10 Jahre BFD: Ein Grund zu feiern!

Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum. Am 1. Juli 2011 begannen die ersten Bundesfreiwilligen ihren Dienst. Bis heute haben sich rund 900 Menschen für die Gesellschaft und das Gemeinwohl in Berlin und Brandenburg durch die ijgd eingesetzt.

Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum. Am 1. Juli 2011 begannen die ersten Bundesfreiwilligen ihren Dienst. Bis heute haben sich rund 900  Menschen für die Gesellschaft und das Gemeinwohl in Berlin und Brandenburg durch die ijgd eingesetzt. Unser herzlicher Dank geht an alle Freiwilligen, die durch ihr wichtiges Engagement die Gesellschaft prägen und mit verändern. Ein großer Dank auch allen Einsatzstellen für die gute und kooperative Zusammenarbeit und für das Engagement mit und für die Freiwilligen.

Der Bundesfreiwilligendienst ist sehr vielfältig. Hier erhalten Sie einen kleinen Einblick in einige Erfahrungen von aktuellen und ehemaligen Freiwilligen, Einsatzstellen und ijgd-Mitarbeiter*innen.

 

"Ich kann [...] jedem nur [...] ans Herz legen, einen BFD zu machen. Jeder kann davon profitieren! Ich habe nicht nur meinen Traumstudiengang gefunden und Erfahrungen gesammelt, sondern ich habe auch viele tolle Leute kennengelernt."

Anna Hüllenkremer über ihren Freiwilligendienst 2020/21 in der Kita Grabbe Kogge in Berlin

In der ersten BFD-Jubiläums-Folge unseres Podcasts "Freiwilliges YEAH" ist Jakob zu Gast. Er erzählt von seiner Zeit in der Kriseneinrichtung Nogat'7 in Berlin-Neukölln, über alles, was er bisher gelernt hat und wie bereichernd ein Freiwilligendienst ist.

Wie bist du dazu gekommen einen BFD zu machen? Was war/ist Deine Motivation?
Ehrlich gesagt, wollte ich nach meinem bestandenen Abitur erstmal durch Asien reisen, aber Corona hat mir hier einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aus diesem Grund habe ich mich mal umgeschaut, was ich abgesehen vom Studium noch machen könnte. Und so bin ich schließlich auf den Bundesfreiwilligendienst gestoßen und bin nach Berlin gezogen. Ein BFD war für mich in diesem Moment eine super Möglichkeit, da ich noch nicht wusste, wo es studientechnisch für mich hingehen soll und deswegen habe ich mich letztendlich auch dafür entschieden.

Wo hast du deinen Freiwilligendienst gemacht? Welche Aufgaben hast du dort übernommen?
Ich habe meinen BFD in der Kita Grabbe Kogge in Berlin-Pankow gemacht. Diese Kita ist eine Kita mit einem offenen Konzept. Das heißt, dass die Kinder im Elementarbereich (3-6 Jährige) nicht in Gruppen eingeteilt sind. Ich habe im Elementarbereich gearbeitet und war letztendlich immer dort, wo man mich gebraucht hat: im Wald, beim Waldtag, bei den Schlafkindern zum Mittagsschlaf oder bei einem Angebot. Ich durfte mir auch selbst Angebote überlegen und diese mit den Kindern umsetzen. Mein Aufgabenbereich war also nicht begrenzt. Habe ich mich mit einer Aufgabe nicht wohl gefühlt, konnte ich das aber immer sagen, das kam aber nur sehr selten vor.
 
Mein BFD war/ist für mich ….
... eine wundervolle Möglichkeit, um in das Arbeitsleben reinzuschnuppern und mir klarer darüber zu werden, was ich in Zukunft machen möchte.

Besonders wichtig/schön für mich war/ist …
... die Wertschätzung meiner Mitarbeiter*innen und auch der Kinder. Es ist schön, dass man merkt, wie froh nicht nur die Kinder sind, eine weitere Spielkameradin zu haben, sondern auch die Mitarbeiter*innen, eine weitere Person im Team zu haben, die ihnen unter die Arme greift.

Was hast Du gelernt/neu ausprobieren können?
Abgesehen von Dingen, wie einen Urlaubsantrag zu schreiben, habe ich gelernt, dass ich auch in Zukunft weiterhin mit Kindern arbeiten möchte. Zudem bin ich als Person auch gewachsen und habe viel Neues auch über mich selbst gelernt. Zum Beispiel, was mich interessiert und was meine Stärken sind.

Was würdest du zukünftigen Freiwilligen mitgeben/raten?
Wichtig ist, dass man offen auf sein Team zugeht und sich nicht scheut, Fragen zu stellen. Und natürlich viel Spaß an der Arbeit zu haben! Genießt es und nehmt so viel ihr könnt mit aus dieser tollen Erfahrung.

Wie waren für dich die Seminare, was habt ihr da gemacht? Welche Themen haben dich besonders interessiert?
Mich haben bei den Seminaren alle Themen sehr interessiert (soziale Medien, Nachhaltigkeit und psychische Gesundheit). Ich fand toll, was für interessante Diskussionen aufkamen, da so viele unterschiedliche Menschen zusammengekommen sind. Ich habe von den Seminaren immer sehr viel mitgenommen.

Eine Grund einen BFD zu machen:
Ich denke, es gibt tausend Gründen, einen BFD zu machen. Man kann unglaublich viele Erfahrungen sammeln, die einen in der Zukunft sehr viel weiterhelfen. Ich kann jedem raten, einen BFD zu machen!

