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weltwärts in Kenia

Hey!

Mein Name ist Michèle und ich war vom Juli 2008 bis Juni 2009 mit ijgd unter dem Programm „weltwärts“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) für ein Jahr in Kenia, Ostafrika.

Name:Michèle H.Einsatzstelle:CIVS-07 Support in Agriculture, Emining Region, KeniaInhaltliche Ausrichtung:Agrar/Umwelt

 Mein Projekt lief unter den Namen CIVS-07, „Emining Small Scale Farmers“, und war ein abgelegenes Dorfprojekt der örtlichen Partnerorganisation CIVS, Center for International Voluntary Service. Meine offizielle und primäre Aufgabe bestand darin, mich in der lokalen und gemeinschaftlich betriebenen Pflanzenaufzuchtsfarm zu betätigen.

Ich entschloss mich für das Programm „weltwärts“, da für mich schon immer feststand nach dem Abitur erstmal für ein Jahr ins Ausland zu gehen, hauptsächlich weil ich mich sehr für den Kontinent Afrika interessiert habe, mich sozial engagieren und selbstständiger werden wollte, sowie um andere „Lifestyles“ bzw. Kulturen kennen zu lernen.

Vorerst hatte ich mein Auslandsjahr als Freiwilligenjahr aus finanziellen Gründen auf Eis legen wollen, bis ich glücklicherweise über die Internetseite des Ministeriums und deren Programm gestolpert bin und die weiteren Prozesse soweit problemlos durchlaufen konnte.

Nachdem ich in Nairobi, der Hauptstadt Kenias, zu Beginn meines Aufenthaltes ein einwöchiges Einführungsprogramm durch CIVS vollzogen hatte, ging es für mich von der relativ modernen Großstadt in die entlegene, unbekannte Dorfgemeinschaft Emenings, das Wohngebiet der Tugen (einer der über 42 ethnischen Gruppen in Kenia). Dort wurde ich bei einer ansässigen Landwirtsfamilie untergebracht, die aktive Mitglieder der Pflanzenaufzuchtsfarm waren.

An normalen Tagen bin ich um 7.00 Uhr morgens aufgestanden, habe belegte Brote mit Tee zu mir genommen, bin dann von 8.00- 13.00 Uhr zur Arbeit, hatte eine Stunde Mittagspause und habe dann bis 17.00 Uhr weitergearbeitet. Während dieser Zeit habe ich z.B. Passionspflanzen gekreuzt, die Sprösslinge gegossen, umgetopft, Hecken gestutzt, etc.

Da es auf dem Land für ein geborenes Stadtkind generell ziemlich schnell langweilig werden kann, habe ich mich dann meistens nach der Arbeit noch an den Vorbereitungen der Frauen fürs Abendessen beteiligt und bin dann in regelmäßigen Abständen „schon“ um ca. 21.30 Uhr zu Bett gegangen, da es tagein, tagaus ab 18.30 Uhr dunkelte. Nach nur wenigen Monaten und guter Integration in die Gemeinschaft wollte ich ein bisschen Abwechslung in meinen beginnenden Alltagstrott bringen und entschloss,  zusätzlich dreimal die Woche Interessierten Deutsch zu lehren, um auch etwas persönliches meinerseits beizutragen.

Das anfängliche Interesse war sehr groß, der Andrang dann weniger, doch immerhin konnte ich vier „Stammschüler“ verzeichnen.

Anfangs war es auch ein wenig schwer sich in die Gemeinschaft zu integrieren, da es vielen der Einwohner schrecklich peinlich war mit mir in Englisch zu kommunizieren und sie stattdessen auf ihre zweite Amtssprache Kiswahili oder sogar ihre Muttersprache Tugen zurückgriffen und ich dazu „gezwungen“ war, mindestens eine weitere Sprache zu lernen. Was mir aber im Laufe der Zeit nicht mehr allzu schwer fiel und je größere Fortschritte ich vollzog, desto mehr Akzeptanz gewann ich innerhalb der Dorfkommune.

 Hatte ich ein Problem oder geriet in einen Konflikt der nicht mehr auf lokaler Ebene zu lösen war, konnte ich mich jederzeit an das CIVS- Team in Nairobi wenden, die meinen Sorgen gelauscht haben und für mich persönlich auch immer eine Alternative gefunden hatten. Und bestand es auch nur darin, dass ich mal in ein anderes Projekt reinschnuppern oder mir ein paar Tage frei nehmen wollte.

Im Großen und Ganzen haben sich alle meine Erwartungen während des Jahres erfüllt und ich habe gelernt, das Leben nicht immer allzu verbissen zu sehen, da einem so viele Möglichkeiten offen stehen und das es viel schlimmere Dinge gibt als eine verpasste Bahn, ein gestohlenes Fahrrad oder eine 6 in Mathe. Besonders wenn man der Armut, Korruption, Krankheiten, generell wahren Existenzproblemen gegenübersteht, realisiert man erst wie glücklich man sich schätzen kann hier ein relativ unbeschwertes Leben führen zu können.

Ich kann das“ weltwärts-Jahr“ nur wärmstens weiterempfehlen, doch man sollte sich im Voraus darüber klar sein, dass das Leben in einem Entwicklungsland KEIN Zuckerschlecken oder Urlaub ist und man generell eher ein sehr offener und toleranter Typ sein sollte!

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.