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ASTOVOT - Togo

Nach meinem Abi im Juni, blieben mir noch gut 4 Monate bis ich mit meinem Studium anfangen konnte. 
Für mich war es ausgeschlossen diese kostbare Zeit mit Nichtstun zu verbringen. Auf die ausdrücklichen "Schwärmerinnerungen" einer Bekannten hin, entschied ich mich für ein 3-monatiges Abenteuer in Afrika...

Name:Emma R.Einsatzstelle:ASTOVOT - TogoInhaltliche Ausrichtung:Social

...Da ich selber zweisprachig, deutsch und französisch, aufgewachsen bin, ich erst 18 Jahre alt war und so gesehen noch keine großen und markierenden Erfahrungen in meinem Leben gemacht hatte, war es für mich die Frage der Sicherheit, die überwog und meine Wahl letztendlich auf ein Land in französisch-Afrika fallen ließ. Da zurzeit auf Grund der politischen Unruhen die Freiwilligen nicht zur Elfenbeinküste vermittelt werden, fiel meine Wahl "zwangsweise" auf Togo, wobei ich von diesem Land durch Erfahrungsberichte und Bekannte nur Gutes gehört hatte.
Nach einem 4-tägigen Vorbereitungsseminar, einer Reihe Impfungen, Gespräche hier und da, ging es Ende Juni für mich endlich los! Die Tage vor der Abreise waren geprägt mit Skepsis, Aufregung, Vorfreude aber auch etwas Angst vor dem Unbekannten und den Vorurteilen die man gegen Afrika hat.
Meine Anreise verlief reibungslos, am Flughafen in Lomé wurde ich bereits von einem Mitarbeiter der Organisation ASTOVOT empfangen. Zusammen mit einer weiteren Freiwilligen aus Belgien wurden wir nach Assahoun gebracht, einem Dorf ca. eine Stunde von Lomé entfernt, in dem das Vorbereitungswochenende für die einheimischen Freiwilligen stattfand.
Jeden Sommer veranstaltet ASTOVOT um die 8 verschiedenen Workcamps die jeweils 3 Wochen dauern. Man erhält einen Einblick in verschiedenen Berufe und soziale Einrichtungen.
Die Fahrt durch das nächtliche Lomé war atemberaubend, der allseits bekannte Kulturschock traf mich voll und ganz! Frauen die fegend am Straßenrand standen, verschiedenste Sachen auf ihren Köpfen trugen, dabei ihre Kinder mit einem Tuch auf ihren Rücken gebunden hatten, die erdrückende Hitze, der chaotische Verkehr mit den unzähligen Motorrädern, die versuchten hupend einen Weg durch die lange Schlange der Autos zu bahnen... Es war beeindruckend! Erschöpft kamen wir an, eine kleine Gruppe Freiwilliger empfing uns mit einem Djembé-Konzert. Die Begrüßung war herzlich, man fühlte sich sogleich angekommen und gut aufgehoben.
Anfangs fiel es mir  unglaublich schwer mich alleine in der Öffentlichkeit zu bewegen. Sobald ich vor die Tür ging wurde ich von allen Seiten angesprochen, meistens mit den Worten Yovo, Yovo, ça va? und eine wahres Hupkonzert fing um mich rum an, da mich jeder auf sein Zem (Taximoto)  aufmerksam machen wollte.  Mit der Zeit fing ich an mich daran zu gewöhnen, leichter damit umzugehen viel es mir allerdings bis zum Ende meines Aufenthalts nicht.
Nach dem Wochenende, an dem ich bereits mit einigen Facetten der Mentalität und der unglaublich offenen und freundlichen Art der Togolesen konfrontiert wurde, ging es nach Kpalimé, eine Stadt ca. 100km von Lomé entfernt, die für die nächsten 3 Monate mein zu Hause werden sollte.
Am selben Abend lernte ich meine Familie kennen. Als ich ihren Hof betrat, war ich gleich  sehr positiv überrascht: nicht nur, dass ich eine unglaublich nette Familie zugeteilt bekommen hatte, ich hatte zudem gleich zwei Zimmer für mich alleine zusätzlich zu einem eigen Bad bekommen. Meine Gasteltern waren sehr jung, sie arbeiten beide im Krankenhaus von Kpalimé, sie haben einen kleinen 2 jährigen Sohn, ein 20 jähriger Schüler wohnte ebenfalls bei ihnen und eine 17 jährige Haushaltshilfe. Für mich war letzteres zunächst befremdend, es fiel mir nicht leicht von ihr das Essen zubereitet zu bekommen, ihr zuzusehen wie sie die Wäsche machte und den Hof fegte. Ich versuchte mitzuhelfen wo es ging, soweit sie es zuließen. Sobald ich einen Teller in die Hand nahm und Anstalt machte im Haushalt mitzuhelfen, wurde mir sogleich alles aus der Hand genommen. Sie erzählte mir, sie wolle sich mit dieser Arbeit ihre Ausbildung zur Näherin finanzieren, da ihr Vater gestorben sei und ihre Mutter alleine nicht dafür aufkommen könne. Ich schloss alle 5 sehr schnell in mein Herz und verbrachte eine wundervolle Zeit mit ihnen.
