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UVIKIUTA - Fuoni-Maungani / Sansibar, 2 Wochen

Als mein Vater mir vorgeschlagen hat, ein Workcamp zu machen, dachte ich erst, dass so etwas nichts für mich wäre. Ich war noch nicht einmal 18. Außerdem war ich noch nie länger als 10 Tage alleine von zu Hause weg gewesen und konnte mir einfach nicht vorstellen, so eine weite Reise ganz alleine zu machen...

Name:Marleen F.Einsatzstelle:UVIKIUTA - Fuoni-Maungani / SansibarInhaltliche Ausrichtung:Mangrovenpflanzen, Schule streichen, Fischen

...Trotzdem hat mich die Vorstellung, mal selbstständig zu sein, gereizt. Ich bin dann mit der Erwartung zum ijgd-Vorbereitungsseminar in Kassel gefahren, dass ich im Endeffekt ohnehin nicht an einem Workcamp teilnehmen würde. Ich habe an einem Vorbereitungsseminar für AALA-Länder teilgenommen, weil ich durch Familie und Verwandte schon viel von Tansania gehört hatte, und wenn, dann da hin wollte.  Das Vorbereitungsseminar hat mir dann echt super gefallen. Es hat mir sehr geholfen, dass wir dort über unsere Ängste und Erwartungen sprechen konnten. Am besten hat mir das Gespräch mit einer Rückkehrerin gefallen, die auch ein Workcamp auf Sansibar gemacht hatte. Da habe ich mich auch für ein Workcamp auf Sansibar entschieden.  Als ich vom Vorbereitungsseminar zurück kam, hab ich sofort meine Anmeldung für das Workcamp UV.227 mit dem Thema Küstenschutzmaßnahmen abgeschickt. Meine Bestätigung kam einen Tag später und ich war total glücklich.

Ich hatte noch ungefähr 2 Monate Zeit, alles vorzubereiten. Masse Zeit, dachte ich. Ich hab mir dann leider etwas zu viel Zeit gelassen. Ich hab dann erst einen Monat bevor es losging mit den Vorbereitungen angefangen, und mit den Impfungen und so ganz schön in den Stress gekommen. Mein Express-Visum hab ich eine Woche vor Reisebeginn erhalten. Bin dann noch nach Hamburg in den Globetrotter-Laden gefahren, der mich echt überrascht hat. Die hatten da echt alles, was ich so brauchte. Mein Flug war das erste, was organisiert war. Titanic Reisen hat mir da super Angebote gemacht und das ging auch alles echt schnell. Und dann konnte es auch schon losgehen. Zwei Tage vorher habe ich angefangen, Malarone zu nehmen, was ich auch echt gut vertragen habe.  Dann habe ich meinen Rucksack gepackt und bin mit dem Zug nach Frankfurt gefahren.  Von da aus ging mein Flug nach Addis Abeba in Äthiopien. Da hab ich mich zum ersten mal so richtig erwachsen gefühlt. So ganz alleine, das war schon eine tolle Erfahrung.

Mein Flug nach Äthiopien dauerte 6 Stunden. Da hatte ich dann 4 Stunden Aufenthalt und dann ging es weiter nach Dar es Salaam in Tansania. Da wurde ich von Bekannten meines Vaters abgeholt, weil ich noch zwei Tage bis zum Workcamp hatte und ich bei denen bleiben konnte. Der Treffpunkt zum Beginn des Workcamps war das Luther House in Dar es Salaam, wo wir uns um 14.00 einfinden sollten. Meine Gastfamilie, so zu sagen, hat mich mit dem Auto dahin gefahren. Als wir ankamen saßen da schon einige Leute. Ich hab mich vorgestellt und von da an haben wir uns so super verstanden. Ich hatte erst die Sorge, dass wir das Eis nicht so zum brechen bringen können. Diese Sorge war völlig unberechtigt. Ziemlich bald sind dann auch zwei Männer von UVIKIUTA zu uns gestoßen, die einen Minibus mitgebracht haben. Mit dem sind wir dann ein Stück aus Dar es Salaam raus gefahren, zu einer Eco-Village, die von UVIKIUTA organisiert wird. Da mussten wir dann die 250 Euro Gebühr bezahlen und da haben wir auch übernachtet. In der Eco-Village leben Einheimische, denen dort beigebracht wird, wie sie umweltbewusst leben können. Wir haben in kleineren Gruppen in den Privathäusern der Bewohner geschlafen, das war echt nett.

