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weltwärts in Togo

Da ich letzten Sommer Abitur gemacht habe, stellte sich für mich die Frage, was ich denn jetzt weitermachen wollte.

Durch Zufall bin ich auf das weltwärts-Programm gestoßen und konnte mich sofort mit den Zielen des Programmes identifizieren.

Name:Judith P.Einsatzstelle:ASTOVOT-16 Sinai OrphanageInhaltliche Ausrichtung:Soziale Arbeit / Waisenhaus

Ich wollte gerne Einblicke in eine mir bis dahin fremde Kultur und Lebensweise gewinnen und so meine Perspektive auf Deutschland und unseren Lebensstil ändern. In der Zeit vor meine Ausreise wurde ich durch meine Organisation „ijgd“ sehr gut vorbereitet in Form von zwei Seminaren. Auf diesen Seminaren lernte ich andere Freiwillige kennen sowie ehemalige Freiwillige und konnte mich viel mit diesen austauschen. Zusätzlich bekam ich viele interessante Denkanstöße und wurde vorbereitet auf das, was mich in meinem Gastland erwarten sollte und welche Probleme oder Schwierigkeiten auf mich zukommen könnten.

Im ersten Monat meines Freiwilligendienstes war ich mit den anderen weltwärts-Freiwilligen meiner Partnerorganisation ASTOVOT (http://www.astovot.org/), die auch in und um Kpalimé wohnten, in einer gemeinsamen Unterkunft untergebracht. Wir absolvierten ein Seminar und anschließend ging es in die Gastfamilien. Für die ersten 2 Monate habe ich in meinem Projekt gewohnt, doch danach wechselte ich in eine Gastfamilie. Meine Gastfamilie war sehr nett und herzlich und es fehlte mir an nichts. Ich habe mich sehr gut mit meinem Gastbruder verstanden und fühlte mich gut in das Familienleben integriert.


Während meines Freiwilligendienstes habe ich in einem kleinen Waisenhaus in Kpalimé gearbeitet, das 10 Kinder im Alter zwischen 0 und 10 Jahren beherbergt. Zu meinen Aufgaben zählten viele Haushaltstätigkeiten wie Wäsche waschen, Saft machen und Trinkwasser in Plastiksäckchen füllen für den Verkauf, kochen sowie mit den Kindern spielen oder Hausaufgaben machen. Ich habe sehr viel über die togoische Küche und den Haushalt sowie über das alltägliche Leben gelernt dank meiner netten, gesprächigen Kollegen. So kann ich beispielsweise jetzt viele togoische Gerichte eigenständig kochen. Auch mit den Kindern habe ich mich gut verstanden und sie sehr gut kennen gelernt. Sie sind wie Geschwister für mich geworden. Zusammenfassend war die Arbeit sehr vielseitig und es gab viel Handlungsspielraum für mich. Mir hat sie sehr gut gefallen und viel Spaß bereitet, auch wenn es manchmal etwas anstrengend war.


Von montags bis freitags habe ich jeweils von 8.00 – 17.00 Uhr im Waisenhaus gearbeitet und die beschriebenen Tätigkeiten gemacht. Es fing an mit Wäsche waschen, über Saft machen und kochen und nachmittags hauptsächlich Kinderbetreuung. Abends habe ich zu Hause in der Küche mitgeholfen und entspannt. Am Wochenende besuchten mich fast immer einige der anderen weltwärts-Freiwilligen, die in Dörfern um Kpalimé wohnten,  und wir hatten zusammen Tanzkurs der togoischen Tänze und waren zusammen feiern oder ähnliches. Den Sonntag verbrachte ich oft mit meiner Familie oder einfach nur entspannt zu Hause.


Während meines Jahres habe ich so viele wichtige Erfahrungen gemacht, dass ich diese eigentlich gar nicht zusammenfassen kann. Einerseits habe ich sehr viel über die Gesellschaft und das Leben in Togo gelernt aber auch über mich selbst. Das war sehr wichtig und hat mich enorm weitergebracht. Andererseits gab es natürlich auch Probleme und Schwierigkeiten, die meinen Erfahrungsschatz ungemein bereichert haben und mich wiederum viel lernen lassen haben. Außerdem habe ich sehr gute Freunde sowie eine zweite Heimat und ein zweites Leben gefunden. Dies bedeutet mir sehr viel und ist vielleicht die wichtigste und schönste Erfahrung meines Freiwilligendienstes.
So hat meine Teilnahme an dem weltwärts-Dienst natürlich Konsequenzen für mein Leben hier: ich bin sehr viel interessierter und kritischer, was Entwicklungs- und Flüchtlingspolitik betrifft und beschäftige mich mehr mit dem Kontinent Afrika (südlich der Sahara speziell Westafrika), beispielsweise in Bezug auf die Chancen des Kontinents, die Entwicklungen und Fortschritte vor Ort sowie das Essens und die Menschen hier in Deutschland, aber auch wie die deutsche Gesellschaft und die Medien mit „Afrika“ (ich verallgemeinere das hier verbotenerweise einmal sehr stark, weil mir kein passender Begriff einfällt) umgehen. Generell sehe ich vieles jetzt aus einer anderen Perspektive, oftmals kritischer, hinterfrage mehr und handele hoffentlich dementsprechend rücksichtsvoller, intelligenter und überlegter. Auf jeden Fall hat mich dieses Jahr auf besondere Weise geprägt und wird mich mein ganzes Leben lang begleiten und beeinflussen.