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Unsere Mitarbeitenden sind alle super lieb und hilfsbereit und unterstützen uns, wo sie können. Höflichkeit und Respekt gegenüber der Community werden hier sehr wertgeschätzt und beruhen auf Gegenseitigkeit.

Name:Einsatzstelle:Pendle Hill, USAInhaltliche Ausrichtung:Bildungs- und Konferenzzentrum

10 Uhr morgens, wir sitzen im Bus auf dem Weg nach Washington DC. Die Gesichter um mich herum sind noch etwas verschlafen, trotzdem schmieden wir schon Pläne, was wir alles besichtigen wollen. Wir sind heute Morgen extra früh aufgestanden und von unserer Einsatzstelle mit dem Zug nach central city Philadelphia gefahren, von wo unser Bus fährt. Es ist komisch daran zu denken, dass wir schon über sechs Wochen hier in den USA sind. Einerseits habe ich mich schon super gut eingelebt, die Gegend und Philly erkundet, andererseits fühlt es sich auch an, als wären wir erst gestern am Flughafen gelandet. Die Zeit ist wirklich wie im Flug vergangen. Wir haben uns am 1. September auf den Weg von Frankfurt nach Philadelphia gemacht und sind nach neun Stunden unereignisreichem Flug erwartungsvoll dort angekommen. Zwei Stunden und zwei Gespräche mit den Behörden, um unsere Aufenthaltserlaubnis zu bekommen, später, konnten wir den Flughafen dann auch verlassen und wurden von Pendle Hill Mitarbeitenden empfangen.

Pendle Hill, das ist unsere Einsatzstelle in Wallingford, Philadelphia. Pendle Hill ist ein Bildungs- und Konferenzzentrum der Quäker und die Vision von Pendle Hill - "Frieden mit Gerechtigkeit in der Welt zu schaffen, indem man Leben verändert" - wird durch Gottesdienste, Präsentationen, Wochenend-Workshops und Retreats, kurze Kurse und bemerkenswerte Gespräche vorangetrieben. Pendle Hill wird sowohl von größeren Gruppen besucht, die hier Konferenzen oder Projekte veranstalten, als auch von Einzelpersonen, welche uns besuchen um Ruhe und Auszeit zu finden, einen Kurs zu besuchen oder an einem Projekt zu arbeiten. Weitere Leute, die man auf dem weitläufigen Campus finden kann, sind friends in residence, die für drei Monate Pendle Hill besuchen um eine Quäker Präsenz für die Gemeinschaft zu sein, und natürlich all die, die hier arbeiten, von denen einige so wie wir Freiwilligen auch auf dem Campus wohnen.

Nach einem Wochenende um unseren Jetlag auszuschlafen begann unsere Einführungswoche. Wir bekamen eine ausführliche Tour des (wunderschönen) Campus und trafen alle anderen Mitarbeitenden, außerdem mussten verschiedene organisatorische Dinge erledigt werden.

Unsere Mitarbeitenden sind alle super lieb und hilfsbereit und unterstützen uns wo sie können. Höflichkeit und Respekt gegenüber der Community werden hier sehr wertgeschätzt und beruhen auf Gegenseitigkeit.

Wir Freiwilligen unterstützen Pendle Hill im verschiedenen Bereichen: Hospitality/ Guest Service, Grounds und Kitchen. Hospitality kümmert sich um die Gäste, bereitet Bereiche für Gruppen vor und hilft ihnen bei Problemen. Grounds kümmert sich um die Instandhaltung des wunderschönen grünen Campus und erledigt schwerere körperliche Arbeit. Mein Bereich ist die Küche und (Überraschung) wir kümmern uns um die Versorgung unserer Gäste und Mitarbeitenden. Das heißt, wir kochen jeden Tag Mittag- und Abendessen und bereiten meist etwas für das Frühstück vor. Außerdem bereiten wir refreshments (kleine Snacks, wie Kekse, Bananenbrot, Brownies...) für die Gruppen, die gerade zu Besuch sind, zu. Besonders freuen sich immer alle auf die Tage, an denen jemand auf dem Campus Geburtstag hat, denn dann gibt es Kuchen für die ganze Community.

Insgesamt wird bei uns in der Küche also auch relativ viel gebacken oder, genauer gesagt, backe ich sehr viel in der Küche, was mir sehr viel Spaß macht. Ich backe sowohl Dinge, die ich schon gut kenne und die meine eigenen Rezepte aus Deutschland sind, andererseits lerne ich auch viele neue Dinge kennen, wie beispielsweise Oatmealcake (Haferflockenkuchen) mit Schokostückchen und würziges Pumpkinbread (Kürbisbrot). Das Essen in Pendle Hill ist sowieso super lecker und vielseitig und bietet auch immer eine Option für Veganer*innen und Vegetarier*innen, was ich sehr zu schätzen weiß. Bisher ist zum Glück alles, was ich gekocht oder gebacken habe, gut angekommen und ich freue mich schon darauf, in den kommenden Monaten meine Fähigkeiten zu verbessern. Natürlich habe ich nicht gleich an meinem ersten Tag angefangen eigene Gerichte zu kochen, sondern habe erst einmal eine ausführliche Tour der Küche mit angrenzendem Raum für das Geschirrwaschen, sowie des walk-in (unser großer begehbarer Kühlschrank) und dry storage (wo wir alles aufbewahren, was nicht gekühlt werden muss) und eine Sicherheitseinführung bekommen. Es hat dann aber doch noch mindestens einen Monat gedauert, bis ich wusste, wo alles hingehört und wie die verschachtelten Prozesse der Küche genau ablaufen.
Theoretisch laufen die Tage aufgrund der festgelegten Essenszeiten in der Küche immer recht ähnlich ab, aber aufgrund des abwechslungsreichen Menüs, unterschiedlicher Mitarbeitenden und der wechselnden Gästezahlen ist doch jeder Tag sehr anders und neu. In der Küche ist eigentlich immer etwas los und die Küchen Crew ist sehr amüsant, wenn wir nicht gerade unser spirit animal (Krafttier) diskutieren oder lautstark die Musik mitsingen, fliegen Witze und Neckereien umher. Wir bekommen auch oft Besuch von anderen Mitarbeitenden aus Hospitality und Grounds, die wissen, dass man bei uns häufig frisch gebackene Süßspeisen abgreifen kann. (Es ist ungeschriebenes Gesetz, dass immer extra gebacken werden muss.)