Am nächsten Morgen mussten wir ziemlich früh aufstehen, um die Fähre nach Sansibar zu kriegen.  Wir sind dann mit dem Minibus zum Hafen. Wir hatten da noch keine Tickets, die beiden von UVIKIUTA konnten aber noch welche organisieren. Dann sind wir auf die Fähre gegangen, die ich mir echt schlechter vorgestellt hatte. Das Gepäck  wurde uns abgenommen, wobei mir etwas unwohl zu Mute war. Dann konnten wir uns auf das Sonnendeck setzen und die 2-3 Stunden Fahrt genießen. Ich bin nach 5 Minuten eingeschlafen und habe leider die schöne Aussicht auf paradiesische Inseln verpasst. Auf Sansibar angekommen mussten wir total lange auf unser Gepäck warten.  Alle anderen hatten schon ihr Gepäck, ich noch nicht und wurde langsam nervös. Es ist dann aber zehn Minuten später ausgeladen worden und wir konnten zum Immigration Officer gehen. Wir mussten auf der Fähre schon zwei  Zettel ausfüllen, die wir dann bei dem Officer abgeben mussten. Da gab es ein paar Probleme, weil wir nicht die genaue Adresse auf Sansibar wussten, die afrikanischen Behörden aber genau wissen wollen, wo sich Einreisende befinden. Solltet ihr ein Workcamp auf Sansibar machen, klärt die Adressenfrage am besten vorher mit euren Campleadern. Die gleichen Probleme hatte ich nämlich auch in Dar es Salaam am Flughafen. Ihr könnt euch da echt einigen Stress ersparen. Am Hafen in Stone Town sind wir dann noch auf einige Workcamp-Teilnehmer getroffen, die vorher schon einige Tage auf Sansibar verbracht hatten. Wir sind dann mit einem gemieteten Dalla-Dalla, einem örtlichem Bus, zu unserem Camp gefahren. Die Fahrt nach Maungani dauerte ungefähr eine Stunde. Dort konnten wir dann in unsere Unterkünfte einziehen. Diese waren zwei Häuser, die ungefähr 100 Meter auseinander lagen.

Ich habe im größerem, dem Haupthaus, übernachtet. Dort fanden auch sämtliche andere Aktivitäten, wie Essen, kulturelle Abende und Besprechungen statt. Das Haus hatte 3 Schlafzimmer, in denen wir jeweils zu fünft auf Matratzen geschlafen haben. Das Haus hatte zwei Badezimmer. Das eine, etwas größere, war für uns Mädchen gedacht. Wir hatten eine richtige Toilette und eine tolle Dusche. Für afrikanische Verhältnisse war unser Badezimmer echt luxuriös. Gekocht hat eine afrikanische Mama, die auch bei uns gelebt hat. Das Essen war echt toll, bestand hauptsächlich aus Ugali und Reis. Unser erster Tag in Maungani bestand  aus dem Orientationstag. Dafür sind wir in die örtliche Schule gegangen. Wir haben dann über unsere Ängste, Erwartungen und gegenseitigen Respekt gesprochen. Außerdem gab es noch einige Kennenlernspiele. Die Spiele haben das Eis etwas gebrochen und uns geholfen, uns die Namen der Anderen zu merken. Dann war der erste Tag auch schon geschafft und das Workcamp konnte so richtig losgehen.

