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CIVS: Kima Rocky Clay Works and Designers Youth Group

Letztes Jahr ist mir bewusst geworden, dass ich etwas dazu beitragen möchte die sogenannte "3. Welt" zu verbessern. Nachdem ich das Internet nach Möglichkeiten abgesucht habe, dieses Ziel auch als Schüler zu bewältigen, bin ich auf die ijgd gestoßen. Ich habe mich relativ schnell dann für ein Seminar beworben...

Name:Tim G.Einsatzstelle:CIVS: Kima Rocky Clay Works and Designers Youth Group, Kima/KeniaInhaltliche Ausrichtung:sehr breit gefächert

...und auch vor dem Seminar mir schon einen Workcampplatz in Kenia gesichert. Es sollte sich um ein Projekt handeln, bei dem geholfen wird eine Schule aufzubauen. Es kam anders, dazu aber später mehr.

 

Am 8. August ging es für mich dann los, um 6:30 startete das Flugzeug. Die Meisten nutzten den Flug vermutlich für eine psychische Vorbereitung auf das Workcamp, ich muss allerdings zugeben, dass ich fast den kompletten Flug über geschlafen habe, was daran liegen könnte, dass ich vor dem Flug nur 2h Schlaf hatte. Also kam ich relativ fit gegen 20Uhr in Nairobi an. Im Hinterkopf hatte man noch die Ängste, die viele auf dem Seminar geäußert haben: Was mache ich, wenn nicht wie vorab geklärt jemand der Partnerorganisation in Kenia am Flughafen wartet? Glücklicherweise habe ich direkt, als ich die Gepäckhalle verlassen habe, ein Schild mit meinem Namen darauf entdeckt. Ich wurde von Ken, einem Angestellten bei CIVS, abgeholt. Nach kurzer Begrüßung ging es auch direkt weiter in ein Auto, das mich zu meiner Unterkunft in Nairobi gefahren hat. Das war schonmal die erste, neue Erfahrung: Der Verkehr in Kenia ist nicht zu vergleichen mit Europa, es fährt immer der, der zuerst da ist oder wer das größere Auto hat.

In der Unterkunft schließlich nach 30min Fahrt angekommen, wurde klar, dass es sich um Kens Haus handelte. Es waren auch schon zwei andere Freiwillige da, die am gleichen Workcamp teilgenommen haben wie ich. Kurze Zeit später trafen noch weitere Freiwillige von anderen Projekten ein, um den Abend miteinander zu verbringen. Es hat direkt jeder mit jedem geredet und es herrschte eine tolle Stimmung, weil einfach alle nett waren und es viel zu reden gab.

 

Am nächsten Tag wurde ich zusammen mit zwei anderen Freiwillige von Vincent, unserem Workcampleiter, durch Nairobi geführt. Es war toll, man hat viel gesehen und einige neue Erfahrungen gesammelt. Das Abendprogramm war ähnlich wie am Vortag, es war ein fröhliches Beisammensein.

 

Der Tag darauf und auch der letzte Tag in Nairobi, war unser Orientierungstag. Im Büro von CIVS wurde uns einiges über unser Workcamp, Kenia, die Unterschiede zu Europa, die Probleme die auftreten könnten und das Programm erzählt. Auch hat man dabei das restliche Team kennen gelernt, welches ebenfalls am Workcamp teilnimmt. Die Gruppe bestand aus acht Japanern, drei Kenianern, einer Holländerin, einer Amerikanerin und zwei Deutschen. Wir wurden auch darüber aufgeklärt, dass unser Workcamp geändert wurde. Eigentlich sollte ich eine Schule aufbauen, allerdings wurde dieses Projekt abgesagt und wir wurden dem Workcamp „Kima Rocky Clay Works and Design“ zugeteilt (anm.: Clay Work = Lehmarbeiten). Das störte mich anfangs etwas, denn ich bin der Meinung, dass Bildung das Wichtigste ist, um Fortschritt zu erzielen. Für mich war das der Grund, warum ich dieses Projekt ausgewählt habe, ich wollte eine Schule aufbauen und damit etwas für die Bildung tun. Stattdessen wurde ich nun einem Workcamp zugeteilt, bei dem eine Jugendgruppe töpfert. Ich werde später noch erklären, warum dies eigentlich doch kein Grund war um sich zu ärgern.

 

Dann kam endlich der Tag, an dem man zum eigentlichen Workcamp aufgebrochen ist. Die Busfahrt war nicht sehr angenehm, da die Straßen in einem sehr schlechten Zustand sind und man mit einer Größe von 1,87m auch nicht besonders viel Platz hatte. Nach ca. 8 Stunden sind wir dann bei unserer Unterkunft angekommen. Wir wurden von der „Kima Rocky Youth Group“ direkt sehr freundlich empfangen und uns wurden alle Räume gezeigt, die für uns wichtig waren (Schlafräume, Wohn-/Essraum, Küche, Dusche, Toilette). Natürlich war nichts davon auf europäischem Standart. In den Schlafräumen war es sehr eng, die Toilette war ein winziger Raum mit einem Loch im Boden, die Dusche war einfach nur ein winziger Raum (zum Duschen muss man einen Eimer Wasser vor sich aufstellen und sich mit der Hand das Wasser auf den Körper spritzen) und in der Küche wurde einfach mitten im Raum Feuer gemacht, ohne Abzug. Aber auch daran kann man sich gewöhnen, nach wenigen Tagen war alles kein Problem mehr und ich habe natürlich auch nichts anderes erwartet.

