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UVIKIUTA - Orphans & Vulnerable Children, Mbande

Meine Motivation an einem Workcamp in Tansania teilzunehmen war zum einen an meine eigenen Grenzen zu gehen und für mich selbst festzustellen, ob ich perspektivisch später etwa beruflich in einem Entwicklungsland leben und arbeiten möchte.

Name:Nathalie W.Einsatzstelle:UVIKIUTA - Orphans & Vulnerable Children, Mbande, Dar Es-Salaam, 2 WochenInhaltliche Ausrichtung:Teaching

Zum anderen wollte ich etwas Sinnvolles tun und mich ehrenamtlich für einen guten Zweck zu engagieren, mit Kindern zusammen arbeiten und Suaheli lernen.

Meine Einreise am Flughafen in Dar-Es-Salaam lief völlig problemlos. Mein Visum hatte ich schon im Voraus in der Botschaft von Tansania erhalten. Auf der Internetseite der Botschaft steht zwar man solle das Visum nicht früher als 4 Wochen vor der Ausreise beantragen, aber mein Antrag 16 Tage vor der Abreise sei laut Auskunft des Botschaftspersonal zu spät für ein „normales Visum“ (50€), so dass ich das teurere „Expressvisum“ für 70€ nehmen musste. Am Flughafen selbst wurde ich vom Taxifahrer von UVIKIUTA abgeholt, der mich dann direkt zum Hauptquartier der Organisation in Mbande, Dar-Es-Salaam gebracht hatte.
Da ich zu Beginn des Workcamps bereits auf dem Gelände von UVIKIUTA war, da ich zuvor ein anderes Workcamp abgeleistet habe, habe ich am ersten Tag des Camps den Sonntag den 15.09. auf die Ankunft der weiteren Freiwilligen aus Russland (1), Italien (1) und Japan (1) gewartet. Zu unserer kleinen Gruppe von Freiwilligen stießen zusätzlich neben unserem tansanischen Campleader zwei weitere männliche tansanische Freiwillige, die unser Team ergänzten.

Untergebracht waren wir auf dem Hauptgelände von UVIKIUTA in Dar-Es-Salaam. Das Gelände besteht aus mehreren Häusern mit Büros, Essenshalle + Küche, öffentlicher Bibliothek und weiteren Räumen für Seminare etc. Ebenfalls auf dem Gelände befinden sich Wohnhäuser in denen die Mitarbeiter und tansanische Freiwillige von UVIKUITA wohnen. Ich und auch die anderen weiblichen Freiwilligen waren in einem dieser Häuser selbstverständlich geschlechtlich getrennt untergebracht. In dem steinernen Haus waren 4 Zimmer á 2 Betten ausgestattet mit Moskitonetzen, aber ohne Kleiderschrank. Es gibt kein Fensterglas und man hört beinah alles, daher empfiehlt es sich Ohropax mitzunehmen, da ab 4.30 Uhr morgens der Muezzin der naheliegenden Moschee die Gläubigen Muslime zum Gebet ruft. Das Bad ist ein kleiner Raum in dem man sich mit selbstgeholtem Wasser vom aushäusigen Tank duschen kann. Die Toilette ist in einem separaten Häuschen gut 50 Meter vom Haus entfernt. Es gibt kein fließendes Wasser und Strom nur abends an der Essenshalle, da sich UVIKUITA hier mit Solarenergieanlage selbst versorgt. Eine Taschenlampe ist also durchaus sinnvoll! Alle Mahlzeiten wurden vom Küchenteam bereitet, lediglich den Abwasch mussten wir als Freiwillige erledigen.

Während der Orientierung waren ich und die übrigen Freiwilligen sehr überrascht, als wir den Plan für das Projekt zu Gesicht bekamen, da hier nun plötzlich die Rede war vom Englisch Unterrichten in Kindergärten in der Umgebung. Wir alle hatten ein Projekt erwartet, dass Waisenkinder und andere ‚Vulnerable Children’ zum Hauptthema hatte. Die Leitung von UVIKUITA darauf angesprochen erwiderte nur, dass sie die aktualisierte Fassung ihres Programms an unsere Partnerorganisationen in der Heimat geschickt worden sei und dass das Kommunikationsproblem wohl bei denen lege.

