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CIVS - Mulaani, Katunda: Itithini Women-Group

Am 6.Juni ging meine große Reise los! Es ist die erste Reise raus aus Europa, es ist der erste lange Flug, es ist die erste Reise allein – ohne Eltern, die einem helfen oder Freunde, die einen unterstützen. Und dann in ein Land, das so ganz anders zu sein scheint....

Name:Nathalie O.Einsatzstelle:CIVS - Mulaani, Katunda: Itithini Women-GroupInhaltliche Ausrichtung:Social

...An den Orientierungstagen wurden wir darauf vorbereitet, dass man wohl auch Konflikte zu lösen hat und nach deutschem Verständnis nicht immer alles so glatt läuft, was schon an der kenianischen Mentalität und dem Zeitverständnis liegen kann. Deswegen war ich auf der Hinreise schon sehr aufgeregt! Aber ich hab mich natürlich auch total auf die Zeit die da kommt gefreut. Auf neue Freundschaften, auf die Herausforderung ohne fließend Wasser und Elektrizität zu leben, auf physische Arbeit und auf das völlig andere Umfeld.

 Nach meiner Landung in Nairobi allerdings ging alles in einem Schub. Die Mentalität bekommt man gleich am Flughafen mit. Man ist von Deutschland gewohnt an einem Schalter einfach zu verlangen, was man möchte. Aber in Kenia fängt man immer erst mit Smalltalk an. Und auch wenn’s der erste Stolperstein war, war es ein positiver!

Die ersten beiden Tage vor dem Workcamp hab ich in Nairobi verbracht, wo ich bei einer Familie privat untergekommen bin. Dort hab ich auch schon die anderen Volunteers kennenlernen können. Unser Camp war relativ klein, 5 internationale (Deutschland, Japan, United States of America) und 4 Kenianer. Aber in Nachhinein war das sehr gut, da wir zu einer kleinen Familie zusammengewachsen sind.

 
Nairobi ist auf den ersten Blick total anders als deutsche Großstädte. Die Straßen sind voller Autos, Fußgänger und Fahrradfahrer, die sich wild kreuzen. Von Verkehrsregeln bekommt man oft nicht viel mit. Besonders die kunterbunten  Kleinbusse zur Beförderung durch die Stadt (Matatus) haben’s in sich. Allerdings hab ich diese zum Ende echt geliebt. Für ein paar Schilling fahren sie durch die Stadt und sammeln so viele Leute wie möglich ein. Ein Matatu scheint nie voll zu werden. Innen sind sie mit Flachbildschirmen ausgestattet und es kommt so laute Musik, dass einem der Rücken vom Bass massiert wird. Und immer nach der Philosophie: Das langsamste Matatu verliert. An den Straßenrändern sind unzählige Stände, an denen alles Erdenkliche angepriesen wird. Immer wieder brennen Feuer, in denen Müll verbrannt wird. Der Rauch und die Abgase der vielen Autos lassen einen manchmal nicht atmen. Es gibt aber auch Viertel in denen kommt man sich nicht weit gereist vor. Wolkenkratzer, Firmengebäude, schöne Parks und saubere Gehsteige. Daran erkennt man allerdings auch den krassen Unterschied zwischen Arm und Reich in Kenia. Familien überleben für einen Euro am Tag und gleichzeitig müssen andere für ein Jahr Universität mehr als in Deutschland zahlen.

 
Das Camp lag ca. 3 Stunden holprigster Autofahrt entfernt von Nairobi im Distrikt Machakos. Dies war auch die Stadt in der wir am Wochenende in Clubs gegangen sind (sehr witzige und lockere Atmosphäre) und die Möglichkeit hatten ins Internet zu gehen. Der Ort Mulaani, in dem das Camp statt fand, ist ein sehr kleines Dorf. An der Straße gelegen gibt es ein paar Pubs, in denen wir nachmittags ab und zu mit den Einheimischen getrunken haben und zwei Geschäfte. Dort haben wir unser Frühstücksbrot und das Nötigste kaufen können.

