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UVIKIUTA - HIV/AIDS - Raise Awareness, Prevention and Care, Mwika

Meine Motivation an einem Workcamp in Tansania teilzunehmen war zum einen an meine eigenen Grenzen zu gehen und für mich selbst festzustellen, ob ich perspektivisch später etwa beruflich in einem Entwicklungsland leben und arbeiten möchte...

Name:Nathalie W.Einsatzstelle:UVIKIUTA - HIV/AIDS - Raise Awareness, Prevention and Care, 2 WochenInhaltliche Ausrichtung:AIDS-Prävention und Renovierung einer Schule

Zum anderen wollte ich mich ehrenamtlich für einen guten Zweck engagieren, sowie Suaheli lernen.
Meine Einreise am Flughafen in Dar-Es-Salaam lief völlig problemlos. Mein Visum hatte ich schon im Voraus in der tansanischen Botschaft in Berlin erhalten. Auf der Internetseite der Botschaft steht zwar man solle das Visum nicht früher als 4 Wochen vor der Ausreise beantragen, aber mein Antrag 16 Tage vor der Abreise sei laut Auskunft des Botschaftspersonal zu spät für ein „normales Visum“ (50€), so dass ich das teurere „Expressvisum“ für 70€ nehmen musste. Am Flughafen selbst wurde ich vom Taxifahrer von UVIKIUTA abgeholt, der mich dann direkt zum Hauptquartier der Organisation in Mbande, Dar-Es-Salaam gebracht hat. Ich bin bereits einen Tag vor Beginn des Projekts am Samstag gegen 16.00h eingetroffen, weil ich den Vermerk man müsse um 14.00Uhr am Sonntag da sein sehr ernst genommen habe und mit einem späteren Flug etwa 2 Stunden zu spät gewesen wäre. Jede zusätzliche Nacht außerhalb der Campdaten kostet bei UVIKIUTA 10€, plus 3€ pro Mahlzeit.

Im Laufe des Sonntags trafen neben mir dann noch vier weitere weibliche Freiwillige ein, aus Belgien, Italien, Spanien und Tschechien. Ärgerlich war für mich, dass wir am Sonntag (dem ersten Tag des Camps) nichts gemacht haben und auch keine Orientierung hatten, weil wir diese erst an unserem endgültigen Ziel- und Projektort in Mwika am Kilimanjaro haben sollten. Am Montag dann brachte uns um 4 Uhr früh ein Taxishuttle zum Busbahnhof von Dar-Es-Salaam. Der Bus hält auf der 8 - 10 stündigen Fahrt nur ein einziges mal und hat keine Toilette, allerdings kann man die Fenster öffnen und die Aussicht auf die sich von trockener Steppe zu urwaldartiger Vegetation wandelnde Landschaft genießen. In Mwika wurden wir von unseren Campleadern am Bus direkt abgeholt und zu unserem Camphaus in der Hostcommunity gebracht. Das Haus für die Unterbringung ist schon luxuriös im Vergleich zum Hauptquartier von UVIKIUTA. Das normale steinerne Wohnhaus mit Fensterglas hat fließendes, kaltes Wasser, man kann jenes trinken ohne es abkochen zu müssen (kommt direkt frisch vom Berg) und man wird von der Kitchencrew um Mama (so werden in Tansania alle Frauen respektvoll genannt die Kinder haben) sehr gut tansanisch bekocht. In den jeweiligen Zimmern des Hauses schliefen zwischen 3-4 Leute geschlechtlich getrennt und in den meisten stand jedem sogar ein eigener Kleiderschrank zur Verfügung.

Am Dienstag dann haben wir in Absprache mit den Campleadern bereits ohne Orientierung mit unserem Projekt begonnen und haben vormittags in einer Secondary School der Hostcommunity begonnen, das bereits von Freiwilligen initiierte Projekt einer „Tree Nursery“ wieder aufleben zu lassen. So wollten wir zum einen in Kontakt mit den Schülern vor Ort kommen, um Vertrauen aufzubauen und zum anderen sollte so der Bedeutung des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit Ausdruck verliehen werden.
Die Orientierung zum Workcamp erfolgte dann am Mittwoch zusammen mit weiteren Freiwilligen, die aus dem sogenannten ‚Caravan-Workcamp’ zu uns gestoßen sind. Das ‚Caravan-Camp’ zog unter dem gleichen Namen unseres Projekt zum Thema AIDS und HIV zuvor durch Uganda und Kenia und hatte nun abschließend in Tansania seine letzte Station. Insgesamt waren wir nun 20 Volunteers aus Belgien (2), Burundi (2), Deutschland (2), Italien (1), Kenia (3), Uganda (2), Tansania (4), Mexiko (1), Spanien (1) und der Tschechischen Republik (2). Die Ver-ständigung untereinander lief in Englisch. Manchmal haben auch einzelne versucht mit anderen Sprachen wie Spanisch oder Französisch Kommunikationsprobleme aus dem Weg zu räumen.
Am ersten Mittwoch hatten wir unsere Orientierung zu Verhaltensregeln in der Gruppe und im Land. Danach haben wir uns untereinander ausgetauscht über die Situation bezüglich HIV und AIDS und wie mit dem Thema in unseren jeweiligen Heimatländern umgegangen wird. Ich hatte ein paar Broschüren von der Deutschen Aidshilfe in Englisch dabei, die dank anschaulicher Bilder zunächst amüsiert, jedoch auch interessiert von allen Parteien durchgeblättert und studiert wurden.
An den darauffolgenden Tagen während des Projekts waren wir vormittags immer in der Secondary School, wo der eine Teil der Gruppe sich freiwillig mit der Pflege der „Tree Nursery“ beschäftigte und der andere Teil, in dem ich mitwirkte, zwei Klassenräume der Schule renovierte. Leider war ich darauf klamottentechnisch nicht wirklich vorbereitet, da ich nicht mit einer solchen Arbeit gerechnet hatte.

