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UPA - Bukomero -Kiboga District, Uganda

Da ich schon lange nach einer Möglichkeit gesucht hatte, für ein paar Wochen oder Monate nach Afrika zu gehen, um einen Freiwilligendienst zu machen, war die Freude groß, als ich im Juni spontan noch einen Platz für ein Vorbereitungsseminar der ijgd aus Berlin bekam...

Name:Carolin E.Einsatzstelle:UPA - Bukomero -Kiboga District, Uganda,3 WochenInhaltliche Ausrichtung:Environmental

...Ich konnte dort an einem langen Wochenende viele wichtige Dinge erfahren über den Ablauf eines solchen Auslandsaufenthalts, Verhaltenstechniken, die unterschiedlichen Kulturen, wichtige Sicherheitsmaßnahmen, zb. Impfungen etc. … Da ab September mein Freiwilliges Soziales Jahr startet, bewarb ich mich für ein 3 wöchiges Workcamp in Uganda, da mich die „Perle Afrikas“ mit ihrer einzigartig schönen Natur sehr interessierte.Unerwartet schnell bekam ich bereits eine Woche nach dem Seminar eine Antwort auf meine Bewerbung mit einer Bestätigung für ein Workcamp im August. Nun musste ich innerhalb weniger Wochen sehr viel organisieren und vorbereiten. Impfungen, Flugbuchung, Reisepass beantragen, Visum und dann natürlich eine sehr ausführliche Packliste abarbeiten. …Am 2. August ging es dann los. Ich fuhr von Hannover mit dem Zug nach Frankfurt und flog von dort gegen 22:00 nach Dubai. Der Flug dauerte 6 Stunden und ich war müde, leider ziemlich von Kopfschmerzen geplagt und sehr aufgeregt. Am frühen Morgen landete ich in Dubai. Ein riesiger Flughafen, unzählige Läden, Glitzer, Glamour überall, Schmuck- und Parfümläden im Überfluss  und selbst morgens um vier wimmelte es von Menschen.  Mein Gate fand ich zum Glück schnell und dann hieß es wieder warten. Um acht Uhr ging der Flieger von Dubai nach Uganda und ich war wahnsinnig froh, als ich im Flugzeug saß, im Richtigen, mit der Gewissheit, dass alles geklappt hatte, meine Kopfschmerzen wurden auch weniger und das Frühstück war wirklich gut. Nach weiteren sechs oder sieben Stunden, in denen ich hauptsächlich schlief, landete das Flugzeug in Entebbe, dem Flughafen von Uganda und ich suchte schnell mein Gepäck zusammen und holte mein Visum am Schalter ab. Es war sehr heiß in Entebbe und ich war froh, in der Menschenmenge sofort ein Schild mit meinem Namen darauf zu sehen und zu wissen, dass mein Abholdienst tatsächlich da war.Es ging dann in einer aufregenden Autofahrt in einem ziemlich demolierten Jeep durch die Hauptstadt Kampala Richtung Nansana, wo sich unser Ziel, das „Pope Paul“ (Papst Paul) Hotel befand. Die Straßen waren voller Menschen auf Fahrrädern, Motorrädern (sogenannten „Bodda Boddas“) und Taxibussen, jeder, der konnte, hupte bei der kleinsten Sache und die Fußgänger bahnten sich ihre Wege, indem sie quer über die Straße liefen, sich zwischen den Autos hindurch quetschten. An Kreuzungen gab es keine Schilder und auch sonst nirgends, die Autofahrer wurden sich schon irgendwie einig, wer wann fahren durfte. Es war absolut chaotisch und unübersichtlich, aber es schien irgendwie zu funktionieren. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus. An den Straßenseiten arbeiteten Handwerker an Bettgerüsten, Tischen oder Schränken, alles wurde direkt an der Straße abgestellt und dort stand es, bis es jemand kaufte. An Marktplätzen war die Hölle los, da war kein Durchkommen. In Nansana angekommen, traf ich gleich auf einige andere Freiwillige. Da das Workcamp erst am nächsten Morgen begann, konnten wir uns an diesem Tag in Ruhe kennenlernen und die Gegend gemeinsam erkunden. Abends gab es ein leckeres Dinner im Hotel. Bis zum Abend waren fast alle Workcamp-Teilnehmer angekommen und ich kannte schon einige mit Namen. Unsere Gruppe bestand aus 19 Teilnehmern, davon ein Pärchen aus Spanien, ein Däne, eine Koreanerin, eine Französin und hauptsächlich Ugander. Die meisten waren zwischen 20 und 30, sodass ich die Jüngste war. Unser Camp-Chef Patrick (Ugander) erklärte uns den Ablauf der nächsten Wochen. Wir verbrachten Mittwoch bis Freitagvormittag im Hotel und bereiteten uns auf das bevorstehende Camp-Leben vor. An Vor- und Nachmittagen lernten wir einiges über die Organisation UPA,  stellten unsere Organisation vor, führten Diskussionsrunden über Konfliktsituationen und soziale Aspekte, stellten Gruppenregeln auf, um das Zusammenleben zu erleichtern, wie zum Beispiel, dass immer Englisch gesprochen werden soll, damit jeder mitreden kann.  