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weltwärts in Ghana

In der zwölften Klasse saß ich im LK Sozialwissenschaften im Computerraum unserer Schule. Wir sollten uns über die Arbeit von bmz und gtz in Mali informieren. Auf der Seite des bmz leuchtete oben ein buntes Banner, auf dem die Worte „weltwärts“ und „Freiwilligendienst“ standen.

Name:Saskia A.Einsatzstelle:Kwansakrom Junior High School, Agona Swedru, GhanaInhaltliche Ausrichtung:Bildung

Ich habe mir den Link gemerkt, damit ich ihn mir später zu Hause würde angucken können. Einen Moment später kam meine Lehrerin zu mir und sagte: „Saskia, klick da mal drauf. Das ist was für Dich.“
Und obwohl ich zunächst gar nicht nach Afrika, sondern am liebsten nach Nicaragua wollte, bin ich so in Ghana gelandet. Und da fing die Geschichte dann an.

Nach meinem Abi bin ich also nach Ghana gekommen und stand plötzlich auf der anderen Seite des Lehrerpultes – nur ohne Pult. Ich durfte mir aussuchen, was ich unterrichten wollte, und habe mich dann für Mathe und Computer entschieden. Mathe war toll – da habe ich in der 7. Klasse zuerst mal geschaut, auf welchen Stand die Kinder waren. Und dabei festgestellt, dass sie zwar grundsätzlich viel wussten, verschiedene Rechentechniken kannten, aber dass sie diese nur auswendig gelernt hatten und ihnen die Grundlagen fehlten. Also habe ich mich entschieden, ganz am Anfang anzufangen: Bei den vier Grundrechenarten. Dabei habe ich meinen Unterricht ansatzweise so gestaltet, wie ich es aus der Schule kannte, musste aber auch ganz schnell Dinge ändern und mich den Kindern anpassen. In der Regel wird in der Schule nämlich Frontalunterricht gehalten. Das heißt, der Lehrer steht vorne und erzählt etwas, liest vielleicht aus einem Buch vor und schreibt am Ende etwas an die Tafel, und die Schüler sitzen still und hören zu. Dementsprechend schwierig war es natürlich, den Kindern beizubringen, dass es nicht schlimm war, wenn ich sie an die Tafel rief, und dass sie so viele Fragen stellen durften, wie sie wollten. In Endeffekt war der Unterricht dann nicht so interaktiv, wie ich mir das vorgestellt hatte, aber es dauerte gar nicht lange, bis ich die Kinder mit ausgebreiteten Armen von der Tafel zurückhalten musste, weil sie so gerne ihre Ergebnisse anschreiben wollten. Es war echt toll und das Unterrichten hat mir großen Spaß gemacht.

Ich habe in einer Gastfamilie gewohnt: Es gab eine Mutter und einen erwachsenen Sohn. Der hat an der Uni in der Nähe Kunst studiert und war nur selten zu Hause. Ich hatte mein eigenes Zimmer, ein großes Bett und einen Kleiderschrank. Wenn es geregnet hat, lief das Wasser immer an einer Stelle die Wand entlang auf den Boden, wo sich dann große Pfützen gebildet haben. Das hat mich zunächst nicht weiter gestört, ich habe das Wasser einfach mit einem Kehrblech in einen Eimer geschippt und in die Dusche geschüttet. Estrich ist eben äußerst pflegeleicht. Irgendwann jedoch war die Wand so feucht, dass sich große Schimmelflecken gebildet haben, und ich wollte dort nicht mehr bleiben. Meine Gastmutter hatte dann die Idee, dass ich in die Garage ziehen könnte. Nun klingt das zunächst etwas hart, aber das täuscht. Die Garage war direkt am Haus und hatte eine ganz normale Holztür zum Wohnzimmer hin, sie war groß und hell (es gab Fenster) und die ganzen Sachen, die vorher darin gelagert wurden, konnte ich in mein altes Zimmer räumen. Noch am selben Tag habe ich mich geärgert, dass ich nicht früher umgezogen bin.

Während des Jahres in Ghana war es toll, verhältnismäßig wenig Pflichten zu haben. Wenn die Schule vorbei, die Hausaufgaben kontrolliert und der Unterricht für den nächsten Tag vorbereitet waren, konnte ich im Garten sitzen und lesen, in Ruhe meine Kleidung waschen und dazu Musik hören, oder in die Stadt fahren um etwas zu kaufen, ins Internet-Café zu gehen oder mich irgendwo hinsetzen, etwas trinken und mit Freunden reden.
Am Wochenende konnte man einfach spontan verreisen: an den Strand oder in den Regenwald oder einfach irgendwohin. Ich habe manches Mal meinen Rucksack gepackt und mich in einen Tro-Tro (Kleinbus) gesetzt, um erst während der Fahrt in den Reiseführer zu schauen und zu überlegen, wohin genau ich reisen wollte. Diese Freiheit habe ich sehr genossen.

Ich hatte ein wunderschönes Jahr in Ghana, in dem es selbstverständlich auch ein paar unangenehme Momente gab. Jeden Tag hatte ich die Sonne über mir, nette Menschen um mich und häufig das Meer in Reichweite.
Ich werde ganz bestimmt noch mal hinfahren, vielleicht zum Urlaub, vielleicht aber auch noch mal für ein paar Monate.

 

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