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Dort angekommen, waren die kunterbunten Eindrücke überwältigend. Ich erfuhr, dass ich im Waisenhaus selbst untergebracht werden würde. Trotz Alternativen, habe ich auch den Rest des Jahres dort gewohnt; eine Entscheidung die ich in keiner Weise bereue. Auch wenn ich meine Ansprüche in vielerlei Hinsicht runterschrauben musste, eröffnete die Nähe zu den Kinder mir einen großen Einblick in das Alltagsleben und half mir engere Bindungen zu den Jungen aufzubauen. Da die Aufgaben im Projekt von den Partnern vor Ort recht vage formuliert wurden, lag es im Laufe des Freiwilligenjahres vor allem an mir, ein Programm auf die Beine zu stellen und umzusetzen. Trotz der Verantwortung und dem Mangel an Unterstützung war ich am Ende recht froh über diese Entwicklung. Ich hatte Freiheiten alle meine Ideen umzusetzen und das Jahr nach den Bedürfnissen und Wünschen der Kinder und mir zu gestalten.

Die Vorgaben, die ich hatte, war in den beiden Jungen-Waisenhäusern Englisch zu unterrichten und nach meinen Möglichkeiten Bildung sowie sportliche und kreativen Entwicklung zu fördern. Das war zunächst nicht einfach. Ich musste mich dem Alltag der Jungs anpassen, der von Beten, Schule und spontanen Aktivitäten geprägt war. Zudem waren meist mehrere Anläufe nötig, um den Unterricht, Basteleinheiten, oder musikalische Aktivitäten zu starten. Dabei durchkreuzte die indonesische Mentalität oft mein deutsches Denken und Planen. Über das Jahr hinweg gab es immer wieder Hoch-, und Tiefpunkte im Projekt; oftmals sind ganze Projekte gescheitert und auch gesundheitlich hatte ich viele Probleme. Andererseits gab es aber auch Erfolge wie das Mülltrennungs,- und Verwertungssystem, sowie das Belohnungssystem, bei dem die Jungs durch soziale Aktivitäten, Helfen und Teilnahme am Unterricht Punkte sammeln konnten und damit an Schwimmbadbesuchen etc. teilnehmen durften.

Mein Alltag bestand größtenteils aus Unterrichten. Drei bis vier Mal die Woche habe ich an den Schulen der Jungs zusammen mit den Englisch Lehrern den Schülern Englisch beigebracht. Zudem gab es an vier festen Terminen Englisch Zusatzklassen im Waisenhaus. Dabei war es nicht einfach, die durch Schule und Aktivitäten unmotivierten Jungs dazu zu bringen aktiv in diesen Zeiten teilzunehmen bzw. überhaupt zu kommen. Kleinere Projekte, Aufräumaktionen und Basteleinheiten gehörten zu den unregelmäßigen Aktivitäten, die je nach Lust und Laune oder aus Notwendigkeit entstanden. An manchen Sonntagen (dem einzig freien Tag der Jungen) organisierte ich Ausflüge oder Sport,- bzw. Säuberungsaktionen, bei denen Belohnungspunkte gesammelt und „ausgegeben“ werden konnten. Nach einigen Monaten war ich so sehr ins Leben vor Ort integriert, dass ich mich an manchen Nachmittagen mit Einheimischen getroffen habe oder am Uni-Sport teilnahm. Dabei sprachen die wenigsten Menschen in meiner Stadt Englisch. Neben einigen Uni Studenten beschränkten sich Konversationen deshalb auf mein damals noch eingeschränkten Indonesisch-Kenntnisse. Da die Sprache aber recht leicht zu lernen ist, hatte ich das notwendige Alltagsvokabular innerhalb des ersten Halbjahres erlernt.

Als das Mid-Term-Seminar vor der Tür stand, entschied ich mich dazu einen Wohnortswechsel vorzuschlagen. Da meine beiden Waisenhäuser in unterschiedlichen Stadtgebieten lagen, war mein Schwerpunkt auf Grund meiner Wohnsituation recht einseitig. In solchen Fällen war die Unterstützung der Partnerorganisation IIWC immer sehr gut und so fanden wir bald zu der Lösung; ich sollte das zweite Halbjahr im zweiten Waisenhaus wohnen, weiterhin aber immer noch regelmäßig zu meinem alten Wohnort kommen. Generell war IIWC sowie meine Partner vor Ort recht offen für alle Ideen, in beiden Fällen war die Unterstützung im Projekt selbst allerdings recht klein.

Während des Jahres habe ich mich viel mit der ungerechten Macht-, und Besitz-Verteilung unserer Welt beschäftigt. Was können wir als Individuum verändern? Ist mein Weltwaerts-Dienst nicht auch ein positiver Beitrag oder wird damit das Bild der weißen Vorherrschaft wiederum gestärkt? Was spielt Nachhaltigkeit und Konsum für eine Bedeutung? Was für eine Bedeutung hat Religion und wie sehe ich den Islam? Diese Fragen haben mich auch nach Deutschland begleitet und prägen mein Leben hier. Die Chancen zum kulturellen Austausch, das Interesse an den Menschen möchte ich auch hier weiterleben. Engagement ist nicht nur in Indonesien möglich und gebraucht, „Entwicklungshilfe“ muss immer auf beiden Seiten stattfinden; auch in Deutschland können wir viel bewegen. Mit all den Erinnerungen und Erfahrung, die dieses Jahr zu einer wunderbaren Bereicherung in meinem Leben gemacht haben, hoffe ich nun auch andere zu motivieren und solch einen gewagten Schritt zu machen.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.