Wir sprachen, wie auch schon in meinem Vorbereitungsseminar über Gesundheit und die verschiedenen typischen Krankheiten in Uganda und wie man sich vorbeugend und im Camp schützen kann, auf was man achten sollte. Und natürlich wurde uns erklärt, worin unsere Freiwilligenarbeit überhaupt besteht und was wir genau machen werden. Freitagnachmittag verließen wir dann das Hotel und fuhren zweieinhalb Stunden in einem Taxibus, bis wir in Bukomero ankamen, einem kleinen Dorf, sehr abgelegen und in einer sehr unbesiedelten Gegend. Hier leben die Menschen zum Teil noch in Hütten mit Strohdächern und ohne richtige Fenster oder Türen, sondern einfach mit Tüchern als Sicht- und Kälteschutz.  Unsere Hütte lag abseits und war relativ groß, sodass die ganze Gruppe in den verschiedenen Räumen Platz fand. Wir Frauen schliefen in einem großen Raum zusammen, alle auf dem Boden dicht an dicht auf unseren Matten, unter unseren Moskitonetzen und es war ziemlich eng, da jeder höchstens einen Meter Schlafplatz für sich hatte. Gleich am nächsten Morgen ging es früh los. Wir hatten noch am Abend zuvor den Ablauf besprochen und uns dafür in Gruppen geteilt. Es gab nämlich jeweils zwei Arbeitsgruppen und eine Kochgruppe. Die Kochgruppe musste immer um halb 7 morgens aufstehen und das Frühstück vorbereiten. Das bedeutete Wasser zu kochen auf der Feuerstelle, Teig zu machen und daraus Pfannkuchen ähnliche Fladen zu formen. Diese „Chapatti“ wurden dann in heißes Öl gelegt und schmeckten einfach wunderbar, wie man sich vorstellen kann. Dazu gab es in einem großen Topf heißes Wasser und Tee- sowie Kaffeepulver und Zucker, das man sich in seinem Becher nach Belieben zusammenmischen konnte. Nach dem Frühstück musste sofort das Mittagessen und auch das Abendessen vorbereitet werden, denn Bohnen zu kochen dauerte alleine 2 Stunden und Kartoffeln und Reis brauchten auch ihre Zeit. Zwiebeln schneiden, Bohnen aussortieren, Kartoffeln schälen, Geschirr waschen gehörte zu den täglichen Aufgaben. Dabei musste man besonders darauf achten, möglichst wenig Wasser zu verbrauchen, denn die Wasserquelle lag 5 km entfernt. Mindestens zweimal am Tag fuhren zwei Männer aus unserer Gruppe mit Fahrrädern und den leeren Kanistern dorthin, um Wasser zu holen. Das dauerte manchmal zwei Stunden, denn die vollen Kanister waren extrem schwer zu transportieren und der Trampelpfad war kein idealer Radweg. Besonders wenn es geregnet hatte, war manchmal gar kein Durchkommen, weil alles extrem matschig war. Wir brauchten Wasser zum Trinken, zum Kochen, zum Kleidung waschen, zum Geschirr abwaschen und ab und zu um die Toiletten zu putzen. Unsere beiden Toiletten waren Plumpsklos und wenn man sich waschen wollte, und das musste man jeden Tag nach der ganzen Arbeit, nahm man sich einen Plastikbehälter, den man halb mit Wasser füllte (es wurde sehr darauf geachtet, dass niemand Wasser für eigene Zwecke verschwendete) und wusch sich in unserem „Waschraum“, ein Bereich aus Steinplatten mit drei Kabinen (Steinwände). Bevor man sich am Ende des Tages waschen wollte, musste man immer erst fragen, ob noch genug Wasser da ist und wer noch Wasser benötigt, damit im Notfall noch welches geholt werden konnte, bevor es dunkel wurde.Da es keinen Strom gab, mussten wir morgens immer im Dunkeln aufstehen und die erste halbe Stunde bis es hell wurde mit unseren Taschenlampen zurechtkommen. Auch abends wurde es früh dunkel, sodass wir immer schon um 20 Uhr um unser Feuer saßen und uns Geschichten aus unseren Ländern erzählten, Lieder sangen, trommelten und tanzten. Die Gruppengemeinschaft war sehr stark, sodass ich nie das Gefühl hatte, allein zu sein und mich auch sehr schnell wie in einer großen Familie fühlte. Es war eine sehr tolle Erfahrung.

