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Die Dinge offen auf sich zukommen lassen anstatt sie tot zu denken, dass ist eine wichtige Lektion die ich hier schon gelernt habe.

Name:MariaEinsatzstelle:Hohepa, Clive, Neuseeland IJFDInhaltliche Ausrichtung:Anthroposophische Einrichtung für Menschen mit Behinderung; Workshops

Nach einem aufreibenden 40 Stunden Flug, der unnötigerweise auch noch Verspätung in Dubai hatte, bin ich am Sonntag um 22 Uhr lokaler Zeit in Napier angekommen. Ich war etwas besorgt, dass ich den  für mich zuständigen Hohepa-Mitarbeiter, nicht erkennen würde, weil ich schließlich nur einmal kurz mit ihm geskypt hatte, aber das war kein Problem, da sowieso nur etwas drei Leute am Flughafen gewartet haben. Er ist dann mit mir nach Clive auf die Farm gefahren. Da war tatsächlich noch ein bisschen was los. So waren zwei weitere Freiwillige noch wach um mich zu begrüßen und mir mein Zimmer zu zeigen, dass sie vorher für mich sogar noch hergerichtet hatten. Dieser Zusammenhalt unter uns Freiwilligen hat mir in der ersten Phase meiner Eingewöhnung am meisten geholfen. Es ist wirklich gut immer jemanden in der Nähe zu haben mit dem man reden kann und der evtl. die gleichen Probleme hat.


Am Montag wurde ich dann auch gleich ins Geschehen geworfen. Wir sind in die Stadt gefahren um ein Konto zu eröffnen und zum Supermarkt zu fahren. Ich bin dann auch gleich das Auto gefahren, dass wir den vorherigen Freiwilligen abgekauft hatten - das erste Mal Linksverkehr und das erste Mal Automatik und das mit Jetlag! Die Koordiantorin für die Freiwilligen in den Workshops ist mit uns gefahren und hat uns ein paar sehr gute Tipps gegeben und ein bisschen die Stadt gezeigt. Sie ist eine sehr große Hilfe bei allen möglichen Fragen und Anliegen, die wir haben.
Am Dienstag ging für mich die Arbeit auch schon los, weil die beiden Freiwilligen des Vorjahres nur noch in dieser Woche arbeiten würden und es so einfacher war uns in der Cheesery einzuarbeiten. Direkt mit der Arbeit anzufangen hatte Vor- und Nachteile. Einerseits hatte ich dadurch keine Zeit erst mal das Gelände und die Umgebung zu erkunden - erst jetzt nach über einem Monat habe ich es geschafft mir die Workshops einmal anzusehen, andererseits habe ich so meinen Jetlag ziemlich schnell überwunden.
Nach 1,5 Monaten hier habe ich meine Alltagsroutine gefunden. Dadurch dass die Mitarbeitenden auf der Farm und in den Workshops alle noch ziemlich jung sind, haben wir schnell Anschluss gefunden. Auch die offenherzige Mentalität der Neuseeländer ist da eine große Hilfe. Jeder hier lädt einen zum Barbecue, auf einen Angelausflug etc. ein. Alle freuen sich dich kennenzulernen und gehen ganz offen auf dich zu.
Das ist auch der Grund warum ich froh bin in Clive in der „Adult Community“ zu arbeiten. Sobald wir uns eingelebt hatten fingen wir natürlich auch an unsere Situation mit der der anderen Freiwilligen zu vergleichen. Das Beste an der Arbeit auf der Farm und in der Cheesery ist, dass man viel an der frischen Luft ist, sehr viel neues über die Herstellung von Käse, Quark etc. lernt und natürlich dass man direkt an der Nahrungsquelle sitzt. Das Gemüse für unser Mittagessen können wir uns frisch vom Feld holen, unsere Milch können wir uns einfach direkt nach dem Melken abfüllen. Gesünder geht es gar nicht.
Das Taschengeld, welches wir  kriegen, reicht gut um sich mit Nahrungsmitteln einzudecken, sind aber zu wenig um Benzin zu bezahlen. Clive liegt etwa zehn Kilometer von Hastings und Napier entfernt und damit auch zehn Kilometer vom nächsten brauchbaren Supermarkt. Entfernungen sind hier in Neuseeland anders als in Deutschland. Es kommt nicht selten vor, dass die nächste Tankstelle vier Stunden oder mehr entfernt ist und zwei Stunden lang kein Auto vorbei kommt.
Die Arbeit selbst ist doch etwas anders als erwartet. Der Kontakt zu den „Residents“, den Menschen mit Behinderung, die auf der Farm arbeiten, ist nicht so intensiv. In der Cheesery kann es auch gut vorkommen, dass man den ganzen Tag keinen Resident um sich hat. Die Residents mit denen man dann zu tun hat sind in der Regel sehr selbstständig und brauchen kaum Hilfe. Der Unterschied zur Arbeit in den Workshops könnte kaum größer sein. Während wir auf der Farm und in der Cheesery uns körperlich anstrengen ist die Arbeit in den Workshops oft wohl eher eine mentale Herausforderung. Die Regelung, dass die Freiwilligen in einem der Häuser Dinner essen finde ich deshalb besonders gut. So kriegt man etwas mehr Kontakt zu den Residents und den Mitarbeitern, die man sonst nie auf der Farm sieht. Man bekommt einfach ein vollständigeres Bild von Hohepa als Organisation.

Das ist auch mein Anliegen für die kommenden Monate: mich weiter bei Hohepa einbringen, mehr über die Strukturen hier lernen und möglichst viele Aspekte der Arbeit hier entdecken. Und abgesehen davon meine Zeit hier genießen! Die Mentalität der Neuseeländer ist ansteckend. Die Dinge offen auf sich zukommen lassen anstatt sie tot zu denken. Das ist eine wichtige Lektion die hier schon gelernt habe.

Viele Grüße,
Maria

 

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.