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weltwärts in Ecuador

„11 Monate weg. 11 Monate in einen für mich ganz neuen Kulturkreis eintauchen. 11 Monate etwas von dem zurückgeben, was mir hier bisher ermöglicht wurde. 11 Monate leben, lernen, mich entwickeln. 11 Monate …“

Name:Nadia M.Einsatzstelle:Chiriboga-03 Teaching English at Local Schools, Amazonica, EcuadorInhaltliche Ausrichtung:Bildung

Ich bin Nadia und war bis Ende Juli Freiwillige der Fundación Chiriboga in Ecuador. Dort habe ich an zwei Schulen im ländlichen Umland der Stadt Tena im Amazonasgebiet Ecuadors Englisch unterrichtet. Aber jetzt noch mal ganz von vorne…

Dass ich nach dem Abi nach Südamerika wollte, stand für mich relativ früh fest. Alles, was ich bereits über Südamerika und insbesondere über Ecuador gelesen und gehört hatte, zog mich magisch an, ich wollte es unbedingt einmal mit meinen eigenen Augen sehen. Und so machte ich mich auf die Suche…

Eines Nachts um halb eins stieß ich dann irgendwann auf einen anderen Erfahrungsbericht hier auf der ijgd-Seite und dachte mir nur: „Das ist es!“ Danach ging alles ganz schnell, ich füllte die Bewerbungsunterlagen aus und bekam bald darauf eine Einladung zum Telefongespräch. Und nach drei Tagen Warten stand dann fest, ab September heißt mein neues Zuhause Tena, eine kleine Stadt in der Amazonasregion Ecuadors, mitten im schier unendlichen Grün.

Bei den beiden im weltwärts-Programm vorgesehenen Vorbereitungsseminaren lernte ich ganz viele andere Freiwillige aus ganz Deutschland kennen, die die verschiedensten Hintergründe hatten und in die verschiedensten Länder ausreisen wollten. Doch trotzdem waren wir irgendwie alle auf einer Wellenlänge. Besonders interessant war natürlich auch, schon mal ein paar Freiwillige zu treffen, die ab September auch in Ecuador sein würden und sich im Laufe des Jahres zu wirklichen Freunden entwickelten.

Und dann ging es auch schon los. Ich versuchte, die Zweifel, die mich während des Fluges noch gequält hatten, aus meinen Gedanken zu verbannen. In Ecuador wurde unsere Gruppe von Freiwilligen dann sehr lieb von Virginia, unserer Ansprechpartnerin von der Partnerorganisation Chiriboga, aufgenommen und nach einer Woche des Ankommens und Einlebens verteilten wir uns im ganzen Land auf die verschiedenen Einsatzstellen. Für mich ging es also mit dem Bus nach Tena. Dort wurde ich ebenso herzlich von meiner Gastfamilie, bestehend aus den Eltern und zwei Kindern, empfangen und sie machten es mir von Anfang an leicht, mich bei ihnen wohlzufühlen. Sie waren nicht nur bereit, mich für die Dauer meines Freiwilligendienstes bei ihnen zu beherbergen, sie teilten sogar ihr ganzes Leben mit mir – und ich meines mit ihnen. Egal, ob es eine Familienfeier, ein Ausflug zu Verwandten in den Bergen oder der sonntägliche Einkauf auf dem Gemüsemarkt war, ich war immer dabei und hatte so die Chance, ihren Alltag, Höhen und Tiefen hautnah mitzuerleben. Und auch, wenn ich jetzt wieder zurück in Deutschland bin, so ist meine „zweite Familie“ aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken.

Mindestens genauso prägend für mich war meine Arbeit an den beiden Schulen. Die meisten meiner rund 300 Schülerinnen und Schüler sind Kichwa-Indígenas, gehören also zur indigenen Bevölkerung Südamerikas, so dass mir noch eine weitere Facette dieses so vielseitigen kleinen Landes eröffnet wurde.

Ich arbeitete montags bis freitags von ungefähr 7 bis 13 Uhr, je nachdem, was gerade so anstand. Da wären wir auch schon beim Thema Flexibilität, das man fast als „A und O“ meines Freiwilligendienstes bezeichnen könnte. Auch aus unerwarteten Situationen das Beste machen, bei Problemen jederzeit mit anpacken, keine unerfüllbaren Erwartungen stellen, weder an andere noch an sich selbst, ein offenes Ohr haben, und ein Herz für Kinder, denen Vieles nicht so leicht fällt. So ungefähr sah mein persönliches Erfolgsrezept für den Alltag aus, besonders auch im Hinblick auf die sprachliche Verständigung. Ich hatte zwar gute Grundkenntnisse im Spanischen, musste aber doch sehr schnell feststellen, dass mein Wortschatz gerade für Alltagsgespräche ziemlich beschränkt war. Das änderte sich aber sehr schnell, besonders durch die Geduld und Kreativität der ganzen Kinder, die nie müde wurden, ihre Fragen noch mal zu wiederholen oder Erzähltes mit Händen und Füßen zu verdeutlichen, so dass mit der Zeit auch tiefgründigere Gespräche kein Problem mehr darstellten.

Während des Unterrichts wiederum versuchte ich Tag für Tag, meinen Schülerinnen und Schülern durch verschiedene Methoden die englische Sprache näherzubringen, die für sie in ihrem Leben bisher kaum eine Rolle gespielt hat. Das war nicht immer einfach, denn manche Kinder hatten mit dem Lesen und Schreiben allgemein noch große Probleme, andere hin und wieder ein Motivationsproblem, wieder andere konnten gar nicht genug neue Wörter in sich aufsaugen. Es ging mir immer darum, jedes Kind nach seinen Möglichkeiten und Talenten zu unterstützen, ihm das Gefühl zu geben, etwas Besonderes zu sein und sich nicht entmutigen zu lassen, auch über den Englischunterricht hinaus. So suchten wir uns gemeinsam durch Buchstabensuppen, legten uns mit Wörterschlagen an, tauchten Zootiere in den Farbtopf, schmetterten „We wish you a Merry Christmas“ bei 30 Grad im Schatten, machten danach einen Abstecher zum Fluss nebenan und hatten insgesamt eine Menge Spaß dabei.

Wenn ich gerade mal nicht in der Schule oder mit meiner Familie unterwegs war, habe ich mich mit den beiden anderen Freiwilligen in Tena in unserer „Stamm-Eisdiele“ getroffen und mich mit ihnen ausgetauscht. Die Wochenenden und Ferientage haben wir genutzt, zu verreisen und möglichst verschiedene schöne Orte Ecuadors zu erkunden. Es ist wirklich Wahnsinn, was dieses kleine Land so alles zu bieten hat!

Rückblickend kann ich sagen, dass diese 11 Monate bestimmt die aufregendsten meines Lebens waren und ich meine Entscheidung, am weltwärts-Programm teilzunehmen, nicht einmal bereut habe und mich bei auftretenden Problemen immer an meine Ansprechpartner von ijgd und Chiriboga wenden konnte.

Ich würde den Freiwilligendienst allen weiterempfehlen, die aufgeschlossen und weltoffen sind und die Welt auch mal aus einer anderen Perspektive sehen wollen. Denn das wirklich Tolle am weltwärts-Programm ist für mich die Möglichkeit, gemeinsam, miteinander und voneinander zu lernen, sich auszutauschen, sich weiterzuentwickeln; die Welt, sich selbst und andere mal mit anderen Augen zu sehen und auch über die Zeit des Freiwilligendienstes hinaus über das Erlebte nachzudenken und sich zu engagieren.