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weltwärts in Indien

Teil einer Familie eines anderen kulturellen Hintergrundes zu sein, ein fremdes Land und seine Leute aus der Mitte der Gesellschaft heraus kennen zu lernen – schon immer träumte ich von dieser Erfahrung.

Name:Julia B.Einsatzstelle:FSL-09 Supervisor of the Sea Turtle Conservation Program along the Western Ghats coastline within UdupiInhaltliche Ausrichtung:Ökologie

Als ich von weltwärts erfuhr und der Möglichkeit, interkulturelles Lernen mit meinem Engagement für Naturschutz zu verbinden, wusste ich, was ich zu tun hatte: zwei Urlaubssemester nehmen und auf nach Indien! Gemeinsam mit Ann Sophie wurde ich in das Seeschildkrötenschutzprojekt aufgenommen.

Während der beiden von ijgd organisierten Vorbereitungsseminare traf ich auch die anderen Teilnehmer, die mich begleiten würden, und fing an, mich vor allem mit der Sinnhaftigkeit des weltwärts-Programms auseinanderzusetzen. Am wichtigsten für mich war die Erkenntnis, dass wir nicht den Anspruch haben dürfen, in ein fremdes Land zu gehen und das Leben dort „verbessern“ zu können – es geht vielmehr um gegenseitiges Lernen. Während der Einführungswoche meiner Partnerorganisation FSL in Kundapur wurden wir dann mit wichtigen Themen wie Dresscode, Hinduismus und der Arbeit in unseren Projekten bekannt gemacht. Voller Vorfreude wurden wir dann von unseren Gastfamilien abgeholt und stürzten uns in unsere Einsatzstellen.

Leider tauchten in dieser Saison keine Seeschildkroeten auf, doch als angehende Biologin ließ ich mich nicht von dem geheimnisvollen Lebenszyklus dieser faszinierenden Tiere enttäuschen. Wir hatten zwar keine Nester zu betreuen, leisteten aber doch wichtige Aufklärungsarbeit innerhalb der lokalen Bevölkerung. Wir verteilten Flyer am Strand und besuchten Schulklassen, denen wir die Gefährdung,  Bedeutung und Schutz von Meeresschildkröten vermittelten. Jeden Monat gab es zweiwöchige Workcamps, während denen wir mit den internationalen Freiwilligen Theaterstücke über Schildkrötenschutz aufführten und kleine Hütten am Strand bauten, in denen wir Plakate über Schildkröten aushängten.

Nach Ende der Schildkrötensaison, die bis Februar dauert, hatten wir allerdings ein Problem: Das Ökotourismusprojekt, das wir aufnehmen sollten, gibt es nicht mehr. Ich und Ann Sophie wussten uns aber zu helfen und strengten ein neues Projekt an. Neben Kundapur liegt das Malyadi Vogelschutzgebiet, das für viele lokale und durchziehende Arten von Bedeutung ist. Wir schrieben einen Blog und loteten die Möglichkeiten für den Schutz dieses Gebietes aus. Der Vorstand von FSL zeigte sich zufrieden und nahm unseren Projektvorschlag in sein Programm auf.

Außerdem bekamen wir die Möglichkeit, während unseres Freiwilligendienstes ein Praktikum bei einer anderen Organisation, CEE, durchzuführen. Einen Monat lang lernten wir die Arbeit einer der größten Umweltbildungsorganisation Indiens kennen. Aus unseren Erfahrungen verfassten wir einen Bericht, damit auch nachfolgende Freiwillige von ihnen profitieren können.

Nach der Arbeit nahm ich ganz unterschiedliche Aktivitäten auf: Ich ging mit anderen Freiwilligen Eis essen, besuchte einen Nähkurs und gewann einen Einblick in den traditionellen indischen Tanz. Die Wochenenden waren frei, sodass wir die Möglichkeit hatten, das Land zu bereisen und zumindest einige von Indiens unzähligen Kulturen mitzuerleben.

Die meisten von uns gewannen keine allzu  großen Kenntnisse der Regionalsprache, Kannada, doch auch mit Englisch kommt man ganz gut über die Runden. Es ist allerdings sehr zu empfehlen, sich mit Kannada Mühe zu geben, schon allein wegen der Freude, die einem zumeist bei der Verwendung dieser Sprache entgegengebracht wird.

Während des Freiwilligendienstes standen wir mit unserem FSL – Koordinator in regem Kontakt. Auch ijgd konnten wir jederzeit mit Fragen und Problemen belästigen. Es ist wichtig zu wissen, dass unser Koordinator, Daya, tut, was er kann, die beschänkende Ressource ist zumeist einfach der streng hierarchische Aufbau indischer Organisationen.

Je weiter die Zeit voranschritt, desto tiefer wurde unser Einblick in viele Aspekte der indischen Kulturen. Wir lernten, Dinge zu akzeptieren, da wir merkten, dass wir uns über viele Ursachen einfach nicht bewusst sind. Geduld schien die wichtigste Tugend zu sein, um sich richtig auf das Land einzulassen.

Ob der Freiwilligendienst für mein Leben in Deutschland Konsequenzen hat? Genau das war der Grund, warum ich ihn angetreten habe! Eine Menge Dinge sind in anderen Ländern nicht selbstverständlich. Und auch für bekannte Probleme in der Welt eröffnen sich plötzlich ganz neue Perspektiven. Ich würde nicht sagen, jetzt einen weiteren Horizont zu haben – vielmehr wurde er um andere Dimensionen erweitert.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.