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weltwärts in Kenia

Nachdem ich meine Ausbildung als ErzieherIn abgeschlossen hatte, wollte ich die Chance nutzen, noch einmal etwas ganz Außergewöhnliches zu machen, bevor ich „richtig“ anfange zu arbeiten.

Name:Sonia K.Einsatzstelle:CIVS- 14: Njiru Zentrum (Unterstützung benachteiligter Kinder und Jugendliche)Inhaltliche Ausrichtung:Soziale Arbeit

Es war schon immer mein Traum, einmal eine längere Zeit im Ausland zu verbringen aber ich wollte damit auch etwas Sinnvolles verbinden und meine Erfahrungen als ErzieherIn mit einbringen und gleichzeitig weiter entwickeln. Mir kam die Idee, für eine Weile in die Entwicklungszusammenarbeit nach Afrika zu gehen und so stieß ich auf das weltwärts-Programm.

Zuerst scheute mich der Gedanke, mich für 11 ganze Monate zu verpflichten, noch ein wenig. Doch je mehr ich darüber nachdachte, für desto sinnvoller erachtete ich es, eine gewisse Kontinuität, gerade bei der Arbeit mit Kindern, zu haben. Außerdem könnte ich dann zumindest ansatzweise das „richtige Leben“ in meinem Gastland kennen lernen, statt dort nur einen kurzen Einblick zu haben.

Die Vorbereitung durch ijgd war absolut toll! Gemeinsam mit vielen anderen Freiwilligen nahm ich an zwei Vorbereitungsseminaren teil, die jeweils 5 Tage lang gingen und bei der es jede Menge Gelegenheiten gab, sich auszutauschen, Ehemalige und ReferentInnen aus den Gastländern kennen zu lernen und alle Fragen zu klären, die einem auf dem Herzen lagen. Wir wurden über die ganzen organisatorischen Abläufe informiert und gleichzeitig sensibilisiert zu Themen wie Entwicklungspolitische Zusammenarbeit und Vermeidung von rassistischer Sprache in Blogs etc. Zwar waren wir alle immer noch sehr nervös und aufgeregt und hatten Angst, irgendetwas ganz wichtiges vergessen zu haben, aber zumindest wurde das Programm absolut zuverlässig organisiert und wir konnten vertrauensvoll in die uns noch unbekannte Ferne aufbrechen.

In den ersten Monaten meines Freiwilligendienstes war ich – gemeinsam mit einer anderen Freiwilligen aus Deutschland – in einer Gastfamilie untergebracht. Wir hatten beide jeweils ein eigenes Zimmer, Mahlzeiten wurden jedoch gemeinsam mit der dreiköpfigen Familie – unserer Gastmutter in mittlerem Alter, deren Tochter, die in meinem Alter war, und deren dreijährigen Sohn – im Wohnzimmer eingenommen. Es war sehr hilfreich, in einer Familie zu leben, um sich an die Kultur und die Lebensumstände in Kenia zu gewöhnen. Da ich jedoch schon vor 8 Jahren zuhause ausgezogen war, fiel mir die Anpassung an das Familienleben schwer, so dass ich mit der Ausnahme-Erlaubnis der Partnerorganisation mit einer anderen Freiwilligen eine Wohngemeinschaft gründete.

Für die zweite Hälfte des Freiwilligendienstes waren wir also selbst verantwortlich für unsere Wohnung, für die Lebensmitteleinkäufe, für die Vornahme von Reparaturarbeiten in der Wohnung etc. Das war nochmals eine ganz andere Erfahrung, ich fühlte mich viel selbständiger und trat viel mehr in Kontakt mit der lokalen Bevölkerung. Schnell hatte man seinen Lieblings-Gemüseverkäufer, tauschte mit dem Wasser-Lieferanten (manchmal kam kein Wasser aus der Leitung, dann musste man den Tank füllen lassen) die Handy-Nummern aus und fühlte mich ein bisschen mehr integriert. Ohne die finanzielle Unterstützung von zuhause hätten wir uns den Luxus einer eigenen Wohnung jedoch nicht leisten können.

Zu Beginn war mir noch nicht ganz klar, welche Aufgaben ich in dem Kinderheim haben würde. Ich versuchte mich zunächst mit dem Unterrichten der Baby Class, den Kindern zwischen 3 und 6 Jahren. Die Kommunikation fiel jedoch sehr schwer, da die Kinder in diesem Alter noch kaum Englisch verstehen, Kiswahili ist hier die gängige Sprache, die ich aber bis zum Schluss nur schwer lernte. Später übernahm ich den Unterricht der älteren Klassen, wo ich mich ganz meinen Talenten entsprechend austoben konnte. Wir musizierten sehr viel (ich spielte auf meiner vor Ort gekauften Gitarre, während wir gemeinsam sangen), bastelten alles Mögliche aus Recycling-Material wie leeren Flaschen und verschönerten nach und nach die Klassenzimmer mit unseren kreativen Kunstwerken. An einem Computer, der im Haus der Einsatzstellenleiterin steht, brachte ich den Kindern Grundlagen in Word, Paint usw. bei. Ich initiierte einen einstündigen Deutschunterricht pro Woche, in dem die Kinder ein bisschen Deutsch lernten und eine Brieffreundschaft mit den Kindern aus dem deutschen Schülerhort, in dem ich vorher gearbeitet hatte, führen konnten.