Jeden Tag wechselten die Gruppen, das heißt, die Kochgruppe wurde zur Arbeitsgruppe, die Arbeitsgruppe vom Vortag arbeitete einen zweiten Tag und die zweite Arbeitsgruppe musste in die Küche. So fingen schnell alle an, sich auf ihren Kochtag zu freuen, da dieser im Vergleich zum Arbeitstag entspannend und muskelschonend war.
Unsere Aufgabe als Arbeitsgruppe war, ein abgeerntetes und abgebranntes Tomatenfeld neu  mit Bäumen zu bepflanzen. Das Feld war sehr uneben und die übrig gebliebenen trockenen Gräser und Buschreste waren zum Teil voller Dornen, was uns die Arbeit erschwerte. Zuerst mussten wir die vielen großen Äste und Zweige, die dort rumlagen beseitigen. Jeder hatte Handschuhe an und Gummistiefel oder Halbschuhe, um sich zu schützen. Trotzdem war es sehr anstrengend, besonders in der Mittagszeit, denn Mittagessen gab es erst um 14 Uhr und bis dahin mussten wir in der Sonne schuften. Als nach und nach das Feld freigeräumt war, mussten wir in gleichmäßigen Abständen große Löcher graben, dazu musste aber zuerst die mit Gras bewachsene Oberfläche entfernt werden. Danach konnte man dann mit der Hacke tiefer graben, bis man die Erde schön aufgelockert hatte.
Mit der Zeit bekam ich richtig Kraft, aber an den ersten Tagen auf dem Feld war ich bereits nach einem Loch völlig erschöpft und machte ständig kleine Pausen zwischendurch.
Es dauerte ungefähr eine Woche bis wir mit dem gesamten Feld fertig waren und überall gleichmäßig große Erdlöcher waren und wir mit dem Einpflanzen beginnen konnten.

