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MTV in Tansania

Nochmal raus aus dem Berufsalltag und völlig neue Erfahrungen in einem fernen Land in einer fremden Kultur sammeln - mich von neuen Ideen inspirieren lassen, meinen Horizont erweitern und erleben, was unser wunderbarer Planet Erde sonst noch so zu bieten hat…

Name:Daniela P.Einsatzstelle:UVIKIUTA Adult Education Project in Chamazi, TansaniaInhaltliche Ausrichtung:Bildung

Das hat mich angetrieben, den Schritt zu wagen nach fast drei Jahren Berufsleben eine Pause einzulegen und nach Tansania zu gehen, um jungen Erwachsenen Englischunterricht zu geben.

Bis zu meinem MTV hatte ich zwar schon recht viele Länder bereist, aber in Afrika war ich noch nie zuvor. Unterrichtet hatte ich auch noch nie. Und genau aus diesen Gründen habe ich mich für das Adult Education Project in Tansania entschieden. Diese Auszeit sollte ganz unter dem Motto „wenn schon, denn schon“ stehen und eine echte Herausforderung für mich werden…

Angekommen am Flughafen von Dar es Salaam wurde ich direkt vom Taxifahrer meiner Partnerorganisation UVIKIUTA abgeholt. Ich war sehr froh, als ich dort mit Namensschild herzlich empfangen wurde. Das gab mir Sicherheit, denn anfangs war alles natürlich noch total fremd. Ich erinnere mich noch gut an die etwa 30-minütige Taxifahrt nach Chamazi, einem Vorort von Dar es Salaam, meinem Einsatzort. Es war total interessant und spannend, aber auch etwas beängstigend zugleich, das Gewusel der vielen Menschen auf der Straße und am Straßenrand zu beobachten: Frauen kochten über offenen Feuerstellen, einige Männer verrichteten Tätigkeiten wie Autos reparieren oder Möbel bauen, andere transportierten diverseste Dinge umher und Kinder rannten dazwischen kreuz und quer. „Wie krass!“, dachte ich mir, „Und hier soll ich drei Monate leben?“

Bei UVIKIUTA wurde ich wie schon am Flughafen herzlichst willkommen geheißen. Ich wurde im MTV-Haus untergebracht und habe mir dort ein einfaches Zimmer, ausgestattet mit zwei Stockbetten und Moskitonetzen, mit anderen Volunteers aus verschiedenen Ländern geteilt. Wenn Workcamps in Chamazi stattfanden, waren wir an die 60 internationale Freiwillige vor allem aus Spanien, Frankreich, Irland, Südkorea und Japan. Es gab aber auch ruhigere Phasen, in denen ich mit nur zwei anderen MTV-lern die Stellung hielt.

Die Unterbringung bei UVIKIUTA war einfach, aber gut und sauber. Geduscht wurde im „African Style“ mit Wassereimer und Plastikbecher. Das WC-Häuschen war direkt neben dem MTV-Haus. Im Haus gab es Licht, solange es die über den Tag gespeicherte Solarenergie erlaubte. Das war meistens bis etwa 21 Uhr. Danach war Taschenlampe oder noch besser Stirnleuchte angesagt.
Das Essen der Gemeinschaftsküche war erstaunlich gut. Angefangen von Toastbrot mit Erdnussbutter und Marmelade zum Frühstück über Kartoffeln, Reis, Ugali (Maisbrei) oder Chapati (wie Pfannkuchen) mit Gemüse wie Bohnen, Erbsen, Linsen oder Okra zum Mittag- und Abendessen. Natürlich gab es auch reichlich frisches Obst wie Bananen, Papaya, Mango und Orangen.

Ich muss zugeben, dass ich zu Beginn etwas Bammel vor dem Unterrichten hatte, weil ich dies ja noch nie zuvor getan habe. Ich weiß noch, wie mich an meinem ersten Tag zig neugierige Augenpaare erwartungsvoll anschauten und ich ganz schön nervös war. Die Aufregung hat sich aber gelegt, als ich mit der Zeit meine Schüler besser kennen lernte und ich mich an das Unterrichten gewöhnte.

