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Mwika, Kilimanjaro

Ich bin an einem Nachmittag im September in Dar es Salaam gelandet. Der erste Kulturschock war der Kauf eines gültigen Visums. Die Beamten reagierten sehr forsch und die Situation hatte eher etwas von einem Verhandlungsgespräch auf einem Markt, anstatt einer Visabeantragung...

Name:Jan D.Einsatzstelle:Mwika, Kilimanjaro, 3 WochenInhaltliche Ausrichtung:HIV/AIDS - Präventions Kampagnen organisieren und durchführen, Schule streichen, Pflanzmaßnahmen

...Nach dem ich mein Visum bekommen hatte, traf ich den freundlichen Fahrer der Uvikiuta Organisation, der mich mit seinem Taxi zum ca. 20km entfernten Hauptquartier der Organisation brachte. Nach ca. 1h Autofahrt auf den belebten Straßen von Dar es Salaam trafen wir unversehrt im Camp ein. Die nächsten 2 Tage verbrachte ich in einem komfortablen Einzelzimmer mit einem Bett inklusive eines löchrigen Mosquitonetzes. An dieser Stelle empfehle ich jedem der ähnliche Workcamps besuchen sollte, ein eigenes Mosquitonetz mit zu bringen. In den folgenden beiden Tagen lernte ich einen Großteil der anderen Campteilnehmer kennen. Insbesondere die Tatsache, dass es gegen 18:00 Uhr stockfinster in den Ländern in äquatornähe wird, sollte niemanden überraschen. Daher unbedingt eine Taschenlampe zur Hand haben, wenn man sich in den frühen Abendstunden nochmal auf Entdeckungstour aufmacht. Soweit war alles super organisiert worden von der Partnerorganisation. Eigentlich war eine Orientierungsveranstaltung im Camp von Uvikiuta in Dar es Salaam geplant. Leider wurde diese abgesagt und mir und den anderen Teilnehmern kam der Gedanke auf, dass man eigentlich hätte direkt zum Kilimanjaro fliegen können. So mussten wir uns am 3. Tag auf eine 10-stündige Busreise von Dar es Salaam zum Kilimanjaro in Richtung Workcamp aufmachen. Auf der Busfahrt wurde uns dann klar, dass wir nicht das einzige Workcamp in Mwika sind. Rund 50 Jugendliche Mitstreiter in insgesamt 3 Workcamps sollten in den nächsten 4 Wochen in Mwika zusammenarbeiten. Angekommen in Mwika wurden wir in einem kleinen Bus über steile Feldwege zu unserem Haus gebracht. Die Unterkunft war gut ausgestattet. Es gab 3-4 Personen Zimmer, die mit Matratzen und teilweise mit Bädern bestückt waren. Ich durfte mir ein Zimmer mit dem Gruppenleiter Lawrence teilen. Ansonsten hatten wir noch eine nette Veranda, ein großes Wohnzimmer und eine Küche, die hauptsächlich von unserer Mama in Anspruch genommen wurde. Der Ausdruck Mama ist an dieser Stelle ein gewöhnlicher Ausdruck für eine ältere Frau. Sie sollte uns während des Workcamps täglich mit 2 warmen Mahlzeiten versorgen. In den 3 Wochen unseres Workcamps hatten wir feste Essenszeiten. Um 8 Uhr gab es Frühstück, gegen 13:00 Uhr Mittagessen und um 19:30 Uhr kamen wir alle zum Abendessen zusammen. Zwischen den Mahlzeiten gab es nur wenige Möglichkeiten an Nahrung zu kommen, daher haben wir uns immer gut während den Mahlzeiten sattgegessen. Nach Ankunft hatten wir dann unsere Orientierungsveranstaltung in kleinem Kreise, bei der wir Putz-, und Abwaschpläne aufstellten, eine offizielle Vorstellungsrunde durchführten und uns im Anschluss die umliegende Landschaft ein wenig angeschaut haben. In der näheren Umgebung (ca. 5min Fußweg) gab es einen kleinen Laden, wo man sich bei Bedarf mal eine Cola bzw. ein paar Kekse kaufen konnte. Am Folgetag hatten wir dann eine große Orientierungsveranstaltung mit den anderen beiden Camps. Hier wurden uns generelle Informationen über die Workcamps, die Organisation Uvikitua und weitere wichtige Sachen mitgeteilt. Zudem konnten wir die Möglichkeit nutzen unsere Ängste und Erwartungen vorzustellen. Alles in allem war die Veranstaltung jedoch ein wenig zu lange angesetzt und die Informationen doppelten sich teilweise. Trotzdem eine wichtige Veranstaltung bei der wir auch den Chef der Organisation kennen lernten. Hier wurde den europäischen Teilnehmern auch vom South-South Exchange Programm berichtet. In unserem Camp gab es beispielsweise 8 Leute die an diesem Austauschprogramm zwischen Mosambique und Tansania teilnahmen. Eine durchaus positiver Aspekt, da der interkulturelle Austausch zwischen Europäern und Afrikanern noch mehr vorangetrieben werden konnte. Zusätzlich wurden uns die Wochenpläne mit den einzelnen Aktivitäten auf der Orientierungsveranstaltung verteilt. An dieser Stelle hatten wir das erste Mal mal einen genauen Überblick darüber, was wir eigentlich während unseres Aufenthaltes machen werden. Eingeplant war zusätzlich ein Wochenende zur freien Verfügung an dem wir beispielsweise die Möglichkeit hatten auf eine 2-3-tägige Safari zu fahren. Die einzelnen Tätigkeiten reichten von handwerklichen Aufgaben, wie das Streichen von Klassenzimmern in einer nahegelegenen Grundschule bis hinzu Theater- bzw. Musikvorführungen in einer Kirche. Zu unseren Aufgaben zählten zudem noch das Pflanzen von Bäumen, Werbemaßnahmen für von uns durchgeführte Veranstaltungen, wie beispielsweise einer Blutspendenaktion in Mwika. Außerdem planten wir noch eine Debatte in einer Schule durchzuführen, sowie mehrere Auftritte auf dem Wochenmarkt in Mwika. Hier bitte daran denken, dass man sich unbedingt Arbeitskleidung mitbringen sollte, die gerne auch mal dreckig werden darf. Die Arbeitstage liefen wie folgt ab: Beginn der Tätigkeiten war fast immer gegen 9:00 Uhr morgens. Meistens mussten wir einen kleinen Fußmarsch zum Arbeitsplatz zurücklegen, so dass wir meistens gegen 8:45 Uhr unser Haus verließen. Gegen 12:45 Uhr kehrten wir dann wieder zurück, um unser Mittagessen um 13:00 Uhr wahrzunehmen. Im Anschluss hatten wir meistens 1-2 Stunden zur freien Verfügung bis sich dann wieder für weitere Aufgaben und Tätigkeiten getroffen wurde. Oft hatten wir Gruppenbesprechungen, bei denen wir zukünftige Veranstaltungen durchplanten bzw. vorbereiteten. So wurden meistens gegen Nachmittag Theaterstücke geprobt oder es wurden Lieder einstudiert. Was ich durchaus als positiv erachtet habe, war die Möglichkeit Feedback an die Gruppenleiter zu geben. Während solcher Feedbackrunden konnten wir zusätzlich auch Wünsche und Anregungen äußern, die entweder das generelle Workcampprogramm verbessern sollten bzw. zur Optimierung einzelner Arbeitsabläufe beitragen konnten. An dieser Stelle sei erwähnt, dass unser Workcampleiter Lawrence einen sehr guten Job gemacht hat und jederzeit ein offenes Ohr für Fragen und Anregungen hatte. Nach der ersten Woche wurde er zudem von einer netten junge Dame unterstützt, die unser Camp bis ans Ende begleiten sollte. Sie kam von einem 6-wöchigen Seminar in Deutschland und möchte sich derzeit zu einem Workcampleiter ausbilden lassen. Insgesamt hatten wir sehr viel Spaß innerhalb unseres Camps. Auch mit den anderen Camps muss an dieser Stelle erwähnt sein, gab es gute Kontakte. In unserer Freizeit unternahmen wir oftmals kleine Wanderungen in die nähere Umgebung. Bedingt durch die faszinierende Landschaft am Fuße des Kilimanjaro war dies jedes Mal ein neues Abenteuer. Die Organisation Uvikiuta hat engen Kontakt zu einem Safariveranstalter, der uns auch an der Orientierungsveranstaltung über verschiedene Angebote aufklärte. Ich persönlich habe eine 2-tägige Safari mit 5 weiteren Leuten an unserem freien Wochenende gemacht, welches im Stundenplan auch für die Safari vorgemerkt war. Zuerst ging es nach Arusha. Am nächsten morgen gegen 5 Uhr brachen wir auf zum ersten Safaritag. Ziel war der Ngorongoro National Park. Den zweiten Tag verbrachten wir im Lake Manyara National Park. Die Safari war aus meiner Sicht ein unbedingtes Muss, wir konnten fast alle der berühmten „big 5“ sehen und die Landschaft war einfach unglaublich. Billiger wird die Safari, wenn man sich in kleinen Gruppen organisiert (4-6 Leute).

