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ASTOVOT - Rénovation de bibliothèque et production artistique à Kpalimé

Es ist soweit: Ich sitze im Flieger, destination: Lomé, Togo, Westafrika. Ich müsste eigentlich hundemüde sein, aber die Aufregung in mir hält mich wach: Was wird mich wohl in den kommenden drei Wochen alles erwarten?...

Name:Katja N.Einsatzstelle:ASTOVOT - Rénovation de bibliothèque et production artistique à Kpalimé, 3 WochenInhaltliche Ausrichtung:Renovierung, Kunst

Ich schlage nochmals die ijgd-Mappe auf: „ASTO 2 – Rénovation de bibliothèque, production artistique“. Sechs Wörter, die meine Tätigkeit während der nächsten 21 Tage bei der togoischen Partnerorganisation ASTOVOT beschreiben sollten.


Es ist der 10. Juli. Vor zwei Tagen noch habe ich meinen riesigen Rucksack bis oben vollgepackt, mich von Familie, Freund und Freundin verabschiedet, vor drei Wochen die letzte Impfung bekommen, vor drei Monaten das Vorbereitungsseminar bei ijgd mitgemacht und vor circa einem dreiviertel Jahr das erste Mal daran gedacht, ein Workcamp zu machen.

 

Warum? Den genauen Beweggrund weiß ich nicht mehr. Was jedoch zu dieser Entscheidung beigetragen haben könnte, ist sicherlich die Tatsache, dass mein Bruder, einige Freunde und ich uns schon sehr früh für Kinder in Afrika engagierten, wobei wir selbstgebastelte Sachen verkauften und den Erlös über UNICEF an die Flutopferkinder in Mosambik spendeten. 2006 hörte ich zum ersten Mal von der Organisation ijgd. Die Idee mit den Workcamps hatte es mir sofort angetan: Ich wollte nun die finanzielle „Fernhilfe“ in eine aktive „Zusammenarbeit“ umwandeln. Ich wollte wissen, wie es den Menschen in Westafrika wirklich geht, wollte mit ihnen leben, arbeiten und lernen. Das ergab sich dann eben für drei Wochen – in Togo.

 

Angekommen in Lomé, wurden wir von zwei Mitgliedern von ASTOVOT freundlich empfangen (wir = Clemence, Marianne, Alex, drei Franzosen und ich). In unserer vorübergehenden Herberge in Lomé (wir verbrachten dort zwei Tage und Nächte bis zum Beginn unseres Workcamps), trafen wir noch auf Laura (Italienerin). Dann führte uns unserer Weg in einem kleinen Bus vorbei an den vielen Menschen, Mopeds, Verkaufsständen… in der wuseligen Hauptstadt, vorbei an Bananenbäumen, riesigen Waldbeständen links und rechts der Straße, welche uns zum circa 120km entfernten Ort Kpalimé führen sollte.

 

Zwischendurch stiegen einige togoische Passagiere ein, aus und wieder ein, wobei wir immer noch ein Stück näher zusammenrutschten. Angekommen im Sitz von ASTOVOT in Kpalimé, erhielten wir eine Einweisung durch den Sécrétaire Général. Nach einer animation de Djembé und togoischen Liedern bezogen wir alle unser Camp. Wir waren jetzt insgesamt 23 Workcampler, die emsig damit beschäftigt waren, in dem Schlafraum die ganzen Moskitonetze in einem Wirrwar aus Schnüren, die den Raum durchzogen, aufzuhängen.


Als Schlafraum diente uns ein Klassenraum einer Schule für geistig behinderte Kinder, die gerade Ferien hatten. In unserer Unterbringung ging es uns wirklich gut – wir hatten Strom, einen Wasserhahn, einen kleinen Duschraum mit Wassereimer und ein Toilettenbecken, was im Vergleich zu den anderen Workcamps und zur Situation der Einwohner schon fast an Luxus grenzte. Wir haben an diesem Abend noch gegessen, die ersten französischen Worte miteinander gewechselt, uns gegenseitig vorgestellt, wobei es in der Dunkelheit an der Feuerstelle (zum Kochen) sehr schwierig war, sich die Gesichter mit den dazugehörigen Namen zu merken, welche sich wie die Gesichter sehr ähnlich waren (Kofi, Komi, Kossi). Am nächsten Morgen stand unser erster Arbeitstag an. Um sieben Uhr standen wir auf, frühstückten (Weißbrot, Tee, Kaffee, Kakao) und machten uns um acht Uhr auf den Weg zu unserer täglichen Arbeit zur Renovierung der Bibliothek. Bis zwölf Uhr haben wir Bücherregale verrückt, Bücher sortiert und Zementsäcke geschleppt. Gegen kurz nach zwölf gab es Mittagessen und dann war von 13 – 15 Uhr Siesta. Manche schliefen eine Runde, andere gingen gemeinsam auf den Markt oder durch den Ort, einige zog es zur Berichterstattung ins Cybercafé und manche blieben im Camp, um sich mit anderen Teilnehmern auszutauschen und zu diskutieren.

