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weltwärts in Togo

Während des Abiturjahres stellte sich – überraschenderweise - auch bei mir die Frage: Was nun? Auch wenn das gewünschte Studienfach bereits feststand, war ich tendenziell eher unmotiviert, sofort weiterzubüffeln und entschied: ersteinmal die Welt entdecken.

Name:Lilly B.Einsatzstelle:ASTOVOT-01 Teaching Assistance (English), Kpalimé, TogoInhaltliche Ausrichtung:Bildung

Auf der Suche nach einer bezahlbaren und interessanten Möglichkeit, die „reale“ Welt kennenzulernen (und nicht nur Touristenseiten) stieß ich dank einer Freundin auf das weltwärts-Programm des ijgd. Meine groben Richtlinien waren „Afrika“ und „Arbeit mit Kindern“ und so landete ich letztendlich als Assistenzlehrerin im Fach Englisch am Lycée Zomayi in Kpalimé, Togo, Westafrika.

Die Arbeit gestaltete sich als herausfordernd. Auch wenn ich sowohl Französisch und Englisch recht gut beherrschte, war es einigermaßen schwierig, innerhalb von Sekunden von einer Sprache in die anderes zu wechseln oder die eine Sprache auf der anderen zu erklären. Häufig kam es zu Situationen, in denen ich ein französisches Wort in einem englischen Satz verwendete und ein deutsches „alles klar?“ hintendranhängte. Aber mit der Zeit fing es sogar an Spaß zu machen, mit den beiden Sprachen zu jonglieren.

Nach kurzer Organisationszeit begann ich, zwei Lehrkräften zu folgen, einer Ghanaerin und einem Togoer. Die beiden gingen im Unterricht auf völlig unterschiedliche Weise mit mir als Freiwilliger um. Die Lehrerin gab mir von Anfang an kleine Aufgaben im Unterricht. Spontan wurde ich aufgefordert, eine Grammatik zu erklären oder für morgen ein paar Vokabelbeispiele vorzubereiten.

Im Gegensatz dazu schaute ich bei dem Lehrer anfangs nur zu und berichtigte hin und wieder Hefte seiner Schüler. Nachdem er mir dann erklärt hatte, wie Unterrichtsvorbereitungen sachgemäß zu schreiben seien (ja, auch in Togo gibt es Bürokratie) durfte ich den kompletten Englischunterricht in einer seiner Klassen übernehmen. Dabei war er (fast) immer anwesend, sorgte für Ruhe, kontrollierte vorher meine Zettel und übte hinterher sehr konstruktive Kritik aus.

Dass ich trotzdem so manches Mal verzweifelte, besonders wenn ich in Ausnahmefällen allein mit den Schülern war, ist dem Schulsystem und den Klassengrößen zuzuschreiben. Warum vorne aufpassen, wenn der Lehrer doch nur mitkriegt was die ersten drei Reihen machen? Warum sich nicht einfach mal in der Stunde die Fußnägel schneiden? Aber auch hier sorgte Übung für den Erfolg und am Ende bestand ein verhältnismäßig hoher Prozentsatz an Schülern die Abschlussprüfung und ich glaube, ganz unsympathisch war ich der Klasse auch nicht. Es hat also den Schülern anscheinend nicht geschadet, mich als Lehrerin zu haben und ich habe eine Menge dazugelernt. Geduld, etwas zum zehnten Mal zu erklären, Rücksichtsnahme auf die langsameren Schüler, aber auch Mut sich nach einer schlechten Stunde wieder vor die Klasse zu stellen, gehören zu meinen neu erlernten oder weiterentwickelten Eigenschaften.


Untergebracht war ich während der elf Monate in einer Gastfamilie. Meine Gastmutter bekochte mich so gut und reichlich, dass ich zwischendurch einige Kilo mehr auf den Rippen hatte. Besonders gern spielte ich mit dem Enkelsohn meiner Gasteltern, den ich bei seinen ersten Schritten und seinen ersten Worten begleitete. Die Verständigung mit sämtlichen Familienmitgliedern auf Französisch stellte grundsätzlich kein Problem dar, auch wenn durch Akzent und unterschiedliches Vokabelverständnis ein paar kleine Missverständnisse auftraten. Meine Gastfamilie ließ mir völlige Freiheit über meine Freizeitgestaltung. Den guten Mittelweg zu finden war gar nicht so leicht, so oft weggehen, wie ich es von zuhause gewohnt war oder Rücksicht auf meine Gastfamilie nehmen und am Wochenende im Hof bleiben? Ich versuchte weder das eine noch das andere zu übertreiben.

Besonders in Erinnerung werden mir auch einige „nicht-alltägliche“ Situationen bleiben, meine Reisen nach Ghana, Benin und in den Norden Togos, das muslimische Opferfest „Tabaski“ zu dem ein Freund uns in seine Familie eingeladen hat, Weihnachten bei 35°C. Mein Leben in Togo verlief unter anderem so gut, weil ich an meiner Seite viele andere Freiwillige hatten, die ähnliche Dinge erlebt hatten, sowie eine verlässliche Entsende- und Partnerorganisation.

Ganz in der Nähe meines Hauses lag der Hauptsitz von ASTOVOT. Wochentags konnte man dort immer vorbeischauen oder Probleme besprechen. Außerdem war es immer gut zu wissen, eine Organisation wie den ijgd im Rücken zu haben, die einen unterstützt und berät. Besonders geholfen haben mir die ausführlichen Rückmeldungen auf meine Quartalsberichte, die mir oftmals einen neuen Blick auf meine Situation ermöglicht haben. Trotzdem stand für mich an erster Stelle der Austausch mit den anderen Freiwilligen. Viele Situationen konnte ich so sofort reflektieren und bekam dabei Unterstützung von Freunden, die meinen Standpunkt verstanden.

Während meines weltwärts-Jahres hatte ich auf jeden Fall sehr viel Zeit über mich selbst und meine Zukunft nachzudenken. Ein Jahr in Togo zu leben, hat mir einige Unsicherheiten genommen. Ich habe mich getraut, einen Studienplatz in den Niederlanden anzunehmen und auf Englisch zu studieren, was ich vorher nicht in Betracht gezogen hatte. Außerdem habe ich ein noch größeres Interesse am Reisen entwickelt. Ich möchte sehr gern noch viele andere Länder innerhalb Afrikas sehen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu entdecken. Aber ich habe auch festgestellt, wie wichtig mir meine Familie und Freunde in Deutschland sind, und dass es mir sehr schwerfällt, sie für so lange Zeit nicht in meiner Nähe zu haben.

Mir ist auch bewusst geworden, wie wichtig Gesundheit für das Wohlbefinden ist und zermürbend es ist, jeden Tag wieder besorgt sein zu müssen, Malaria oder Amöben zu haben.
Rückblickend kann ich sagen, dass es ein sehr aufregendes und interessantes Jahr war. Ich habe eine Menge erlebt und gelernt und möchte diese Erfahrungen nicht missen, aber ich weiß nun auch, an welchen Punkten ich an meine Grenzen stoße und nicht mehr weiterweiß.

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