Was du zum Abschluss noch sagen möchtest:
Ich kann eigentlich jedem nur nochmal ans Herz legen, einen BFD zu machen. Jeder kann davon profitieren! Ich habe nicht nur meinen Traumstudiengang gefunden und Erfahrungen gesammelt, sondern ich habe auch viele tolle Leute kennengelernt. Eines kann ich mit Sicherheit sagen: Ich würde mich jedes Mal wieder für ein BFD entscheiden.

Wie bist du dazu gekommen einen BFD zu machen? Was war/ist Deine Motivation?
Das BFD-Programm habe ich durch meine Partnerin kennengelernt. Als wir uns 2018 entschlossen, nach Deutschland zurückzukehren, begann sie, über das Prinzessinnengarten-Kollektiv zu recherchieren und dort gab es eine BFD-Stelle. Wir sind 2019 in Berlin angekommen und ich habe sie in den ersten Monaten im Kollektiv begleitet. Ich traf ihre Kolleg*innen und interessierte mich mehr für diese Art von Programm. Nach einiger Zeit, Gesprächen und Recherchen - und hauptsächlich wegen der Pandemie, die Anfang 2020 die Welt heimgesucht hatte - entschied ich mich, an einem Ort meines Interesses teilzunehmen, den das BFD-Programm hatte.

Wo hast du deinen Freiwilligendienst gemacht? Welche Aufgaben hast du dort übernommen?
Ich mache BFD im Hangar1, wo seit 2017 die Tentaja Soziale gGmbH der Betreiber ist. Hangar1 ist ein Treffpunkt am ehemaligen Flughafen Tempelhof. Es soll einen Raum für zivilgesellschaftliches Engagement bieten und gesellschaftliche Teilhabe fördern, indem verschiedenste Organisationen, Vereine und einzelne Ehrenamtliche kostenlose, begrenzte und offene Angebote in den Bereichen Sport, Kultur und Bildung anbieten. Begleitet wird das Angebot von einem Team aus Sozialarbeiter*innen und Koordinator*innen, die die Besucher*innen bei allem unterstützen.
Ich habe vor kurzer Zeit (April 2021) angefangen, noch während der dritten Welle der Pandemie. Mit anderen Worten, Hangar1 ist aufgrund von Einschränkungen bei der Bekämpfung von Covid-19 vorübergehend für die Öffentlichkeit geschlossen. Perspektivisch soll im Sommer 2021 schrittweise geöffnet werden. Diese ersten Monate nutze ich, um das Betriebsteam besser kennenzulernen. In diesem ersten Moment habe ich geholfen, den Raum für seine Wiedereröffnung zu organisieren und neu auszurichten.

Mein BFD war/ist für mich …
Mein BFD ist für mich eine Möglichkeit, Menschen in meinem Fachgebiet, also Sport und Kultur, kennenzulernen. Ich habe vor, ein Netzwerk in der Stadt aufzubauen, die in meinem ersten Jahr in Berlin durch die Pandemie gefährdet war. Es ist auch eine Gelegenheit, die deutsche Sprache täglich zu üben, die Arbeitspraktiken im Land kennenzulernen und irgendwie aus einer in den letzten 20 Jahren gebauten Komfortzone herauszukommen.

Besonders wichtig/schön für mich war/ist …
Besonders wichtig für mich ist der Wiedereinstieg in den Arbeitsalltag. Mit der Geburt meines ersten Kindes beschloss ich, das erste Jahr ihres Lebens nicht zu arbeiten. Das heißt, zwischen März 2018 und 2019. Kurz nachdem wir von Rio de Janeiro nach Berlin gezogen sind, habe ich mich 6 Monate lang dem Deutschstudium gewidmet. Bald danach (März 2020) kam die Pandemie und zwang alle, zu Hause zu bleiben. Mit anderen Worten, es war an der Zeit, auf irgendeine Weise zum Arbeitsmarkt zurückzukehren.

Was hast Du gelernt/neu ausprobieren können?
In den letzten neun Jahren habe ich als Freelancer in Lateinamerika gearbeitet. Mit jedem Job wird eine Erfahrung gesammelt, aber noch wichtiger ist der Job sich selbst herauszufordern. Kann ich diesen Job machen? Kann ich die gesetzten Ziele erreichen? Kann ich einer hohen Belastung noch standhalten? Ich habe BFD auf die gleiche Weise betrachtet und mir die gleichen Fragen gestellt. Ich stehe noch am Anfang des Prozesses, der ein Jahr dauern wird, und ich glaube, ja, hier wird bis zum Ende des Programms etwas gelernt.

Was würdest du zukünftigen Freiwilligen mitgeben/ raten?
Recherchiere und plane sorgfältig, wo und mit wem du deine Zeit und Mühe aufwendest.

Wie waren für dich die Seminare, was habt ihr da gemacht? Welche Themen haben dich besonders interessiert?
Ich habe noch nicht alle Seminare besucht, um mir eine Meinung bilden zu können. Wir befinden uns immer noch in einer Pandemiezeit und deshalb habe ich nur wenige online besucht. Die angebotenen Themen sind alle interessant, aber nicht immer von Interesse für mich. Mit anderen Worten, ich habe diejenigen ausgewählt, die mir am besten gefallen, und diejenigen, an denen ich teilgenommen habe, haben mich dazu gebracht, auf eine Weise zu reflektieren, die mir positive Ergebnisse gebracht hat. Ich habe jedoch hohe Erwartungen an die Seminare, bei denen wir interessante Führungen durch die Stadt Berlin machen werden.