 

Um 15 Uhr trafen wir uns wieder und haben zum ersten Mal das Theaterstück „Un mariage forcé“ durchgelesen, Rollen verteilt und gespielt. Gegen 18 – 19 Uhr gab es Abendbrot. Der Tagesablauf war von Montag bis Freitag in den drei Wochen in etwa immer gleich. Nachmittags beschäftigten wir uns mit unserem Theaterstück, mit einer traditionell afrikanischen Choreographie, mit Postkartenmalerei oder Musik. Abends unternahmen wir oft etwas gemeinsam: Animation de Djembé mit Gesang und Tanz, wir gingen ins Comido (bald eine unserer Lieblingsbars in Kpalimé für den gemeinsamen nächtlichen Umtrunk mit Musik) oder wir besuchten alle zusammen den Soirée africaine. Während der drei Wochen arbeiteten wir immer härter an der „formation de danse“ und an unserem „pièce de théatre“ und opferten auch so manchen späten Abend für die Proben, denn wir wussten: Am vorletzten Tag sollten wir im Rathaus das Stück und den Tanz aufführen, der Saal sollte voll werden (!). Nach der gelungenen Aufführung war uns allen klar, dass sich die Arbeit gelohnt hatte: Unsere glücklichen zufriedenen Gesichter konnten das zusammenfassen, was tausend Worte nicht besser gekonnt hätten. Wir waren stolz auf jeden von uns, da jeder Einzelne zum Gelingen der Aufführung beigetragen hatte und wir dachten alle mit etwas Wehmut an übermorgen, wo wir schon Abschied voneinander nehmen würden.

 

Aber auch die Arbeit an der Bibliothek konnten wir beenden: Sie strahlt jetzt wieder, innen und außen, in weiß, die Bücherregale sind wieder einsortiert, die Risse in den Wänden repariert, eine neue Allee führt jetzt zum Eingang der Bibliothek und die Mauer um das Bibliotheksgelände ist jetzt auch wieder neu verputzt und gestrichen. Der Abschied voneinander fiel uns wirklich sehr schwer, ich war eine der Glücklichen, die noch drei Tage länger bis zum Rückflug Zeit hatte, also machten wir mit einigen aus dem Camp ASTO 1 eine Reise in den Benin, wobei wir auch dort mit unseren togoischen Freunden viel erlebt haben.

 

Zusammenfassend denke ich, dass dieses Workcamp in Togo eine meiner größten und für mich persönlich wertvollsten Erfahrungen war und das aus vielerlei Hinsicht. Unsere kleine Lebensgemeinschaft aus 25 Personen funktionierte sehr gut, nicht zuletzt weil alles sehr gut von ASTOVOT organisiert war (es gab zum Beispiel vier Gruppen, die für verschiedene Aufgaben zuständig waren – Kochen, Abwaschen…..). Auf der anderen Seite hatten wir jedoch als Gruppe auch die Möglichkeit, selbstständig einen Ausflug zu organisieren und so machten wir einen Tagesausflug zum Wasserfall Tomegbé und auf den Mont d’Agou. Gab es bestimmte Konflikte, so haben wir uns zusammengesetzt und darüber geredet, danach ging es uns allen besser.


Ich hoffe, dass sich einige Kontakte trotz der großen Entfernung halten werden, Freundschaften die entstanden sind, nicht einfach vorbei sind und auch das begonnene gegenseitige Verständnis der jeweils anderen Kultur weiterhin andauern wird. Ich konntte erfahren, wie wichtig dieses Verstehen ist und wie viel es mir doch bedeutete.

 

Wieder hier in Deutschland hat mein Aufenthalt in Togo bei ASTOVOT sehr erhebliche, aber positive Konsequenzen für mein weiteres Leben: Ich werde dranbleiben, mich für Kooperationsprojekte zu engagieren, zum Beispiel in der Schule, Work for Peace, einen Erfahrungsaustausch zwischen togoischen Freunden und meinen Freunden ermöglichen und auch weiterhin versuchen voneinander zu lernen und ein Verständnis füreinander zu entwickeln, was in meinen Augen noch vor der finanziellen Hilfe stehen sollte, da „Einsicht (in das Leben der togoischen Bürger mit ihrer Kultur) der erste Schritt zur (Ver-)besserung (der Lebensumstände) ist“.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.