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weltwärts in Ghana

Warum habe ich mich vor ca. einem Jahr entschieden weltwärts zu gehen?

Meine größte Motivation war in ein sogenanntes Entwicklungsland zu gehen, um die Menschen dort zu unterstützen und in gewisser Weise „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu leisten.

Name:Lisa S.Einsatzstelle:Primary- and Preschool teaching and motivation, Agona Swedru, GhanaInhaltliche Ausrichtung:Bildung

Ich hoffte meine Ideen im Unterricht oder in einem Waisenhaus einbringen zu können und so den Alltag dort ein kleines Stück anders – um nicht zu sagen „besser“ - zu gestalten. Und so vielleicht auf lange Sicht etwas zu verändern. Zum anderen wollte auch ich selbst viel von einem solchen Aufenthalt mitnehmen und eine andere Kultur kennenlernen. Aber auch meine eigene Kultur und Lebensweise den Menschen vor Ort näher bringen, sodass ein Kulturen Austausch stattfindet.

Tatsächlich habe ich vielmehr mitgenommen, als ich selbst gegeben habe! Dieses Jahr war vor allem ein Jahr für mich selbst: Eine große Chance und ein Lernprozess.

Ich habe in Agona Swedru, im Süden Ghanas, gewohnt und gearbeitet. Mein Tag in der Schule begann um ca. 7:30 Uhr. Die erste halbe Stunde fegen die Schüler vor allem den Schulhof und machen ihre Klassenzimmer, sofern das noch nicht geschehen ist, für den Unterricht sauber. Nach dem Assemble um 8:00 Uhr gehen alle in ihr Klassenzimmer. Mein Weg führte mich also in das Zimmer der 1. Klasse, die ich über das Jahr in I.C.T. und Creative Arts unterrichtet habe. Bei 50 – 60 anwesenden Schüler_innen, von denen sich nicht alle gut in Englisch verständigen, war das nicht immer einfach, aber es hat mir großen Spaß gemacht.

Abgesehen von meinen wenigen Wochenstunden, die ich selbst unterrichtet habe, habe ich den Schüler_innen bei ihren Aufgaben geholfen. Ob von der Tafel abschreiben, Aufgaben noch mal erklären oder die Schüler_in auf Fehler hinweisen, während dieser Zeit hatte ich meistens einiges zu tun! Sobald der Lehrer dann weiter unterrichtete, verbesserte ich die Übungsaufgaben. Neben diesen Tätigkeiten konnte ich auch immer eigene Ideen zum Tagesablauf einbringen, die von dem Klassenlehrer auch immer mindestens ausprobiert wurden. Zum Abschluss des Schultages galt es dann noch beim Hausaufgaben abschreiben helfen oder, sofern ich das letzte Fach hatte, selbst welche geben. Nach dem Assemble um 15 Uhr, hatte ich für den Rest des Tages dann Freizeit.
Dann hieß es für mich erst einmal nach Hause zu gehen, um Mittag zu essen. Danach hatte ich Freizeit bis Abends, die ich meist nutzte, um Erledigungen zu machen, zu waschen, ins Internetcafe zu gehen oder Freunde zu treffen.
Den meist etwas kurzen Abend verbrachte ich häufig damit zusammen mit meiner Gastmutter und / oder Gastschwester Fernseh zu schauen. Bereits um ca. 21  Uhr vielen wir aber oft schon müde ins Bett.

Das Wohnen in einer Gastfamilie konnte sehr schön, spannend und lehrreich sein. Genauso hatte ich aber auch schwierigere Zeiten, in denen ich aber trotzdem viele Erfahrungen mitgenommen und sicherlich genauso viel gelernt habe. Egal ob Probleme aufgrund kleiner Missverständnisse aufgrund der Sprache oder kultureller Unterschiede entstanden, im Endeffekt habe ich alle Situationen gemeistert und bin sehr froh die Erfahrungen gemacht haben zu dürfen in einer Gastfamilie zu leben.

Bei der Einsatzstelle wird vor allem Selbstinitiative verlangt. Es gibt keine spezielle Anleitung, aber trotzdem oder gerade deswegen hat man Möglichkeiten sich einzubringen! Dies macht die Arbeit aber auch zu einer Herausforderung, der man sich durchgehend motiviert stellen muss. Der Arbeitswille muss von dem/r Freiwilligen selbst kommen, ansonsten kann es vorkommen, dass er /sie denkt nichts zu tun zu haben und sich zu langweilen.
Bei allen Problemen konnte ich immer eine Ansprechperson meiner Organisation in Ghana anrufen. So war jederzeit ein Treffen möglich bei dem über Probleme gesprochen und diese so beseitigt werden konnten. Außerdem hatten wir zu Beginn alle zwei Wochen ein Mentorenmeeting, bei dem wir alle kurz erzählten, wie es uns gerade geht. Dies war für mich jedoch nicht unbedingt notwendig, denn bei größeren Problemen, konnte ich, wie erwähnt, immer bei meiner Mentorin anrufen und musste Probleme somit auch nicht vor der ganzen Gruppe ansprechen.

Meine wichtigsten Erfahrungen in meinem Jahr in Ghana?
Eine meiner tollsten Erfahrungen war es ganz bestimmt zum ersten Mal völlig alleine vor einer Klasse zu stehen und zu versuchen mich durchzusetzen, die Schüler_innen zu beschäftigen und ruhig zu halten.
Ich habe sehr viel mitgenommen, wenn ich meinen Schwestern bei der Hausarbeit geholfen habe. Jeden Tag früh aufstehen, fegen, Wasser holen, meine Kleider waschen, beim Kochen dabei sein oder mal selbst versuchen zu kochen, waren wichtige Erfahrungen für mich.
Und natürlich war meine erste, kleine Wochenendreise alleine sehr aufregend! Wie funktioniert eigentlich das Tro Tro fahren? Woher weiß ich, wo es hinfährt und vor allem wo ich genau aussteigen muss? Das erste Mal Essen aus dem Tro Tro zu kaufen, ganz vorne zu sitzen und die Fahrt über, wie im Kino, gespannt nach draußen zu schauen und versuchen alle Bilder aufzusaugen, war sehr beeindruckend!

Sicherlich gibt es sehr viele Situationen, die ich nie vergessen werde; schwierige Situationen, die ich meistern konnte, einige die ich im Laufe des Jahres anders zu deuten gelernt habe und Situationen, die mich selbstbewusster gemacht haben.

Ich hoffe, dass ich Vieles was ich aus meinen Erfahrungen gelernt habe, anwenden kann und beibehalten werde. Vieles wird sich sicher erst in der Zukunft zeigen, gerade auch im Umgang mit Schülern - als Lehrerin, Nachhilfelehrerin oder Coach werde ich hoffentlich oft auf meine Erfahrungen in Ghana zurückgreifen können.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.