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Es ist schön zu sehen, dass man Teil von einer ganz tollen Gemeinschaft ist und der Lern- und Entwicklungsprozess beidseitig stattfindet

Name:BiancaEinsatzstelle:Hohepa, Avondale House, NeuseelandInhaltliche Ausrichtung:Anthroposophische Einrichtung für Menschen mit Behinderung; Wohngruppen mit Erwachsenen

Auch wenn der Flug etwas turbulent war, wurde ich herzlich in Empfang genommen. Die Freiwilligen und Work’n’Traveler, die schon hier waren, haben uns alles gezeigt und erklärt, wie hier alles abläuft. Mich hat das zunächst sehr überrascht, dass alle so offen waren, so gleich zu Beginn, habe mich dann aber letztendlich sehr darüber gefreut, weil es vieles einfacher gemacht hat und die Hemmschwelle zum Neuen rasch überwunden wurde. Ich habe mich hier auf Anhieb wohl und schnell heimisch gefühlt.
Wir sind dann auch gleich am ersten Tag nach Napier gefahren und haben ein wenig die Stadt erkundet bei sonnigem Wetter. Zu Wharerangi, unserer Unterkunft, lässt sich sagen, dass es seinen eigenen Charme hat, anders kann man es nicht sagen. Die Einrichtungen entsprechen nicht der einer Luxusimmobilie, zum Leben reicht es allerdings und gerade weil alles schon etwas gebraucht ist, habe ich nicht das Gefühl extra vorsichtig mit dem Mobiliar umgehen zu müssen, denn es hat schon viele andere Freiwillige vor mir ausgehalten. Die Zimmer scheinen auf den ersten Blick recht klein, aber erstens verbringe ich die meiste Zeit eh in der Küche, im Wohnzimmer, draußen und sonst bin ich arbeiten, und zweitens hatte ich dann eher die Möglichkeit kreativ zu werden und mich zu entfalten, damit mein Zimmer meinen Ansprüchen eines Rückziehortes genügt und ich muss sagen, dass ist mir sehr gelungen. Das WG-Leben an sich gefällt mir auch sehr und schon nach kurzer Zeit hat sich unsere 17-er WG zu einer tollen „kleinen“, multikulturellen Familie entwickelt. Wenn ich jemanden zum Reden brauche, weiß ich, dass immer jemand da ist, der mir zuhört. Und auch wenn es kleine Streitigkeiten gibt, meisten über die Sauberkeit der Küche, weiß ich, dass ich mich auf die Anderen verlassen kann und diese Tatsache hat mir das Ankommen in diesem fremden Land am anderen Ende der Welt ungemein erleichtert.
An sich über Neuseeland kann ich sagen, dass die meisten hier sehr offen und hilfsbereit sind und das hat mich in erster Linie überrascht, weil ich das aus Deutschland kommend nicht so erwartet hätte.
Die ersten Tage auf der Arbeit wurde ich zwar mit Informationen überflutet und ein bisschen ins kalte Wasser geworfen, aber mir hat es sehr gefallen, gleich mitarbeiten zu können, auch wenn meine erste Aufgabe eigentlich nur beobachten war und der Schatten der Housemanager zu sein. Allgemein wurde ich von allen gut aufgenommen, sei es Residents oder Kollegen. Beide haben mir den Einstieg in die Arbeit sehr leicht gemacht und mich super unterstützt, sodass ich sagen kann, dass mir die Arbeit von Anfang richtig viel Spaß gemacht hat, auch wenn ich nach einer Schicht ziemlich ausgelaugt bin. Weil ich keine Frühschichten habe, macht es mir auch nichts aus am Wochenende, wenn die Residents nicht zur Arbeit gehen, sondern zuhause bleiben, den ganzen Tag zu arbeiten, weil das eigentlich die viel aufregendere Zeit ist, da man wirklich den ganzen Tag Zeit hat, um mit den Residents etwas zu unternehmen. Allem in allem kann ich also zusammenfassen, dass ich mich sehr, sehr wohl in meiner Einrichtung fühle. Aber wie das nun mal in dem Beruf ist, wenn man mit Menschen mit Behinderung zusammenarbeitet, gab es natürlich auch schon Stolpersteine. Beispielsweise, ist eine der Residents sehr auf mich fixiert und rastet manchmal aus, wenn ich nicht da bin oder Zeit mit einem anderen Resident verbringe. Die Balance in solchen Momenten zu finden, fällt mir schwer, wird aber von Zeit zu Zeit besser und auch hier unterstützt mich mein Haus. Weiterhin ist es manchmal eine Herausforderung den Residents klar zu machen, dass ich nur eine Support-workerin bin und nicht ihr Freund, auch wenn wir viel Zeit miteinander verbringen. Ich hoffe, meine eigene Art zu finden, wie ich damit umgehe.  
Aber natürlich gab es auch schon Highlights, dutzende, wenn nicht sogar mehr, diese führen dazu, dass die Stolpersteine nicht mehr ganz so stolperig aussehen. Ich könnte hier jetzt wirklich viele Highlights auflisten, aber im Groben lässt sich zusammenfassen, dass es schön ist, zu sehen, dass man Teil von einer ganz tollen Gemeinschaft ist und der Lern- und Entwicklungsprozess beidseitig stattfindet. Das sind dann auch meine Erwartungen für das nächste Jahr, dass der Lern- und Entwicklungsprozess weitergeht und ich mit vielen neuen Errungenschaften zurück nach Deutschland komme und weiterhin in einem so entspannten Arbeitsklima arbeiten kann.
 

Bis dann, Bianca!
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