Ein Grund einen BFD zu machen:
Jede*r hat einen Grund, dies oder jenes zu tun. Wichtig ist, dass diese Art von Programm existiert und kurz vor dem Abschluss steht. Es gibt viele Jahre und viele "Gründe", nicht wahr?

Was du zum Abschluss noch sagen möchtest:
Nur, dass in diesem Prozess noch viel zu tun ist. Es fängt gerade erst an und ich freue mich darauf, die Herausforderungen zu meistern, die sich mir stellen werden.

Name Deiner (letzten) BFD Einsatzstelle: Jugendhilfe Cottbus gGmbH – Einsatz als BFD im „sachsendorfer“ – Eltern- und Familientreff in Cottbus-Sachsendorf

Von wann bis wann hast Du den (letzten) BFD gemacht: 15. November 2019 bis 28. Februar 2021 – davor war ich vom 01. März 2019 bis 14. November 2019 in einer anderen Einsatzstelle in Cottbus.Dies war mein 2. BFD – ich hatte bereits von September 2012 bis Februar 2014 meinen 1. BFD abgeleistet.

Wie bist du dazu gekommen einen BFD zu machen? Was war/ist Deine Motivation?
Bei beiden BFD-Zeiten war meine Motivation der Wunsch, mich gesellschaftlich-gemeinnützig zu engagieren.

Wo hast du deinen Freiwilligendienst gemacht? Welche Aufgaben hast du dort übernommen?
Die Einsatzstelle meines ersten BFD war die „Kontaktstelle Frauen für Frauen“ in Cottbus – Träger ist der Demokratische Frauenbund Deutschlands (dfb Brandenburg). Zu dieser Zeit betrug die reguläre Dienstzeit noch 18 Monate, das wurde bereits 2013 auf 12 Monate verkürzt. Ich setzte im Grunde meine Tätigkeit aus dem vorangegangenen dreijährigen öffentlich geförderten Beschäftigungsverhältnis („Kommunal-Kombi“) beim selben Träger fort. Das Projekt hieß: „Ausfüllhilfe – Ämterlotse – Begleitdienst“. Wir haben Menschen in Behördenangelegenheiten geholfen, sie zu Ämtern und Behörden begleitet und beraten. Das war eine sehr schöne Zeit – dieses soziale Engagement hat mich sehr ausgefüllt und es kam viel Dank von den Betroffenen zurück.
In diesem BFD habe ich viel mit ausländischen Menschen in verschiedenen gemeinnützigen Projekten gearbeitet und hatte viel Spaß dabei. Die Einsatzstelle meines zweiten BFD war die Jugendhilfe Cottbus gGmbH – im „sachsendorfer“ – das ist der Eltern- und Familientreff (ein Kiez-Treff) im Cottbuser Stadtteil Sachsendorf. Dieser Stadtteil ist ein sozialer Brennpunkt und wird besonders gefördert. An diesem „Flex-Süd“ genannten Standort befinden sich auch Büros der so genannten Flexiblen Hilfen zur Erziehung (HzE nach dem SGB VIII), hier arbeiten auch Familienhelferinnen und -helfer. Die Jugendhilfe Cottbus ist ein freier Träger der Jugendhilfe und betreibt unter anderem das „Familienhaus Cottbus“, mehrere Wohnstätten für Betreutes Wohnen in Cottbus und Umgebung sowie 2 Kindertagesstätten in Cottbus und hat außerdem noch weitere Büros im Norden der Stadt.
Eigentlich sollte unser Eltern- und Familientreff wieder neu belebt werden – gemeinsam mit mehreren Ehrenamtlichen arbeiteten wir an Ideen. Doch im März 2020 machte uns Corona einen dicken Strich durch die Rechnung. Der Elterntreff wurde geschlossen – es folgte eine Zeit der Abstände, Masken und Kontaktreduzierungen. Für mich war das eine seltsame Zeit….
Trotz allem gab es viel zu tun. Viele liegengebliebene Projekte wurden endlich erledigt, meine Aufgaben wurden sehr vielfältig.
Familienhilfe und Arbeit mit Kindern und Jugendlichen musste unter Corona-Bedingungen neu erfunden werden, vor allem vor dem Hintergrund geschlossener Schulen und Kindereinrichtungen. Und so wurde das Jahr 2020 zum Jahr der Familienpakete: für die betreuten Familien packte ich gemeinsam mit den Ehrenamtlichen „Osterpakete“, „Anti-Langeweile-Corona-Pakete“ und „Weihnachtspakete“. All das war jedes Mal viel Arbeit – aber es machte jede Menge Spaß – und die Familien waren so dankbar dafür!

Mein BFD war/ist für mich …
... die bisher wunderbarste Zeit meines Arbeitslebens mit den tollsten und wunderbarsten Gutmenschen, die ich je kennenlernen durfte. Es war und ist mir eine große Ehre, mit diesen Menschen zusammenzuarbeiten.

Besonders wichtig/schön für mich war/ist …
Ich habe mich sehr gut hier „eingelebt“ und wurde vom ersten Tage an gut angenommen. Ich habe die Menschen in meiner Einsatzstelle lieben und schätzen gelernt und ich achte ihre Arbeit sehr. Allen voran unser Teamleiter, der die bunte „verrückte“ Truppe aus Ehrenamtlichen und Familienhelferinnen und -helfern wunderbar zusammenhält. Es ist für mich fast so, als hätte ich ein neues Zuhause gefunden. Was diese Einsatzstelle so besonders macht, ist der tolle Zusammenhalt vor allem bei den Ehrenamtlichen – man hilft einander immer und lässt sich gegenseitig nie im Stich – bei der Arbeit und auch sonst. Und wir können uns immer auf die Rückendeckung unseres Teamleiters verlassen. Seine Regel Nr. 1 lautet: „Wir können über alles reden.“ All das ist nur möglich, weil der Träger Jugendhilfe Cottbus ehrenamtliches und freiwilliges Engagement aktiv unterstützt.

