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Aktuelles

23.04.2020

Weltweite Solidarität / Global Solidarity

Covid-19 in Uganda / Interview - D/Eng

++ English version below ++

Henry N. ist ein ehemaliger Freiwilliger des weltwärts-Süd-Nord-Programms und leistete über die ijgd für ein Jahr einen Freiwilligendienst in einem Kindergarten in Berlin. Im August 2019 kehrte er nach Uganda zurück, um seine Arbeit mit KIDA fortzusetzen, einer Organisation, die er 2012 mitbegründet hat. In der gegenwärtigen Situation versucht KIDA auf die Lage im ländlichen Uganda aufmerksam zu machen und bedürftige Menschen zu unterstützen.

Auch Uganda ist von der Covid-19-Krise stark betroffen. Obwohl es nicht viele Fälle gegeben hat, hat die Regierung das Land geschlossen. Ähnlich wie in Deutschland sind Geschäfte und Schulen geschlossen und öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr in Betrieb. Aber die Dinge sind auch ganz anders als in Deutschland: es gibt kein Sozialversicherungssystem; das Gesundheitssystem ist chronisch unterfinanziert und die Mehrheit der Menschen ist auf Gelegenheitsarbeit angewiesen, um sich selbst zu versorgen. Die Auswirkungen der politischen Maßnahmen sind daher für den Großteil der Bevölkerung sehr viel schwieriger zu bewältigen.

Hallo Henry! Schön, mit dir zu sprechen! Erzähl mir ein bisschen über deine Erfahrungen in Deutschland.

Mein Freiwilligendienst hat mich wirklich geprägt- ich habe dort wunderbare Menschen kennengelernt, Erfahrungen ausgetauscht und natürlich auch erfahren, was wirklich auf der anderen Seite der Welt passiert.

Wenn Du auf die Zeit in Berlin zurückblickst, was nimmst du auch für deinen jetzigen Alltag mit?

Nun, ich habe durch meinen Freiwilligendienst in einem Kindergarten eine Menge Dinge gelernt. Da das weltwärts Süd-Nord-Programm Menschen aus allen Teilen der Welt zusammenbringt, habe ich gelernt, mit allen zusammenzuarbeiten, unabhängig von Hautfarbe, sozialem Hintergrund und so. Ich gewann Freund*innen und fand Unterstützer*innen für meine Vision einer gerechten Welt. In dieser Zeit der Krise sind in den vergangenen Wochen einige Eltern meines Kindergartens an mich herangetreten, um unsere Arbeit in Uganda zu unterstützen – ich habe mich über diese Solidarität sehr gefreut, denn die Covid-19-Pandemie betrifft uns wirklich alle!

Wie sieht die aktuelle Situation in Uganda aus?

Bisher haben wir etwa 55 positive Fälle in Uganda, und das Land befindet sich unter „lockdown“, was eine gute Möglichkeit ist, die Ausbreitung des Virus auf die gesamte Bevölkerung zu verhindern, aber auf der anderen Seite auch erhebliche negative Auswirkungen für die Mehrheit der Bevölkerung hat: Viele Menschen können im Moment keine Arbeit finden, so dass sie während dieser Abriegelung nichts verdienen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Situation ist wirklich schlimm: Die Menschen verhungern aufgrund des Mangels an Nahrung und kümmern sich nicht um das Virus.

Wer sind die am meisten betroffenen Menschen?

Die Menschen, die von der Pandemie und den derzeitigen Maßnahmen am meisten betroffen sind, sind Kinder, Frauen und Menschen mit Behinderungen. KIDA arbeitet seit vielen Jahren mit diesen Menschen zusammen - jetzt ist die Situation wirklich alarmierend. Wir als zivilgesellschaftliche Organisation müssen uns engagieren und aktiv dazu beitragen unsere Gemeindemitglieder während dieser Pandemie zu unterstützen.

Was tut KIDA im Moment?

KIDA ist zum Glück Teil der Distrikt-Task Force, die gegen die Ausbreitung des Virus kämpft und alle Aktivitäten in Mukono District koordiniert. Durch einige Spenden konnten wir unsere Sensibilisierungs- und Informationskampagne starten - wir haben bereits 19 Dörfer im südlichen Teil des Distrikts Mukono erreicht. Als KIDA tun wir unser Bestes: Natürlich wollen wir Nahrungsmittelhilfe leisten, aber uns fehlen die Gelder um Nahrungsmittel bereitzustellen.

Wie finanzieren Ihr Eure Projekte?

Im Moment arbeiten wir auf freiwilliger Basis. Obwohl wir mit dem ugandischen Gesundheitsministerium zusammenarbeiten, erhalten wir keine staatlichen Mittel für unsere Aktivitäten, deshalb haben wir online eine Spendenkampagne gestartet.

