Zum Inhalt springen

UPA -Construction in Kikooba, Kiboga District

Drei Jahre zuvor hatte ich bereits an einem Workcamp in Frankreich teilgenommen. Es hat mir sehr gut gefallen. Daraufhin beschloss ich, wieder eines zu absolvieren. Zwischendurch war ich noch für ein Austauschjahr in Kanada und nach einem Jahr in Deutschland...

Name:Friederike S.Einsatzstelle:UPA - Construction of Medical Workers’ and UPA MTV Quarters for Kikooba UPA Branch,3 WochenInhaltliche Ausrichtung:Construction

...hatte ich schon wieder Lust etwas Neues zu sehen, zu erleben und eine weitere Kultur kennen zu lernen. Da ich unterdessen 18 Jahre alt geworden war, konnte ich nun in ein AALA –Land reisen. Ich entschied mich für Afrika, weil dort noch niemand aus meiner Familie gewesen war und es von der Entfernung her noch am nächsten an Europa ist… und weil es einfach „übrig“ blieb.

Somit gab es Ende Mai dann erst einmal ein Vorbereitungstreffen der ijgd, das auf mich wie ein Workshop zur Einstimmung auf ein Austauschjahr wirkte, außer dass es um Workcamps ging. Da ich aber beide Themengebiete schon vorher „abgedeckt“ hatte, waren das einzig wirklich Neue für mich die Erfahrungsberichte der Rückkehrer.

Ende Juni flog ich dann über Addis Abeba nach Entebbe. Dort wurde ich von einem Mitarbeiter von UPA abgeholt und zum Gästehaus der Partnerorganisation in der Nähe von Kampala gebracht. Dort fand an einem Vormittag eine kurze Orientierung statt. Außerdem wurde uns kurz die Hauptstadt gezeigt.

Am Nachmittag ging es in einem Minibus nach Kikooba, dem Dorf in dem das Workcamp stattfinden sollte. Kikooba liegt etwa 80 km von Kampala entfernt, aber die Fahrtzeiten dorthin vom Gästehaus variieren zwischen einer und zwei Stunden (je nach Fahrgastaufkommen der Matatus). Der Hauptteil der Strecke geht über eine asphaltierte Straße. Aber der Weg zum Dorf verlief von einer „trading station“ (einer Ansammlung von Geschäften und sonstigen Hütten entlang der asphaltierten Straße) aus über eine staubige, rote Straße. Diese Straße war am Anfang unseres Aufenthalts ganz besonders staubig, da es wochenlang nicht geregnet hatte. Zu Beginn wunderte ich mich, ob die Bräune meiner Arme eigentlich von der Sonne käme oder von dem Staub (letzteres war der Fall). Sonnenbrand hatte ich in der gesamten Zeit nicht. Das lag einerseits daran, dass der Staub eine Schutzschicht bildete und andererseits die Sonne gar nicht so stark wie erwartet „knallte“.

Meine Workcamp- Gruppe bestand aus den drei Ugandern Faruk (der Campleader aus Kampala), Andrew (ebenfalls aus Kampala) und Wilson (aus Arua, im Norden Ugandas), die alle schon an mehreren Workcamps teilgenommen hatten, einer weiteren Deutschen namens Sarah (nicht von ijgd) und mir. Wir wohnten in zwei Räumen in einem ebenfalls von UPA gebauten Gesundheitszentrum. Dieses stand noch leer. Jedoch gab es in ihm ein großes, randvoll gefülltes Bücherregal. Das Gesundheitszentrum arbeitet noch nicht, da es keine Unterkunft für den Gesundheitsarbeiter der Regierung gibt. Diese Unterkunft, die auch gleichzeitig von einem MTV bewohnt werden soll, fingen wir an zu bauen. In der anderen Seite des Hauses lebte eine einheimische Familie mit zwei Kindern. Der Vater hat uns immer bei der Arbeit geholfen und die Mutter hat mit anderen Frauen des Dorfes für die Workcamp- Gruppe gekocht (wir waren also privilegiert).

