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MTV in Togo

Hallo liebe Reiselustigen, Abenteurer, Abiturienten, weltinteressierten Menschen!

Ich bin eine von euch und habe einen längeren Aufenthalt in Togo, Westafrika verbracht. Vom 31. August 2008 bis zum 14. März 2009 war ich unterwegs, untergebracht in Kpalimé, der zweitgrößten und schönsten Stadt in Togo.

Name:Anna-Lena B.Einsatzstelle:ASTOVOT Appui au personnel de santé, Kpalimé, TogoInhaltliche Ausrichtung:Gesundheit

Warum ich mich gerade für Togo entschieden habe? – Ich suchte ein Land, das von mir noch unerkundet war und in dem man Französisch spricht. Ausschlaggebend war auch das Projekt, im Bereich Pflege, welches ijgd angeboten hat. Das konnte mich schon mal auf mein Studium in Medizin einstimmen.

Letztendlich hat sich herausgestellt, dass die Wahl dieses Landes genau die richtige Entscheidung war. Nicht nur die Lage Kpalimés in einer Art Tal mit Bergen und lauter Wasserfällen, sondern auch die Kultur und die Menschen haben mich wachsen lassen. Natürlich habe ich auch Französisch gelernt, aber das ist im Nachhinein nicht das Ausschlaggebende. Schließlich ist die Muttersprache im Bereich Kloto Ewe, was so viel bedeutet wie: Du verstehst Bahnhof, wenn die Togoer untereinander plaudern.

Um diese und weitere kulturellen Schockmomente ein wenig sanfter zu erfahren, organisiert ijgd ein Vorbereitungsseminar. Ich hatte das Glück, dass ein Togoer, der momentan in Deutschland studierte, eingeladen war und eine Präsentation auf Französisch über sein Land hielt. Als ich dem sympathischen Herrn anschließend Fragen stellte, konnte ich mich davon überzeugen, dass meine Französischkenntnisse aus der 10. Klasse noch ausreichten, um zu mindestens den Einstieg in Togo zu überleben. Und in der Tat, meine Überlebenschancen standen nicht schlecht.

Als ich am Flughafen in Lomé ankam, konnte ich mich mit dem netten Fremden von Astovot auf Französisch unterhalten. Er brachte mich in eine Jugendherberge zu anderen Neuankömmlingen und half uns in Togo anzukommen. Auch die folgende Einführungswoche, die von Astovot organisiert wurde war sehr hilfreich. Zum einen, um sich besser kennen zu lernen und einen gewissen Halt zu finden und zum anderen, um in die Kultur eingeführt zu werden. Sprich, Bräuche wurden erklärt, Regeln ausgesprochen und Warnungen gegeben, aber auch Wörter und Lieder auf Ewe beigebracht, um einen leichteren Einstieg in der Familie zu haben. Auch sonst war das Astovot-Büro offen für Anregungen und Kritik. Man musste jedoch wissen, wie mit welchem Mitglied zu reden war.

Das war bei mir zu Hause eher kein Problem. Vielleicht lag es auch daran, dass meine Gastfamilie, in der ich untergebracht war, vaterlos war. Ich lebte mit meiner Gastmutter, 7 Brüdern, und 4 Geschwistern in einem Haus ohne Strom und ohne fließendes Wasser. Es war genial! Das Haus war lebendig. Zunächst gewöhnungsbedürftig für mich, da ich in Deutschland „nur“ mit meinen Eltern und meinem Bruder zusammen lebe. Das habe ich jedoch mit Sicherheit gelernt: Gewöhnen kann man sich an vieles. Meine Geschwister waren im Alter zwischen 1 und 27 Jahren. Aber nicht alle diese Menschen waren die Kinder meiner Gastmutter. Teilweise sind es auch Cousins, Enkel und Bekannte, die einfach aufgenommen wurden, denn der Zusammenhalt einer Großfamilie ist das A und O in Togo. Geschlafen habe ich in einem eigenen Zimmer. Das war auch wichtig, um mal zur Ruhe zu kommen, wobei die Togoer selten gestresst sind. Lieblingsaussage: „Doucement! Ça va aller!“ Geregelt waren auch die Mahlzeiten für mich. Ich betone für mich, weil es keine Möglichkeit gab, mit der Familie zusammen zu essen. Morgens vor der Arbeit gab es Brot mit einer Beilage und einem Kakao oder Tee, um 13 Uhr gab es Mittagessen und gegen 19 Uhr Abendessen. Es hatte mich schon gestört, dass ich so bevorzugt wurde, aber ich war halt der Gast. Daran konnte ich auch nach einigen Gesprächen nichts ändern. In meinem Projekt entstand nach einiger Zeit auch eine familiäre Atmosphäre.

Das Solidarité war solide und gut für einen ersten Kontakt mit der Medizin. Ich konnte in der kleinen Poliklinik in jeden Bereich reinschauen. Vor allem die Geburt eines Kindes, die ich schon am ersten Arbeitstag miterleben konnte, hatte mich beeindruckt, aber auch erstaunen lassen. Im Solidarité bringen die Mütter ihre Kinder nämlich ohne jegliche Schmerzmittel zur Welt. Zu den Mitarbeitern hatte ich recht schnell einen guten Draht aufgebaut. Mit der offenen und direkten Art der Togoer ist das auch keine Schwierigkeit. Neben der Arbeit in der Klinik tauschten wir unsere Ansichten in vielerlei Hinsicht aus und sorgten damit für einen kulturellen Austausch. Grundsätzlich war die Atmosphäre sehr locker. Es gab zum Beispiel zwei Rentner, die noch recht aktiv im Solidarité mitarbeiteten. Mit den zwei konnte man noch ziemlich gut herumscherzen. Neu für mich war es zu sehen, wie die muslimischen Patienten und Angehörigen zu regelmäßigen Gebetszeiten ihre Teppiche rausholten und dort, wo Platz war ausbreiteten, um zu beten. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Verhalten, wenn man es in deutschen Krankenhäusern vorfinden würde, zu heftigen Diskussionen führen könnte. Nach einiger Zeit der Eingewöhnung kam noch eine andere Freiwillige von „Campagne des Hommes“ ins Solidarité, um das gleiche Projekt zu machen wie ich. Wir standen uns aber nicht im  Weg. Mehr als zwei Freiwillige wären für das kleine Solidarité jedoch zu viel. Lustig waren die vielen Besuche meiner Freunde aus Europa, die regelmäßig vorbeischauten. Sie suchten aber eher den Arzt als mich.

Zurück in Deutschland musste ich mich ungewollt eine Woche ausruhen, weil ich krank geworden war. Es war allerdings gar nicht so schlecht sich diese Zeit zu nehmen, um über die Erlebnisse nachzudenken, in Ruhe in Deutschland anzukommen und darüber zu reflektieren wie es weitergeht. Es ist wichtig sich nicht hetzen zu lassen. Mein Plan, sah zunächst so aus, dass ich die Möglichkeiten, die ich hatte, nutzen wollte, um mit Togo in Kontakt zu bleiben. Sprich Email-Kontakt mit meinen Freunden in Togo und Freunde meiner Freunde in Deutschland aufsuchen, die es geschafft haben, in Deutschland Fuß zu fassen. Des Weiteren wollte ich mit ijgd in Kontakt bleiben, um im Bereich der sozialen Arbeit etwas zu tun und den internationalen Austausch zu fördern. Ansonsten halte ich meine Ohren offen und schaue, was sich für weitere Ideen in meinem Kopf kreieren.

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