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weltwärts in Kenia

Vor 11 Monaten saß ich an just diesem Fleck auf meiner Couch und war geschockt, hielt ich doch den Brief ind Händen der mir glaubhaft versicherte all meine Bewerbungsbemühungen hätten Frucht getragen und es könne nun in Kürze los gehen: 1 Jahr, im fernen Ausland, bei unbekannten Menschen in einer fremden Kultur.

Name:Jonas M.Einsatzstelle:Work with mentally and physically challenged children, City of Tala, KenyaInhaltliche Ausrichtung:Soziale Arbeit

Was hatte mich dazu bewegt all den Aufwand zu betreiben um mein behaglich gestalltetes Nest zu verlassen, und,hat sich, nimmt man sich diese Gründe zur Bewertungsgrundlage, dieser Aufenthalt bezahlt gemacht?

Ziel 1, sieht die Welt aus einem anderen Blickwinkel anders aus?
 

Allein um die Antwort auf diese Frage zu finden hat sich für mein Dafürhalten die Reise gelohnt, zumal die Antwort mir in diesem Falle ausnehmend gut gefällt. So gibt es scheinbar schier unendlich viele Aspekte die aus beiden mir bekannten Blickwinkeln gleich oder sehr ähnlich wirken, Beispielsweise die Kultur des Alkoholkonsums, so wie die weit verbreitetet Vorliebe für das Verfolgen von Vereinsfußball in den Medien.Auf der anderen Seite scheint es ebenso viele Unterschiede zu geben, die Rolle der Religion oder Gepflogenheiten in der gegenseitigen Kontaktaufnahme zwischen den Geschlechtern beispielsweise. Unbegrenzt viele Gemeinsamkeiten und Unterschiede können entdeckt werden und verifizieren die Relativität und Subjektivität jeder Sichtweise.

Ziel 2, sich für Menschen einsetzen die wesentlich weniger Glück mit ihren Grundvoraussetzungen hatten als ich.
Das hat sehr gut funktioniert, wo ich am Anfang nicht wusste wie ich mich wirklich gewinnbringend einsetzen kann, den Eindruck hatte jeder Andere im Projekt arbeite mehr als ich und mir die Zeit manchesmal lang wurde, hatten wir uns am Ende so viele Aufgaben gesucht und Ziele gesteckt, das man eher aufpassen musste nicht zu viel zu machen und Prioritäten zu setzen.

Zur Zeit meiner Ankunft in Misyani verbrachten die geistig behinderten Kinder im späten Kindergarten-, frühen Schulalter, auf deren Entwicklung die Freiwilligenarbeit während meiner Anwesenheit das Hauptaugenmerk legte, den Vormittag in der Nursery und wurden wenig gefordert. Am Ende putzten sie jeden morgen die Zähne, halfen ihre Wäsche zu waschen, kleideten sich zusehends eigenständig und wurden immer mobiler, so das ein Junge der zu Beginn durch Krabbeln voran kam in absehbarere Zeit an einer Krücke wird laufen können. Am Vormittag gibt es jetzt Unterricht in einer Spezial-Klasse für geistig behinderte, am Nachmittag Physiotherapie und Sport und Spiel. Ausserdem müssen Besorgungen gemacht, das Abendessen vorbereitet und einige Kinder bei Toilettengängen und anderen Aktivitäten unterstützt werden.
Mein Alltag sah also so aus, dass ich morgens aufstand, meine Zähne putzte und mich dann den geistig behinderten Jungs widmete. Sie bekamen Hilfe beim Frühstücken und halfen dann im Gegenzug dabei ihr Geschirr zu spülen. Dann gingen sie zur Toilette und badeten, gefolgt von Eincremen (mit Vasiline, besonders an Kopf, Gesicht und Knien), Ankleiden und Zähneputzen. Hierbei brauchten sie alle viel Unterstützung, machten aber auch grosse Fortschritte in der Selbständigkeit. Dann frühstückten die Housemother, die andere Freiwillige und ich.Hernach wurde mit Hilfe der Kleinen deren Wäsche gewaschen. Anschließend ging es in die Spezialklasse bis zum Mittagessen. Diese wurde von einem Lehrer der Schule und den Weltwaerts-Freiwilligen zusammen gestalltet. Es ging vor allem um das Erlernen von Zahlen und Buchstaben sowie Übungen für Grob- und Feinmotorik. Nach etwa einer Stunde Zeit zum Ausruhen nach dem Mittagessen wurden am Nachmittag physiotherapeutische Übungen mit einigen Kindern durchgeführt, Sachen besorgt, eigene Wäsche gewaschen, das Abendbrot vorbereitet und dergleichen.Hierbei wurde viel in Englisch, gerade mit den kleineren Kindern aber auch in Kisuaheli gesprochen.
Es hat am Ende sehr gut geklapt auf die geistig behinderten Kinder zugeschnittene, beständige Angebote einzurichten und Eigenständigkeit ermöglichende Entwicklungen anzustoßen.

Ziel 3, persönliche Grenzen finden und auf Flexibilität prüfen.
Hierbei konnte ich Feststellen das ich im Bezug auf Einschränkungen des gewohnten Luxus im Alltag (Fehlen heissen Wassers zum Waschen von Wäsche, Körper und Geschirr, Fehlen einer Waschmaschine, weniger abwechslungsreiche Ernährung als gewohnt....) sehr unsensibel und Flexibel reagiere. Das Fehlen einer eigenen Rückzugsmöglichkeit, einer Privatsphäre so wie ich sie zu Hause kennengelernt hatte, machte mir allerdings zu schaffen. Im Projekt lebte ich mit den 23 Kindern, der Hauptamtlichen Betreuerin und einer anderen Weltwaerts-Freiwilligen zusammen in einem langen Haus mit Wellblechdach, das im Inneren in Hauptraum, Mädchen-, und Jungenschlafraum sowie jeweils ein kleines Zimmer für die “Housemother” und die zwei Freiwilligen unterteilt ist, allerdings nur mittels dünner Pressholzwände, die optische, aber kaum akustische Barriere sind.Ich konnte meine Grenzen im Bezug auf Konversation im Englischen und im Kisuaheli bedeutend erweitern.

Die Betreuung seitens CIVS war für mich ideal. Wann immer ich etwas zu besprechen hatte fand man Zeit für mich, nahm mich ernst und suchte nach Lösungen. Ähnlich erging es mir in der Zusammenarbeit mit den Leuten in der Einsatzstelle. Die nach und nach gefundenen und Erreichten Ziele sind auf Kooperation der dauerhaft hier Tätigen Personen mit den Freiwilligen zurückzuführen. Diese Erfahrung zu machen, etwas Derartiges für andere Menschen erreichen zu können wenn man sich dahinterklemmt, war wohl meine wichtigste Erfahrung während meines Freiwilligendienstes. Auch das Ertragen der langen Rückzugslosigkeit und das Reisen auf eigene Faust haben mich geprägt.

Inwiefern sich meine Erfahrungen in Kenia auf meine Leben hier auswirken kann ich noch nicht sagen, bisher bin ich noch beim Verdauuen, und einen Weg einzuschlagen steht mir noch bevor.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.