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UPA - HIV/AIDS Aufklärung, Arua, Uganda

Nachdem ich bereits ein Workcamp in Ecuador gemacht hatte, freute ich mich auf mein zweites Workcamp – diesmal in Uganda. An meinem Projekt nahm ein zweiter Teilnehmer von ijgd aus Deutschland teil. Zusammen kamen wir am frühen Morgen in Entebbe an...

Name:Laura B.Einsatzstelle:UPA - Arua, Uganda, 3 WochenInhaltliche Ausrichtung:HIV/AIDS Aufklärung

...und wurden wie alle UPA-Freiwilligen von einem UPA Mitglied mit einem Auto am Flughafen abgeholt. Die ersten zwei Tage verbrachten wir zur Orientation im  UPA Guest House in Nansana, einem Randbezirk von Kampala. Das Guest House war schön und wir wurden gleich von Freiwilligen aus Mexico, Hong Kong und Japan begrüßt. Mit UPA volunteer Lasson ging es am Nachmittag gleich nach Kampala, wo wir Geld wechseln konnten und verschiedenes für unser Workcamp besorgten. Am Abend vor der Abfahrt gab es im Guest House noch eine große Abschiedsparty für die Freiwilligen, die ihr Camp bereits hinter sich hatten und danach ging es zum Clubbing nach Kampala.

Nach einem schönen Abend in Kampala ging es für uns dann mit dem Bus nach Arua. Begleitet wurden wir von Janet einer der Vollzeitangestellten von UPA und Alan, einem anderen lokalen Freiwilligen aus Kampala. Die Busfahrt war anstrengend, den es ging auf mehr schlecht als recht asphaltierten Straßen 8 Stunden quer durchs Land in den äußersten nordwestlichen Zipfel des Landes – die sudanesische und kongolesische Grenze jeweils nur ein paar Kilometer entfernt. In Arua wurden wir vom Regen begrüßt – und von einer Gruppe enthusiastischer lokaler UPA Mitglieder. Für den Arua-Zweig war dies das erste Workcamp und entsprechend hoch war die Neugier und die Freude endliche „ihre“ international volunteers begrüßen zu dürfen.  Das Workcamp fand nicht direkt in der relativ großen Stadt Arua, sondern in einem Dorf namens Eezova circa 4 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Die Ankunft abends im Regen war ein kleiner Schock. Unsere Unterkunft – und gleichzeitig das Büro des Arua UPA Zweigs – war ein einfaches Betonhaus, in dem UPA zwei Zimmer gemietet hattet. Es gab weder fließend Wasser, noch Elektrizität. Dafür Latrinen und einen kleinen Duschverschlag bestehend aus Bambusmatten. Am ersten Abend wurden wir dann gleich den circa 14 lokalen Teilnehmern vorgestellt und unser Abendessen bestehend aus Bohnen, Süßkartoffeln, Reis und Avocado wurde serviert. Das erste Problem stellte die Schlafstätte dar, da zunächst kein getrenntes Zimmer für Frauen vorhanden war und ein Großteil der hauptsächlich männlichen Teilnehmer ebenfalls im Workcamp übernachten sollte. Unser netter Campleiter Martin organisierte dann aber schnell ein zweites Zimmer, das wir mit einer Frau teilten, die ebenfalls in diesem Haus wohnte. Die sehr einfachen Bedingungen waren anfangs eine Herausforderung, die aber durch die extrem freundlichen und offenen local volunteers wieder wettgemacht wurden.