Was hast Du gelernt/neu ausprobieren können?
Arbeit mit „besonderen“ Familien und ihren Kindern ist etwas ganz Neues für mich gewesen. Ich selbst hätte mir das nicht zugetraut. Aber mein Teamleiter gab mir das Vertrauen in meine Fähigkeiten, von denen ich selber nicht wusste, dass ich sie habe.
Und ich habe festgestellt, dass mir diese Arbeit Spaß macht.

Was würdest du zukünftigen Freiwilligen mitgeben/raten?

  • Entscheide dich nur für einen Freiwilligendienst, wenn du dich gemeinnützig engagieren willst und mit deiner ganzen Seele dabei bist.
  • Schaue nicht aufs Geld – wenn du anfängst, das Taschengeld auf die geleisteten Stunden hochzurechnen, bist du im BFD fehl am Platze (zumindest hier bei der Jugendhilfe Cottbus)
  • Vertraue auf deine inneren Werte und deine Fähigkeiten und deine Sozialkompetenz! Fürchte dich nicht vor neuen unbekannten Herausforderungen!
  • Sei tolerant und offen allen und allem gegenüber – nimm die Menschen so wie sie sind – mit all ihren Facetten!

Wie waren für dich die Seminare, was habt ihr da gemacht? Welche Themen haben dich besonders interessiert?
Die Seminarthemen waren sehr gut gewählt. Besonders interessierten mich die Themen Sucht und Soziales. Leider mussten die Präsenzseminare in Onlineseminare umgestaltet werden. Mir persönlich gefielen die Präsenzseminare am besten – ich habe viele tolle engagierte Menschen kennengelernt. Obwohl die Kolleginnen vom ijgd sich wirklich die größte Mühe gaben, auch die Onlineseminare bestmöglich zu gestalten, sollte dieses Format nur als Notlösung dienen. Soziale Themen lassen sich eben nur im direkten menschlichen Kontakt vermitteln – Corona hin oder her.

Zum guten Schluss…
Bereits einige Monate vor dem Ende meines BFD bei der Jugendhilfe Cottbus erklärte ich meinem Teamleiter, dass ich gerne bei der Einsatzstelle bleiben würde. Es gefiel mir so gut hier, dass ich mir keine andere Tätigkeit vorstellen konnte. Ich bin 60 Jahre alt und für den ersten Arbeitsmarkt nicht vermittelbar. Mit diesem Wunsch traf ich bei meinem Teamleiter und den Kolleginnen und Kollegen hier auf offene Ohren. Eine Übernahme nach dem Teilhabechancengesetz nach SGB II, §16i/ 16e wurde jedoch durch das hiesige Jobcenter abgelehnt, da ich die Voraussetzungen nicht erfüllte. Mein Teamleiter ließ das jedoch nicht auf sich beruhen und suchte gemeinsam mit unserem zuständigen Fachbereichsleiter nach einer Lösung für mich.Diese wurde auch gefunden: Es wird eine Leistungsbeschreibung für eine feste Stelle für mich erstellt als so genannte „Haushaltsnahe Tätigkeit“ im Rahmen der Familienhilfe. Das bedarf der Zustimmung des zuständigen Jugendamtes. In der Übergangszeit arbeite ich hier als ehrenamtliche Betreuerin mit einer kleinen Aufwandsentschädigung. Seit März 2021 komme ich also an vier Tagen in der Woche hierher in den Standort Flex-Süd der Jugendhilfe Cottbus und erledige hier viele kleine und größere Dinge. Ich arbeite hin und wieder in Familien, betreue Kinder und erledige Organisatorisches und Bürokratisches und was sonst noch so zu tun ist… und tue dabei ein gutes Werk. Eine endgültige Entscheidung für die feste Stelle steht noch aus, aber wir hoffen alle, dass es klappt. Kann es ein größeres Glück für mich geben?

Wie bist du dazu gekommen einen BFD zu machen? Was war/ist Deine Motivation?
Ich wusste schon vor meinem Renteneintritt, dass ich auf der sozialen Schiene weiterarbeiten möchte. Zu Hause herumsitzen konnte ich mir absolut nicht vorstellen. Mein Beruf als Altenpflegerin hat mich da sehr geprägt. Es ist doch eine wunderbare und auch anspruchsvolle Aufgabe den Menschen zu helfen, die in Not geraten sind und von der Gesellschaft „vergessen" werden. Ehrlich gesagt hat mich meine Einsatzstelle gefragt, nachdem ich schon ein halbes Jahr als Ehrenamtlerin gearbeitet habe, ob ich im Bundesfreiwilligendienst arbeiten möchte. Ich hatte vom BFD gehört, konnte mir aber nicht vorstellen in meinem Alter dafür noch in Frage zu kommen. Umso mehr habe ich mich gefreut und sofort zugesagt. Bedeutet dies doch auch eine Wertschätzung meiner Arbeit.