Unsere Arbeit lief wie folgt ab: zunächst wurde das Areal ausgewählt auf dem das Haus stehen soll. Dann wurde dort mit Stricken unter Anwendung des Satzes des Pythagoras und eines riesigen rechten Winkels der Ort für die zukünftigen Mauern abgesteckt. Daraufhin haben wir mit Hilfe von Hacken, Schaufeln und unseren Händen den Boden aufgehackt und aufgegraben bis wir etwa knietief in den von uns geschaffenen Versenkungen stehen konnten. Danach haben wir Ziegelsteine, die in der Nähe schon aufgestapelt lagen, rund um die Baugrube verteilt. Als im Laufe der zweiten vollen Woche die Maurer kamen (einer aus dem Distrikt und einer von UPA, die sich abwechselten bzw. auch mal zusammengearbeitet haben), wurde Zement mit Sand und Wasser gemischt und somit zu Mörtel zum Maurern verarbeitet und dann zu den Maurern gebracht, die diesen verarbeitet haben. Zwischendurch bekamen wir auch eine kurze „Einweisung“ ins Maurerhandwerk und durften selber Mörtel zwischen die Ziegelsteine tun. Als das Fundament fertig war, wurde eine Plastikplane eingemauert, damit das Wasser nicht aufsteigen kann. Die Ziegelsteine wurden im Folgenden nicht mehr längs sondern quer vermauert. Am Ende reichte mir die höchste Mauer schon bis zur Schulter (Fundament nicht mit eingerechnet) und wir hatten sieben Packungen an Zement verbaut. Alles in allem habe ich so einen guten Einblick bekommen wie in Uganda Häuser gebaut werden Das war eine sehr interessante Erfahrung.

Das Wasser zum Kochen, Waschen und für den Mörtel wurde von einer Pumpe geholt, die etwa 600- 700m von unserer Unterkunft entfernt und gerade neu (im Juni) errichtet worden war. Wenn es diese Pumpe nicht gegeben hätte, hätten wir wie die Workcamps zuvor mindestens eine Viertelstunde zu einem kleinen Tümpel hinlaufen müssen, um Wasser zu holen (vom Rückweg ganz zu schweigen).

Ansonsten bekamen Sarah und ich von Andrew zuhören, dass wir die stärksten weißen Workcamper wären, die er kenne, da wir die 10- Liter- Wasser- Kanister nicht mit beiden Armen vor uns her getragen haben, sondern sie mit einer Hand an den Griffen gepackt haben. Dabei haben wir es nur so gemacht, wie alle anderen dort auch und Anschauungsbeispiele gab es genug. An der Wasserstelle war so gut wie immer eine Traube von Kindern.

Wir wohnten zudem noch 100 Meter von einer Grundschule entfernt, so dass wir viele Kinder zu Gesicht bekommen haben. Wir Weißen (auch „Mzungu“ genannt) waren die „Attraktion“ bei den Kindern des Dorfes. Wenn wir zur Wasserstelle wollten, waren wir so gut wie immer von Kindern, die uns helfen wollten, umringt. In der ersten Woche, als es noch nicht so viel auf der Baustelle zu tun gab, haben wir auch mit den Kindern gespielt, die Schule besucht und „community visits“ gemacht. Allerdings liefen Letztere eher so ab, dass Faruk oder Andrew sich mit den Einheimischen auf Luganda unterhalten und es dann teilweise für Sarah und mich übersetzt haben, wodurch eine direkte Kommunikation schwierig war. Im Allgemeinen sprachen die Dorfbewohner Luganda und konnten meist gar kein oder nur sehr wenig Englisch. Somit waren Sarah und ich schon durch die Umstände gezwungen ein paar Brocken Luganda zu lernen, was sehr interessant war und wobei wir uns einige Male einen Knoten in die Zunge gemacht haben. Die eigentlichen Campteilnehmer konnten jedoch recht gut Englisch und zur Not gab es immer noch Hände und Füße. Jedoch bekommt man unter Umständen auf Fragen gleich eine sehr lange Antwort nach der man manchmal nicht schlauer ist als zuvor, aber dafür umso öfter den „roten Faden“ von dem verloren hat, was der Gesprächspartner eigentlich gesagt hat.

Alles in allem empfand ich mein Workcamp als eine sehr bereichende, spannende, interessante und lustige Erfahrung, die mir viel Spaß gemacht hat und die mich darin bestärkt hat, dass ich einfach ein interkulturelles Umfeld brauche.

 

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.