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Nun sind meine elf Monate in Moldawien vorbei. Viel zu schnell verging die Zeit und ich wäre gerne noch länger geblieben. Als ich im letzten September nach Chisinau flog, wollte ich nicht so viele Erwartungen an das Jahr und Moldawien stellen. Ich dachte, es kommt eh alles anders als man denkt und so war es auch tatsächlich...

Name:AntoniaAlter:20Einsatzstelle:Casa Aschiuta / Advit MoldovaInhaltliche Ausrichtung:Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Aus meinen elf geplanten Monaten in einem Kinderheim wurden nur sechs. Die Arbeit dort hatte ich im Prinzip so erwartet. Wir spielten vor allem viel mit den Kindern und machten Hausaufgaben. Ich hätte jedoch nicht gedacht, dass wir vier Freiwillige teilweise sein würden und somit viel zu viele für ein Projekt. Anfangs dachte ich, dass mir die Sprache am meisten Schwierigkeiten bereiten würde, vor allem in Alltagssituationen wie Einkaufen. Jedoch hat das sehr schnell, sehr gut funktioniert. Beim Projekt blieben jedoch die ganze Zeit Verständigungs- bzw. viel mehr Kommunikationsprobleme. Jetzt spreche ich relativ gut Rumänisch, ich hätte jedoch erwartet, dass ich es eigentlich noch besser sprechen würde.

Ich hatte mich für mein erstes Projekt entschieden, da mir in einem Kinderheim zu arbeiten auf Anhieb gefallen hat. Für mich war klar, dass ich in meinem Freiwilligenjahr sehr gerne mit Kindern arbeiten möchte, auch Moldawien reizte mich sehr, da ich bis zu meiner Ausreise kaum etwas über dieses Land wusste. In meinem Projekt konnte ich mit den Kindern Hausaufgaben machen, sehr viel spielen und auch eigene kleine Aktivitäten durchführen, wie Basteln und auf den nahgelegenen Sportplatz gehen. Außerdem organisierte ich mit ein paar anderen Freiwilligen einen Spielenachmittag, eine Weihnachts-, Faschings- und Osterfeier.

Anfangs war auf jeden Fall eine große Herausforderung die Sprachbarriere, so dass wir große Schwierigkeiten hatten, die Kinder zu (neuen) Spielen oder Bastelaktivitäten zu motivieren. Mit der Zeit stellte ich jedoch fest, dass die Sprache nicht das Problem war, sondern einfach die Kommunikation mit den Erwachsenen. Oft kam ich ins Projekt und andere Freiwilligenorganisation führten Programme durch. Einmal wollten wir am selben Tag etwas zu Halloween machen wie eine andere Gruppe von Freiwilligen. Das wir etwas tun wollten, hatten wir zu vor abgeklärt.Wir führten Gespräche mit den Erziehern im Projekt, auch unter Zuhilfenahme eines Übersetzers von Advit, geholfen hat das jedoch nicht wirklich.  
Ich hatte gedacht, und es wurde uns das auch so versprochen, dass wir mehr in die Arbeit des Kinderheims mit einbezogen werden. Jedoch konnten wir nie an Teamsitzungen teilnehmen und wie das Kinderheim arbeitet, bekamen wir nur am Rande mit.
Mein größtes Problem kam jedoch als bekannt wurde, dass mein Projekt aufgrund von Geldmangel schließt. Monatelang war nicht klar, was mit uns Freiwilligen passiert und weder Projekt noch Organisation hat sich in irgendeiner Weise um die Zukunft von uns Freiwilligen gekümmert. Die geführten Gespräche waren ohne Erfolg, was vermutlich daran lag, dass niemand wirklich wusste, was in so einem Fall passiert und anscheinend niemand für so etwas verantwortlich ist. Eine weitere Schwierigkeit kam dadurch hinzu, dass ich weltwärts-Freiwillige war und deswegen nur in anerkannten weltwärts-Projekten arbeiten durfte, es jedoch keinerlei offene Stellen zu dem Zeitpunkt gab. Nach zwei Monaten wurde schließlich beschlossen, dass Advit sich als weltwärts-Stelle anerkennen lässt und ich dort meine restlichen Monate arbeiten werde. Für mein zweites Projekt habe ich mich also eher unfreiwilligermaßen entschieden. Anfangs klang es ganz spannend beim Aufbau eines Jugendclubs für Freiwillige, Mentoren und Einheimische zu helfen. Wenn ich Arbeit hatte, war es das auch, nur leider hatte ich das selten. Richtig eingebunden in andere Aufgaben von Advit wurde ich leider nicht, da sie meinten für die kurze Zeit (vier Monate) lohne es sich nicht, mich einzuarbeiten. Meine eigenen Ideen wurden mit viel Freude aufgenommen, jedoch die Möglichkeit sie umzusetzen wurde mir leider nicht gegeben.
So hatte ich sehr viel Gestaltungsfreiheit für meine Zeit, die ich dazu nutzte in anderen Projekten mitzuarbeiten. Eine Woche lang arbeitete ich bei Ferienspielen für Kinder mit und organisierte Spiele. Öfters arbeitete ich in einem Kinderheim einer Freundin mit, wo vier „meiner“ Kinder aus meinem alten Projekt hingekommen waren. Dort führte ich eine Osterbastelaktion durch und veranstaltete eine ganze Woche voll mit Aktivitäten.
Bei beiden Projekten hatte ich sehr viel Freiraum und konnte zum größten Teil selbst entscheiden, was ich machen wollte. Bei Advit organisierte ich die gesamten Treffen für die Freiwilligen im Prinzip alleine und ich war auch die Verantwortliche für die Facebookseite. Die Betreuung war eher mittelmäßig auch wenn ich bei Advit überhaupt keine Verständigungsprobleme hatte, wurde die Kommunikation doch dadurch erschwert, dass ich ständig wechselnde Ansprechpersonen hatte, die sich jedoch unter einander in keinster Weise ausgetauscht hatten. Im Kinderheim war das besser. Unsere erste Ansprechperson war sehr nett und hilfsbereit, die zweite konnte uns jedoch leider nur selten weiterhelfen.
Ich bin froh, dass ich es geschafft habe, zumindest etwas Abwechslung und Freude in die Leben der Kinder in den Heimen gebracht zu haben. Wenn man etwas geplant und durchgeführt hat, ist es schon sehr zufriedenstellend, wenn auch nur ein Kind dadurch gelächelt oder gelacht hat.
Bei Advit kann man noch jetzt die Spuren meiner Arbeit sehen. Advit Youth Club läuft weiter. Von anfangs zehn beläuft sich jetzt die Teilnehmerzahl auf um die 25.
Eine sehr wichtige Erfahrung, die sich auf jeden Fall in beiden Projekten bestätigt hat, ist, dass Kommunikation (fast) alles ist, dazu kommt noch das tatsächliche Umsetzen des Besprochenen.
Zudem habe ich zumindest eine Ahnung davon bekommen, wie es ist in einem Kinderheim aufzuwachsen. Ich hatte die Möglichkeit verschiedene Heime kennenzulernen, die teilweise total unterschiedliche Arbeitsweisen haben. Richtig die Kinder fördern, wo sie es brauchten, wurden sie jedoch in keinem.