So kam es, dass wir vormittags zu zweit oder allein in Kindergärten (meist ein Tansanier zum Übersetzen) der Nachbarschaft waren und mit den Kindern gespielt, Englisch beigebracht oder Lieder gesungen haben. Zum Mittagessen dann kehrten wir zurück zum Hauptsitz von UVIKUITA zum gemeinsamen Essen und anschließendem kurzen Suaheli-Unterricht. Danach konnten wir wählen entweder Spiele und Sport für die das Gelände besuchenden Kinder zu organisieren, oder in kleinen Gruppen auf verschiedenen Lernstufen Englisch zu unterrichten. Ich habe mich für letzteres Entschieden und Teenagern bei englischer Grammatik geholfen. Dies erachte ich als wahrscheinlich sinnvollsten Teil meiner Arbeit, da hier wirklich etwas gelernt und vermittelt wurde. Den Besuch der Kindergärten am Vormittag hingegen sehe ich kritischer, obwohl das sehr viel Spaß gemacht hat mit den sehr braven, sehr süßen und aufmerksamen Kindern zu spielen, herumzualbern und zu lernen. Meines Erachtens wäre es wirklich sinnvoll die häufig wirklich kaum oder schlecht Englisch sprechenden Lehrer zu schulen, damit jene auch wirklich ihr Wissen an zahlreiche Kinder weitergeben können.
Zum Abend dann, jeweils anschließend an das Dinner, hatten wir sogenannte „Cultural Nights“, in denen dann jeweils einer der Freiwilligen etwas zu seinem Heimatland, der Geschichte und Kultur vorgestellt hat. Ich empfehle daher wirklich an Postkarten von Sehenswürdigkeiten aus der Heimatstadt oder an typische Süßigkeiten wie HARIBO zu denken, um die Präsentationen vor der Gruppe der Freiwilligen so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Ich fand es persönlich sehr schade, dass mir nicht klar war wozu die auf der Packliste erwähnten Dinge wie Ansichtskarten dienen sollten…
Ebenfalls empfehle ich nicht nur weiße T-Shirts und Jeans mitzubringen, da der rötliche Sand sich in jeder Faser festsetzt und beide Dinge nur per Hand äußerst schwer wieder sauber zu kriegen sind.

Der Samstag und Sonntag während des Programms war frei und ich habe zusammen mit anderen Freiwilligen und einigen MTV’s vor Ort eine Übernachtung am Kipepeo Beach organisiert, wo wir dann auch das gesamte Wochenende verbracht haben.
Die Verständigung während des Workcamps lief immer in Englisch untereinander und klappte auch trotz unterschiedlichem Sprachniveau ganz gut.

Ich kann jedem nur empfehlen zwei Projekte in unterschiedlichen Regionen Tansanias zu machen, da man so viel mehr über das Land lernt vom öffentlichen Nah- und Fernverkehr, über die Landschaft bis hin zu den unterschiedlichen Menschen und ihren Gepflogenheiten.

Die Vorbereitung von ijgd hat mir geholfen viele Dinge vor Ort einzuordnen, so z.B. dass ich das Ganze mehr für mich mache als für andere. Jedoch fehlte für mich in der Vorbereitung die Betonung der Workcamp-Funktion als einen kulturellen Austausch. Auch wäre eventuell eine verbesserte Kommunikation zwischen UVIKUITA und ijgd sinnvoll, da ich ohne Vorbereitung kleine Kinder unterrichten sollte. Hätte ich das noch in Deutschland gewusst, hätte ich mir Material besorgen und mich vorbereiten können, so bin ich echt ins Kalte Wasser geworfen worden.*
Auch wenn, wie ich bereits oben angesprochen habe die Aufgaben und ihre Sinn- und vor allem Nachhaltigkeit nach wie vor sehr kritisch sehe, würde ich doch wieder in das Land reisen. Vor Ort habe ich so viel über das Leben und Schule in Ostafrika gelernt. Auch wenn mich die Praktik, dass Kinder in der Schule mit dem Stock geschlagen werden geschockt hat, hat mich auf der andere Seite beeindruckt wie selbstständig und aufmerksam selbst schon kleinste Kinder sind. Ich habe vor allem für mich neue und auch kritische Perspektiven auf Entwicklungshilfe und die Arbeit als Freiwilliger generell gewonnen. Ich möchte in Zukunft aufgeschlossener und offener sein, um nicht nur eine „Single-Story“ von einem Land, ja sogar von einem Kontinent zu haben.

*Anmerkung von ijgd: In der Vorbereitung und während der Vermittlung weisen wir die Freiwilligen daraufhin, dass ein hohes Maß an Flexibilität – auch was die Inhalte der Workcamps betrifft – gefordert ist. Aufgrund sich ändernder Nachfrage vor Ort, kann es vorkommen, dass – wie in Nathalies Fall – der Fokus des Workcamps ander ist, als zuerst beschrieben. I.d.R. bleibt hierbei inhaltliche Ausrichtung (z.B. Bildung und soziale Arbeit) aber gleich.

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