frei zu tun, was man machen will. Und ich gebe zu, ich habe genau diese Freiheit das ganze Jahr sehr genossen!

Im Folgenden werde ich zu verschiedenen Themen, die ich mit meinem Freiwilligendienst in den USA verbinde, kleine Abschnitte verfassen und dabei versuchen, so viel wie möglich von meinen Erfahrungen und Erlebnissen zu erzählen. Es nämlich gar nicht so einfach, ein Jahr seines Lebens in ein paar Seiten zusammenzufassen:

MEIN FREIWILLIGENDIENST:

Meine Tätigkeit in „Pendle Hill“ bestand darin, dass ich vier Tage in der Woche in der Küche gearbeitet habe. Bevor ich nach „ Pendle Hill“ gekommen bin, hatte ich keine bis wenige Erfahrungen in der Küche. Ich hatte einige Male zu Hause beim Kochen mitgeholfen, aber noch nie alleine gekocht. Dennoch hatte ich mich dafür entschieden, in die Küche zu gehen, weil ich mich dafür interessierte und mich darauf freute, etwas Neues zu lernen. In der ersten Zeit bekam ich viel Hilfe von den anderen Köchen, da ich mich zunächst an das neue Arbeitsfeld, die Abläufe usw. gewöhnen musste. Dabei stellte sich heraus, dass ich zu Beginn die meisten Schwierigkeiten mit der Sprache hatte. Obwohl ich schon seit einigen Jahren Englisch in der Schule gelernt hatte, fiel es mir schwer, mich mit den anderen Köchen auf Englisch zu verständigen. Oftmals verstand ich nur die Hälfte von dem, was zu mir gesagt wurde und auch ansonsten konnte ich mich schwer im Gespräch einbringen.

Ich habe damals sehr gemerkt, dass ich etwas Zeit brauche, um mich in der Küche zurecht zu finden. Es brauchte letztendlich bestimmt ein bis zwei Monate. Nach dem Prinzip ,,Learning by Doing“ wurden wir von Zeit zur Zeit von den anderen Köchen angelernt und gefördert, die uns über das Jahr sehr viel Neues beigebracht haben. Sie halfen uns sehr, sich in die Küche zu integrieren und ein Teil der Küche zu werden. Über die Zeit hinweg verstand man sich mehr als Team, arbeitete besser zusammen und wurde effizienter. Am Ende zahlte sich die harte Arbeit aus und es wurden einem größere Aufgaben gegeben. Damit bekam man mehr in der Verantwortung in der Küche und kochte zum Beispiel das Hauptgericht für das Abendessen. Am meisten gefreut hat mich immer, wenn ich positive Rückmeldung von den anderen Köchen oder von den Gästen für eines meiner Gerichte bekommen habe! Bei einer guten, aber auch lustigen Arbeitsatmosphäre ließ es sich sehr gut arbeiten und wir hatten immer sehr viel zu lachen in der Küche. Ich bin wirklich sehr gerne zur Arbeit gegangen und bin froh darüber, dass ich mich damals für die Küche entschieden habe. Ich bin unglaublich dankbar für die Zeit, die ich dort verbringen durfte. Ich habe sehr viel gelernt und möchte mich dafür bedanken, dass sie  mich in diesem Jahr aufgenommen und mir so viel beigebracht haben. Die Zeit, die ich in der Küche verbracht habe, werde ich immer in guter Erinnerung behalten!

MEDIA:

Es handelt sich bei Media um eine Kleinstadt in der Nähe von Pendle Hill. Die Kleinstadt ist eine von vielen Vororten von Philadelphia. Zu Fuß erreicht man Media in einer knappen halben Stunde und über das Jahr sind wir sehr oft nach Media gegangen. Das lag vor allem daran, weil L. und ich oft ein Lieblingslocation („Wawa“) angesteuert haben. Ansonsten bietet Media viele kleine Restaurants, Coffee-Shops, Bars und lokale Geschäfte. Alles befindet sich auf der State Street, einer Straße, die quer durch Media geht. In einer knappen halben Stunde kann man sich Media angucken und die Stadt erkunden. Es ist eine wunderschöne Kleinstadt mit eigenem Flair! Besonders gerne sind wir am Mittwochabend hingegangen, weil jeden Mittwochabend die Aktion ,,Dining under the stars“ stattfindet. Das bedeutet, dass die State Street gesperrt wird und die Restaurants und Bars ihre Tische auf die Straße stellen und somit bei schönem Wetter abends alle zusammen draußen essen.

