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weltwärts in Ghana

Freiwilligendienst. Ich kann und will euch nicht die Entscheidung dafür oder dagegen abnehmen. Als ich in der Situation war, bin ich mit dem idealistischen Ansatz an diese Entscheidung herangegangen, Menschen, denen es schlechter geht als mir selbst, zu helfen.

Name:André S.Einsatzstelle:ICT Instructor in a Senior High School, Agona Swedru, GhanaInhaltliche Ausrichtung:Bildung

In meinem Fall stand am Anfang der Zwang Wehrdienst zu leisten, den ich aber nicht als den richtigen Weg ansehe. Nach meiner Anerkennung als Zivildienstleistender hatte ich vielfältige Optionen und meine Eltern hatten mir gesagt, dass ich auch Freiwilligendienst im Ausland leisten könnte, den ich als sehr interessante Form des Zivildienstes ansah.

Nach der Bewerbung, etwas Glück beim Auswahlverfahren und den beiden gut gestalten Vorbereitungsseminaren der ijgd saß ich dann auch schon mit anderen Freiwilligen im Flugzeug Richtung Accra, wo ich von Henry, einem Mitarbeiter der Organisation ARA herzlich begrüßt wurde.
Dann ging es zum Einführungsseminar in eine Pension am Stadtrand von Accra, das Meer direkt vor der Haustür. Diese Seminar war mindestens genauso gut gestaltet wie die Seminare der ijgd und war für mich ein willkommener Start im Gastland.
Die Verständigung im Land ist kein Problem, da jeder der etwas Schulbildung genossen hat Englisch spricht. Wenn man als Freiwilliger der lokalen Sprache mächtig ist sorgt man aber immer für offene Ohren, einen Lacher, Anerkennung, also allem was man braucht um in Kontakt mit Einheimischen zu kommen.
Nach dem Einführungsseminar sind wir dann mit Henry nach „Swedru“, der Hauptstadt des Districts „Agona“ gefahren. Er hat mich auch meiner Gastfamilie vorgestellt. Ich hatte mit 34 und 32 Jahren junge Gasteltern. Sie hatten einen 12-jährigen Sohn, eine 5-jährige Tochter und noch ein kleines Baby. In dem Haus meiner Gastfamilie wohnten des weiteren der Bruder meiner Mutter, das Patenkind der Mutter meiner Gastmutter und zwei Haushaltshilfen. Ich bekam ein eigenes Zimmer in ihrem Haus, das sich in einem hübschen Compound am Stadtrand befand.
Nach, meines Erachtens, zu langer Zeit wurde mir von Henry meine Einsatzstelle gezeigt. Den darauf folgenden Tag hatte ich auch schon einen Termin mit dem Kopf der Business-Abteilung „Miss Jemima“, die mir dann etwas mehr über die Schule im allgemeinen, den organisatorischen Einheiten und die grundlegenden Prozessen erklärte. Durch Zufall und Glück traf ich auch Sowa, einen der drei Informatiklehrer der Schule. Von ihm erhielt ich noch zusätzliche Informationen. Er unterrichte über die Themen des Lehrplans und gab mir weitere Informationen über den Schulalltag.
„Die Swedru School of Business“ ist eine „Senior Secondary School“ die man mit der Oberstufe der Allgemeinbildenden Schulen in Deutschland vergleichen kann. Die Schule besuchen insgesamt circa 1300 Schüler. Es gibt ein Computerkabinett mit 16 von den Schülern benutzbaren PCs. Es werden Schüler von der zehnten bis zur zwölften Klasse ausgebildet. Die Klassenstufen nennen sich Form 1 (zehnte Klasse) bis Form 3 (zwölfte Klasse). Allerdings wird das im Schuljahr 2010/11 geändert. In diesem Jahr gibt es neu eine Form 4 (13te Klasse). In der Form eins werden in ICT (Informatikunterricht) grundlegende Themen wie Informationsverarbeitung, Geräte der Informationsverarbeitung, Daten und Informationen, Hardware und Software besprochen. Der Unterricht erfolgt in der Form 1 sehr theorielastig, da es nur ein Computerkabinett gibt. Die Form 2 erhält eine praktische Unterweisung in der Benutzung des Betriebssystems Windows XP,  des Wordprozessors Microsoft Word und der Benutzung des Internets. In der Form 3 wird die Tabellenkalkulations-Software Microsoft Excel und die Präsentations-Software Microsoft Powerpoint geschult. Das kann sich allerdings durch die neue Form 4 ändern. Als Lehrer hatte ich Ferien, genau wie Schüler. Allerdings hatte ich nicht die kompletten Ferien wirklich frei. Oft waren in den Ferien Prüfungen zu korrigieren und Berichtsblätter auszufüllen.
Nach der Fülle an Informationen, die ich von meinen beiden Lehrerkollegen erhalten habe, ging ich zufrieden nach Hause. Zu dieser Zeit waren allerdings immer noch Schulferien und so vergingen noch ein paar Wochen bis ich dann vor meinen Schülern stand. In der Zeit dazwischen lernte ich auch irgendwann Roscheed (Spitzname Bishop), meinen direkten Ansprechpartner im Projekt kennen. Ich sollte eigentlich mit Ihm gemeinsam unterrichten. Wir haben uns dann allerdings fast nie gemeinsam vor die Schülern einer Klasse gestellt. Alleine geht das wirklich einfacher :-).  Ich unterrichtete eine Form 1er Klasse und drei Form 2er Klassen. In einer Klasse sind 50 bis 60 Schüler. Also betreute ich insgesamt circa 200 Schüler. Insgesamt unterrichtete ich zehn mal 40 Minuten pro Woche. Die komplette Arbeitszeit bestand aber nicht nur aus unterrichten. Da kam noch Unterrichtsvorbereitung, Testausarbeitung und Korrekturen dazu. Außerdem konnte ich durch meine Ausbildung als Fachinformatiker auch im Computerkabinett helfen. Aufgaben wie Computer zu reparieren und zu installieren, ein Netzwerk aufbauen und eine ADSL Internetverbindung einzurichten gehörten zu meinen Aufgaben.
Der dritte Informatiklehrer im Bunde war übrigens Edwin. Er ist Spezialist in computergestützten Design (ich habe manchmal Bauklötzchen gestaunt) und ist ein echt korrekter Typ.
Die Partnerorganisation ARA hat meinen Aufenthalt gut gestaltet. Sie hat sich speziell in der Anfangszeit gut um uns Freiwillige gekümmert. Je länger mein Aufenthalt dauerte, desto mehr habe ich mich dort wo ich war Zuhause gefühlt. Später bin ich dann mit den Problemen die auftraten, nicht mehr zu Mitarbeitern von ARA gegangen, sondern habe sie, wie ich es auch hier in Deutschland mache, selber gelöst. Das war der Weg der am schnellsten, zuverlässigsten und besten funktionierte.
Obwohl ich gut in mein Projekt eingebunden war und den anderen Informatiklehrern etwas Arbeit abnahm, denke ich nicht, dass ich die Welt verbessert habe. Im Nachhinein denke ich, dass mir das Jahr mehr gebracht hat als meinem Umfeld. Die Ansichten und Erfahrungen die ich dadurch gewann, haben meinen Horizont in die richtige Richtung erweitert. Sie helfen mir bewusster zu leben, und auch in vielen Themen über den Tellerrand hinaus zu sehen.

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