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weltwärts in Indien

Nach dem Abitur nach Indien gehen und dort einen Freiwilligendienst in einer Grundschule machen- das war schon seit längerer Zeit mein Traum gewesen. Dabei wollte ich mich nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ im Rahmen meiner Möglichkeiten für Entwicklungshilfe engagieren und Land und Leute kennen lernen.

Name:Johanna E.Einsatzstelle:FSL-03 Assistance to Higher Primary School Teacher in Hosadu Higher Primary SchoolInhaltliche Ausrichtung:Bildung

Dank des weltwärts- Programms konnte ich mir diesen Traum tatsächlich verwirklichen. Meine Einsatzstelle war eine staatlich geführte Grundschule in einem kleinen Fischerdörfchen im Südwesten Indiens. Insgesamt gab es dort an die 120 Schülerinnen und Schüler und ca. 7 Lehrkräfte. Die Schule führte bis einschließlich Klasse 8 und die Klassenstärke lag bei 12-25 Kindern.

Obwohl von der indischen Partnerorganisation für die erste Woche im Projekt eine „observation week“ vorgesehen war, musste ich schon ab meinem ersten Tag unterrichten. Auf diese Weise konnte ich aber auch relativ schnell feststellen, dass ich meine Erwartungen erst einmal auf ein realistisches Maß heruntersetzen musste. Ich erhielt auch einen Stundenplan, wobei dieser sich innerhalb der nächsten Minute ändern konnte und ich ganz spontan in eine andere Klasse geschickt wurde. Wenn man nicht schon etwas flexibel ist, so lernt man es auf diese Weise ganz schnell.
In der Gestaltung meines Unterrichts erhielt ich keinerlei Vorgaben. Dies hatte den Vorteil, dass  ich alle Freiheiten nutzen konnte, allerdings erforderte es auch sehr viel Kreativität, um den Unterricht dauerhaft abwechslungsreich zu gestalten und immer wieder neue Ideen mit einzubringen. Da die Kinder nur sehr geringfügige Englischkenntnisse besaßen, lag mein größtes Bestreben darin, ihnen zunächst Grundkenntnisse der englischen Sprache zu vermitteln. Hierfür nutzte ich in erster Linie spielerische Lernmethoden wie Motivations- und Bewegungsspiele, sowie Einzel- und Gruppenwettbewerbe. Zum spielerischen Lernen gehörte auch gemeinsam Lieder zu singen, Bilder zu malen und kleine Schauspielszenen darzustellen. Darüber hinaus integrierte ich in meinen Unterricht auch einige Geografie- und Computerstunden, um das Allgemeinwissen der Schülerinnen und Schüler zu stärken. Zeitweise unterrichtete ich auch gemeinsam mit anderen Freiwilligen, was in der Regel auch ganz gut funktionierte.
Über die Qualität meiner Arbeit erhielt ich jedoch keine Rückmeldung. Die Lehrerinnen und Lehrer selbst wiesen nur sehr geringe Englischkenntnisse vor und auch ich beherrschte die regionale Sprache (Kannada) noch nicht ausreichend, weshalb sich die Kommunikation zwischen uns sehr schwierig gestaltete. Doch verhielten sich die Lehrerinnen und Lehrer mir gegenüber immer recht freundlich und so hatten wir trotz des fortwährenden Kommunikationsmangels ein relativ entspanntes Verhältnis.
Die Partnerorganisation war stets bemüht eine gute Betreuung für die Freiwilligen zu leisten. Meine Koordinatorin besuchte mich ab und an in meiner Schule und wenn Probleme auftraten, hatte ich die Möglichkeit sie in ihrem Büro anzutreffen.

Meine Unterbringung erfolgte in einer indischen Gastfamilie. Zur Familie gehörte meine Gastmutter Pramila, die im Haushalt Schwerstarbeit verrichtete, mein Gastvater Santhosh, der in einer Getreidemühle arbeitete und meinen beiden jüngeren Gastgeschwister, Shalom (9 Jahre) und Sonal (6 Jahre), die beide eine Privatschule besuchten. Ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Gastfamilie und verbrachte viel Zeit mit ihnen. Manchmal sahen wir alle gemeinsam fern, oder ich kochte zusammen mit meinem Gastbruder kontinentale Kost. Oft unterhielt ich mich auch einfach mit meiner Gastmutter, oder spielte mit meinen Gastgeschwistern. Natürlich galt es auch einige Verhaltensregeln einzuhalten, wie z.B. nicht zu spät nach Hause kommen oder täglich Wäsche zu waschen  In meinem Zimmer hing eine Liste mit all diesen Regeln, jedoch sah meine Gastmutter das relativ locker, zumal ich auch keine größeren Probleme damit hatte mich dahingehend anzupassen. So gestaltete sich unser Zusammenleben doch auf eine sehr problemlose und angenehme Art und Weise.