Ijgd war größtenteils super. Meine eigentliche Bewerbung ging damals zuerst an Berlin, nach viel Hin-und Her und schließlich der zweiten endgültigen Absage von der EU-Förderung für mein Projekt, kam ich relativ spontan und schnell zu ijgd-Bonn. Dort konnte ich aus einigen verschiedenen offenen Stellen noch wählen. Für Fragen war immer ein offenes Ohr und auch durch das Einführungsseminar fühlte ich mich gut vorbereitet.
Bei meinem größten Problem, was den Projektwechsel betrifft, hätte ich mir etwas mehr Unterstützung gewünscht, aber ansonsten fühlte ich mich immer gut betreut.

Ich habe mich in der Gruppe mit den anderen deutschen Freiwilligen sehr wohlgefühlt. Es war schön sich mit den anderen auszutauschen und zu erfahren, dass wir trotz unterschiedlicher Länder doch auf dieselben Situationen und Probleme stoßen. Teilweise hatte, bzw. habe, ich auch außerhalb der Seminare noch Kontakt mit einigen.
Die zwei Seminare, an denen ich teilgenommen habe, waren auf jeden Fall sinnvoll, interessant, abwechslungsreich und informativ gestaltet. Manchmal konnten wir wählen, zu was wir uns mehr informieren wollen und generell konnten wir viel selber mitbestimmen. Die Leitung war gut und ich habe mich auch dort gut betreut gefühlt. Ich fand es nur schade, dass ich leider nicht an allen Seminaren teilnehmen konnte.

Ab und zu hatten wir Treffen mit unserer Betreuerin vom Projekt, dann kam jemand von Advit hinzu, um für uns zu übersetzen.
Ansonsten hatten wir während des gesamten Jahres zwei oder drei von Advit angebotene Ausflüge und ein Treffen, in dem es darum ging, Arbeit mit Kindern zu gestalten.