PHILADELPHIA:

Philadelphia ist eine der größten Städte in den USA und die nächst gelegene Großstadt. Mit den Zug oder mit dem Trolley benötigt man ca. eine halbe bis ganze Stunde, um in die Stadt zu kommen. Philadelphia ist eine unglaublich vielseitige und schöne Stadt, in der man sehr viel machen kann. Die Stadt hat für jede_n etwas zu bieten und ich kann nur jedem/jeder ans Herz legen, oft nach Philadelphia zu fahren und die Stadt zu erkunden. Es gibt sehr viele Angebote und Aktionen, für die es sich lohnt, Tagesausflüge in die Stadt zu machen. Von einem Straßen-Festival in der Innenstadt von Philadelphia bis zu einem Freilichtkino im Norden von Philadelphia ist wirklich für jede_n etwas dabei und es hat sich stets gelohnt, einen Ausflug in die Stadt zu machen. Ich mach es kurz: „I love Philadelphia“!

REISEN:

In dem letzten Jahr habe ich neben meiner Arbeit als Freiwilliger auch die Chance bekommen, viel zu reisen. Dadurch bedingt, dass ich etwas gespart hatte und wir von „Pendle Hill“ jeden Monat 200 Dollar „Lohn“ bekamen, ergab sich diese Möglichkeit. Ich habe in dem letzten Jahr so viele Orte besucht, die ich wahrscheinlich ansonsten nie in dieser kurzen Zeit besucht hätte. Wir fingen an, billig zu reisen, um möglichst viele unterschiedliche Orte zu sehen und auch außerhalb von „Pendle Hill“ viel Neues von den USA und sogar Kanada zu entdecken. Und darüber bin ich sehr glücklich, denn ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel in einem Jahr sehen werde. Ich kann nur jedem empfehlen, diese Chance zu nutzen, denn ich persönlich blicke nun, da ich schon wieder in Deutschland bin, immer gerne auf meine Reisen zurück und die schöne Zeit, die ich mit meinen Freud_innen hatte. Und selbst wenn es nur ein Tagestrip nach New York City war!

HEIMWEH:

Wenn man sich dafür entscheidet, für ein Jahr ins Ausland zu gehen, ist Heimweh auf jeden Fall ein Thema, mit dem sich jede_r beschäftigt. Schon vor dem Jahr fing ich an, mir darüber Gedanken zu machen, wie es wäre, für ein Jahr weg zu sein und meine Familie und meine Freund_innen für ein Jahr nicht zu sehen. Doch ich gebe zu, aufgrund der Tatsache, dass ich mich in den USA so gut zurecht gefunden habe und so schnell neue Freud_innen kennengelernt habe, hatte ich nie Heimweh. Ich habe einfach zu selten an zu Hause gedacht, weil ich viel zu sehr an mein Leben dort gedacht habe. Und wenn ich doch mal mit meiner Familie oder Freund_innen reden wollte, war es sehr einfach, zu telefonieren oder zu schreiben. Durch den mal mehr, mal weniger beständigen Kontakt, fiel es mir einerseits leicht, mich auf mein Leben in den USA einzulassen und andererseits trotzdem den Kontakt mit meiner Familie und Freund_innen zu wahren. Ich habe dabei immer versucht, die Balance zu halten und mich mehr auf mein „neues“ Leben zu konzentrieren, anstatt zu sehr an meinem „alten“ Leben zu hängen. Im Nachhinein hat mir das sehr geholfen, meine Zeit in den USA zu genießen.

Nun bin ich wieder zurück in Deutschland und merke, wie schnell das Leben dann doch weitergeht. Ich habe mich entschieden, was ich machen will, und werde Jura an der Uni Göttingen studieren! Ich freue mich schon sehr auf die nächste Zeit und blicke immer gerne auf das Jahr in den USA zurück!

Viele Grüße, Leo
Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.