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weltwärts in Indien

Mein Name ist Barbara und ich habe mein “weltwaerts“ Jahr in Chennai, Indien, bei der Organisation UDAVI verbracht. Im Zeitraum vom August 2008 bis August 2009 habe ich dort im “Disabled“-Projekt gearbeit.

Name:Barbara B.Einsatzstelle:UDAVI-05 Community based Rehabilitation for the Persons with Disability, Chennai Region, IndiaInhaltliche Ausrichtung:Soziale Arbeit

Mein Projekt beeinhaltete sowohl ein sogenanntes Day Care Center, in dem geistig behinderte Kinder tagsüber betreut und unterrichtet werden, als auch von UDAVI initiirte und betreute Selbsthilfe Gruppen. Mein Wunsch war es schon immer nach dem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr im Ausland zu machen. Ich denke, dass dies eine grossartige Möglichkeit ist seine Persönlichkeit zu entwickeln, sich nach der Schule erst mal zu orientieren und einen Einblick in eine vollkommen “andere Welt“ zu bekommen.

Leider ist so ein Auslandsjahr meist mit sehr hohen Kosten verbunden. Durch die Medien habe ich vom neuen “weltwärts“ Programm gehört und mich sofort beworben. Ein Grund warum ich mich für “weltwärts“ entschieden habe ist natürlich die Finazierung gewesen. Ich finde es aber auch gut, dass das Programm nicht nur mich finanziell unterstützt sondern auch die Projekte der jeweiligen Partnerorganisationen im Ausland. Ich hatte mich dafür entschieden bei UDAVI im Projekt für Behinderte zu arbeiten. Ein Teil des Projektes besteht aus dem sogenannte Day Care Center, indem geistig behinderte Kinder unterrichtet werden. Dort wollte ich hin.

Mein Arbeitsalltag sah im Gegensatz zu dem manch anderer Freiwilliger recht entspannt aus. Von morgen 10 Uhr bis Nachmittags um halb vier war ich im Day Care Center. Morgens wurde unterrichtet (Zahlen, ABC, bisschen Schreiben, bisschen Mathe etc.) und nachmittags wurde gespielt, geschlafen, erzält oder nichts getan. Danach bin ich manchmal noch ins Büro gegangen und habe bei administrativen Dingen geholfen. So blieb eigentlich genug Zeit für Freizeitgestaltung und “Chennai-Erkundung“. Manchmal habe ich auch meinen Projektkoordinator begleitet und habe Leute, die von UDAVI betreut werden, zu Hause besucht. Für mich war das eine tolle Erfahrung, weil ich so einen Einblick in die Lebenswelt von Leuten bekommen habe, die aus einer ganz anderen sozialen Schicht kommen und ein Leben führen, welches sich sehr von meinem unterscheidet. So ganz einbringen konnte ich mich dort aber nicht, weil die Gespräche immer auf Tamil geführt worden sind und meinem Projektkoordinator leider auch die nötigen Englischkenntnisse fehlten mir alles zu übersetzen. Kommunikation war sowieso, vor allem am Angang, ein Problem. Die Kinder im Day Care Center konnten überhaupt kein Englisch, da lief die Verständigung zuerst gar nicht, dann mit Händen und Füßen und dann irgedwann mit einem ganz bisschen Tamil. Irgendwann lernt man sich aber besser kennen und dadurch auch verstehen und kann sich auch einigermaßen gut verständigen ohne die Sprache des anderen zu sprechen. Bei meiner Arbeit im Day Care Center zumindest, war die Sprache irgendwann nicht mehr wirklich ein Problem.

Ein weiterer Teil des Behinderten-Projektes ist die mobile Physiotherapie, ein Van, mitsamt Physiotherapeuten, der in die Slums fährt und dort die Menschen kostenlos behandelt. Ich hatte die Möglichkeit ein paar Mal mitzugehen und dem Physiotherapeuten über die Schulter zu schauen. Ich fand das sehr interessant, allerdings konnte ich mich aktiv nicht wirklich einbringen. Dazu fehlten mir einfach der med. Hintergrund und die Fachkenntnisse.

Neben meinem Projekt hatte ich auch die Möglichkeit einen Einblick in einige anderen Projekte von UDAVI zu bekommen (HIV Project, Displaced Project...).Das ist, denke ich, der Vorteil einer NGO gegenüeber einem Projekt das sich z.B. rein auf Teaching konzentriert, die Themenbereiche mit denen man sich beschäftigen kann sind weitläufiger. Ich habe also nicht nur einen Einblick in die Behindertenarbeit gewinnen können, sondern auch in andere soziale Problemfelder. UDAVI war uns gegenüber in der Hinsicht auch sehr offen und hat die Arbeit ausserhalb unseres eigentlichen Projektes auch unterstützt und willkommen geheissen.

Gewohnt habe ich zusammen mit anderen Freiwilligen, alle von ijgd, in einer eigenen, sehr schönen Wohnung. Mädchen und Jungs haben getrennt gewohnt. Die Anzahl meiner Mitbewohnerinnen hat ziemlich geschwankt, aufgrund von Abbrüchen etc., mal waren wir zu dritt, mal zu sechst. Wir haben im gleichen Haus gewohnt wie unsere Chefs, was sowohl Vorteile (wir haben ein recht persönliches Verhältnis zu ihnen aufgebaut, der Ansprechpartner war immer in der Nähe) als auch Nachteile (“Arbeit-und Privatleben“ wurde selten getrennt, die Chefs wussten immer Bescheid wenn man mal abends weg war...) hatte.

Ich hatte das Gefühl bei UDAVI sehr gut aufgehoben zu sein und ich habe mich dort sehr wohlgefühlt. Unsere “weltwärts“ Koordinatorin war sehr bemüht um uns und hat die Betreuung sehr ernst genommen. Auch die restlichen Mitarbeiter waren sehr interressiert Kontakt mit uns aufzubauen und haben uns auch mal zu sich nach Hause eingeladen bei Feiertagen oder Ähnlichem. Mit meinem Projektkoordinator war es teilweise etwas schwierig aufgrund von anfänglichen Sprachbarrieren. Nach einiger Zeit der Eingewöhnung und Einarbeitung war ich auf seine Betreuung aber auch nicht mehr so angewiesen und bei Fragen konnte ich mich auch immer an andere Mitarbeiter wenden.

Der “weltwärts“ Dienst war eine Bereicherung in vieler Hinsicht. Ich fand es spannend nicht nur eine mir völlig unbekannte Kultur kennenzulernen (neues Essen, andere Religion, andere Lebensverhältinisse, andere Wertvorstellungen etc.) sondern auch meine eigene Kultur und meine Identität als Deutsche neu zu entdecken.

Im Zuge meiner Arbeit bin ich definitiv für Umweltprobleme, soziale Missstände und entwicklungspolitische Themen sensibilisiert worden.
Meine Teilnahme am “weltwärts“ Programm hat auch Konsequenzen für mein Leben hier. Ich fange demnächst an Stadtplanung zu studieren. Ein Projekt von Udavi hat sich um Menschen gekümmert, die aufgrund von stadtplanerischen Entscheidungen und Umsiedlungsprojekten ihre Existenz und Lebensgrundlage verloren haben. Diese Thematik hat mein Interesse geweckt und mich in meinem Studienwunsch bekräftigt. Ich könnte mir gut vorstellen später auch mal im entwicklungspolitschen Bereich oder auf internationaler Ebene zu arbeiten.

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