 

Am nächsten Tag wurden wir dann offiziell begrüßt und Willkommen geheißen. Es war eine große Zeremonie in der Kirche, bei der für uns getanzt und gesungen wurde, der Parlamentsabgeordnete des Bezirks war anwesend und es gab einige Reden. Es ist einfach großartig, wie gastfreundlich die Menschen in Kenia sind. Später an dem Tag wurde uns dann die Gegend gezeigt und wir hatten ein paar Besuche bei verschiedenen Personen in wichtigen Ämtern.

 

An den nächsten Tagen startete dann der Workcamp-Alltag. Morgens um 8Uhr gibt es Frühstück und danach muss die komplette Truppe erstmal Wasser holen (eine ziemlich anstrengende Aufgabe). Der Vormittag wurde dann meist zum Arbeiten verwendet. Danach gab es Mittagessen und am Nachmittag war man meist zum Tee zu „Home Visits“ eingeladen. Abends gab es natürlich wieder etwas zu Essen und danach war Freizeit angesagt.

 

Die Arbeiten waren sehr vielfältig. Die ersten 3-4 Tage hatte es natürlich hauptsächlich mit Lehm zu tun, da wir ja bei einer Jugendgruppe waren, die mit Lehm arbeitet. Wir mussten also den Lehm fördern und transportieren, ihn mischen, dann töpfern und schließlich brennen. Die restlichen Tage waren wir aber viel unterwegs: Wir waren in der Grundschule zum Unterrichten, haben im Krankenhaus gearbeitet, haben in einem Waisenhaus Essen ausgeteilt, haben Landwirtschaft betrieben und vieles mehr. Es war wirklich sehr abwechslungsreich und ich kam auch zu dem Schluss, dass dieses Workcamp besser ist als ein Schulprojekt. Erstens ist mir klar geworden, dass es für uns nicht darum ging durch unsere Arbeit direkt zu helfen, die Kenianer sind natürlich genauso in der Lage eine Schule zu bauen. Warum sollte das also ein 18-jähriger Schüler aus Deutschland machen, der noch nie in seinem Leben davor etwas in der Art getan hat? Der Zweck des Workcamps ist nicht die Arbeit an sich, sondern der interkulturelle Austausch, Erfahrungen sammeln, Freunde finden und es hat meiner Meinung nach auch einen symbolischen Zweck: Man zeigt den Menschen dort, dass Europa (bzw. die Industrienationen) ein Interesse an ihnen hat und dass wir ihnen helfen wollen. Und zweitens war die Arbeit viel abwechslungsreicher als bei einem reinen Schulprojekt. Wir waren ebenfalls in einer Schule, aber wir haben noch sehr viel mehr gemacht.

 

In unserer Freizeit haben wir viel geschlafen, denn es waren teilweise wirklich anstrengende Arbeiten. Aber wir hatten auch unseren Spaß. Es gab viele gemeinsame Aktivitäten, z.B. hatten wir öfters ein Lagerfeuer, haben zusammen rumgealbert oder auch einfach nur miteinander geredet und diskutiert. Auch das ein oder andere Bier haben wir zusammen getrunken. Man fühlte sich also teilweise wie zu Hause...

 

Natürlich gab es auch negative Aspekte, wenn auch nur sehr wenige. Wie in jedem Camp gibt es natürlich die ein oder andere Person, die man nicht besonders mag. Dies war auch hier der Fall, denn meiner Meinung nach waren manche Personen wirklich falsch am Platz. Auch die „Pole-Pole“-Mentalität (anm.: Pole Pole = langsam) war teilweise etwas nervig. Wir sind grundsätzlich immer später losgegangen, als eigentlich geplant war, was wohl normal für Kenia ist, aber als Europäer, besonders als termingenauer Deutscher manchmal recht ärgerlich ist.

 

Abschließend kann ich sagen, dass mir das Workcamp wirklich sehr viel Spaß bereitet hat und ich viele Erfahrungen gesammelt habe. Ich würde immer wieder teilnehmen und hätte es auch gegen keinen 5-Sterne All-Inclusive Urlaub getauscht. Man wird meiner Meinung nach einfach reifer durch das Workcamp.

Ich habe einen Aids-Kranken gesehen, der immer weiter kämpft und alles tut um diese Krankheit zu besiegen. Ich habe ein Waisenhaus gesehen, bei dem bei 90% der Kinder die Eltern an Aids gestorben sind. Ich habe 10-Jährige gesehen, die mit einer Whiskey-Flasche und komplett betrunken durch die Stadt gelaufen sind. Ich habe Menschen gesehen, die total ausgehungert sind. Ich habe gesehen, unter welchen Umständen viele Menschen leben müssen. Zurück in Deutschland kann ich über Probleme, die manche Leute hier haben einfach nur lachen, denn ich weiß jetzt, was wirkliche Probleme sind. Und ich möchte auf jeden Fall diesen Menschen helfen.
Ich habe Freunde auf dem ganzen Kontinent gefunden. Ich habe nicht nur die kenianische Kultur kennen gelernt, sondern noch drei weitere. Ich habe mich drei Wochen auf Englisch verständigen müssen, teilweise mit Händen und Füßen, weil man bestimmte Wörter einfach nicht auf Englisch wusste. Ich habe Orte und Plätze gesehen, die einfach nur wunderschön waren.

 

Ich kann einfach nur jedem empfehlen an einem Workcamp teilzunehmen. Man sieht viel, man sammelt viele Erfahrungen, lernt viel Neues kennen und hat trotz teilweise harter Arbeit immer noch Spaß und vor allem ein sehr gutes Gefühl dabei. Ich denke auch jetzt noch oft an die Zeit zurück und ich freue mich schon, wenn ich wieder die Möglichkeit habe, an einem weiteren Workcamp teilzunehmen.

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