Das Programm begann am ersten Morgen mit einem Marktbesuch, bei dem wir uns für die nächsten Wochen mit lokalem Essen eindeckten. In den folgenden Wochen lernten wir Bohnen, Reis, Posho (Maisbrei), Cassava und andere einfach lokale Lebensmittel zu schätzen. Danach  ging es weiter mit einer Begrüßungszeremonie, an der lokale Politiker teilnahmen, die das Workcamp offizielle eröffneten. Das Thema der drei Wochen war HIV/AIDS Aufklärung der ländlichen Bevölkerung. In den ersten Tagen stand eine Einführung in das Thema ein, die leider mangels qualifizierten Personals eher dürftig ausfiel und enttäuschte.  Interessant wurde es, als unser Campleiter auf unser Bitten hin, mehrere Frauen einlud, die selbst seit etlichen Jahren HIV positiv waren und bereit waren uns ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Diese Testimonies waren ergreifend und lehrreich zugleich. In den darauffolgenden Tagen besuchten wir mehrere Post-AIDS Clubs, besuchten zwei Dörfer und fingen an mit einem der Hauptaktivitäten des Workcamps: Forum-Theater. Diese Form des Theaters thematisiert in einem kurzen Stück ein zentrales soziales Problem und lädt dann die Zuschauer durch einen Moderator dazu auf, sich aktiv zu beteiligen und für eine Lösung dieses Problems zu suchen. Aus dem Pakwach Zweig war ein Teilnehmer dabei, der diesen Programmpunkt leiten sollte. Leider stellte sich heraus, dass er eher unzureichend bis gar nicht auf diese Aufgabe vorbereitet war. Zum Glück hatte UPA einige ausführliche Trainingsbücher zur Verfügung gestellt, sodass wir in der Lage waren, nach der Lektüre dieser Bücher,  das Forum-Theater in die Hand zu nehmen. Von da an kümmerten wir uns darum, verschiedene Stücke zum Thema HIV/AIDS mit den Teilnehmern zu erarbeiten und zu proben. Schwierig wurde es, weil wir die erste Aufführung in der lokalen Sprache Lugar durchführen mussten und wir somit bei den Proben nichts von dem verstanden, was unsere Schauspieler eigentlich sagten.  Die erste Aufführung bewarben wir mit selbstgemalten Postern, aber mussten dennoch feststellen, dass sich niemand die Mühe gemacht hatte, zum angegeben Zeitpunkt für unsere Aufführung zu kommen. Doch ganz nach dem Slogan – Patience paus – fingen wir an zu trommeln, singen und zu tanzen bis sich die ersten Kinder und schließlich auch die ersten Erwachsenen blicken ließen. Nach 2 Stunden hatten wir eine recht ansehnliche Zuschauerzahl zusammen, sodass wir unsere kurzen Stücke aufführen konnten. Die Aufführung lief gut, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob die Nachricht unserer Stücke, in denen es um Stigma und HIV-Tests ging, wirklich so rübergekommen ist, wie wir es wollten. Dennoch waren wir insgesamt zufrieden.

Die zweite Aufführung, für die wir ein Stück auf Englisch einstudierten, gab es an einer Schule. Auch hier hatten wir ein ähnliches Problem, dass das Stück selbst gut ankam, aber der Moderator, „Joker“, Probleme hatte, die notwendige Ernsthaftigkeit in der anschließenden Diskussion mit den Schülern zu erzielen. Teil des Problems war das wir mit Absicht das heikle Thema erster Sex und peer pressur gewählt hatten. Aber unser Anliegen war es das Thema HIV/AIDS nicht mit den allgegenwärtigen ABC (Abstand, Bei Faithfull, Economiser) Plattitüden anzugehen, sondern eine möglichst realitätsnahe Situation auf die Bühne zu bringen. Dementsprechend schwer war es aber auch die Schüler wirklich anzuregen, sich offen darüber zu unterhalten. Wir hätten gerne noch länger an dem Projekt Theater gearbeitet um solche Probleme gezielter vorzubereiten, aber die 3 Wochen erlaubten nur zwei Aufführungen.