Mit der Unterstützung von Freunden und meiner Familie konnte ich auch einige Spenden sammeln und Projekte in der Einsatzstelle umsetzen wie z. B. den Bau einer Dusche, die Verlegung von Stromkabeln und die farbliche Gestaltung des Schulgebäudes – gemeinsam mit den Kindern. Eine finanzielle Unterstützung der Einsatzstelle ist jedoch keinesfalls eine Voraussetzung, ich habe diese Dinge von mir aus umgesetzt. Auch ohne Geld konnte ich hier sehr viel Gutes tun.

Allgemein machte ich die Erfahrung, dass man sich ganz nach seinen Vorlieben in den Projekten einbringen kann. Die Kinder und Lehrer in meiner Einsatzstelle begegneten mir sehr wertschätzend und waren offen für meine Ideen. Gerade an den Nachmittagen, den Wochenenden oder in den Ferien sind die Kinder froh über abwechslungsreiche Beschäftigung oder auch Unterstützung bei den täglich anfallenden Arbeiten wie dem Waschen der Wäsche oder beim Kochen. Es gibt immer was zu tun ;-)

Ich machte mich meistens gegen halb neun auf den Weg zur Einsatzstelle. Mit dem Bus erreichte ich diese nach einer halben Stunde und wurde auf dem letzten Stück auf der Straße oft freundlich von Fremden begrüßt. In der Einsatzstelle begrüßte ich die Kinder und Lehrer und legte erst einmal meine Sachen im Lehrerzimmer ab. Dann fing ich entweder mit dem Unterricht an oder beschäftigte mich während einer Freistunde bzw. Pause mit den Kindern. Manchmal blieb ich auch einfach mal im Lehrerzimmer und tauschte mich mit den Lehrern über den neuesten Klatsch und Tratsch oder politische Themen aus. Zu essen gab es in der Einsatzstelle meistens Mais bzw. Reis mit Bohnen. Nach dem Unterricht konnte ich mir auch für Gespräche mit den einzelnen Kindern Zeit nehmen, nochmal ein Angebot für mehrere Kinder machen oder an einem Projekt weiter arbeiten. Gegen Nachmittag machte ich mich auf den Heimweg, damit ich auf jeden Fall vor der Dunkelheit zuhause war. Unterwegs kaufte ich Lebensmittel ein, die ich mit meiner WG-Partnerin zu einem leckeren (meist vegetarischen) Abendessen zubereitete. Abends saßen wir dann beisammen, spielten oder schauten uns englischsprachige Filme auf dem Laptop an.

Die älteren Kinder und Erwachsenen, die ich traf, sprachen alle fließend Englisch, so dass die Verständigung fast kein Problem war. Englisch ist die Amtssprache in Kenia, sie wird schon ab der Grundschule unterrichtet. Wenn es Kommunikationsprobleme gab, dann eher, weil mir das Vokabular fehlte, mich richtig auszudrücken oder andere zu verstehen.

Die Betreuung durch die Partnerorganisation und ijgd war einwandfrei. Wenn man ein Problem hatte, konnte man immer jemanden erreichen, der einem weiterhalf oder – wenn das nicht möglich war – sich die Probleme zumindest anhörte und einem einen guten Rat gab. Ich fühlte mich sehr gut aufgehoben und mit meinen Problemen ernst genommen. Ende November führte CIVS ein mehrtägiges Workcamp mit allen ijgd-Freiwilligen durch, was nochmal eine tolle Erfahrung war. Auch die regelmäßig stattfindenden Zwischenseminare trugen zu einem regen Ideen-Austausch bei.

Meine wichtigste Erfahrung war, dass ich während dieses Jahres wirklich über mich selbst hinaus gewachsen bin. Ich habe Projekte in der Einsatzstelle umgesetzt, andere motiviert, mitzuhelfen und sich zu engagieren und das Gefühl, etwas Positives zur Entwicklung der Einsatzstelle beigetragen zu haben. Das ist ein tolles Gefühl und macht selbstbewusst. Auch Freunde und meine Familie, die mich sehr unterstützt haben, haben mich teilweise sehr überrascht. Zum Teil waren sie anfangs sehr besorgt oder skeptisch, haben aber dieses Jahr mit mir gemeinsam „durchlebt“, mich besucht und in der Einsatzstelle mitgeholfen und sich dadurch auch ein wenig verändert. Ich habe auch gelernt, mich trotz Schwierigkeiten einmal durchzusetzen. Auch in Jahren werde ich sicher immer auf die gemachten Erfahrungen zurückgreifen und mich daran stärken können.

Ich habe eine andere Sicht auf die Dinge als vor meinem Freiwilligendienst, besonders in Bezug auf globale Zusammenhänge. Ich möchte mich auch weiterhin für meine Einsatzstelle engagieren und diese unterstützen. Die Erfahrung, in einem Kinderheim zu arbeiten, hat mich außerdem so geprägt, dass ich nun auch in Deutschland im Heimbereich arbeiten werde, auch wenn man die beiden Systeme schwer vergleichen kann. Ich kann das weltwärts-Programm und insbesondere die ijgd nur weiter empfehlen an alle jungen Leute, die sich persönlich weiter entwickeln und gleichzeitig etwas Gutes für andere beitragen wollen!

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.