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MTV in Ghana

Akwaaba (heißt in Ghana „Willkommen“) zu meinem ganz persönlichen Abenteuer, einem 9-wöchigen MTV in diesem Land Westafrikas!

Reisen, aber dennoch fernab von vermeintlich oberflächlichem Tourismus sein, tief eintauchen in eine andere Kultur, neue Menschen kennen lernen...

Name:Alisha W.Einsatzstelle:ARA Health Care in GhanaInhaltliche Ausrichtung:Gesundheit

...Herausforderungen annehmen und all das zur gleichen Zeit circa 7.000km entfernt von zu Hause- ja, das wollte ich. Schon seit meinem Abitur 2008 hegte ich den Wunsch, ins Ausland zu gehen- am liebsten nach Afrika. Aber was, wie, wo, wann? Nachdem ich zunächst eine Ausbildung zur Rettungsassistentin abgeschlossen und Berufserfahrung gesammelt hatte, wusste ich, dass ich diesen immer noch bestehenden Traum mit meinen medizinischen Vorkenntnissen kombinieren wollte. Bei Recherchen stieß ich auf die ijgd, welche in puncto Einsatzstellen, Projekten, Seriosität und Organisation eine wahre Symbiose zu bilden schien. Beworben, angenommen, schon fand ich mich im Vorbereitungsseminar wieder und überlegte..: Wofür hast du dich da entschieden? Bist du so mutig? Setze ich mich bei diesem Abenteuer nicht unbekannten Gefahren aus? Um Antworten auf genau solche Fragen zu finden, war ich hier. Die ijgd schickt keinen ihrer Freiwilligen in ein offensichtlich gefährliches Land für welches z.B. Reisewarnungen des Auswärtigen Amts bestehen- dennoch wollen einige kulturelle Ratschläge beachtet werden. Nach dem Seminar hatte ich einen Wegweiser bekommen, grobe Vorstellungen und Zweifel wichen klaren Strukturen.  Und ich wusste immer noch: Ja, das will ich! Und trotzdem wuchs die Aufregung stetig. Würde ich doch trotz all der Vorfreude auf das kommende Neue meine geliebte Heimat mit Familie und Freunden zurücklassen und mich erst einmal alleine in ein anderes Leben stürzen. Und schon bald lernte ich unzählig viele, beeindruckende Menschen aus aller Welt kennen, die meinen Aufenthalt für immer unvergesslich machten.
Anfang September kam ich in Accra, der Hauptstadt Ghanas, an. Ein Orientierungsseminar der Partnerorganisation ARA half den 23 weiteren Freiwilligen und mir erst einmal, uns zu akklimatisieren und machte uns u.a. mit landesspezifischen Informationen vertraut. Ich kam zufällig zur gleichen Zeit mit den Weltwaertslern an und profitierte so von noch intensiverer Vorbereitung. Ich erfuhr tatsächlich erst hier, wo genau meine Einsatzstelle im Rahmen der „Health Care“ sein wird, bei wem und mit wem ich wohnen werde.
Wenige Tage später schon wurden wir von unseren Mentoren zu den Gastfamilien gebracht und nun war ich wirklich angekommen. Zusammen mit Jana, einer Weltwaertslerin, wohnte ich in einer überaus herzlichen Familie in direkter Nähe zu unserer Einsatzstelle, dem „Our Lady of Grace“ Hospital in Breman Asikuma, Central Region. Wir lebten bei unserer Gast Oma, neben einigen weiteren Ghanaern, welche die Räume ihres großen Hauses mieteten. Unsere Gast Oma, 79 Jahre alt, strahlte, sang, betete, sprach fließend Englisch und bekochte uns wie ihre Enkel. Ihr Sohn und seine Familie wohnten wenige Straßen entfernt und kümmerten sich rührend um alles Weitere, was uns auf dem Herzen lag - die ganze Familie und Nachbarschaft integrierten uns in ihr tägliches Leben. Bald schon kochten wir zusammen auf dem Hof mit Töpfen auf Kohle, tauschten uns über unsere Kulturen aus, begannen ihre Sprache Fanti zu lernen und wurden Teil der Familie. Mein  Zimmer lag an dem Haus. Ein Bett mit Moskitonetz, eine abschließbare Tür, auch ein Wasserhahn auf dem Hof sorgten für fließendes Wasser in der gemauerten Duschkabine; und an das Plumpsklo hinter dem Palmenwäldchen konnte ich mich auch gewöhnen.