Wo hast du deinen Freiwilligendienst gemacht? Welche Aufgaben hast du dort übernommen?
Mein BFD leiste ich bei strassenfeger e.V. ab. Das ist eine ganzjährig geöffnete Notübernachtung für obdachlose oder in Not geratene Menschen. Geöffnet ist die Einrichtung von 18.00h bis 08.00h. Dort stehen 31 Betten für Frauen und Männer in 4-oder 2-Bettzimmern zu Verfügung. Ich arbeite in der Spätschicht von 17.30h bis 23.30h. Meine Aufgaben sind:

  • Neuaufnahme und Einlasskontrolle (kein Alkohol, Waffen und Drogen)
  • Gepäckbeschriftung für die Aufbewahrung
  • Zuweisung des Bettes und Ausgabe der Bettwäsche und Handtücher
  • In Coronazeiten: Ausgabe des Essens in der Küche und Tee kochen
  • Wer benötigt, bekommt auch Kleidung/Schuhe/Wäsche und Hygieneartikel aus der Kleiderkammer
  • Waschen und Trocknen und Einsortieren der Bettwäsche
  • Abholung von Spenden vom Bäcker „Steinecke" um 20.00h
  • und natürlich die Computerarbeit.

Selbstverständlich müssen wir für Ordnung und Ruhe sorgen, kleine Streitereien schlichten und bei ärztlichen Notfällen Hilfe holen. Aber wir haben auch ein Ohr für manches Problem (trotz Sprachbarrieren) und vermitteln Termine an unsere Sozialarbeiter*innen.

Mein BFD war/ist für mich…
Eine Chance Menschen zu helfen die nicht „gesehen" werden. Es ist eine wichtige soziale Aufgabe in unserer Gesellschaft.

Besonders wichtig/schön für mich war/ist …
Aber auch für mich persönlich, denn ich kann meine Berufs-und Lebenserfahrung einbringen. Und ich wachse weiter an meinen Aufgaben. Ein tolles Gefühl ist es, wenn ein ehemaliger Obdachloser der den Absprung mit unserer Hilfe geschafft hat, einen Blumenstrauß oder Konfekt als Dankeschön bringt. Auch ein Lächeln oder freundliche Worte, die unsere Arbeit wertschätzen, sind sehr wichtig für uns.

Was hast Du gelernt/neu ausprobieren können?
Ich habe gelernt, entspannter zuzuhören trotz Sprachschwierigkeiten. Mit Hilfe von ijgd (Seminare) und Gesprächen mit unseren Sozialarbeiter*innen und anderen Ehrenamtlichen habe ich mich mit unserer speziellen Problematik auseinandergesetzt. Ich habe z.B. viele Worte in verschiedenen Sprachen in meinen Sprachgebrauch zur einfacheren Verständigung aufgenommen. Wenn es gar nicht geht, dann helfen Hände und ein Lächeln.

Was würdest du zukünftigen Freiwilligen mitgeben/raten?
Zukünftigen Freiwilligen, ob jung oder alt, würde ich mit auf den Weg geben Mut zu zeigen für solche Aufgaben. Engagiert euch, denn den wir arbeiten für das gemeinsame Wohlergehen unserer Gesellschaft und das Fortbestehen vieler Einrichtungen.

Wie waren für dich die Seminare, was habt ihr da gemacht? Welche Themen haben dich besonders interessiert?
Unsere Seminartage vom ijgd sind immer sehr interessant zu verschiedenen Themen gestaltet worden. Wir kommen aus unterschiedlichen Einrichtungen und verschiedenen Zielgruppen und so kann jede*r ihre*seine Meinung/Erfahrung einbringen und mit anderen in Diskussion treten. Und es gab auch viel zu lachen. Natürlich haben wir auch verschiedene Exkursionen gemacht.

Was du zum Abschluss noch sagen möchtest:
Zum Abschluss möchte ich meiner Einsatzstelle ganz herzlich danken, an die ich mich jederzeit mit meinen Problemen wenden konnte. In Teamsitzungen wurden relevante Fragen besprochen und viele Probleme geklärt. Das gilt natürlich auch für die ijgd und da möchte ich besonders Angela ansprechen, die alle Seminare so interessant mit ihren Kolleg*innen gestaltet hat.

In der zweiten BFD-Jubiläumsfolge unseres Podcasts "Freiwilliges YEAH" berichtet unsere Kollegin Klaudia, wie vor zehn Jahren alles begann, von den Erfolgsgeschichten und Herausforderungen und darüber, was den BFD für jedes Alter so besonders macht.

Name: Christof Weissbrod
Position in der Einrichtung: Einrichtungsleitung

Die Einrichtung:
Die Kriseneinrichtung richtet sich an Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren, die in familiären Krisensituationen leben, von Obdachlosigkeit bedroht sind, Orientierung und Perspektive suchen oder in anderen Jugendhilfeeinrichtungen nicht bleiben können.
Übergeordnetes Ziel der Betreuung ist die Gewährleistung des Kinderschutzes, d.h. die Beseitigung der akuten Gefährdungs- und Krisensituation. Kinder und Jugendliche werden durch die Gewährung eines Schutz- und Schonraumes in der Konfliktsituation von den sozialpädagogischen Fachkräften emotional und materiell entlastet. Die Sorgeberechtigten werden bei der Bewältigung der Krisensituation unterstützt.
Das Haus bietet 12 Plätze in einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Es stehen sieben Doppelzimmer sowie eine hauswirtschaftliche Grundversorgung zur Verfügung.
Die Kriseneinrichtung arbeitet auf der Grundlage von Handlungs- und Problemlösungsstrategien in Form von Krisenintervention in einem Bezugsbetreuungssystem mit regelmäßiger Gesprächen, intensiver Elternarbeit, verbindlichen Regeln und einem Schutzkonzept.
Wir befinden uns in Berlin Neukölln und es arbeiten zwanzig Mitarbeiter*innen für die Einrichtung.