Ein weiterer Hauptprogrammpunkt war das Volontär Consulting und Testung (VCT), das wir an zwei Wochenenden auf den Dörfern in Zusammenarbeit mit dem lokalen Krankenhaus durchführten. An diesen zwei Terminen konnte dort ein kostenloser HIV-Schnelltest durchgeführt werden. Der Andrang war groß und auch Kinder ließen sich bereitwillig Blutabnehmen. UPA in Arua plant diese Tests in regelmäßigen Abständen von 3 Monaten durchzuführen, da ein endgültiges Testergebnis erst nach dreimaligem Testen erfolgt. Wir hoffen, dass dies wirklich durchgeführt wird. Ein weiterer Programmpunkt ergab sich spontan als unser Campleiter eine der Frauen nach Hause begleitet, die uns von ihrem Schicksal berichtet hatte. Er berichtet uns, dass sie am Rande des Dorfes mit drei AIDS-Waisen lebe, wo ihr jegliche einfache Einrichtungen fehlten. Spontan entschlossen wir uns, ihr zumindest ein bisschen zurückzugeben und kauften in Arua eine Decke und Matratze und verschiedene Materialien. Am nächsten Morgen zogen wir dann zu zwölft los um ihr eine Duschkabine, eine Abtropfgestell für Geschirr und einen Mülllagerplatz zu bauen. Der Hintergedanke war auch, dass wir ihre Isolation im Dorf überwinden wollten, indem wir demonstrativ mit ihr zusammen aßen, tranken und arbeiteten. Unser Engagement verlief erfolgreich, auch wenn wir uns vehement wehren mussten, dass unsere Einkäufe als  Geschenke der Weißen deklariert wurden, da wir dafür gezahlt hatten. Im Endeffekt wurden die Sachen als Gaben von UPA erreicht.

Der Campalltag gestaltete sich meist gleich. Um 7 Uhr ging das morgendliche Putzprogramm los, gefolgt von Frühstück um halb neun. Danach gab es meistens eine Aktivität bis zum Mittagessen. Danach war meistens Programm geplant, aber verlief sich oft, da viele der Teilnehmer in die Schule mussten und sich zum Mittagschlaf zurückzogen. Wir nutzten dann oft die Gelegenheit uns mit dem Boda-Boda ins Stadtzentrum fahren zu lassen, wo es Internet und Supermärkte gab. Abends gab es dann den Evening Tea, nach dem das Abendessen und das allabendlich Lagerfeuer vorbereitet wurden. Das Abendessen gestalteten auch ab und zu wir, wenn uns die Lust auf Bohnen so gründlich vergangen war, dass wir uns als freiwilliges Kochteam meldeten. Beim Lagerfeuer gab es dann auch eine ausführliche Evaluation des Tages, die von Jurundu Wilson, als Camp Fire Leader immer mit großen Worten geleitet wurde. Die Wochenenden waren zwar ebenfalls mit Programm versehen, aber der Campleiter hatte nichts einzuwenden, als wir am ersten Wochenende mit der Freiwilligen aus Kampala ihre Eltern in einem Ort an der kongolesischen Grenze besuchten und am zweiten Wochenende mit einem Mietauto und zwei Freiwilligen eine Tour in den nahegelegenen Murchison Falls Nationalpark machten. Unsere Freizeit verbrachten wir sonst oft mit Fußball, Radio hören, oder Gesprächen mit den verschiedenen Teilnehmern. Besondere Highlights waren die cultural nights. Der letzte Sonntag war der ugandischen Kultur gewidmet und der Campleiter ließ Trommeln und traditionelle Instrumente kommen. Sonntagnachmittag begannen wir dann lokale Lieder zu üben. Es dauerte nicht lang bis sich aus den umliegenden Häusern Frauen und Männer anschlossen, die anfingen zu tanzen und zu singen, bis schließlich das ganze Camp sang. Abends wurde dann noch einmal gesungen und ein Tanz aufgeführt. Zur German Cultural Night besorgten wir aus der einzigen Fleischerei mit Kühltheke, Hackfleisch für Buletten. Außerdem hatten wir es nach 2 Wochen Nachfragen endlich geschafft, vom Inder im Supermarkt Würstchen zu kriegen. Dazu gab es Kartoffelsalat, Brot und Senf, was von vielen erst einmal skeptisch beäugt wurde. Danach brachten wir allen die Nationalhymne. Die Namen der deutschen Fußballnationalmannschaft konnten alle einwandfrei.

Nach drei Wochen verabschiedeten wir uns schweren Herzens. Wir hatten das Gefühl, viele gute neue Freunde gewonnen zu haben und ließen uns schnell das Versprechen abringen im nächsten Jahr wiederzukommen. Dann ging es im Bus zurück nach Kampala. Vor unserer Abreise hatten wir noch die Chance einige Tage mit dem Auto durch Uganda zu touren, was ein gelungener Abschluss zu einer tollen Reise war.

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