Für die erste Woche war das Pflanzen von Mangroven geplant. Der Grund ist, dass der Mangrovenbestand an der Küste immer kleiner wird. Die Mangroven schützen aber das Land vor Erosion durch das Meer.  Zu den Mangrovengebieten mussten wir mit dem Rad fahren. Unsere Campleader Eliza und Hilary konnten leider nur 14 Fahrräder organisieren. So mussten die meisten von uns von anderen auf dem Gepäckträger mitgenommen werden, was teilweise etwas schmerzhaft, trotzdem aber ziemlich spaßig war. Einen Teil des Weges, der mit dem Rad nicht zu bewältigen war, legten wir zu Fuß zurück. Dann waren wir auch schon in den Mangrovenfeldern.  Die Arbeit bestand darin, die Mangrovensaat von den Bäumen zu sammeln und in den Boden zu stecken.

Damit sollten wir auch ein Vorbild für die Dorfbewohner sein, die die Mangroven fällen, obwohl nicht alle wirklich gebraucht werden, und anschließend keine neuen Mangroven pflanzen. An manchen Tagen sind wir bis 14.00 in den Mangroven geblieben, das Mittagessen haben wir in Lunchboxes mitgenommen und dort gegessen.  Meistens sind wir aber vor dem Mittagessen zurück zum Camp gefahren und haben dort gegessen. Nachmittags haben wir uns dann mit der Community getroffen. Diese Treffen bestanden aus Besichtigungen, bei denen die Dorfbewohner uns ihre Unternehmen zeigten.  An einem Nachmittag haben wir auch einen Präsentation für die Dorfbewohner zu Thema Umweltschutz gehalten. Dafür wurden wirr in Gruppen eingeteilt, die jeweils verschiedene Unterthemen besprochen haben. Das Thema meiner Gruppe war Abholzung. Andere Themen waren Müllverbrennung und die Wiederverwendung von Plastik. Das hat uns richtig Spaß gemacht. Wir haben versucht, den Dorfbewohner beizubringen, dass sie nur so viele Mangroven abholzen sollen, wie sie wirklich brauchen, und dass sie, wenn sie abholzen, auch einige Mangroven nachpflanzen sollen. Ich hoffe, dass unsere Präsentation auch wirklich etwas gebracht hat. Für mich war es besonders beeindruckend, dass auch Leute aus anderen Gebieten auf Sansibar gekommen sind, um unsere Informationen an ihr Dorf weiter zugeben.

Das erste freie Wochenende kam super schnell. Ich und Maja aus Deutschland haben das Wochenende im Camp verbracht. Die anderen Internationalen aus unserer Gruppe sind nach Nungwi gefahren und haben Zeit am Strand verbracht. Zu der Zeit war auf Sansibar leider Full-Moon Party, und da kann ein Hotel schon mal 35 Dollar kosten. Das war uns dann einfach zu teuer. So sind wir dann am Samstag nach Stone Town gefahren, und haben da eine echt schöne Zeit verbracht. Am Sonntag sind wir mit den Locals aus unserer Gruppe und unserer Camp-Leaderin Eliza an den Strand gefahren. Den Bus dorthin hat Eliza organisiert. Die Zeit am Strand war echt schön und wir könnten uns mal so richtig entspannen.

Die nächste Woche kam dann aber doch ziemlich schnell. Für den zweiten Montag war Fischen vorgesehen. Leider sind wir mal wieder zu spät gekommen und die Community hatte die Arbeit zu dem Zeitpunkt schon ohne uns erledigt. Somit haben wir uns einfach nur die Tiere im Wasser angesehen, was auch recht interessant war. Am Dienstag haben wir angefangen, die Schule in Maungani zu streichen.