Wie viele BFD Plätze haben Sie?
Wir verfügen jeweils über einen Platz.

Seit wann sind in Ihrer Einrichtung Bundesfreiwillige im Einsatz?
Seit zehn Jahren sind in unserer Einrichtung Bundesfreiwillige im Einsatz.

Welche Erfahrungen machen Sie mit Bundesfreiwilligen? Gibt es eine Erfahrung, die Sie besonders berührt hat?
Wir machen in unserer Einrichtung ganz unterschiedliche Erfahrungen mit unseren Bundesfreiwilligen. In der Regel sind es Menschen die bisher wenig Erfahrung im sozialen Arbeitsbereich gesammelt haben. Es ist schön anzuschauen, mit welcher Offenheit und mit wieviel Engagement die Bundesfreiwilligen auf unsere Bewohner zugehen. Sie bringen oft einen anderen Blickwinkel mit und regen uns zur kritischen Selbstreflexion an.

Was gewinnt Ihre Einrichtung durch den Einsatz Freiwilliger? Bzw. was bewirken die Freiwilligen in Ihrer Einrichtung?
Wir erhalten ganz viel Unterstützung in alltäglichen Belangen. Unsere Bewohner finden es gut, sich mit unseren Bundesfreiwilligen auszutauschen und sind froh über das Extra an Betreuung und Aufmerksamkeit das sie erhalten.
Die Bundesfreiwilligen ermöglichen es, für einzelne Kinder und Jugendliche ein Plus an Freizeitgestaltung zu bieten. So ist es möglich, gemeinsam zu spielen, Sport zu treiben, Veranstaltungen zu besuchen usw...

In welchen Abteilungen oder Bereichen können Freiwillige tätig sein?
Wir versuchen unsere Freiwilligen im Betreuungsalltag mit einzuflechten und ihnen Aufgaben zu übertragen, die zu der jeweiligen Situation und Person passen. Eine große Unterstützung erleben wir im Hauswirtschaftlichen Bereich. So helfen unsere Freiwilligen oft in der Küche beim Kochen und beim Einkaufen.
Auch das gemeinsame Mittagessen mit unseren Kindern und Jugendlichen ist einer der Höhepunkte des Tages. Viele Kinder und Jugendliche, die bei uns leben kennen gemeinsame, verlässliche Essenssituationen nicht und genießen diese Rituale.  

Was sagt Ihre Zielgruppe in Bezug auf die Freiwilligen?
Schön, dass du Zeit für mich hast und für mich da bist!

Der Bundesfreiwilligendienst ist für mich…
… ein wichtiger Bestandteil meiner alltäglichen Arbeit, den ich sehr wertschätze und auf den ich nicht verzichten will!

Wie ist die Praxisanleitung in den Einsatzstellen organisiert?
Die Praxisanleitung übernehme ich. Ich versuche mit regelmäßigen Gesprächen eine Möglichkeit zu geben die tägliche Arbeit zu reflektieren und einen konstruktiven Austausch zu gewähren. Die Arbeitszeiten werden individuell unter der Berücksichtigung aller Bedürfnisse gemeinsam festgelegt.
Es besteht jederzeit die Möglichkeit sich mit den anderen Kolleg*innen auszutauschen. Wir sind eine Einrichtung mit einer großen Fehlerfreundlichkeit. Wichtig ist mir der gemeinsame Austausch, sich gegenseitig zu reflektieren und konstruktive Kritik zu üben, um die bestmögliche Atmosphäre für die bei uns wohnenden Kinder und Jugendlichen zu schaffen.

Haben Sie noch Kontakt zu ehemaligen Bundesfreiwilligen?
Diese Kontakte haben eher Seltenheitswert. Nach dem Bundesfreiwilligendienst verliert man sich in der Regel schnell aus den Augen. Es kommt aber schon vor,dass wir spontan Besuch bekommen. Ein Bundesfreiwilliger hat im Anschluss an seinen Einsatz eine duale Ausbildung zum Erzieher bei uns angefangen.

Was Sie zum Abschluss noch sagen möchten:
Ich finde es wichtig, dass es den Bundesfreiwilligendienst gibt. Wir als Einrichtung profitieren in vielerlei Hinsicht davon und können unser Angebot vielfältiger und individueller ausgestalten.
Ich glaube auch, dass die Bundesfreiwilligen vom Dienst profitieren und erfahrungsreicher in das Berufsleben danach treten.

Name: Ingrid Stuhl
Position in der Einrichtung: OGB Leitung

Die Einrichtung:
Die Schulburg, Offener Ganztagsbetrieb an der Grundschule auf dem Tempelhofer Feld in Berlin-Tempelhof, ist eine Einrichtung des Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrums in der ufafabrik e.V. Unser Team besteht aus 26 Mitarbeiter*innen aus pädagogischen Berufen.
Die Schulburg ist Kooperationspartner der Grundschule auf dem Tempelhofer Feld. Für die ca. 580 Schüler*innen führen wir gemeinsam mit der Grundschule unterrichtsergänzende Förderung und Betreuung während der verlässlichen Halbtagsgrundschule und dem offenen Ganztagsbetrieb durch. Die Schulburg bietet den Schüler*innen am Nachmittag ein vielfältiges, abwechslungsreiches und spannendes offenes pädagogisches Angebot.
Die Kinder wählen ihre Freizeitbeschäftigung ihren Neigungen entsprechend selbst aus. Zusätzlich bieten wir ergänzende Lernförderung an.
Grundlage unserer Arbeit ist die gute Zusammenarbeit zwischen den Erzieher*innen, den Eltern, den Lehrer*innen, der Schul- und OGB-Leitung, dem freien Träger und dem Schulträger.

