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weltwärts in Kenia

Schon während meiner Schulzeit habe ich mich sehr für den afrikanischen Kontinent interessiert, die Menschen, Kultur und Musik haben mich fasziniert. So bot sich ein Auslandsjahr nach meinem Abitur an. Durch Internetrecherche bin ich auf weltwärts gestoßen, dort fand ich eine große Auswahl an Projekten, die mich interessierten.

Name:Johanna L.Einsatzstelle:CIVS-06 Work with mentally and physically challenged children, City of Tala, KeniaInhaltliche Ausrichtung:Soziale Arbeit

Außerdem bestand bei weltwärts die Möglichkeit ein Jahr zu bleiben, was ich mir als Selbstzahler nicht hätte leisten können. Mein weltwärts Jahr habe ich in einem Heim für körperlich behinderte Kinder, die morgens nicht so weit zur Schule laufen können und deshalb in einem Heim direkt neben der Schule wohnen, in Misyani / Kenia verbracht.

Mein weltwärts-Jahr habe ich in einem Heim für körperlich behinderte Kinder, die morgens nicht so weit zur Schule laufen können und deshalb in einem Heim direkt neben der Schule wohnen, in Misyani / Kenia verbracht. In diesem Heim waren anfangs 16 Kinder, am Ende unseres Jahres waren es um die 30. Da das Heim einer Primary School angehört, leben dort Kinder im Alter von 5 bis 15 Jahren. Misyani liegt ca. 70 km nordöstlich von Nairobi, der Hauptstadt Kenias im ländlichen Gebiet der Kamba, einem der größten Stämme in Kenia.

Die erste Woche hatte ich mit ca. 20 Freiwilligen in Nairobi ein Einführungsseminar, das von unserer Partnerorganisation CIVS gestaltet wurde. Dort lernten wir auch die Stadt und die wichtigsten Regeln kennen, an die man sich in Kenia halten sollte. Danach ging es in Begleitung von einem Mitarbeiter von CIVS nach Misyani.
Im ersten Moment war ich geschockt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass dies nun für ein Jahr mein Zuhause sein sollte. Meine Projektpartnerin und ich waren direkt im Heim untergebracht und mussten uns ein ca. 10 m² großes Zimmer teilen. Die Wände im Heim gingen nicht bis unter die Decke und waren außerdem aus Sperrholz, sodass man alles hörte. Viel Privatsphäre sollte es das Jahr also nicht geben, das stand schon mal fest.
Der Beginn war hart. Vor allem, weil es so viele Dinge gab, die man anfangs nicht verstand. In erster Linie natürlich die Sprache (Kikamba) und die grundlegend andere Mentalität. Doch mit der Zeit sind mir insbesondere die Kinder immer mehr ans Herz gewachsen. Mit der Zeit gewöhnte ich mich an alles und bald störte es mich so gut wie gar nicht mehr, dass ich z. B. so wenig Privatsphäre hatte. Das lag bestimmt auch daran, dass ansonsten alles stimmte. Die Atmosphäre im Heim war ausgesprochen harmonisch, mit der Mum (Hausmutter) haben wir uns prima verstanden und das Verhältnis zu den Kindern wurde immer enger. Am Ende sollte es mehr als schwierig werden, Abschied vom Heim, den Kindern und der „Community“ zu nehmen.

Zu unseren täglichen Aufgaben gehörte unter anderem Kochen, Putzen, im Heimgarten mithelfen, Hausaufgaben Nachhilfe nach der Schule geben, mit den Kindern spielen und natürlich kreativ und eigenständig Aktionen planen (später hatten wir 2 Kinder im Heim, die nicht nur körperlich, sondern auch geistig behindert waren und eine Rundumverpflegung brauchten. Von da an gehörte Wickeln und Füttern auch zu unseren Aufgaben. So wurden neben dem täglichen Heimalltag eine Menge Lagerfeuer entzündet an denen gesungen, getanzt und Stockbrot gebacken wurde. Ballspiele wurden auf dem großen Gelände gespielt, das Mädchenbadezimmer wurde angemalt und gebastelt wurde u. a. zu Weihnachten.

Im Laufe der Zeit haben meine Projektpartnerin und ich von der Hausmutter sehr viel Verantwortung übertragen bekommen, was ich persönlich sehr gut fand, da ich mir so nützlich vorkam.
Zum Beispiel hatten die Klassen 6 – 8 auch in den Ferien ein paar Unterrichtsstunden. Da die Hausmutter allerdings auch mal Ferien haben und zu ihrer Familie wollte, hat sie uns mit diesen 6 Kindern die Ferien über im Heim gelassen.
Außerdem sind wir mit Kindern in Krankenhäuser, oder zu Arztterminen gefahren, wenn die Hausmutter gerade einen anderen Termin hatte.
Die Verständigung im Heim und auch in der Community lief mal besser mal schlechter. Die meisten Erwachsenen konnten Englisch und zu den Kindern fanden wir auch ohne deren Sprache fließend zu verstehen einen guten Draht. Was allerdings das Jahr hindurch immer wieder schwierig war, war das unterschiedliche Verständnis der Konfliktlösung. Die Probleme so direkt ansprechen, wie ich es von zuhause gewöhnt war, funktionierte in Misyani oft nicht und ich eckte damit immer wieder an. Mit der Zeit bekam ich mit, dass man dort nicht alles klären kann. Die Menschen sind es nicht gewöhnt mit dem Betroffenen offen zu reden, man muss ab und zu auch mal Dinge vergessen und so tun, als ob nichts gewesen wäre, ohne dass der Konflikt durch Reden komplett aus der Welt geschafft ist.
Die Betreuung durch CIVS während meines Jahres war immer gut. CIVS meldete und besuchte uns regelmäßig in unserem Projekt und wenn es irgendein Problem gab, bemühten sich alle dieses so schnell wie möglich aus der Welt zu schaffen, wenn auch oft in afrikanischem Zeitverständnis.

Die Betreuung vor Ort im Projekt war von Anfang an sehr fürsorglich. Die Hausmutter des Heimes hat uns gut in unsere Arbeit eingeführt, hatte immer ein offenes Ohr, wenn es Probleme gab und wurde in der Zeit auch für mich wie eine Mutter. Eine der wichtigsten Erfahrungen des Freiwilligendienstes war wohl die Erkenntnis, dass man auch mit sehr wenig auskommen und glücklich sein kann. Nach einem Jahr einfachen Lebens wozu z.B. gehörte, dass über dem Feuer gekocht wurde, weiß ich, dass ich auf die ganzen Luxusgüter, die zuhause auf mich warteten, gut verzichten kann und dass es mir nicht besser geht, wenn ich einen Computer mit Internet, eine warme Dusche, oder eine Waschmaschine habe. Mein Freiwilligendienst hat insofern Konsequenzen auf mein Leben, dass ich mir jetzt sicher bin, auch in meiner Zukunft mit behinderten Kindern arbeiten zu wollen. Außerdem nehme ich jetzt auch meinen Alltag anders wahr. Ich habe gelernt die Dinge lockerer zu sehen. Erstens weil ich in Kenia „wirkliche“ Probleme gesehen und zweitens dort gelernt habe, dass Lösungen sehr unterschiedlich aussehen können

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.