 
Untergebracht waren wir bei einem Mitglied der Frauengruppe in einem Nebenhaus. Geschlafen haben wir auf Matzratzen, die am Boden lagen in unseren Schlafsäcken. Eine ziemlich gute Unterkunft. Der Alltag im Camp bestand aus Frühstück (zwei Mitglieder hatten immer Küchendienst, pappsüßen Chai und Weißbrot), Arbeit am Vormittag (meistens Wasserschleppen für die Frauengruppe, die eine Art kleine Gärtnerei betreibt oder auch Steine sammeln, um Löcher in der Straße zu schließen), Lunch (seeehr gutes Essen!), danach Zeit für Wäsche-Waschen, Duschen, Tagebuch schreiben, Gegend erkunden oder Hausbesuche bei Einheimischen – häufig allerdings Wasserholen für den eigenen Bedarf. Dazu mussten wir 30 min mit Schubkarren und Gefäßen zu einem Damm laufen und ca. 45 min zurück, weil der Weg sandig und steil war. Man lernt dabei Wasser wirklich als etwas Kostbares anzusehen und vor allem zu erkennen, dass man in Deutschland mehr Luxus hat, als man sich eingesteht. Der Abend war nach einem Dinner bei Petroleumlampen-Schein meist ein gemütlicher oder lauter Abend am Lagerfeuer. Wir hatten sehr kreative Spiele, haben gesungen, diskutiert und den Tag besprochen. Natürlich gab es hier ab und zu Reibereien, aber die lassen sich nicht vermeiden, wenn man zusammenwachsen will, was uns zum Ende sehr gut geglückt ist.

 
Die Arbeit vor Ort darf man wirklich nicht als Weltverbesserung ansehen. Bevor man zu dem Vorbereitungsseminar kommt hat man das Gefühl in Afrika Entwicklungshelfer zu werden und das Leben der Kenianer zu verbessern. Fakt ist allerdings, dass man vor Ort derjenige ist, dem erklärt wird, wie der Ofen funktioniert, wie man am besten das Wasser trägt, das kenianische Gemüse zubereitet, Lampen ausmacht ohne Petroleum zu verschwenden, Hühner schlachtet oder mit wenig Wasser auskommt. Dazu kommt, dass die Arbeit zum Teil wirklich physisch sehr anstrengend ist, vor allem wenn es dann ein heißer Tag ist. Und man muss immer daran denken, dass man 3 Wochen vor Ort ist. Danach muss die Gärtnerei auch weiter bewässert werden. Das heißt eigentlich – man kommt dort auch ohne uns aus! Dies kann zu Ernüchterung führen. Aber man sollte die Zeit dort deswegen keinesfalls als weniger wichtig ansehen. Der Schwerpunkt liegt allerdings auf den kulturellen Austausch, dem Lernen von Fähigkeiten, miteinander auszukommen und am allerwichtigsten die Erfahrungen dann zuhause angekommen mitzuteilen, damit Lebensstil und Herausforderungen der verschiedenen Länder besser verstanden werden können.

 Wir haben auch eine Schule besucht und dort unterrichtet für ein paar Stunden oder Spiele gespielt. Daraus zum Beispiel ist eine engere Beziehung gewachsen und der Start für eine Partnerschaft mit einem deutschen Nachhilfeinstitut. Hier kann also vielleicht doch bisschen was verbessert werden. Dies läuft allerdings auf Eigeninitiative – wie das gesamte Workcamp. Man gestaltet alles selbst, keiner sagt einem, was man zu tun hat. Je mehr man investiert, desto mehr hat man am Ende davon.

Auch die Erfahrung unterschiedlich behandelt zu werden, nur weil man eine andere Hautfarbe hat, ist sehr neu gewesen. Man wird immer begrüßt und angesprochen, viele Menschen sind sehr interessiert und wirklich nett. Bei anderen muss man aufpassen nicht ausgenommen zu werden. Denn Weiß ist reich. Das hat auch zu viel Gesprächsstoff mit den Einheimischen geführt.

 Eigentlich könnte man allein aus drei Wochen Erfahrungen ein gesamtes Buch schreiben. Das ist dann der gewünschte Multiplikator-Effekt. Aber jedes Workcamp ist anders, da es von den Leuten gestaltet ist, die daran teilnehmen. Deswegen ist es wichtig, möglichst unbeeinflusst in Zielland anzukommen und alles so anzunehmen wie es kommt. Man muss das Beste daraus machen und sollte auch vor Konflikten nicht davon rennen. Sie sind die Möglichkeiten zu lernen!

Für mich war die Zeit in Kenia sehr prägend! Ich wollte keine Sekunde und keine Erfahrung missen. Ganz besonders ist der Aufenthalt dort auch gewesen, da ich kitschigerweise die große Liebe gefunden habe, was natürlich jetzt für Probleme sorgt. Aber ein kenianisches Sprichwort sagt, es gibt keine Probleme. Nur Herausforderungen. Also werde ich diese mit ein wenig kenianischem Einfluss hoffentlich auch meistern.

 

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