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MTV in Tansania

Nachdem ich im Sommer zuvor die Schule abgeschlossen hatte, wollte ich gerne mal was „ganz anderes“ machen und in ein anderes Umfeld eintauchen. An einem MTV hat mich gereizt, dass ich das Ganze mit einem sozialen Projekt verbinden konnte und gleichzeitig eine neue Perspektive auf ein Land des globalen Südens jenseits der üblichen Klischees und Stereotype gewinnen konnte.

Name:Tabea W.Einsatzstelle:Cleopatra Memorial Nursery School, Dar es SalaamInhaltliche Ausrichtung:Unterrichtsassistenz

UVIKIUTA besitzt ein Gelände am Stadtrand von Dar es Salaam, auf dem sich auch das Ecovillage befindet. Hier leben in zwölf Häusern Familien, die alle mit UVIKIUTA verbunden sind – die meisten sind Mitarbeiter_innen. Auch die Freiwilligen sind hier bei ihren Gastfamilien untergebracht. Man befindet sich also ein wenig in einer eingeschworenen Gemeinschaft: Jeder kennt jeden und die Haustüren stehen jederzeit offen. Besonders am Anfang habe ich diese „Blase“ als angenehm empfunden, weil sie die große Umstellung auf ein anderes Land, eine andere Kultur und einen anderen Lebensstil erleichtert. Andererseits gibt es natürlich eher wenig Kontakt zur Außenwelt außerhalb UVIKIUTAS. Das mag nicht jedermanns_jederfraus Sache sein.

Meine Einsatzstelle war die „Cleopatra Memorial Nursery School“, eine Art Kindergarten und Vorschule für Kinder zwischen zwei und sechs. Die Schule ist noch relativ neu, dass heißt Einiges befindet sich noch in der Organisations- und Findungsphase und mag schon wieder anders sein, wenn neue Freiwillige kommen. Als ich da war, bestand das Team aus der Schulleiterin Teacher R., den Leherinnen R., L. und F., sowie Mama M., die für die Mahlzeiten zuständig war . Etwa 60 Kinder besuchten die Schule.

Die Kinder haben Unterricht in Englisch, Kiswahili, Mathematik, Science, Drawing und Handwriting.
Unterrichtet wird auf Englisch (außer Kiswahili logischerweise), was die Kinder mal besser, mal schlechter verstehen. Die meisten Erwachsenen, mit denen ich im Projekt und bei UVIKIUTA zu tun hatte, haben zumindest Grundkenntnisse in Englisch; es kann aber nicht schaden, sich schon im voraus ein wenig Kiswahili anzueignen, wenn man sich zum Beispiel beim Einkaufen mit den Händler_innen verständigen können will.
Ein typischer Tag aus meiner Freiwilligenperspektive sah etwa so aus:

Die Arbeit begann etwa um 7:20 Uhr, wenn ich in den school van zustieg, der die Kinder abholt und zur Schule bringt.

Um 7:50 Uhr kam der school van an der Schule an und die Kinder sammelten sich zum Morgenappell auf dem Schulhof.

Ab 8 Uhr begann die erste Stunde. Dafür wurden die Kinder auf drei Klassen – baby class, middle class und top class – aufgeteilt.

Die Stunde ging bis um 9:30 Uhr, wenn die zweite Stunde anfing, die bis 10:30 Uhr dauerte.

Dann gab es eine halbe Stunde „porridge break“, in der zuerst an die Kinder ein Frühstück (besagter porridge) ausgehändigt wurde. Anschließend aßen die Lehrerinnen ihren Porridge und ich hatte Teepause.

Danach stieß ich wieder zur dritten Stunde hinzu, die von 11 Uhr bis 12:30 Uhr dauerte.

Einige Kinder gingen dann bereits nach Hause, die anderen versammelten sich zum Mittagsschlaf und blieben bis ca. 15:30 Uhr, inklusive eines Mittagsessen um 13 Uhr, während die Lehrerinnen den Unterricht für den nächsten Tag vorbereiteten oder Mittagsschlaf hielten.

Zu Anfang war ich noch mit einer anderen Freiwilligen zusammen an der Schule, sodass wir uns aufteilen und jeweils eine Klasse für einen Tag begleiten konnten. Die Aufgaben hingen dann davon ab, was die Lehrerinnen uns zuteilten oder wo wir selber was zu tun finden konnten. Hausaufgaben korrigieren, neue Aufgaben in die Hefte schreiben, Plakate malen, den Morgenappell anleiten, Essen ausgeben, bei Schreibübungen helfen, die Kinder beaufsichtigen usw.

Das Vorbereitungsseminar war auf jeden Fall eine erhellende Erfahrung, da ich im Hinblick auf eine Reihe von Dingen zum Nachdenken angeregt wurde, denen ich vorher noch nie Beachtung geschenkt hatte. Dadurch hat es mir das theoretische Rüstzeug gegeben, um meine Erlebnisse reflektieren zu können und individuelle Erfahrungen in einem weiteren Kontext sehen zu können. Auch den Austausch mit ehemaligen und zukünftigen Freiwilligen habe ich als bereichernd erlebt. Insbesondere unsere Gespräche über den Sinn und die Motivation für einen Freiwilligendienst haben mir auch später weitergeholfen. Als ich dann wusste, dass es nach Tansania geht, habe ich versucht, mir noch ein wenig dazu anzulesen. Im Rückblick würde ich aber eher den Fokus auf die Sprache legen. Kiswahilikenntnisse helfen enorm weiter, wenn man mit den Leuten in Kontakt treten möchte.

UVIKIUTA als Partnerorganisation nimmt regelmäßig Freiwillige aus aller Welt auf, dass heißt in meiner Zeit waren zu meist auch andere Leute da, die in verschiedenen Projekten gearbeitet haben. Man ist also nicht allein in der Rolle des_der Freiwilligen, sondern kann sich mit anderen in der selben Situation über seine Erlebnisse austauschen und wird am Anfang von den „alten Hasen“ ein bisschen unter die Fittiche genommen.
Gleichzeitig heißt das, dass auch UVIKIUTA und seine Mitarbeiter_innen über Erfahrung im Umgang mit Freiwilligen verfügen. Auch meine Gastfamilie hatte schon andere Freiwillige vor mir aufgenommen gehabt.
Ich wurde von allen sehr herzlich aufgenommen und willkommen geheißen. Auch in der Schule waren alle sehr zuvorkommend und freundlich. Ich hatte manchmal den Eindruck, dass nicht so recht wussten, wo sie mich einsetzen sollten, aber sie waren trotz allem sehr bemüht.

Ich bin vor allem dankbar für die Erfahrung, in eine andere Gesellschaft und Kultur eingetaucht zu sein und eine andere Betrachtungsweise kennengelernt zu haben. Nur weil ich Dinge auf eine bestimmte Weise sehe oder bestimmte Prioritäten setze, heißt das noch nicht, dass ich damit die einzig richtige Sichtweise besitze. Menschen können auf Basis der selben Sachlage zu verschiedenen Schlussfolgerungen und Entscheidungen gelangen und auf eine bestimmte Weise leben, ohne dass es ein eindeutiges „richtig“ oder „falsch“ gibt.

Darüber hinaus habe ich gelernt, entwicklungspolitische Angelegenheiten auf systemischer Ebene zu betrachten und zu überlegen, wo die Schalthebel in unserem Lebensstil, unserem wirtschaftlichen und politischen System sind, an denen man ansetzen könnte, um Veränderungen zu bewirken. Da werde ich mir in Zukunft häufiger an die eigene Nase fassen müssen.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.