Der Englischunterricht fand nicht etwa an einer Schule in einem Dorf statt, sondern direkt auf dem Gelände von UVIKIUTA. Es handelte sich dabei um einen dreimonatigen Englischkurs, der den jungen Erwachsenen zwischen 15 und 35 Jahren aus den umliegenden Dörfern angeboten wurde. Dieser Sprachkurs fand immer dann statt, wenn sich ein Freiwilliger für dieses Projekt zur Verfügung stellte. Das heißt also, dass ich nicht Assistenzlehrerin an einer Schule war, sondern den Englischkurs größtenteils allein gegeben habe - nur ab und zu hat eine Einheimische mir beim Anfängerkurs mit Übersetzen auf Suaheli geholfen.

Zu Beginn teilte ich die Schüler ihrem Wissensstand entsprechend in drei Klassen zu je ca. sieben Personen ein. So war die Klassenstärke für einen Sprachkurs ideal. Die erste Klasse unterrichtete ich täglich von 9:00 bis 11:00 Uhr, im Anschluss daran die zweite Klasse von 11:00 bis 13:00 Uhr, dann war Mittagspause und danach war die dritte Klasse von 15:00 bis 17:00 Uhr an der Reihe. Mein Tag war also ziemlich ausgefüllt, wenn man Vor- und Nachbereitung mit einbezieht und bedenkt, dass es in Tansania immer gegen 18:30 Uhr dunkel wird.

Da ich kein Unterrichtsmaterial zur Verfügung gestellt bekam, war ich sehr froh, mir eigene Englischbücher aus Deutschland mitgebracht zu haben. Daraus konnte ich Ideen zu Didaktik und Methodik sowie Texte, Grammatik und Übungen für meinen Unterricht entnehmen. Ich ließ aber auch eigene Ideen wie Diskussionsrunden über Tansania, Rollenspiele wie Einkaufen auf dem Markt, Singen, Malen und verschiedene Spiele mit einfließen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir mein MTV in Tansania absolut gut gefallen hat. Es war eine tolle Möglichkeit, neue Eindrücke in einer exotischen Kultur zu sammeln und neue interessante Leute aus der ganzen Welt kennen zu lernen. Das Zusammenleben mit den anderen internationalen Freiwilligen war einfach super und wurde nie langweilig. Das Unterrichten hat mir von Tag zu Tag mehr Spaß gemacht, weil ich unabhängig war und im Grunde selbständig entscheiden konnte, in welcher Art und Weise ich den Sprachkurs gestalten wollte. Außerdem habe ich gemerkt, wie motiviert und dankbar die tansanischen Schüler waren, dass jemand wie ich sich für sie interessierte und extra aus Deutschland kam, um ihnen etwas beizubringen. Zu sehen, wie sehr sich meine Schüler innerhalb der drei Monate verbesserten, war für mich die größte persönliche Bestätigung. Tansania war darüber hinaus als Reiseland eine lohnenswerte Entscheidung für mich. Der Serengeti Nationalpark, Mount Kilimanjaro (höchster Berg Afrikas) und Sansibar, die paradiesische Trauminsel im Indischen Ozean, sind nur einige der unzähligen touristischen Attraktionen, die Tansania zu bieten hat.

Rückblickend würde ich allen Interessenten empfehlen, einen Suaheli Kurs vor ihrem MTV zu machen. Das lässt sich wunderbar mit einem Trip zum Beispiel nach Sansibar verbinden. Denn wenn man ein paar Brocken Suaheli spricht, kommt man viel schneller ins Gespräch mit den einheimischen Leuten und kann sie besser kennen lernen. Des Weiteren kann ich nur jedem empfehlen, eigenes Unterrichtsmaterial mitzunehmen, weil nicht davon ausgegangen werden kann, dass es vor Ort welches gibt.

Ansonsten wünsche ich jedem, der sich für ein MTV in Tansania entscheidet, ganz viel Spaß! Seid offen und lasst euch von der Lebensfreude und Herzlichkeit der Tansanianer anstecken und genießt eure Zeit in einem der ärmsten, aber auch schönsten Länder dieser Erde!

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.