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Workcamp in Indien

Seit meiner ersten Südasienreise nach Sri Lanka im Jahr 2006 fasziniert mich dieser Teil der Erde sehr. Besonders interessiert war ich an dem in der westlichen Welt mit vielen Vorurteilen besetzen Indien mit seiner Vielfalt und Kontrasten.

Name:Jana M.Einsatzstelle:FSL-SPL-141Inhaltliche Ausrichtung:Teaching/ Yoga / Ayurveda

Ein Workcamp erschien mir ein guter Einstieg um ein Land kennenzulernen, intensiver durch die Eingebundenheit in ein Projekt und fernab vom Tourismus.

 

Im Rahmen des Camps wollte ich einen anderen Kulturkreis kennenlernen, diese Erfahrung in einem internationalen Kontext teilen und dabei einen kleinen Beitrag zur interkulturellen Verständigung leisten.

Nach einigen Überlegungen entschied ich mich dann für das Yoga und Ayurveda Camp, da ich in Yoga und Ayurveda ebenfalls einen interessanten Aspekt der indischen Kultur vermutete. Nachdem ich schon am ersten Tag indische Gastfreundlichkeit erfahren durfte und die Nacht in dem Standhaus einer indischen Familie verbringen konnte, die ich auf dem Flughafen kennen gelernt hatte, kam ich pünktlich um 11 Uhr am vereinbarten Treffpunkt an. Dort wartete eine kleine nette
Gruppe von 10 Leuten aus aller Welt auf mich.

Doch dabei blieb es aber nicht, innerhalb der nächsten zwei Tage verdoppelte sich die Gruppe tröpfchenweise auf 22. Die Größe der Gruppe machte uns am Anfang vor allem beim Lernen der
Namen Schwierigkeiten, aber auch beim intensiveren Kennenlernen, die Gespräche blieben zunächst recht oberflächlich. Doch mit der Zeit wurden wir trotz der Größe eine vertraute und harmonische Gruppe.

Die erste Woche waren wir alle in einem einfachen, aber netten "Guesthouse"untergebracht. Danach teilten wir die Gruppe und ein Teil zog in das neue FSL- Haus, ganz in der Nähe um. Das Haus hatte einen tollen Balkon mit wunderbarem Blick auf einen reißenden Fluss. Theoretisch wäre genug Platz für alle gewesen, nur Toiletten bzw. Duschen gab es bisher nur zwei, was morgens schon bei 11 Leuten zu einem Engpass führte. Für solch ein Haus konnte wir dies aber getrost in Kauf nehmen.

Durch unser straffes Tagesprogramm kamen wir aber doch nur früh morgens, spät abends oder am Wochenende dazu, die Aussicht von unserem Haus zu genießen.

Ein typischer Tag begann um halb 9 mit der Fahrt im öffentlichen Bus zum Ayurveda-College, in dem wir täglich Frühstück, Lunch und Tee serviert bekamen und am Nachmittag Ayurvedaunterricht hatten. Unser frühstück bestand aus scharfen Soßen, abwechselnd mit Reis oder indischem Brot und Dal (für mich wunderbar, für viele aber zu scharf, diese fanden oftmals eine Alternative in Keksen). Zu jeder Mahlzeit wird außerdem zuckersüßer Tee oder Kaffee serviert. Danach fand meist die Arbeitsschicht in einer Schule statt, die Fassade musste gestrichen werden und ein Weg mit Steinen und Schlamm eben gemacht werden.

Dreimal hatten wir dann die Aufgabe in einer von Nonnen geführten Schule straffen Englischunterricht aus Schulbüchern zu geben. Dabei wurden wir sehr überrascht von den guten Englischkenntnissen der Kinder, die teilweise besser waren, als die einiger Franzosen im Camp.

Die wahrscheinlich schönsten Momente hatten wir bei der Arbeit in der "special school", für Kinder mit
Behinderungen aller Art. Dort konnten wir nur ganz einfache Nachmachspiele spielen, singen und tanzen, doch bei allem waren die Kinder, und damit auch wir, mit großer Freude dabei. Nach dem Mittagessen und einer kleinen Pause folgte der zweistündige Ayurvedaunterricht. Dort erfuhren wir etwas über die Grundprinzipien von Ayurveda. Da der Unterricht sehr theoretisch war und viele Wörter aus der Sanskrit-Sprache, sowie englische Fachbegriffe verwendet wurden, war es nicht immer einfach zu folgen. Außerdem hatten einige Schwierigkeiten, das indische Englisch des Lehrers zu verstehen. Trotzdem konnte man einen guten Einblick gewinnen und wieder einiges über die indische Kultur lernen.

Fast alle Teilnehmer ließen sich daraufhin auf die spezielle Ayurvedamassage ein, die von vier Masseurinnen durchgeführt wurde, sehr speziell, aber empfehlenswert! Am Nachmittag hatten wir auf dem Dach einer Schule zwei Stunden Yoga unterricht bei einem Yogaprofessor, der mit seiner Professionalität, aber auch seinem Humor alle mir bekannten Yogalehrer übertrat. Schnell waren alle ganz begeistert vom Yoga und seiner vitalisierenden Wirkung.

Nach dem Yoga war es meist schon dunkel, trotzdem schlossen wir manchmal eine kulturelle Aktivität, wie eine Tempelbesichtigung, eine indische Kampfkunstvorstellung oder einfach einen Spieleabend an, wo mir die Spiele vom ijgd-Vorbereitungstreffen wieder einfielen.

Das Abendessen gab es aber meist in einem indischen Restaurant unten im Dorf. Dort gab es sehr gutes vegetarisches Essen, ab und zu brachte unser Teamleader aber auch das Essen aus einem anderen Restaurant in das Guesthouse. Vom ersten Tag an war ich sehr überrascht über die gute Organisation, so etwas hatte ich von einem Camp in Indien nicht erwartet.

Bei diesem "Specialcamp" durfte man aber nicht zu hohe Ansprüche haben, "etwas Großes" zu bewegen, die Arbeit stellte nämlich nur einen Teil des Alltages dar, da Ayurveda- und Yogaunterricht ebenfalls einige Zeit in Anspruch nahmen. Dennoch sehe ich einen großen Effekt im Austausch der Menschen unterschiedlicher Kulturen, was das interkulturelle Verständnis stärkt, Vorurteile abbaut und den eigenen Horizont sehr erweitert.

Als ich später alleine durch die Straßen Mumbais lief und bettelnde Kinder abwimmelte, ging es mir ein bisschen besser, als ich daran dachte, dass ich wenigstens ein paar Kindern durch gemeinsame Aktionen und Spiele Freude bereiten konnte.

Ein Workcamp würde ich immer wieder machen!

Während meiner Erfahrungen und Begegnungen in Indien sind mir einige Defizite in unserer Gesellschaften noch ein mal bewusst geworden, so wie die vielen Regeln und Zwänge, die wir uns auferlegen und denen wir sowieso nicht gerecht werden können. Davon probiere ich mich in meinem Alltag ein wenig zu lösen um flexibler und offener für neues sein.

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.