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weltwärts in Kenia

Ich wollte nach meinem Abitur ins Ausland. Wohin und in welchem Zusammenhang war mir zunächst unklar, sodass ich nach langer Recherche im Internet mich für einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst („weltwärts“) in Kenia bei den „ijgd“ entschied. Denn in Europa bleiben wollte ich nicht, die USA oder andere Regionen kamen auch nicht in Frage.

Name:Büsra Ö.Einsatzstelle:CIVS-16 Bishop J Waichere Center SchoolInhaltliche Ausrichtung:Teaching Assistance

Ich wollte aus dem europäisch-westlichen Lebensstil herauskommen, wollte meinen Horizont erweitern, einen Perspektivwechsel erleben und neue Kulturen und Menschen kennenlernen. Also nahm ich nach der Zusage für die Einsatzstelle in Kenia in Maimahiu an den Vorbereitungsseminaren teil. Ich muss sagen, dass ich mit gemischten Gefühlen die Zusage entgegen genommen habe. Einerseits konnte ich mein Glück nicht fassen, andererseits hieß es auch, dass es bald nach Kenia ging. Die Endgültigkeit der Entscheidung machte mir Angst sowie das Unwissen, was mich dort erwarten würde.  Nach all den vielen Vorbereitungen -von Impfungen und Vorbereitungsseminaren bis Kiswahili lernen- saß ich dann tatsächlich im Flieger. Ich hatte 1000 Fragen im Kopf, die mir während der Vorbereitungsseminare zwar teilweise beantwortet werden konnten, aber die richtigen Antworten bekam ich dann tatsächlich vor Ort- in Kenia :) .

Die Ausreise war eigentlich einer der größten Schritte meines bisherigen Lebens. Der Abschied fiel mir gar nicht leicht, aber wie mein Vater so schön sagte „nichts ist einfach im Leben, meine Liebste…“.

Als wir in der Einsatzstelle ankamen war ich überwältigt von der Schule. Ich freute mich mein neues Zuhause und v.a. meine Schüler_innen kennenlernen zu dürfen. Ich erinnere mich genau wie wir im Auto des Bishops saßen und ins Rift Valley runtergefahren sind, an dem Viewpoint (von Nairobi ins Rift Valley hinunter) vorbei. Als wir dann in der Schule ankamen wurden wir unheimlich herzlich von den Schüler_innen empfangen! Es war ein Mittwoch-Nachmittag, die Schüler_innen kamen von der „Games-Time“ und die Sonne stand tief am Himmel. In großen Druckbuchstaben erschien dann an der blauen Schulwand die Aufschrift „Bishop J. Waichere Center School“. Es war sehr schön dort anzukommen. Es war so schön, dass ich mich an jedes Detail erinnern kann. Meine Unterbringung war sehr einfach: ein Zimmer mit einem Bett und einem Stuhl. Die Toiletten, Duschen und die Küche waren außerhalb bzw. auf dem Schulhof. Meine Unterbringung verlangte schon ein gewisses Maß an Anpassungsfähigkeit. Aber das ist auch eine Sache der Zeit, denn irgendwann war man beispielsweise nicht mehr auf fließendes Wasser angewiesen, weil man sein eigenes System entwickelt mit der Situation umzugehen. Das Essen wurde von der sogenannten „Matron“ zubereitet. Es gab eigentlich immer Tee, Githeri (Bohnen-Mais-Eintopf), Rice, Ugali na Sukuma (Maismehlbrei mit Gemüse)- zu Beginn nicht unbedingt lecker und verträglich gewesen, aber ab November/Dezember mochte ich das Essen :). Auch das gemeinsam Unterrichten und die Arbeitsprozesse in der Schule lernt man schnell kennen. Ich unterrichtete gleichaltrige bzw. ältere Schüler_innen in Englisch. Am Anfang fiel es mir gar nicht einfach, irgendwie war mein Englisch nicht ausreichend und ich wusste nicht wie ich unterrichten sollte. Aber die Schüler_innen waren sehr kooperativ und respektierten mich sehr. Sie lehrten mich und ich lehrte sie! :) Die Schüler_innen wurden für mich Familie und Freunde zugleich. Hatte ich ein Problem, konnte ich mich an meine „Siz“ (eine Schülerin) wenden und sie half mir. Das Wäsche waschen, lernte ich ebenfalls von ihr. Am Anfang wusch ich nur mit ihr; wir plauderten und lachten viel. Da ich nicht wirklich Kiswahili konnte, ging im Schulalltag viel Schul-Gossip an mir vorbei und meine „Siz“ berichtete mir dann davon. Geprägt hat mich so Einiges in Kenia, am meisten aber meine Schüler_innen und Begegnungen mit Menschen.

Maimahiu ist eine sehr trockene Gegend und das Wasser kam zunächst mit Eselskarren zur Schule und die Wasservorräte waren sehr knapp. Mit diesen Vorräten wurde gekocht, geduscht und gewaschen. Es ist machbar! Ab November hatten wir dann auch einen Wasserhahn auf dem Schulhof.

Ich stand eigentlich immer sehr früh auf, um meinen Unterricht vorzubereiten und bestens auf alle möglichen Fragen eingestellt zu sein; paukte noch schnell ein paar Vokabeln und unterrichtete zwei bis vier Stunden täglich. Während Klausurphasen erstellte ich zudem Klausuren und korrigierte sie auch. In meiner Freizeit war ich mit mir selbst, meiner Arbeit, dem Einkaufen oder den Schüler_innen beschäftigt. Erwähnt sei auch, dass Maimahiu eine sehr schöne Lage hat. Maimahiu ist nah an Nairobi, am Mt. Longonot, Narok und Naivasha und hinzu kommt noch, dass Maimahiu sehr gut zum Wandern ist!

Am Anfang erwähnte ich, dass ich vorher die Dimensionen des Lebens kennenlernen wollte, bevor ich beschließen würde was ich denn später mal „machen“ will. Ja, das Jahr hat diesen Beschluss positiv beeinflusst.

Es hört sich alles zwar einfach an, aber ich hatte auch so einige Tiefphasen. Aber ohne diese wäre das Leben ja auch sehr monoton :) .

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