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Mein MTV in Indonesien 2016/17

Ich wollte Freiwilligenarbeit machen - das wusste ich schon seit der 10. Klasse, als ich das erste mal gehört habe, dass es Freiwillige gibt, die ihre Zeit, Arbeit und ihre Kenntnisse für gute Zwecke zur Verfügung stellen. Außerdem wollte ich etwas anderes sehen, eine andere Kultur kennenlernen, ...
Name: Selin G. Alter: Einsatzstelle: Social Inclusion and Education for all, Pekalongan & UNESCO World Heritage Preservation, Borobudur Inhaltliche Ausrichtung: Unterricht und Soziale Arbeit bzw. Denkmalschutz

... mich mit neuen Leuten umgeben und einfach raus aus meinem kleinen Nest, in dem ich für mein Abitur gelernt habe. Motiviert von diesen zwei Einsichten hab ich gegoogelt und bin auf die ijgd gestoßen.

Die Unterbringung im ersten Projekt in Pekalongan war in einem volunteerhouse, wie wir es nannten. Weibliche und männliche Freiwillige wurden getrennt und auf unterschiedlichen Stockwerken untergebracht. Das Haus war spärlich ausgestattet, weil gerade erst umgezogen wurde. Es gab Bettgestelle, die man sich selber zusammenbasteln durfte, eine Trinkstation (Leitungswasser war keine Option, außer man will Typhus bekommen), Matratzen, ein paar Töpfe und Pfannen für die Küche und ein traditionell indonesisches Plumpsklo mit dazugehöriger „Dusche“.

Im zweiten Projekt in Borobudur wurde ich mit Alice, einer weiteren Freiwilligen aus Deutschland, in einer Gastfamilie untergebracht. Wir haben den Alltag also hautnah miterlebt, was ziemlich cool und neu für uns war. Natürlich hatten wir in Pekalongan auch Freunde, die dort lebten und uns liebend gerne ihr Zuhause gezeigt haben und mit uns über ihre Kultur geredet haben, aber das war dann doch was anderes. Wir wurden auf den Markt sowie auf Veranstaltungen mit traditioneller Musik und Tänzen mitgenommen. Wenn wir früh aufgestanden sind, d.h. um halb fünf, konnten wir sehen, wie das Essen für den ganzen Tag vorbereitet wurde, alle Familienmitglieder zum Gebet in ihre Zimmer gegangen sind und die Kinder sich für die Schule fertiggemacht haben.

Im ersten Projekt habe ich an manchen Tagen in der Woche vormittags Englischunterricht an der einzigen Uni der Stadt gegeben und nachmittags bin ich nach Pasirsari, dem Rotlichtviertel Pekalongans, und habe mit den Kindern gespielt, gelernt und gebastelt. Wir haben Sprachen gelernt, wie z.B. Japanisch, weil meine Projektpartnerin Miyu aus Japan kam. Das fanden die Kinder ganz toll, genauso wie das Origami, dass sie mitgebracht hat. Seitdem haben sie immer "arigato" anstatt dem indonesischen "terima kasih" (danke) gesagt.

Im zweiten Projekt war es schwer, in einem Monat etwas auf die Beine zu stellen, aber wir haben uns wöchentlich mit den YGC (Young Guardian Club) getroffen und über Möglichkeiten geredet, Denkmalschutz als Thema interessanter für die Bewohner des Ortes Borobudur zu machen. Außerdem haben wir Projekte u.a. auch zum Umweltschutz gestartet, die Johanna (ebenfalls Freiwillige aus Deutschland) weitergeführt hat.

In beiden Projekten fand viel "cultural exchange" statt. Ich habe einiges über die indonesische Kultur gelernt, wurde aber auch interessiert über meine gefragt. Die Indonesier haben viele Traditionen, auf diese sie sehr stolz sind und die eng mit dem Islam verknüpft sind. Es war z.B. sehr interessant, bei einer indonesischen Hochzeit dabei zu sein, und andersrum wurde ich viel nach deutschen Bräuchen gefragt. Auch, dass wir hier vier Jahreszeiten haben und sogar Schnee wurde bestaunt.

Verständigt habe ich mich anfangs mit Händen und Füßen, bis ich mich auf Bahasa Indonesia unterhalten konnte, weil Englisch nicht so weit verbreitet ist. Bahasa Indonesia ist super einfach zu lernen, hat dasselbe ABC wie wir und wird von jedem verstanden.

Zur Vorbereitung habe ich mich über das Land informiert sowie versucht schon ein bisschen Bahasa Indonesia zu lernen. Das Vorbereitungsseminar der ijgd hat mir insofern geholfen, dass ich nicht mit zu hohen Erwartungen in das Flugzeug gestiegen bin. Ich wusste, dass Indonesien ein Land aus dem globalen Süden ist und ich vieles über das Land nicht weiß, ich also bereit sein muss zu lernen und mich anzupassen.

GREAT ist eine relativ neue Organisation, aber man merkt, wie schnell sie wächst! Ihre Mitglieder bemühen sich stets um Verbesserungen und organisieren tolle Projekte. Wenn man ein Anliegen hat, erreicht man immer jemanden und einem wird nach Möglichkeit weitergeholfen.

Ich habe während meiner Zeit in Indonesien viele Erfahrungen gemacht, bei weitem mehr als wenn ich zu Hause geblieben wäre. Ich glaube aber, dass ich am meisten schätze, sensibler gegenüber anderen Kulturen geworden zu sein. Gerade heute ist das so wichtig und ich finde es auch super interessant, über andere Kulturen zu lernen. Für mich war es definitiv zunächst beängstigend, so weit weg von zu Hause zu sein, aber ich bin echt froh den Schritt gewagt zu haben!

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.