Immer nach diesem „Programmpunkt“ haben wir den etwa halbstündigen Fußmarsch über Stock und Stein angetreten und an unserem Haus wartete das sehr gute typisch tansanische Essen auf uns. Wir hatten dann immer eine längere Pause zwischen den Vormittags- und Nachmittagsaktivitäten die viele genutzt haben, um ihre Wäsche zu waschen, sich über die anderen Kulturen und Gepflogenheiten auszutauschen oder einfach nur um zu relaxen.
In den Nachmittagsstunden haben wir uns dann unserem Projektthema zugewendet. So haben wir z.B. die Secondary School erneut besucht und versucht spielerisch in die Diskussion mit den Schülern über HIV und AIDS einzusteigen. An einem weiteren Nachmittag haben wir auf dem Markt der Kleinstadt zunächst durch ein von uns laut gesungenes Lied der dort ansässigen Bevölkerung versucht, die Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen. Danach haben wir mit Hilfe eines Theaterstücks auf die abweisende Reaktion  von einigen Menschen hingewiesen, wenn sie erfahren, dass ein Freund/ Familienmitglied/ Klassenkamerad an HIV bzw. AIDS erkrankt. Ebenfalls der Besuch eines AIDS-kranken  Mannes und seiner Familie stand auf unserem Programm, mit dem wir uns über seine Situation, Ängste und Vergangenheit unterhalten haben. Auch haben wir das lokale Krankenhaus besucht und dem Arzt vor Ort Fragen zur HIV /AIDS Situation in der Gemeinde gestellt. An einem der letzten Tage haben wir zusätzlich noch eine Frau besucht, die Kaffee auf ihrer Plantage anbaut, um mit dem Erlös Waisenkinder zu unterstützen.
An den Abenden hatten wir sogenannte „Cultural Nights“, in denen dann die Freiwilligen etwas zu ihrem Heimatland vorgestellt haben. Ich empfehle daher wirklich an Postkarten von Sehenswürdigkeiten aus der Heimatstadt oder an typische Süßigkeiten wie HARIBO zu denken, um die Präsentationen vor der Gruppe der Freiwilligen so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Ich fand es persönlich sehr schade, dass mir nicht klar war wozu die auf der Packliste erwähnten Dinge wie Ansichtskarten dienen sollten…
Empfehlen möchte ich noch, nicht nur weiße T-Shirts und Jeans mitzubringen, da der rötliche Sand sich in jeder Faser festsetzt und beide Dinge nur per Hand (!) äußerst schwer wieder sauber zu kriegen sind.
Samstag und Sonntag während des Projekts hatten wir frei und ich habe mit einigen anderen Freiwilligen eine zweitägige Safari im Tarangire National Park, sowie im Ngorogoro Crater gemacht. Aber auch andere Optionen werden von der Campführung vorgeschlagen.

Häufig ist mir der Gedanke gekommen, dass die ausgewählte Hostcommunity gar kein Problem mit der Immunkrankheit hat und somit das Projekt fehl am Platze sei. Auch als wir ein paar Kinder aus dem Waisenhaus und den Direktor besuchten, war dies ein merkwürdiges Erlebnis für mich, da dieser fast ausschließlich davon sprach, dass er viel finanzielle Unterstützung brauche. In diesem und auch in anderen Momenten kam ich mir als „reicher Weißer“ sehr ausgenutzt vor. Die Vorbereitung von ijgd hat mir zwar dabei schon ein geholfen, jedoch fehlte für mich in der Vorbereitung die Betonung der Funktion der Workcamps vorrangig als kultureller Austausch. Auch wenn ich diese Situationen nach wie vor sehr kritisch sehe, würde ich es doch immer wieder machen. Vor Ort habe ich so viel über das Leben in Ostafrika gelernt und war vor allem beschämt, wie viel die ostafrikanischen Freiwilligen wussten über Deutschland und wie wenig ich sogar als Politik- und Geschichtsstudentin über jene Länder und ihre Geschichte weiß. Das Workcamp war durch die vielen unterschiedlichen Nationen als kultureller Austausch unglaublich bereichernd und ich habe vor allem für mich neue und auch kritische Perspektiven auf Entwicklungshilfe und die Arbeit als Freiwilliger generell gewonnen. Ich möchte in Zukunft aufgeschlossener und offener sein, um nicht nur eine „Single-Story“ von einem Land, ja sogar von einem Kontinent zu haben.

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