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weltwärts in Togo

Hallo, ich heiße Nele und habe in Togo, genauer in einem kleinem Bergdorf namens Agome-Tomegbe, gelebt und gearbeitet. Die togoische Freiwilligenorganisation ASTOVOT platzierte mich in dem Projekt ASTOVOT 05, als Assistenzlehrerin für Englisch im örtlichen College (Mittelschule).

Name:Nele S.Einsatzstelle:ASTOVOT-05 Teaching Assistance (English), Kpalimé, TogoInhaltliche Ausrichtung:Bildung

Schon seit geraumer Zeit wollte ich nach dem Abi für einige Zeit ins Ausland, am liebsten nach Afrika. Da solche Freiwilligendienste normalerweise sehr viel Geld kosten und ich meine Eltern damit nicht belasten wollte, kam mir das Weltwärts-Programm gerade richtig. Anfangs bestand meine Motivation mich bei weltwärts anzumelden, aus der eher idealistischen Idee heraus ‚helfen’ zu können.

Dieses hat sich während des Vorbereitungsseminars allerdings relativiert. Auch bin ich auf Grund von Interesse an der Sprache, einer anderer Kultur und vor allem Afrika ausgereist. Ich habe im College d’Einseignement Generale in Agome-Tomegbe gearbeitet. Diese Schule wird von ca. 300 Schülern im Altern von 13 bis über 20 Jahren frequentiert. Es gibt fünf Klassen; zwei siebte Klassen und jeweils eine achte, neunte und zehnte.

Meine offizielle Projektbeschreibung lautete Assistenzlehrerin für Englisch. Ich konnte mir darunter nicht so wirklich etwas vorstellen und war dementsprechend gespannt auf meinen ersten Schultag. Zum Zeitpunkt meiner Ankunft waren meine genauen Aufgaben noch nicht vorstrukturiert worden. Es herrschte zwar Lehrermangel und die angestellten Lehrer mussten meist 20 statt der üblichen 16 Stunden pro Woche arbeiten, aber es gab immerhin für jedes Fach einen Lehrer. So folgte ich am Anfang erst einmal dem Englischlehrer im Unterricht und überprüfte ab und zu ob die Schüler richtig von der Tafel abgeschrieben hatten.

Im November verreiste der Englischlehrer für zwei Wochen und wir (das andere deutsche Mädchen und ich) vertraten ihn in allen fünf Englischklassen. Diese zwei Wochen waren sehr interessant aber auch sehr arbeitsintensiv und anstrengend.

Anschließend suchten wir uns einfach unsere Projekte, so kümmerten wir uns um zwei Räume voller verstaubter Bücher, welche wir ordneten und säuberten und konnten im Dezember die Schulbücherei neu eröffnen. Des Weiteren führten wir regelmäßige Vokabeltests in Englisch ein.

Im neuen Jahr bekamen wir eine siebte Klasse in Mathe überstellt, des Weiteren vertraten wir den Mathe- und den Englischlehrer wann immer sie nicht anwesend waren. Außerdem traf sich der Englischclub im neuen Jahr regelmäßig einmal die Woche und wir sangen, lasen und übersetzten Lieder mit den Schülern. Eine zeitlang trainierten wir einige sportbegeisterte Schüler in Volley- und Basketball, doch stellten wir dies leider nach ein paar Wochen wieder ein.

Das ganze Jahr über versuchten wir die Lehrer zu entlasten wo es ging; wir führten Aufsichten bei Prüfungen, korrigierten diese in Englisch und Mathe, halfen beim Eintragen der Noten in den Zeugnissen und unterhielten uns in den Freistunden lange und ausführlich über Gott und die Welt mit unserem Direktor und den Lehrern.

Alles in allem kann ich sagen, dass wir sehr viel Freiraum für unsere eigenen Ideen in unserem Projekt hatten; jeder Vorschlag unserer Seite wurde besprochen und wir konnten ihn umsetzten. Die Vormittage kamen uns manchmal sehr lang vor, und oft fehlte die Motivation in jede Freistunde zu gehen und die Schüler zu beschäftigen. Doch halfen uns die beschäftigungsvollen Nachmittage oft über Flauten.

Meine Organisation hatte für mich eine Gastfamilie im Dorf ausgesucht, so wohnte ich in einem reinen Frauenhaushalt (Mutter, Großmutter und 7 und 11-jährige Schwestern) in meinem eigenen Zimmer. Diese Frauen wurden eine zweite Familie für mich, ich lernte ab und zu mit den Kindern, versuchte mich bei Haushaltsarbeiten, wie Wasser holen und kochen, einzubringen wo es ging. Es war ein kleiner Kampf, da meine Gastmutter gewohnt war, alles alleine zu machen und die Familie schon ein eingespieltes Team war, trotzdem würde ich sagen dass ich integriert war. Ich hatte meine Rolle, wurde aber zu nichts gezwungen, weswegen ich umso lieber geholfen habe.