Nach jeder Arbeitszeit gingen wir zurück zur Hütte und ruhten aus, manchmal lag man einfach nur im Schatten und schlief, weil man so kaputt war. Und wenn es dann Essen gab, hauten alle natürlich richtig rein. 
Es war ein tolles Gefühl, als nach anderthalb Wochen das Feld fertig bepflanzt war. Alle waren so stolz auf ihre Arbeit, denn jeder hatte viel Kraft und Energie in dieses Feld gesteckt und nun konnten dort neue Bäume wachsen. Man war so zufrieden mit sich und stolz, hier etwas bewirkt zu haben, auch wenn man den Erfolg erst in einigen Jahren sehen wird.
Die zwei Wochen in Bukomero gingen sehr schnell rum. Jeden Tag gab es viel zu tun, abends saßen wir zusammen und gingen oft früh ins Bett weil wir so müde waren und es morgens wieder früh weiter ging. Wir machten an freien Nachmittagen am Wochenende Ausflüge. Einmal gingen wir in eine Stadt in der Gegend auf einen großen Wochenmarkt und ein anderes Mal machten wir eine Wanderung auf einen Berg, der „Kankuya“ heißt und oben angekommen aßen wir „Chapatti“ und genossen die unglaubliche Aussicht.
 Niemand aus unserer Gruppe wurde krank oder fühlte sich schlecht, alle waren überraschender Weise wirklich gut drauf, trotz der Umstellung mit dem Essen und trotz des manchmal sehr schlecht schmeckenden Wassers. Da wir das Wasser aber immer abkochten, konnte da eigentlich nichts passieren. Einzig Sonnenbrand gab es vielen, denn auf dem Feld schien die Sonne sehr stark und es gab ja keinen Schatten. Wir wickelten uns  nach ein paar Tagen Tücher um Kopf und Nacken um uns so gut es möglich war zu schützen, denn die Sonnencreme lief mit dem Schweiß davon.
Auch den Mücken konnte man nicht entkommen. Zwar hatten wir in der Nacht unsere Moskitonetze, aber tagsüber auf dem Feld bemerkte man gar nicht, wie sehr man zerstochen wurde und auch in den Abendstunden am Feuer musste man aufpassen.
So war Sonnencreme und Mückenspray unser täglicher Begleiter
Nach den zwei Wochen in Bukomero verließen wir schweren Herzens unser neues „Heim“ wieder und fuhren nach Nansana in ein Gästehaus, indem wir die letzten drei Tage bei Strom und fließend Wasser verbrachten, uns erholten und einen abschließenden Workshop machten, in dem wir über unsere Erfahrungen und unsere Freiwilligenarbeit redeten und über die wichtigsten Maßnahmen, die wir als Menschen treffen können, um dir Natur zu schützen.
Diese drei Tage waren eher langweilig im Vergleich zu der Zeit davor, aber auch rückwirkend sehr sinnvoll, denn wir alle haben gemerkt, wie schwer es sein kann, wenn man begrenzt Wasser hat und manchmal auch auf einen Regen angewiesen ist. Oder wie es ist, nicht einfach den Lichtschalter drücken zu können, wenn man morgens aufsteht und sich anziehen will. Oder dass es gar nicht so einfach ist, sich morgens die Zähne zu putzen und sich das Gesicht zu waschen, wenn man erst mal nach Wasserresten in Becher oder Behältern suchen muss. Oder was es für ein fremdes Gefühl ist, sich zu überlegen, wie man das bisschen Wasser in seinem Behälter am sinnvollsten einteilt, damit man sich auch noch die Haare waschen kann, was nur äußerst selten klappte.
Die Zeit in Uganda war für mich eine sehr tolle und wichtige Erfahrung und ich habe vieles gelernt und viele neue Kontakte geknüpft. Es waren drei unvergessliche Wochen und ich bin sehr froh, dass ich diese Möglichkeit hatte und einen Einblick in dieses wunderschöne Land bekommen konnte.
Die Früchte unserer Arbeit werden sich in den nächsten Jahren zeigen und jeder von uns kann stolz sein, dabei gewesen zu sein und so viel Kraft und Energie dort hinein gesteckt zu haben.

Als ich nach den drei Wochen in Uganda hier zu Hause das erste Mal wieder mit warmen Wasser duschte, konnte ich mein Glück kaum fassen
Ich habe auch jetzt, einige Wochen nach meiner Rückkehr noch oft das Gefühl, die Dinge anders und intensiver wahrzunehmen. Ich genieße vieles, was ich vorher als normal angesehen habe, wie zum Beispiel ein Glas Milch oder gestern Abend das Schwimmen im Hallenbad.
Es ist eine Bewusstseinsveränderung, die sich sehr richtig und gut anfühlt und ich möchte sehr gerne nochmal nach Uganda zurückkehren, wenn sich die Zeit dafür bietet und meine vielen Freunde aus Bukomero und Kampala besuchen!

 

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