Wie viele BFD Plätze haben Sie?
Zwei

Seit wann sind in Ihrer Einrichtung Bundesfreiwillige im Einsatz?
Seit 2011 sind wir Einsatzstelle.

Welche Erfahrungen machen Sie mit Bundesfreiwilligen? Gibt es eine Erfahrung, die Sie besonders berührt hat?
Wir haben mit unseren Bundefsreiwilligen durchgehend sehr positive Erfahrungen gemacht. Sie brachten und bringen ihre eigenen Stärken, Vorlieben, ihr Knowhow, ihre Lebenserfahrung und ihre Kultur ein, was bereichernd für die Arbeit ist.
Die erste Bundesfreiwillige der OGB Schulburg ist unterdessen Lehrerin an unserer Schule, eine andere arbeitete nach ihrem Bundesfreiwilligendienst bis zu ihrer Rente als Erzieherhelferin in der Schulburg. Einer anderen Bundesfreiwilligen gefiel es bei uns so gut, dass sie ihre Tochter als Mitarbeiterin für unseren Träger akquirierte. Alle unsere Bundesfreiwilligen haben auf ihre persönliche Weise von der Zeit hier mit uns profitiert. Es ist immer ein Geben und Nehmen, was uns freut und diese Möglichkeit des Freiwilligendienstes so wertvoll für beide Seiten macht.

Was gewinnt Ihre Einrichtung durch den Einsatz Freiwilliger? Bzw. was bewirken die Freiwilligen in Ihrer Einrichtung?
Die Freiwilligen sind eine wertvolle Ergänzung unserer wichtigen Arbeit im Schulbetrieb. Die Pädagog*innen der Schulburg gewinnen mehr Zeit für die Planung und Organisation von Konzepten, haben tatkräftige Unterstützung bei Projekten und Festen, welche ansonsten in diesem Umfang nicht realisierbar wären. Sie halten den Pädagog*innen den Rücken frei für Besprechungen. Auch geben uns die Freiwilligen oft Impulse für Neues oder für das Einnehmen einer andere Perspektive.
Viele haben bleibende Spuren in der Schulburg hinterlassen: Eine Kollegin mit „grünem Daumen“ legte mit den Kindern einen Kräutergarten an, ein begnadeter Graffiti- Künstler übersprühte beschmierte Außenwände, gestaltete Türen und Bänke neu. Seither blühen bei uns viele leuchtende Farb-Blumen auch in der dunklen Jahreszeit.

In welchen Abteilungen oder Bereichen können Freiwillige tätig sein?
Freiwillige werden überwiegend im pädagogischen Bereich eingesetzt, wobei ausdrücklich erwünscht ist, eigene Ressourcen und Ideen einzubringen. Aber auch weniger spannende Routinearbeiten wie Botengänge, Unterstützung bei der Pflege, Sauberhalten und Verschönerung von Spielmaterial, Räumen und dem Außengelände sind Aufgaben, die zum Tätigkeitsbereich gehören. Manchmal benötigen wir auch Hilfe bei administrativen Tätigkeiten wie Fotokopieren, Archivierung und der Pflege von Listen.

Was sagt Ihre Zielgruppe in Bezug auf die Freiwilligen?
Von unseren Kindern werden Bundefreiwillige, egal welcher Altersgruppe sie angehören, oft wie ältere, spielbereite Geschwister oder aufgeschlossenen Großeltern behandelt. Außerdem heben sie weniger oft den pädagogischen Zeigefinger, was sie besonders beliebt macht.
Eltern sind sehr dankbar, mehr Ansprechpartner*innen anzutreffen und beruhigt, dass mehr Menschen ihre Kinder im Blick haben.

Der Bundesfreiwilligendienst ist für uns…
...eine Erfolgsgeschichte, die wir gern fortschreiben.

Wie ist die Praxisanleitung in den Einsatzstellen organisiert?
Feste Mentor*innen begleiten die Bundesfreiwilligen in der Einarbeitungszeit und bleiben Ansprechpartner*innen bis zur Beendigung der Maßnahme. Vor dem Ende der Probezeit und zum Ende der Bundesfreiwilligenzeit sowie bei aktuellen Anlässen finden Gespräche mit der Leitung statt. Dabei stehen die Themen Mitarbeiter*innenzufriedenheit und Berufsperspektive im Mittelpunkt.

Haben Sie noch Kontakt zu ehemaligen Bundesfreiwilligen?
Ja, und wir freuen uns immer sehr, wenn wir erfahren, welchen Weg unsere „Ehemaligen“ gegangen sind. Vier von ihnen sehen wir täglich, weil sie als Pädagog*innen bei uns oder in unserer Kooperationsschule arbeiten.

Was Sie zum Abschluss noch sagen möchten:
Wir möchten unsere Bundesfreiwilligen nicht mehr missen, ihre Persönlichkeiten machen unsere Schulburg bunter und bereichern uns und unsere Arbeit.