Mein Tag begann um 6.30 Uhr mit dem Wäschewaschen von Hand. Dabei holte ich das Wasser aus dem Brunnen im Garten und wusch die Kleidung auf einem Waschstein. Nachdem ich die Wäsche aufgehängt hatte, nahm ich eine Dusche mit kaltem Wasser und richtete mich für die Schule .Gegen 8 Uhr holte mich meine Gastmutter dann zum Frühstück. Nach dem Frühstück überflog ich noch kurz meine Unterrichtsmaterialien und machte mich dann auf den Weg zur Bushaltestelle. Die Busfahrt dauerte ca. 20 Minuten, wobei der Bus aufgrund der vielen Schlaglöcher häufig etwas ins Wanken geriet. Nach einem kurzen Fußweg erreichte ich die Schule gegen 9.30 Uhr. Die Schüler waren um diese Zeit damit beschäftigt, das Schulgebäude durch zu putzen. Kurz vor Unterrichtsbeginn mussten dann alle Schüler antreten, um ein Gebet zu sprechen und die Karnataka- Hymne zu singen. Dabei wurde von den Lehrern  überprüft, ob die Schüler auch akkurat da standen und wenn dem nicht so war, drohte wie so oft, die Prügelstrafe.
Um 10 Uhr war regulärer Unterrichtsbeginn, jedoch hinderte dies die meisten Lehrer nicht daran, erst einmal noch gemütlich im Lehrerzimmer sitzen zu bleiben. Vielen Lehrkräften fehlte es an Motivation und so blieben die Schulklassen häufig unbeaufsichtigt.
Ich unterrichtete in der Regel 5 Schulstunden am Tag, davon 3 Stunden in der Vormittagseinheit. Zwischen der Unterrichtzeit der Vormittagseinheit hatte ich eine Freistunde, die ich dazu nutzte den Unterricht für den nächsten Tag vorzubereiten.Um 12.40 endete die Vormittagseinheit und die Schüler reihten sich auf zum Mittagessen. Nach dem Essen hatten sie noch etwas Zeit auf dem Schulhof herum zu springen, bis um 13.50 die Schulglocke geläutet wurde und sie sich wieder auf ihre Klassen begeben mussten. Anschließend wurde von einem verantwortlichen Schüler der 8. Klasse ein Kontrollgang gestartet, wobei dieser überprüfen musste, ob in allen Klassen Ruhe und Ordnung herrschte.Um 14 Uhr begann schließlich der Nachmittagsunterricht. In dieser Einheit übernahm ich nochmals 2 Unterrichtsstunden.
Mein Arbeitstag endetet um 16 Uhr. Zurück in meinem Wohnort Kundapur erwartete mich meine Gastmutter  bereits mit einem heißen „Chai“ (Tee). Zu Beginn meines Freiwilligendienstes besuchte ich von dienstags bis donnerstags direkt  nach der Arbeit den Kannada- Sprachkurs, der von der Partnerorganisation initiiert wurde. Diesem Sprachkurs mangelte es jedoch an einer überschaubaren Struktur und so wurde er einige Zeit später aufgrund der geringen Teilnehmerzahl abgebrochen.
Außerhalb meiner Verpflichtungen verbrachte ich die verbleibende Zeit meisten mit meinen Gastgeschwistern, sammelte Ideen für die Unterrichtsvorbereitung, las ein wenig oder hört etwas Musik. Abendessen gab es dann um 20 Uhr. Jeden Mittwoch trafen sich alle Freiwilligen zum gemeinsamen Abendessen in einer gemütlichen Austauschrunde. Meine Gastfamilie ging in der Regel gegen 21 Uhr zu Bett, daher sollte auch ich spätestens um diese Zeit zu Hause sein. Nachdem ich mich bettfertig gemacht hatte, konnte auch ich schließlich meinen Tag in aller Ruhe ausklingen lassen.
Alles in allem bleibt zu sagen, dass ich einiges von meinem Freiwilligendienst mitnehmen konnte. So lernte ich beispielsweise, wie wichtig es ist, dass man sich realistische Ziele steckt und es manchmal viel Geduld bedarf und man Schritt für Schritt gehen muss, um sie verwirklichen zu können. Darüber hinaus durfte ich mich nach dem Motto „expect the unexpected“ immer wieder auf die eine kleine oder größere Überraschung im indischen Alltagsleben gefasst machen.
Am meisten bewegte mich aber die herzliche und offene Art der Kinder. So gab mir ein Schüler beim Abschied noch folgende Worte mit auf den Weg: „Madam, when you happy, I'm happy.“  Was soll man da noch sagen...?! :-)

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