Während meines Freiwilligendienstes traf ich viele verschiedene Menschen - wir beschlossen, eine Plattform namens GLOBAL SOLIDARITY NETWORK zu gründen, über die Menschen Ideen und Wissen austauschen können. Gemeinsam mit dieser Gruppe von Menschen (aus Deutschland, Indien, Sierra Leone und Uganda) sammeln wir Spenden für unsere Aktivitäten in Uganda und Sierra Leone - im wörtlichen Sinne von Solidarität teilen wir die Spenden und unterstützen uns so gegenseitig. In wöchentlichen Anrufen informieren wir uns gegenseitig und halten die Menschen über unsere Arbeit auf dem Laufenden.

Vielen Dank, Henry. Wir wünschen Dir für die kommenden Wochen viel Erfolg! Bleib sicher und gesund!

Sie können Henrys Arbeit in Uganda und die Arbeit von SEND in Sierra Leone unterstützen, indem Sie diesen Link weitergeben oder Geld spenden. Wir danken Ihnen im Voraus.

Die Äußerungen des Gesprächspartners geben dessen eigene Auffassungen wieder. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der dargestellten Sachverhalte übernehmen die ijgd und Interviewerin keine Garantie.

 

English version

Henry N is a former volunteer of the weltwärts South North programme. He volunteered for one year in a kindergarten in Berlin and returned back to Uganda in August 2019 to continue his work with KIDA, an organization he co-founded in 2012. In the current situation KIDA is raising awareness on the corona virus.  

Uganda is also deeply affected by the Covid-19 crisis. Even though there have not been many cases, the government has shut down the country and similar to restrictions in Germany, shops and schools are closed and public transportation is no longer running. However, things are also very different than in Germany. There is no social security system; the health system is chronically underfunded and the majority of the people rely on casual labour to provide for themselves. The effects of the shutdown are therefore a lot more challenging for most of the population.

Hi Henry! Nice to meet you! Tell me a little bit about your experiences in Germany.

My volunteer service was really amazing – it made me meet wonderful people, share experiences and of course getting to know what really happens on the other side of the world.

Looking back at the time in Berlin, what did you learn from your volunteer experience?

Well, I learnt a lot of things from my volunteer service in a kindergarten. Since this weltwärts South-North programme brings together people from all corners of the world, it taught me how to cooperate with everyone, regardless of the skin colour, social background and everything. I made friends and found supporters for my vision of a just world. In this time of crisis, some of the parents of my Kindergarten approached me in the past weeks to support our work in Uganda – I was really impressed by these acts of solidarity because the Covid-19 pandemic is really affecting all of us!

What is the current situation like?

So far, we have around 55 positive cases in Uganda and the country is under lockdown, which is a good way of preventing the spread of the virus to the entire population. On the other hand, it has significant negative effects for the majority of the population: many people have not been able to find jobs, leaving them earning nothing to sustain their living during this lockdown. The situation is really bad: people are starving due to lack of food and they are not minding about the virus.

Who are the most affected people?

The people affected during this pandemic are the most vulnerable:  the children, the women and those with disabilities. KIDA has been working with these people for many years – now the situation is really alarming us. We as civil society organization have to come up and do something to support our community members during this pandemic.

What is KIDA doing at the moment?

KIDA is luckily part of the district task force that is coordinating the fight against the spread of the virus in Mukono District. Through some donations we were able to start our awareness raising campaign – we have already reached out to 19 villages in the southern part of Mukono district. As KIDA we are doing our best: of course we want to give food relief, but we lack resources to provide food.

How are you financing your projects?

We are working on a voluntary basis at the moment. Even though we are working with the Ugandan ministry of health, we do not get government funding for our activities, that is why we started a fundraising campaign online.

During my volunteer service I met many different people – we decided to found a platform called GLOBAL SOLIDARITY NETWORK, through which people exchange ideas and knowledge. Together with this group of people (from Germany, India, Sierra Leone and Uganda), we are raising funds for our activities in Uganda and Sierra Leone – in the literal sense of solidarity we are sharing the donations and thus support each other. In weekly calls we update each other and keep people posted on the work we are doing.

Thank you very much Henry. We wish you success for the upcoming weeks! Stay safe and healthy!

You can support Henry’s work in Uganda and the work of SEND in Sierra Leone by sharing this link or donating money. Thank you in advance.

The views and opinions expressed in this interview are those of the interviewee. ijgd or interviewer assume no responsiblity for the completeness and accuracy of the facts presented.

Interview: Merel Fuchs