Am Wochenende unserer Abreise aus unserem Camp hatten wir noch die Möglichkeit das Workcamp zu bewerten. Wir bekamen einen 10-seitigen Feedbackbogen, indem man all seine Anregungen, Kritiken und auch die positiven Aspekte nochmal nachhaltig festhalten konnte. Am letzten Abend wurde ein großes Lagerfeuer organisiert und wir bekamen in einer feierlichen Runde unserer Zertifikat überliehen. Zudem wurde viel getanzt und gesungen und jeder einzelne hatte nochmal die Möglichkeit sich von allen Teilnehmern der drei Workcamps zu verabschieden. Die Abreise begann wie gewöhnlich sehr früh am morgen. Mit kleinen Motorrädern wurden wir vom Berg zur nächsten Bushaltestation gebracht. Von dort wurden wir mit einem Linienbus wieder nach Dar es Salaam gebracht.

An dieser Stelle möchte ich mich auch bei den ijgd bedanken, die solche Austauschprogramme ermöglichen. Ein kleiner Kritikpunkt ist jedoch, dass man als Workcampteilnehmer auch das 4-tägige Vorbereitungsseminar besuchen muss, um an dem Programm teilnehmen zu können. Für einen halbjährigen Aufenthalt finde ich dies durchaus sinnvoll, jedoch nicht für ein 3-wöchiges Workcamp. (Anmerkung ijgd: Das Vorbereitungsseminar ist bei ijgd Teil des Programmformats „Workcamp“. Wir finden es wichtig, dass sich die Teilnehmer_innen vor Ausreise mit ihrer Motivation und Rolle vor Ort auseinandersetzen und möchten einen interkulturelle und entwicklungspolitischen Lernprozess initiieren. Außerdem ist eine Vorbereitung der Workcampteilnehmer_innen von den Partnern im globalen Süden gewünscht). Gesagt sei jedoch, dass das Seminar sehr gut organisiert war und die wichtigen Inhalte sehr gut kommuniziert wurden.

Asante Sana!

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.