Auch die Arbeit im Krankenhaus war unglaublich spannend, erlebnis- und lehrreich. Das  „Our Lady of Grace“ Hospital ist ein Krankenhaus der Grundversorgung; die medizinische Versorgung ist sehr professionell, das gesamte Personal außerordentlich kompetent, ihnen mangelt es tatsächlich am ehesten an zeitgemäßem Equipment. In Absprache mit den drei weiteren Freiwilligen im Projekt (Jana von Weltwaerts und zwei Amerikanerinnen einer anderen Entsendeorganisation) durfte ich mir sogar aussuchen, wie lange ich auf welcher der Stationen arbeiten wollte. Hier waren die Freiwilligen als zusätzliche Kraft eingeplant, da die medizinischen Vorkenntnisse doch sehr variierten. So war vieles entspannter und im besten Fall konnte das Personal auf eine gut eingearbeitete, motivierte zusätzliche Kraft zählen. So durchlief ich die verschiedensten Stationen von u.a. der Augenklinik, dem OP, der Kinderstation bis hin zur Entbindungsstation. Letztere ließ mich nicht los, hier verbrachte ich voller Faszination an der Arbeit der Hebammen die längste Zeit. Ich war tatsächlich nicht hier, um mein medizinisches Wissen einzubringen. Ganz im Gegenteil, sie beherrschen ihren Job- vor allem angesichts der örtlichen Umstände. Mit zuarbeitenden Tätigkeiten begonnen, wuchs das gegenseitige Vertrauen und ich bekam täglich mehr Verantwortung übertragen,  maß u.a. Vitalparameter, stellte Medikationen oder versorgte die Neugeborenen.
Einer meiner rührendsten Momente im MTV war zu sehen, wie ich „obruni“ (=Weißer) hier in Ghana Teil des Personals wurde und die Hebammen und Schwestern mich mit Tränen in den Augen verabschiedeten…<3
Während die Tage in der Woche vom Alltag geprägt waren (Frühdienst, Wäsche im Hof mit der Hand waschen, Kontakte pflegen, Mentorentreffen), bereiste ich an den Wochenenden das Land und sah unzählig viele, verschiedene, schöne Ecken Ghanas. Mit meinen liebgewonnenen Mitfreiwilligen entdeckte ich eine Lodge an einem entlegenen Strand, wo Sterne zum Greifen nah schienen, das Rauschen des Meeres in den Ohren klang und die vor meinen Augen in der Luft tanzenden Glühwürmchen die Welt für einen Moment surreal erscheinen ließen. Auch die Reise zum größten Markt Westafrikas mit unzählig vielen der ghanaischen Stoffe oder dem gigantischen Volta-Staudamm bleiben einzigartig. Solche Erlebnisse entschädigten dann die manchmal recht aufregenden, langwierigen und huckeligen Trotro-Fahrten ;). Und das natürlich mal aufkommende Heimweh. Oder die andauernde Irritation des Verdauungstraktes. Und in meinem Fall die sogar zweimal durchgemachte Malaria. An dieser Stelle sei gesagt: Leute, nehmt diese Krankheit ernst! Informiert euch, schützt euch vor den Mückenstichen, seid aufmerksam! Schlagartig begann das Fieber und schon lag ich flach...aber: dank der schnellen Reaktion und wahrhaftig guter Versorgung im Krankenhaus war ich schon wenige Tage später wieder auf den Beinen.
Wie ihr seht, gehören die Auf und Ab´s nun mal auch im MTV dazu. Es ist unweigerlich vieles anders. Zu Hause in Deutschland werde ich  nicht von fast jedem Mann am Straßenrand gefragt, ob ich ihn heiraten wolle (um ins vermeintlich reiche Deutschland zu kommen), auch Kinder rufen nicht ständig „Obruni!“, weil ich weiß bin. Die weiße Hautfarbe ist dort eben ein Magnet und steht oberflächlich für so manches Vielversprechendes.
Nach verdammt schwerem, tränenreichem Abschied gehe ich aus all diesen Erfahrungen gestärkt heraus und blicke mit einem Strahlen zurück auf diese Zeit. Die unermesslich vielen Erfahrungen und das Kennenlernen sehr vieler toller Menschen möchte ich nicht missen. Spätestens jetzt nehme ich unseren hohen Lebensstandard noch intensiver wahr. Auch weiß ich solch als  typisch wahrgenommenen deutschen Werte wie Korrektheit, Pünktlichkeit oder Zuverlässigkeit noch mehr zu schätzen. Und beneide die Ghanaer für ihre Leichtigkeit. Ich kann nur jedem raten, das MTV so lange wie möglich abzuhalten bzw. sich gleich für weltwaerts zu entscheiden, sofern es die persönliche Lebenssituation zulässt. Alle Erfahrungen können wohl nur noch großartiger sein.
Und zu guter Letzt ein großes DANKE an all die lieben Menschen, die mich von der Entscheidungsfindung bis zur Rückkehr unterstützt haben und dabei waren!!!

Viel Erfolg auf eurem Weg wünscht Euch Oba Yaa (mein ghanaischer Name, „die am Donnerstag geborene Frau“)

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.