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weltwärts in Indien

„Wie kannst du nur alleine als Frau nach Indien reisen?!“

Letztes Jahr haben einige Leute versucht, mich von meinem Freiwilligendienst in Indien abzuhalten. Weil ich eine junge Frau bin und sie Angst hatten, dass mir etwas passieren könnte.

Heute kann ich sagen:...

Name:Simona S.Einsatzstelle:FSL-15 Saint Albands OrphanageInhaltliche Ausrichtung:Teaching/ Soziale Arbeit

 

...meine 11 Monate dort waren definitiv die aufregendste Zeit meines Lebens!

Warum Indien?

Ich leide an dem allbekannten Phänomen „Fernweh“: dem Drang in die weite Welt zu reisen!
(Heutzutage eine weitverbreitete Diagnose unter Abiturienten, die „etwas anderes“ machen wollen bevor sie anfangen zu studieren :D)

Ich wusste schon lange, dass ich vor dem Studium erst ein Jahr ins Ausland will, am liebsten so weit weg wie möglich. Ich wollte aber Tourismus vermeiden, bei dem es ums a) Fotografieren von Sehenswürdigkeiten oder b) am Strand Liegen geht. Viel lieber wollte ich ein Jahr lang in einem Land leben und versuchen mich in die Gesellschaft zu integrieren (anstatt nur Fotos von ihr zu machen). Und weil ich gerne im sozialen Bereich, vor allem mit Kindern arbeite, habe ich mich entschieden „weltwärts zu gehen“.

Meine Vorbereitung bis zur Ausreise bestand hauptsächlich aus Impfen und Sachen anschaffen, die ich im Nachhinein nicht brauchte, z.B.  Klamotten (die original indischen sind immer passender und günstiger) oder eine Reise-Apotheke (die überflüssig war, weil es im Projekt eine Krankenschwester inklusive Medikamenten-Schrank gibt). Sehr hilfreich dagegen fand ich die Vorbereitungs-Seminare der ijgd, die mir ein umfassendes Bild von  Indien und meinem zukünftigen Freiwilligendienst vermittelt haben.

Ich habe als Freiwillige bzw. „große Schwester“ im Aruloli Home for Girls gearbeitet und dort gelebt.

Es ist ein Heim für Mädchen, die entweder Waisen sind oder aus finanziellen Gründen nicht mehr bei ihrer Familie wohnen können. Meine Aufgabe war es, sie vor und nach der Schule, am Wochenende und in den Ferien zu betreuen. Während der Schulzeit hatte ich dafür frei.

Früh morgens um 5 Uhr (!) ging mein Alltag los: Zuerst die Kinder wecken, dann eine halbe Stunde mit ihnen Yoga machen, ihnen bei Hausaufgaben und ihrem Englisch-Stoff helfen, danach gemeinsam das Haus putzen und schließlich den Mädchen für die Schule ihre Haare flechten. Gegen 8.30 Uhr hatte ich meine erste Pause: Frühstück! In 90% der Fälle gab es Sambar (Linsen-Gemüse-Curry), genauso wie zum Mittag- und Abendessen. Dazu Reis, Idli (Bälle aus Reismehl) oder Dosai (Pfannkuchen aus Reismehl). Ja – die Inder lieben Reis! Die Gerichte waren etwas eintönig, aber immer lecker!

Zu meinen weiteren Aufgaben gehörte, die Kinder zur Schule und zurück zu begleiten, und sie nachmittags zu beschäftigen. Am liebsten mochte ich Wochenenden und Ferien, denn da konnte ich den ganzen Tag mit den Kindern arbeiten. Und ich konnte kreativ sein und mir Projekte ausdenken. Wir haben viel zusammen gespielt, gezeichnet, gebastelt, Grußkarten gemalt, Origami gemacht, englische Lieder gesungen, und dazu getanzt und Querflöte gespielt…

Da das Aruloli Home von Nonnen geleitet wird, ist das Beten ein wichtiger Bestandteil des Alltags.
Wir haben gemeinsam morgens nach dem Aufstehen, vor jedem Essen und jeden Abend gebetet, außerdem gab es jeden Samstag und Sonntag Messe.

Indien ist ein sehr aufregendes Land! Jeden Tag hat mich etwas erstaunt, überrascht, oder schockiert.
Dank weltwärts durfte ich großartige Erfahrungen machen. Ich habe viel gelernt, wie z.B. Tamil sprechen, Saris binden, mit der Hand essen, ohne Toiletten-Papier auskommen, auf dem Boden schlafen, indisch kochen, … Und ich habe gelernt eine ganz andere Mentalität, Denkweise und Körpersprache zu verstehen, obwohl sie für uns Europäer manchmal wenig Sinn macht…
Außerdem hat weltwärts es mir ermöglicht, 11 Monate lang in eine ganz andere Kultur einzutauchen, mich anzupassen und mich in ihre Gesellschaft zu integrieren. Das war eine tolle Erfahrung für mich!

 

Meine Zeit in Indien hat mich sehr geprägt, und sie hat sowohl mein Denken als auch meine Lebensweise geändert.

Seit ich wieder zurück bin, kann ich mich viel besser in Ausländer hineinversetzen und ihre Schwierigkeiten in Deutschland nachvollziehen. Außerdem lebe ich sparsamer und umweltbewusster. Z.B. ernähre ich mich vegan, verbrauche weniger Papier, versuche Plastik möglichst zu vermeiden und kaufe nur noch Second-Hand oder fair-trade Anziehsachen.

Während meines Freiwilligendienstes habe ich vieles schätzen gelernt. Z.B. bin ich dankbarer für all die Freiheiten und Möglichkeiten, die ich in Deutschland habe. Denn in Indien sind diese alles andere als selbstverständlich.

Und heute versuche ich meine Erfahrungen mit möglichst vielen zu teilen um ihr Bild von Indien zu weiten (und zu verbessern).

Denn ja – natürlich kann man als junge Frau nach Indien reisen! :-)

 

 

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.