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weltwärts in Nicaragua

Den festen Entschluss, nach dem Abitur ins Ausland zu gehen, traf ich Ende der 10. Klasse. Ich nahm an einem 3- monatigen Schüleraustausch mit einer Partnerschule in Santa Cruz de la Sierra, Bolivien teil.

Name:Tabea P.Einsatzstelle:CEDRU-01 Betreuung mit Kindern mit Behinderung (Therapiezentrum), San Rafael del Sur, NicaraguaInhaltliche Ausrichtung:Bildung/Soziale Arbeit

Der klaffende Unterschied zwischen Arm und Reich hat mich damals dazu bewegt, nach der Schule in einem Kinderheim auszuhelfen, doch die Zeit war sehr knapp und so kam ich zu dem Entschluss, einen „Freiwilligen Dienst“ zu machen. Ich habe in einem Therapiezentrum für Kinder mit Behinderung gearbeitet. Dort bin ich in dem Bereich Kunsttherapie/ Beschäftigungstherapie tätig gewesen.

Das Hauptziel ist dort, dass die Kinder nicht den ganzen Tag nur im Haus bleiben und TV schauen, sondern auch Anderes zu Gesicht bekommen. Sie sollen dort andere Kinder kennen lernen und ihre motorischen Fähigkeiten verbessern. Es wird also gebastelt und gespielt. Ich habe jede Woche einen Arbeitsplan vorbereitet, der extra auf die Kinder abgestimmt war. Von Dienstag bis Donnerstag arbeitete ich nach diesem Plan mit den Kindern.

Freitags war ich in einem Ernährungsprojekt tätig. Ich Kinder gemessen und gewogen und mit diesen Werten so etwas wie den „Grad der Mangelerscheinungen“ auswerten (anhand von Graphen, die mir eine Ernährungsspezialistin zur Verfügung stellte). Ich überlegte mir einen Ernährungsplan für jedes Kind, kaufte Milchpulver und Zerealien und kontrollierte den Verlauf.

Ich lebte in einer Gastfamilie, die aus meiner Gastmutter (Betania, Anfang 40), meinem Gastbruder (Chester, Mitte 20), und zwei Gastschwestern (Katyuska, 20 und Gabriela, 15) bestand. Ich wurde sehr freundlich aufgenommen. Sowohl meinen Mitarbeitern, als auch von meiner Gastfamilie. Natürlich ließ das anfängliche Interesse mit der Zeit nach, aber das erleichterte mir auch, meinen Alltag zu finden.

Natürlich war nicht immer alles 100%ig toll (ist es ja in Deutschland auch nicht unbedingt). Als ich z.B. krank war, habe ich mich sehr nach Hause gesehnt. Das hat aber zum Glück nicht lange angehalten. Ansonsten sind es nur kurze Momente, z.B. wenn ich um 03:00Uhr nachts aufstehen musste, weil es nach zwei Wochen endlich wieder fließendes Wasser gab und wir alle Eimer und Flaschen damit füllen mussten, weil es ab 06:00Uhr schon wieder weg war. Ansonsten fühlte ich mich aber sehr wohl.

Die Verständigung war von Anfang an kein Problem, da ich bereits Erfahrungen im spanischsprachigen Raum gesammelt hatte. Natürlich konnte ich nicht immer alles auf Anhieb verstehen- gerade in größeren Gruppen oder an lauten Orten fiel es mir schwerer. Zu größeren Missverständnissen kam es aber nicht.

Die komplette Zeit über habe ich mich von der Partnerorganisation CEDRU sehr gut betreut gefühlt. Die Seminare waren immer sehr liebevoll und interessant gestaltet und allein durch die fußläufige Lage des Büros fand ich eine tolle Präsenz vor.

In meiner Einsatzstelle war es ein wenig komplizierter. Der Pipitos- Vorstand besteht aus fünf Mitgliedern, die zum Großteil Eltern von Kindern mit Behinderung sind. Sie sind daher zeitlich alle sehr eingespannt und auch äußere Umstände erschwerten oft die Arbeit (z.B. wenn die Regenfälle die Straßen unbefahrbar machten und Vorstandsmitglieder darum über Monate hinweg nicht kommen konnten). So habe ich mich am Anfang etwas unnütz gefühlt, denn niemand hatte mich in meine Aufgaben eingewiesen. Nach einigen Versammlungen und wohl auch über das Vertrauen, das ich mit der Zeit aufbauen konnte, wurde mir mehr und mehr Verantwortung übertragen, sodass ich mich in meine Tätigkeitsfelder einfinden konnte.

Die Frage nach der wichtigsten Erfahrung fällt mir sehr schwer zu beantworten. Ich denke, dass es die Prozesse waren, die am prägendsten waren. Besonders, dass in meiner Einsatzstelle zu Beginn so viel Unklarheit herrschte und dass das Niveau der Kunsttherapie so niedrig war forderten mich. Dass ich letztendlich doch meinen Platz finden konnte und die Arbeit mich erfüllte, war für mich eine tolle Entwicklung.

Als frische Rückkehrerin kann ich offen sagen, dass der Freiwilligen Dienst sehr große Auswirkungen für mein Leben hier hat. Meine Sichtweise auf die Lebensbedingungen in Deutschland (finanziellerReichtum, Bildung, Zukunftsperspektiven etc.) und das Familienleben (Erziehung; insb. die Bestrafungen, Rollenverteilung) haben sich intensiviert und fallen mir selbst im Alltag auf.