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weltwärts in Ghana

Nach Abschluss meiner Ausbildung zur Kinderkrankenschwester habe ich nach einer neuen Herausforderung gesucht. Das weltwärts Programm hat mir die Möglichkeit gegeben, meine erlernten Fähigkeiten unter anderen Lebensbedingungen anzuwenden und gleichzeitig eine neue Kultur kennen zu lernen.

Name:Katharina S-BEinsatzstelle:Medical and Health Assistance in Our Lady of Grace Hospital, Breman Asikuma, GhanaInhaltliche Ausrichtung:Gesundheit

Ich habe in einem katholischen Missionskrankenhaus in Ghana als Krankenschwester  gearbeitet.Während meines Aufenthaltes wurde ich auf allen Stationen des Krankenhauses eingesetzt und habe im Schichtdienst gearbeitet. Auf allen Stationen wurde ich ins Pflegeteam integriert und habe mich an den anstehenden Aufgaben, wie Arztvisite, Aufnahme von neuen Patienten, Blutabnehmen, iv. Zugänge legen und Medikamenteverabreichung, beteiligt.

Die längste Zeit habe ich auf der Geburtenstation gearbeitet; dort  habe ich viel dazu gelernt, indem ich unter Assistenz selbst Geburten durchführen durfte. Gleichzeitig konnte ich mich  sehr gut einbringen in der Versorgung der Neugeborenen und deren Mütter. Je länger ich im Krankenhaus war, desto mehr habe ich das Vertrauen der Krankenschwestern gewonnen und so wurde mir  häufig die Aufgabe zugewiesen, die auszubildenden Krankenschwestern anzuleiten und deren Leistung zu beurteilen.

Während des Jahres war ich in einer Gastfamilie untergebracht. Ich habe dort mein eigenes Zimmer gehabt und war  in das Familienleben integriert. Meine Gastfamilie war noch sehr den alten Traditionen verbunden, so hatte mein Gastvater zwei Frauen und ich hatte als Frau meinen älteren Brüdern zu gehorchen. Diese Familienstrukturen haben mich vor einige Probleme gestellt, da sie mir unbekannt waren. Es war aber interessant gleichzeitig einen sehr intensiven Einblick in deren Kultur und  Gesellschaftsstrukturen zu bekommen. 

Meinen Alltag habe ich automatisch den örtlichen Gegebenheiten angepaßt. Mit Sonnenaufgang und dem ersten Hahnenkrähen bin ich aufgestanden, habe mein Zimmer gefegt und dann Wasser aus dem im Innenhof stehendem Brunnen geschöpft. Nach getaner Hausarbeit habe ich mich auf den Weg zum Krankenhaus gemacht. 

Da ich im Schichtdienst gearbeitet habe, gestaltete sich meine Freizeit immer unterschiedlich. Je nachdem in welcher Schicht ich eingeteilt war, bin ich nach der Arbeit noch auf den Markt gegangen um Ghana-typische Stoffe zu kaufen, die ich dann zum Schneider gebracht habe. Die Schneiderin schneiderte mir daraus diverse Kleidung. An anderen Tagen habe ich Freunde besucht, die entweder wie ich freiwillig da gearbeitet haben oder dort lebten. Einmal in der Woche bin ich in die nächstgelegene Kleinstadt gefahren, um das Internet nutzen zu können und mich mit anderen Freiwilligen zu treffen. Mit Sonnenuntergang hatte ich meist zu Hause zu sein und saß dann nach dem Abendessen mit meinen Geschwistern vor dem Haus und habe mich unterhalten. Am Samstagmorgen wurde gewöhnlich gewaschen, und mittags habe ich an gesellschaftlichen Veranstaltungen wie Beerdigungen, Verlobungen oder Hochzeiten teilgenommen. Sonntags sind wir in die Kirche gegangen und konnten uns hinterher ausruhen.

Natürlich gibt es keinen Arbeitsalltag ohne Urlaub oder freie Tage. An freien Wochenenden habe ich Ausflüge in Ghana gemacht. Meinen Urlaub habe ich teilweise in Ghana, Bukina Faso sowie auch in Mali verbracht. Die Verständigung hat hauptsächlich auf English stattgefunden, doch habe ich mir schnell einen gewissen Fantiwortschatz angeeignet, um vorallem mit den Patienten im Krankenhaus sprechen zu können. In der landesüblichen Sprache sprechen zu können, hat mir ermöglicht, mich besser in die Bevölkerung zu integrieren. Trotz sprachlicher Verständigung kam es zu Kommunikationsproblemen, da ich  mich erst daran gewöhnen mußte, dass nicht alles so gemeint ist, wie es gesagt wurde, und das der Umgangston ein anderer ist und bitte und danke  nicht selbverständlich genutzt werden wie bei uns. So hatte ich vorallem zu Beginn meines Aufenthaltes Kommunikationsprobleme mit dem Projektmanager der Partnerorganisation. Nachdem die Probleme auf den eher unregelmäßigen vierteljährlichen Seminaren thematisiert wurden, hat sich die Kommunikation dann etwas verbessert. ARA hat sich immer Mühe gegeben allen Freiwilligen gerecht zu werden, doch mußte man sich darauf einstellen, lange zu warten. Die Organisation  war trotz einiger Unzuverlässigkeiten jeden Tag 24 Stunden lang zu erreichen. Auch wenn ich nach großen Anfangsschwierigkeiten keine Probleme bei der Arbeit hatte, hätte ich mich über einen Besuch auf der Station seitens ARA sehr gefreut. Die fehlende Anwesenheit von ARA wurde aber durch meine Vorgesetzten im Krankenhaus gebührend ausgeglichen. Die Pflegedienstleiterin sowie die Nonnen, das Management, die Stationsschwestern und auch die Ärzte waren immer um mich bemüht und haben mir so einen wunderbaren erlebnis-und-erfahrungsreichen Weltwärtseinsatz ermöglicht. Für die nächste weltwärts- Gruppe hat ARA seine Betreuungsstrukturen geändert. So wurden nun zusätzlich Regionalkoordinatoren eingearbeitet, die in der Nähe der Einsatzstellen wohnen und auch alle zwei Wochen sich mit den Freiwilligen treffen, um über aktuelle Erfahrungen und Probleme zu sprechen.

Ich war leider sehr oft mit dem Tod konfrontiert, vor allem von Kindern. Der Umgang mit dem Tod der Kinder ist mir zu Beginn sehr schwer gefallen. Zunächst habe ich an mir bemerkt, dass ich eine wertende Haltung gegenüber den Einheimischen und ihrem Umgang mit dem Tod hatte. Nachdem ich mehr und mehr mit der Kultur und den sozialen Lebensumständen vertraut wurde, konnte ich mich besser in die Gefühle der Menschen versetzen und ihre Haltung verstehen.  

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.