Mit ein paar Schritten erreicht man vom main house (Haupthaus), in dem sich die Küche und der Essensraum befinden, das Gebäude, in dem wir Freiwilligen wohnen. Das Gebäude heißt Chase und wir haben vier Zimmer nebeneinander im zweiten Stock. Die Zimmer sind simpel, aber ausreichend und nachdem ich Bilder und eine Lichterkette, die uns ehemalige Freiwillige hinterlassen haben, aufgehängt habe, fühlt es sich auch schon sehr heimisch an. Auf dem Gelände von Pendle Hill gibt es sehr viele verschiedene Gebäude, in manchen wohnen staff members (Mitarbeitende) mit ihren Familien, in anderen kommen Gäste unter und in anderen findet man  Registration oder Büros. Besonders gut gefällt mir aber der woodworkshop (Holzarbeiten), der für alle zugänglich ist, und in dem wir unter Anleitung an unseren eigenen Projekten arbeiten können. Mein persönliches Highlight ist jedoch das Art Studio (Kunststudio). Es ist mit allem bestückt, was man sich zum kreativen Arbeiten wünschen kann, es gibt alles zum Malen und Zeichnen, Töpfern, Weben, Nähen, Bücher für Referenzen, Instrumente für Kalligraphie und vieles mehr und es steht uns jederzeit offen, selbst nachts schließt das Art Studio nicht. Auch ist es uns als staff members möglich, an Kursen teilzunehmen, von denen viele angeboten werden, und die neben künstlerischen auch politische, soziale und spirituelle Themen umfassen.

Pendle Hill liegt in einem Vorort von Philadelphia und es ist wirklich sehr angenehm, so nahe an Philly zu wohnen. Philadelphia ist eine sehr bunte Stadt voller interessanter Ecken und Sehenswürdigkeiten. Und glücklicherweise wohnen viele staff members in central city und können uns die besten Plätze empfehlen.

Natürlich gibt es auch kleine Stolpersteine. Sprachlich komme ich eigentlich ganz gut klar, aber in der Küche fehlt mir dann doch ab und an ein Fachbegriff oder der Name eines Gemüses. Auch ist es mir spät abends schon passiert das ich US-Amerikaner*innen etwas auf Deutsch erzählt habe und es mir nicht mal aufgefallen ist - es hat für recht viel Erheiterung gesorgt. Das einzige, was bisher für größere Schwierigkeiten gesorgt hat, war die Eröffnung unserer us-amerikanischen Konten. Da wir unser Taschengeld als Checks bekommen, mussten wir uns us-amerikanische Konten erstellen. Wir sind also mit einer Mitarbeiterin von Pendle Hill zur Bank, um genau dies zu tun. Nach drei Stunden und größeren Problemen, da wir als deutsche Freiwillige keine Sozialversicherungsnummer besitzen, dann die ernüchternde Feststellung: wir müssen am nächsten Montag wieder zurückkommen. Also nochmal zwei Stunden in der Bank. Dann nochmal eine Woche später: Bankkonto wird demnächst gesperrt, wenn Sie ihre Identität nicht bestätigen. Also zurück zur Bank. Mittlerweile kennen wir die Mitarbeitenden der Bank schon ziemlich gut und sie erkunden sich erfreut danach, wie wir uns eingewöhnen. Im Endeffekt haben wir es dann doch geschafft mit dem Konto und ich konnte auch meinen ersten Check einzahlen.

Ich bin jetzt schon sehr auf die kommenden Monate gespannt, besonders auf die Weihnachtszeit freue ich mich schon sehr und kann es kaum erwarten, endlich Plätzchen in der Küche zu backen. Außerdem freue ich mich schon auf weitere Reisen und Tagestrips um die USA zu erkunden, sowie weitere Konzerte von denen es hier in Philly jede Menge gibt.

Liebe Grüße und vielen Dank an alle, die diese wundervolle Zeit möglich machen!

 

Informationen an nächste Freiwillige:

Wir Freiwilligen, die in der Küche arbeiten, arbeiten nur vier Tage die Woche, dann aber sehr lange Tage. Das heißt, dass wir drei Tage die Woche frei haben, die wir gestalten können, wie wir wollen. Das gibt uns sehr viel Zeit zum Reisen, Erkunden der Gegend, Hobbies..., heißt aber auch, dass man etwas planen muss, um die Zeit auch zu nutzen.

 

 

Viele Grüße!
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