Nachdem ich mich am Anfang für einen Freiwilligendienst im Büro entschieden hatte, arbeitete ich am Anfang ausschließlich bei der Organisation. Ich musste Listen erstellen, Texte schreiben Internetrecherchen betreiben etc. Da ich persönlich mit dieser Arbeit jedoch nicht so zufrieden war, habe ich mit Beginn der Workcamp-Phase von ASTOVOT aufgehört im Büro zu arbeiten und ausschließlich an Workcamps teilgenommen.  
Zusammen mit 15 weiteren Freiwilligen, davon 3 aus Europa, bauten wir ein Volleyballfeld auf. Es war harte Arbeit, der Spaß konnte uns trotzdem nicht genommen werden. Abends gingen wir in Bars, tanzten zu Toofun ( DER absolut angesagtesten Musikgruppe von der Elfenbeinküste) und am Wochenende erkundeten wir Stadt und Umgebung. Es war eine absolut unvergessliche Zeit. Die Kontakte halten bis heute.
An dieses Workcamp schloss sich gleich mein nächstes an. Ich besuchte für ein Wochenende eine Veranstaltung in einem Dorf ca. 20 min von Kpalimé entfernt. Das Dorf besaß keinen Strom, es hieß für mich also eine Woche lang im Schein des Feuers leben, ohne Musik, Handy und anderen elektronischen Geräten. Es war für mich eine einmalige Erfahrung, die mir zeigte, dass man sehr gut auch ohne Strom auskommen kann. In dem Workcamp übten wir ein Musikstück mit Tanz ein, bemalten Karten, T-Shirts etc. die wir verkauften und dessen Gewinne für wohltätige Zwecke gespendet werden sollten. Nachmittags gingen je drei Togolesen und ein Europäer von Haus zu Haus, um die Leute über Malaria und Aids aufzuklären. Wir verteilten Prospekte und Verhütungsmittel. Hier wurde ich besonders mit der Sprachbarriere der Menschen konfrontiert. Wenn ich sie auf französisch ansprach, verstand man mich meistens kaum, oder konnte mir nur in sehr gebrochenem Französisch antworten. In der Tat sprechen die meisten Leute in Südtogo EWE, einer ganz eigenen Sprachen, die in keinster Weise Französisch oder einer anderen Sprache ähnelt. Französisch ist zwar die Staatssprache, sprechen tun es jedoch nur diejenigen die zur Schule gegangen sind. Untereinander sprechen alle ausschließlich EWE. Für uns Ausländer war das nicht leicht, da man schnell ungewollt ausgeschlossen wurde.
Nach dieser Woche bekam ich Fieber, gefolgt von einer Mittelohrentzündung mit sehr starcken Halsschmerzen. Ich hatte an hunderte Medikamente gedacht mitzubringen, nur für eine einfache Grippe waren sie unpassend. Mein Gastvater verschrieb mir ein Medikament. Noch am gleichen Tag fuhr ich zur Apotheke und musste feststellen, dass die Anleitung auf Arabisch war. Nach einer Woche war ich wieder gesund und bereit mein letztes Workcamp anzutreten.  
Zusammen mit ca. 25 weiteren Freiwilligen übernahmen wir den Sommerunterricht in Agou Nyogbo, einem Dorf ca. 20 min von Kpalimé entfernt. Neben mir waren 11 weitere Freiwillige aus Europa angereist, die meisten aus Frankreich und Belgien. Nach so langer Zeit in Togo, fiel es mir zunächst nicht leicht anständig mit ihnen in Kontakt zu treten. Sie erschienen mir quengelig, wehleidig schon fast unsympathisch. War ich am Anfang meiner Reise genau so gewesen? Mit der Zeit legten sich diese Gefühle allerdings wieder. Wir bildeten eine richtige kleine Familie, am Ende des Workcamps beschlossen wir alles zusammen nach Lomé zu gehen und dort die letzten gemeinsamen Tage zu verbringen.
In Agou Nyogbo wurde ich auch das erste Mal mit Wodoo konfrontiert. Wir nahmen am Ignam Fest teil, einer Art Erntedankfest und DEM großen Fest im Jahr. Zu diesem Anlass verfallen viele der Dorfbewohner in eine Art Trance, bis sie nicht mehr Herr über sich selbst sind. Man sagt, dass in solchen Momenten der böse Geist, der nach ihrem Glauben in jedem Menschen steckt, aus ihnen heraustanzt. Was ich miterleben durfte ist unbeschreiblich und kaum glaubwürdig, wenn man sich nicht selbst ein Bild darüber gemacht hat.
Ende September ging meine Reise zu Ende. Was bleibt sind die unglaublichen Erinnerungen
vollständig in Europa angekommen zu sein. Täglich denke ich an Togo und die Menschen die ich kennenlernen durfte. Ich bin mir sicher, dass ich sie alle irgendwann wieder besuchen werde.
Tatsache ist, dass ein solcher Aufenthalt, wie ich ihn erlebt hatte, einen prägt und verändert!
Danke an alle hierfür!!

 

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