Das Streichen ging relativ schnell. Schon am ersten Tag wurden wir fast mit der gesamten Schule fertig. Den nächsten halben Tag haben wir dann auch noch mit dem Streichen verbracht, und dann waren wir auch schon mit Klassenräumen, Toilettenhäuschen und Schulgebäude fertig. Da für die restlichen Tage nichts mehr geplant war, hatten wir frei und konnten die restliche Zeit auf Sansibar und in unserem Camp genießen. Wir sind dann noch einmal nach Stone Town gefahren. An unserem letzten Abend in Maungani hat die Community ein gigantisches Festmahl für uns gezaubert. Unser Campleader Hilary hat mir erzählt, dass so ein Essen normalerweise nur im Falle einer Hochzeit zubereitet wird, was mich stark beeindruckt hat. Am nächsten Morgen mussten wir unsere Sachen packen und zu einem anderen Workcamp auf Sansibar fahren. Dort sollten wir dann von Sansibar verabschiedet werden. Für die Fahrt wurden zwei Dalla-Dallas organisiert. Unsere Sachen wurden auf die Dächer geladen.

Das sah unglaublich aus, ich habe nicht dran geglaubt, dass dieser Berg da oben drauf lange liegen bleibt. Und wirklich, nach ungefähr 300 Metern fiel der erste Rucksack. Wir heben dann aber nur noch eine Matratze verloren. Diese Fahrt hat so ungefähr eine Stunde gedauert. Beim anderen Workcamp angekommen ging es dann zunächst ans Installieren der Moskitonetze. Im allgemeinem waren deren Wohnverhältnisse weitaus schlechter, als die in unserem Workcamp. Das Haus lag um die 3 Kilometer von der Hauptstraße entfernt, in die Stadt konnten die nicht einfach so mal fahren. Ihr Haus war auch nicht so komfortabel wie unseres. Es glich eher einem Rohbau, war aber trotzdem irgendwie gemütlich.

Abends gab es dann ein echt tolles Essen. Danach ging es durch die Dunkelheit zur Schule, in der die Teilnehmer des zweiten Workcamps unterrichtet haben. Da hatte ich zum ersten und einzigen Mal Angst in Afrika. Das war alles ziemlich verlassen da. Ich hab mich nicht so sicher wie sonst gefühlt. Zum Glück hatte ich meine Gruppe dabei, die haben mich an die Hand genommen und mir einen Teil des Sicherheitsgefühls zurück gegeben.

An der Schule gab es eine Band, die Musik zum Tanzen spielte. Einige Mitarbeiter von UVIKIUTA haben Reden gehalten, auch Bewohner der Dörfer haben und gedankt und über die Wichtigkeit derartiger Projekte gesprochen. Dann haben wir noch eine Teilnahmebescheinigung erhalten. Der Abend war sehr schön und ein gebührender Abschluss. Am nächsten Tag hat uns das Dalla- Dalla wieder abgeholt und uns nach Stone Town gebracht. Schon bei dem Camp haben wir uns von den Campleadern und von den Locals verabschiedet, was ziemlich emotional war. Von Stone Town aus bin ich mit ein paar Leuten aus dem Workcamp nach Jambiani gefahren. Dort haben wir in einem wunderschönen Hotel übernachtet, das nur 10 Dollar für Bed & Breakfast gekostet hat. Ein echtes Schnäppchen für das, was uns da geboten wurde. Der Strand war wunderschön und das Essen war lecker.

Am nächsten Morgen mussten wir schon los, um nach Dar es Salaam zu fahren. Es war echt traurig, Sansibar zu verlassen. In Dar es Salaam angekommen wurde ich von den Freunden meines Vaters abgeholt. Und dann war alles auch schon vorbei. Die Zeit verging wie im Flug. Plötzlich stand ich schon wieder in Frankfurt am Flughafen, als wär ich nur ein paar Tage weg gewesen.

Alles in allem ist das Workcamp das Beste, was ich hätte machen können. Ich bin so froh, dass ich den Schritt gewagt habe und das ganz alleine durchgezogen habe. Ich setze meine Prioritäten jetzt ganz anders. Es fällt mir leichter, kleine Dinge Wert zu schätzen. Ich bin viel selbstbewusster und offener geworden. Ich würde jederzeit wieder an einem Workcamp teilnehmen. Jede Sorge, die ich mir gemacht hatte, war unbegründet. Es war eine tolle Erfahrung mit bleibenden Erinnerungen.

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