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Mein MTV in Argentinien 2016/17

Nach dem Abitur wollte ich nicht direkt zu studieren, sondern hatte sehr viel Lust, etwas Neues kennenzulernen und mal von Zuhause wegzukommen. Ein Freiwilligendienst erschien mir eine sehr gute Möglichkeit zu sein, dies zu tun und Kontakt zu dem Land zu knüpfen, in das ich reisen würde.
Name: Ronja L. Alter: Einsatzstelle: Pancita Llena Corazón Contento, Buenos Aires Inhaltliche Ausrichtung: Kinderbetreuung

Außerdem gefiel mir (und meinen Eltern), dass ich so notfalls Ansprechpartner hatte, sollte ich irgendwie Probleme haben. Ich wollte auch meine Sprachkenntnisse in Spanisch verbessern, weswegen es nahelag, nach Südamerika zu reisen. Von allen Möglichkeiten hatte mich Argentinien am meisten angesprochen, da ich mich für ein bestimmtes Projekt von „Subir al Sur“ sehr interessierte.

Das Vorbereitungsseminar von ijgd gefiel mir sehr gut, da man sich mit anderen über Erwartungen, gegebenfalls Ängste und seine Vorstellungen austauschen konnte. Auch wurden wir mit vielen Aspekten eines Freiwilligendienstes konfrontiert, an die man so vielleicht gar nicht gedacht hätte. Ich fühlte mich danach sehr gut vorbereitet und wusste, dass der Rest nun an mir lag.

Die Organisation vor Ort (Subir al Sur) teilte mir bereits vor Ausreise mit, dass ich in einem Hostel untergebracht werden würde, weil im Freiwilligenhaus der Organisation kein Platz mehr war. Dies verunsicherte mich anfangs. Dann hörte ich aber, dass dort auch andere Freiwillige untergebracht sein würden, woraufhin ich eher neugierig war, da wir nicht nur unter Freiwilligen sein würden. Dies erschien mir im Endeffekt sehr viel besser. Die Situation im Hostel war sehr gut. Natürlich anders als das, was man von zu Hause kannte, weil man sich alles mit vielen anderen teilte, doch daran gewöhnte man sich schnell und es wurde schwierig sich vorzustellen, später wieder ohne all das zu leben. Denn es war wirklich immer irgendetwas los. Wir kümmerten uns selbst um unsere Verpflegung und das Zusammenleben lief super. Der Vorteil war, dass wir schnell Kontakt mit den anderen Bewohnenden des Hostels knüpften und so immer Spanisch miteinander redeten. In meinem Zimmer waren wir zu viert und meistens nur unter Freiwilligen.

Meine Einsatzstelle lag etwa 1 Stunde vom Hostel mit dem Bus entfernt. Der Stadtteil hieß „La Boca“ und ist für verschiedene Kulturen, natürlich den Fußballverein und ärmere Verhältnisse, sowie eine höhere Kriminalität als in anderen Stadtteilen bekannt. Ich habe mich jedoch nie unsicher gefühlt. Dies lag teilweise auch daran, dass meine Einsatzstelle direkt gegenüber vom Stadion und somit in einer Straße lag, die eher touristisch war. Solange man nicht total auffällig ist und alle wissen lässt, dass man fremd ist muss man sich aber eigentlich keine Gedanken machen.

Ich arbeitete von 16-20 Uhr. Das war sehr praktisch, da ich so vormittags immer Zeit für andere Dinge hatte und mir viel anschauen konnte. Meine Einsatzstelle war sehr klein und persönlich. Es kam vor allem darauf an, Eigeninitiative zu zeigen, da einem nicht ständig gesagt wurde, was man zu tun hat. Ich half  anfangs dabei einen kleinen Snack und etwas zu trinken für die Kinder vorzubereiten.  Danach ging es an die Hausaufgaben. Falls niemand etwas Bestimmtes für die Schule zu tun hatte übten wir Freiwilligen mit den Kindern Mathematik oder brachten ihnen Sprachen bei, wie z.B. Englisch oder Italienisch.  Danach gab es Abendessen. Wir waren immer herzlich eingeladen, mitzuessen, was sehr nett war. Dann ging es zurück ins Hostel wo wir noch Zeit miteinander verbrachten oder uns ausruhten.

Ich konnte zum Glück schon etwas Spanisch, weswegen es mir leichter fiel als manchen anderen, mich zu verständigen. Die Sprache lernt man vor Ort auch relativ schnell, wenn man sich darauf einlässt. Die Kinder waren es gewohnt mit Freiwilligen zusammenzuarbeiten, bei denen es mit dem Spanisch noch etwas hakte und gingen in dieser Hinsicht sehr auf einen ein. Natürlich fanden sie es witzig wenn man mal etwas komisch formulierte, aber da half es natürlich eher mitzulachen, als beleidigt zu sein.

Die Organisation vor Ort hat mir sehr gut gefallen. Die Mitarbeitenden, die für uns zuständig waren, waren sehr offen und freundlich, sodass man keine Bedenken hatte sie bei Problemen anzusprechen, egal worum es gerade ging. Wenn man Fragen zur einsatzstelle oder Probleme bei seiner Arbeit hatte, konnte man sich immer zu einem Gespräch verabreden um die Situation für alle zu verbessern.

Insgesamt waren wir im Hostel aber sehr unabhängig. Jeden Freitag gab es aber eine Aktivität mit allen Freiwilligen, wo man sich zusammenfand und gemeinsam eine einsatzstelle oder eine kulturelle Veranstaltung besuchte, etwas kochte oder ähnliches. Ich denke, diese Treffen waren wichtig, um eine Verbindung zwischen der Organisation und den Freiwilligen zu schaffen. So hatte Subir Al Sur auch immer einen Überblick, wie jeder zurechtkam und wie es ihm/ihr mit seinem/ihrem Aufenthalt ging.

Die Erfahrungen, die ich gesammelt habe werden mich bestimmt für den Großteil meines Lebens begleiten, da ich wirklich viel erlebt und gesehen habe. Durch den Freiwilligendienst war der ganze Aufenthalt mehr als das, was man beispielsweise im Urlaub von einem Land sieht. Ich fühlte mich in der Gesamtsituation sehr eingegliedert und nicht durchgängig wie eine Fremde; auch wenn 6 Monate relativ gesehen nicht viel sind. Als die Zeit für meine Rückkehr kam war ich unheimlich traurig darüber, auch wenn ich mich natürlich auf Zu Hause und meine Familie freute.

Insgesamt denke ich, dass dieser Auslandsaufenthalt mir sehr viel gebracht hat und in mir den Wunsch geweckt hat, mehr von der Welt zu sehen und vor allem mehr Neues zu entdecken. Ich bin sicherlich offener geworden und habe gesehen dass es sehr viel mehr gibt, als die eigene Art und Weise, der eigene Weg, mit dem man bekannt ist und dass es nicht schadet, immer etwas Neues auszuprobieren.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.