Name: Jördis Dörry
Position in der Einrichtung: Wohnstättenleiterin

Die Einrichtung:
Einrichtungsträger ist die BWS Spremberg GmbH. Die Wohnstätte versteht sich als überregionales Versorgungsangebot und bietet 24 Menschen mit Behinderung eine dauerhafte Wohn- und Lebensperspektive. Die Wohnstätte "Stadthaus" liegt im Zentrum von Spremberg in der Muskauer Straße 4/5. In der Wohnstätte werden Erwachsene betreut, die durch Intelligenzminderung häufig in Verbindung mit Blindheit/ Sehbehinderung und Körperbehinderung beeinträchtigt sind. Die Bewohner sind in der Regel in der Werkstatt für behinderte Menschen tätig, sofern nicht physische und psychische Erkrankungen oder das Erreichen des Rentenalters dieses ausschließen. Bewohner die keiner externen Beschäftigung nachgehen, erhalten tagesstrukturierende Beschäftigungsangebote in der Wohnstätte. In der Wohnstätte "Stadthaus" werden Leistungen der Eingliederungshilfe nach dem SGB IX erbracht. Nach dem Grundsatz des Normalisierungsprinzips erhält jeder Bewohner die Möglichkeit zu einer weitestgehend selbstständigen und eigenverantwortlichen Lebensgestaltung. Dabei erhält jeder Bewohner die notwendige Hilfe und Förderung durch Betreuung, Begleitung, Assistenz und Pflege auf der Grundlage der individuellen Hilfebedarfsermittlung und Förderplanung. Ziel der Arbeit in der Wohnstätte "Stadthaus“" ist es, die hier wohnenden Menschen mit Behinderung in ihrer Gruppe zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft und in ihrer alltäglichen Lebensführung zu unterstützen und schrittweise zu einem Leben zu befähigen, dass immer weniger von fremder Hilfe abhängig ist.

Wie viele BFD Plätze haben Sie?
Einen.

Seit wann sind in Ihrer Einrichtung Bundesfreiwillige im Einsatz?
In unserer Einrichtung werden seit 2011 Mitarbeiter*innen des Bundesfreiwilligendienstes beschäftigt. Die erste Mitarbeiterin wurde fest eingestellt und arbeitet noch heute in der Wohnstätte.

Welche Erfahrungen machen Sie mit Bundesfreiwilligen? Gibt es eine Erfahrung, die Sie besonders berührt hat?
Aktuell arbeitet eine 16-jährige Mitarbeiterin mit viel Herz und Engagement bei uns in der Wohnstätte. Durch die praktischen Erfahrungen konnte der Berufswunsch gefestigt werden, so dass sie demnächst eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin beginnen wird.

Was gewinnt Ihre Einrichtung durch den Einsatz Freiwilliger? Bzw. was bewirken die Freiwilligen in Ihrer Einrichtung?
Die Mitarbeiter*innen waren durch ihre persönlichen Erfahrungen im Umgang mit beeinträchtigten Menschen unterschiedlich einsetzbar. Das Team hat diese zusätzlichen Ressourcen genutzt, um den Alltag der Bewohner*innen abwechslungsreich zu gestalten.

In welchen Abteilungen oder Bereichen können Freiwillige tätig sein?
Die Mitarbeiter*innen unserer Wohnstätte werden z.B. bei

  • hauswirtschaftlichen Verrichtungen ( z.B. Essen reichen, saubere Wäsche in die Schränke einräumen, gemeinsam mit den Bewohner*innen die Wohnbereiche reinigen usw.),
  • der Freizeitgestaltung (z.B. Gestaltung der Tagesbetreuung, Organisation und Begleitung von Ausflügen, Begleitung zu Spaziergänge usw.),
  • bei der Gartenarbeit ( z.B. Unkrautbeseitigung, Dekoration, Pflanzen und Ernten von Gemüse oder Obst) oder
  • bei Büroarbeiten (z.B. Aktualisierung von Ordnern, Archivierungen, Erfassen der Kundenzufriedenheit) eingesetzt.

Was sagt Ihre Zielgruppe in Bezug auf die Freiwilligen?
Die Bewohner*innen sind sehr zufrieden, weil die zusätzlichen Mitarbeiter*innen mehr Zeit für individuelle Gespräche und Beschäftigungen haben. Da die Zusammenarbeit in einem begrenzten Rahmen stattfindet, freuen sich die Bewohner*innen über andere Impulse und lernen immer wieder neue Menschen kennen, die später manchmal noch zum Besuch kommen.

Der Bundesfreiwilligendienst ist für uns…
 …eine tolle Erfahrung, eine Bereicherung für das Team und oftmals eine wirklich hilfreiche Unterstützung für unsere Bewohner*innen.

Haben Sie noch Kontakt zu ehemaligen Bundesfreiwilligen? Wenn ja, in welcher Form?
Einige Mitarbeiter*innen aus dem Bundesfreiwilligendienst arbeiten zwischenzeitlich als Gruppenhelfer*in anderen Einrichtungen des Unternehmens, daher besteht weiterhin Kontakt. Wir leben hier in einer kleinen Stadt, so dass mitunter herzliche Begegnungen im Alltag stattfinden.

Was Sie zum Abschluss noch sagen möchten:
Ich finde es immer wieder spannend, neue Kolleg*innen in die Welt von Menschen mit Beeinträchtigungen einzuführen. Für das Team und die Bewohner*innen sind diese zusätzlichen Mitarbeiter*innen eine Bereicherung und leisten einen wichtigen Anteil zur Erleichterung des Alltags.


"Ich wusste schon vor meinem Renteneintritt, dass ich auf der sozialen Schiene weiterarbeiten möchte. Zu Hause herumsitzen konnte ich mir absolut nicht vorstellen. Mein Beruf als Altenpflegerin hat mich da sehr geprägt. Es ist doch eine wunderbare und auch anspruchsvolle Aufgabe den Menschen zu helfen, die in Not geraten sind und von der Gesellschaft 'vergessen' werden."

Petra Goetjes macht einen Bundesfreiwilligendienst beim Strassenfeger e.V. in Berlin.

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