Ich hatte so gut wie meine ganzen elf Monate Sprachkurs. Erst Rumänisch etwa 9 Monate lang und dann noch ein ganz bisschen Russisch. Unterricht hatte ich ein bis zwei Mal pro Woche. Das Rumänisch hat mir auf jeden Fall sehr viel geholfen. Ich spreche es jetzt relativ fließend. Unsere Lehrerin war super, wir konnten sie alles fragen und so hat sie uns nicht nur Rumänisch sondern auch die moldawische Kultur näher gebracht.
Russisch war leider viel zu kurz, um wirklich davon profitieren zu können, aber ein Anfang ist gemacht. Bei beiden Sprachen habe ich zusammen mit zwei anderen eine Gruppe gehabt. Dies war vor allem im Rumänischen angenehm, da wir drei Deutsche waren und sehr gut vom Lernen zusammen gepasst haben. Ich finde den Sprachkurs total wichtig und ihn durch einen reinen Onlinekurs zu ersetzen, wie das geplant ist, ist furchtbar. Es ist bzw. kann so viel mehr als reines Sprachen lernen sein.
Ich habe in einer WG mit drei andren Freiwilligen gewohnt. Ich hatte mein eigenes Zimmer und es war alles vorhanden, was man so braucht. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt.
Für die Verpflegung habe ich Geld bekommen, jedoch zu wenig, als dass man davon wirklich leben kann. Zusammen mit dem Taschengeld reichte das Geld aber alle Mal.
Sprachkurs ist total wichtig und ihn durch einen reinen Onlinekurs zu ersetzen, wie das geplant ist, ist furchtbar. Es ist bzw. kann so viel mehr als reines Sprachen lernen sein.

Die Kultur in Moldawien ist ganz anders als in Deutschland. Die Menschen sind viel offener, hilfsbereiter und es reicht schon, wenn man nur ein ganz bisschen Rumänisch kann, dass sie einen mit offenen Armen aufnehmen und man wird mit leckerem Essen und Wein geradezu überschüttet, wenn man bei jemandem eingeladen ist. Anfangs ist das vielleicht etwas befremdlich, aber man kann sich doch schnell an diese freundliche, offene Art gewöhnen.
Ich denke Moldawien steht gerade auf der Schwelle von Russland sich näher EU gehörig zu fühlen und zu arbeiten. Bis dahin ist es aber sicher noch ein langer Schritt. Ein Problem, was bis dahin gelöst werden muss, ist auf jeden Fall Transnistrien und auch die hohe Abwanderung an Arbeitskräften. Es ist echt traurig zu hören, dass eigentlich die Hälfte der Familie im Ausland arbeitet oder auch der Zukunftswunsch der jungen Moldawier ist, später einmal im Ausland zu arbeiten. Leider sind das beides Probleme, die sehr viel Zeit brauchen, um sie zu lösen. Ich denke auch nicht, dass Moldawien das alleine schaffen kann, sondern es braucht Hilfe von außen. Eine Hilfe, die in Moldawien Arbeitsplätze schafft.

Durch den Freiwilligendienst bin ich auf jeden Fall selbstständiger geworden. Ich habe meine Fähigkeiten mit Kindern zu arbeiten noch weiter ausgebaut und habe viele Möglichkeiten kennengelernt auch mit wenig viel zu erreichen.
Meine Sicht auf Deutschland hat sich stark verändert. Ich habe doch sehr bemerkt, wie gut wir es hier haben. Vorher war mir schon klar, dass Deutschland ein reiches, starkes Land ist, aber durch meinen Aufenthalt in Moldawien hat sich das nochmal verstärkt. Für viele Moldawier gehört Deutschland mit zu den Traumzielen zum Arbeiten. Arbeit und Produkte aus Deutschland werden als das Beste, was es gibt, angesehen. Überall ist man auf deutsche Produkte gestoßen.  
Ich habe eine ganz andere Welt kennengelernt, eine neue Sichtweise, in einem ganz anderen Umfeld und unter anderen Bedingungen zu leben. Ich wurde sensibilisiert für die Zustände in anderen Ländern und ich habe das Gefühl, dass die Welt kleiner geworden ist. In dem Sinne würde ich sagen, dass ich auf jeden Fall entwicklungspolitisch hinzugelernt habe.
Sehr gerne würde ich nochmal für einen Freiwilligendienst nach Moldawien gehen, beim Projekt würde ich jedoch stärker darauf achten, was genau ich dort tue und wo ich arbeite. Leider wird man doch eigentlich kaum gebraucht, bzw. wo anders sicherlich viel notwendiger, vor allem wenn bereits andere Freiwillige in dem Projekt sind, so dass man sich im Prinzip nur gegenseitig die Arbeit wegnimmt.

Vor meinem Freiwilligenjahr wollte ich in Richtung Soziale Arbeit gehen, jetzt habe ich mich entschieden Angewandte Kognitions- und Medienwissenschaften zu studieren und hoffe, dass ich auch ein Auslandssemester im Rahmen meines Studiums absolvieren kann.
Ich war vor dem Jahr sehr lange Zeit ehrenamtlich in der Kinderarbeit aktiv und denke, dass ich auch nun wieder in Deutschland ehrenamtlich weiterarbeiten werde.
Die Projekte und Menschen in Moldawien kann man, denke ich, am besten damit unterstützen, dass man in erster Linie auf dieses kleine Land aufmerksam macht. Kaum einer kennt es und weiß, wo es liegt. Deswegen ist Werbung für das Land und eine Sensibilisierung auf die moldawische Situation ein erster Schritt, um das Leben dort zu verbessern. Denn nur wer Bescheid weiß, kann z. B. mit Geld helfen.

 

Viele Grüße, Antonia
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