So, stand ich morgens auf (vor sechs Uhr und war damit oft schon die letzte), frühstückte und begab mich zur Schule, wo um Viertel vor 7 der morgendliche Appell, d.h. Fahnenhissung und Nationalhymne stattfand. Um 12 war die Schule zu Ende, nach dem Mittagessen wurde Siesta gehalten, es sei denn ich musste waschen. Am Nachmittag ging ich oft noch einmal in die Schule zur Aufsicht, dem Englischclub oder der Bücherei. Falls nicht, hatten wir einmal die Woche einen Ewe-Sprachkurs bei einem Freund und eine Djembestunde. Die restliche Freizeit verbrachte ich mit Lesen, im Dorf und der Umgebung herumstreifen, und einfach nur meinen Gastgeschwistern zuzuschauen.

Während der Trockenzeit half ich abends beim Wasserholen und anschließend war es meine Aufgabe das Gemüse für das Essen zu schneiden. Die Abende verbrachte ich im Gespräch, bei der Unterrichtsvorbereitung, im „Kino“ (einem Raum mit einem Fernseher und einem DVD-Spieler, auf dem schlechte Raubkopien abgespielt werden, und ein paar Bänken für das man etwas zahlt) oder einfach beim Zusammensein.

Die Wochenende verbrachten wir entweder entspannt im Dorf mit Nichtstun, waschen, Ausflügen und Kirchenbesuchen, oder wir fuhren in die eine halbe Stunde entfernte Stadt Kpalime, und verbrachten das Wochenende mit deutschen und togoischen Freiwilligen, beim Einkaufen, selten am Pool, und abends beim Feiern in einer Tanzbar.

Des Weiteren nutzte ich die Schulferien zum Verreisen. Weihnachten war es der Norden Togos, Ostern Ghana und am Ende Benin und Burkina Faso. Diese Reisen waren nicht nur fantastisch, sondern ergänzten mein Bild von Westafrika und vor allem auch Togo. Sie ermöglichten eine andere Sichtweise und erweiterten den Horizont. Ohne Vergleiche hätte ich nicht mein heutiges, zutreffenderes Bild der Region in der ich lebte.

Was die Verständigung angeht, fiel sie mir nach einer dreijährigen Französischpause am Anfang etwas schwer, doch schon nach kurzer Zeit war es kein Problem mehr. Im Allgemeinen kann man sich auch mit jedem unterhalten, da sie entweder Französisch sprechen, ich meinen Wunsch mit den paar Ewebrocken, die ich beherrschte, ausdrücken konnte oder jemand übersetzt hat. Natürlich ist es eine Umstellung in einem Land zu wohnen dessen Sprache man nicht mächtig ist und die man überall hört. Auch meine durchaus gebildete Gastfamilie sprach die meiste Zeit Ewe und nur mit mir Französisch, woran man sich mit der Zeit gewöhnt. Den Sinn der auf Ewe geführten Gespräche kann man oft erfassen, durch eingestreute französische und englische Wörter und Ewewörter die ich kannte. Dementsprechend hatte ich nie ein Problem mit der Verständigung.

Apropos Probleme - da ich keine schwerwiegenden Probleme während meines Aufenthalts hatte, kann ich über ASTOVOT sagen, dass sie ganz allgemein immer da waren, wann ich sie brauchte. Auch waren sie offen gegenüber Vorschlägen von uns Freiwilligen und stimmten z.B. zu als wir die Teilnahme an einem Workcamp vorschlugen, als der offizielle Schulbeginn in Togo nach hinten verschoben wurde und als das Schuljahr vorbei war, unser Aufenthalt aber noch nicht. Auch kam man ab und zu mit einigen Verantwortlichen aneinander, aber diese nichtigen Probleme wurden immer geklärt.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass dieses Jahr ein erfahrungsreiches Jahr war, das ich nicht missen möchte. Ich merkte, dass ich meine Grenzen oft doch noch weiter ausdehnen kann, was Hygieneverhältnisse, Arbeits-, Lebens- und klimatische Bedingungen angeht. Auch wurde meine Beobachtungsgabe sehr gefördert, indem ich das Leben meiner Familie und des Dorfes beobachtete, die Gespräche aufmerksam verfolgte und denn Sinn aus mir bekannten Wörtern förderte. Auch lernte ich viel über mich selbst als Weiße, Deutsche, da man jeden Minute damit konfrontiert wurde anders zu sein. So führte ich auch sehr viele Gespräche über mich als religiöses Wesen, da der Großteil der Menschen dort sehr religiös ist. Außerdem fand ich es sehr interessant und auch angenehm, die meiste Zeit in einem kleinen Dorf in den Bergen ohne fließend Wasser und Strom zu wohnen.

So wirkt sich dieses interessante Jahr auch jetzt noch aus. Noch kann ich die ganzen Einflüsse nicht ausmachen, aber ich ertappe mich im Supermarkt dabei nachzuschauen, wo die ganzen exotischen Früchte herkommen. Außerdem möchte ich mich mehr in die Richtung (Rassismus, Entwicklungspolitik, Flüchtlinge) informieren und engagieren. Des weiteren hoffe ich, dass ich meine togoische Familie und die Bevölkerung meines kleinen Dorfes in den Bergen nicht so schnell vergessen werde und sie mich immer wieder anspornen können.

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