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Workcamp in Indien

Als ich per Zufall auf der Homepage von ijgd landete und von Internationalen Workcamps las, wusste ich anfangs nicht so recht, was man sich unter einem' Workcamp' vorstellen sollte. Nun zur Erklärung: Ein Workcamp ist ein Camp, in dem man für einige Zeit mit Menschen von 
der ganzen Welt zusammen lebt und gemeinsam an einem sozialen Projekt teilnimmt.

Name:Anna K.Einsatzstelle:FSL-SPL-134Inhaltliche Ausrichtung:Yoga/Ayurveda/ Social

Die Besonderheit ist, dass man durch die Freiwilligenarbeit die Möglichkeit bekommt, in direkten Kontakt mit dem Gastland und seinen Einwohnern zu kommen. Diese Art von Projekt entsprach genau meinen Vorstellungen. Während dem Vorbereitungsseminar von ijgd entschied ich mich für ein Workcamp in Indien. Indien - weil es mich auf Grund seiner vielen verschiedenen Kulturen und der geheimnisvollen Spiritualität der Menschen unheimlich faszinierte. Mein persönliches Interesse am Unterrichten an einer indischen Schule und meine Begeisterung für Yoga waren es, die meine Entscheidung letztlich auf dieses Workcamp fielen ließen.

 

Bewaffnet mit einer Menge hilfreicher Tipps (die ich unter anderem auch während des Vorbereitungsseminars erhalten hattejmachte ich mich in voller Aufregung und Vorfreude auf den Weg, um eine mir völlig fremde Welt zu entdecken. Es handelt sich bei dem Workcamp um ein spezielles Camp, bei dem die Teilnehmer täglich Yoga- und Ayurvedaunterricht erhalten. Das dreiwöchige Camp fand im wunderschönen südindischen Bundesstaat Kerala in einem kleinen Ort namens Parassinikadavu - nicht weit von Kannur - statt. Insgesamt waren wir 18 internationale Freiwillige aus Spanien, Finnland, Frankreich, Island, Serbien, Holland, Südkorea, Japan, Taiwan, China, Mexiko, USA und Deutschland. Die Gruppe bestand aus 5 männlichen und 13 weiblichen Teilnehmern im Alter von 18 bis 43 Jahren. Unser Team wurde von zwei sehr engagierten, sympathischen Gruppenleitern - einem Inder und einer Russin - geführt. Untergebracht wurden wir in einem sehr sauberen und freundlich geführten "Guest house" in Parassinikadavu. Mädchen und Jungs schliefen getrennt voneinander in 3 bis 6 Bett Zimmern mit eigenem Badezimmer. Unsere Gruppe war bunt gemixt, sehr kommunikativ und überaus partyfreudig.

Wir hatten einen guten Zusammenhalt und trotz der vielen Teilnehmer bildeten sich glücklicherweise kaum Grüppchen. In den Daily Meetings konnte man immer ganz offen seine eigene Meinung äußern oder auch Probleme ansprechen. Die Verständigung im Camp klappte sehr gut; auch wenn immer mal wieder Spanisch oder eine asiatische Sprache zu hören war. Jeden zweiten Abend hatte unsere Teamleitung eine Gruppenaktivität für den Abend eingeplant. Unter anderem besuchten wir eine Blindenschule und ein College; sahen eine hinduistische Tempelprozession; schauten uns einen Bollywood-Film im Kino an oder kochten indische Gerichte. Frühstück und Mittag.essen wurde uns täglich in einem indischen Restaurant in der Nähe der Schule serviert. Zum Frühstück gab es sehr häufig Toast mit Marmelade und Omelett oder auch gelegentlich indisches Frühstück (Brot­ oder Reisfladen und dazu Dal). Mittags gab es Reis und Gemüse mit Fisch oder Hühnchen. Das Abendessen war sehr abwechselungsreich. Viele leckere vegetarische und nicht-vegetarische indische Gerichte, wie Alu Gobi (Kartoffeln und Blumenkohl), Chicken Tikka Masala und verschiedene Curry- und Reisgerichte gab es zum Probieren. Dazu essen Inder oft Reis und verschiedene Sorten von Brotfladen (Chapati, Porotta, Naan, Roti, Puri, etc.). Zwischendurch erfreute uns unser Teamleiter öfter mal mit frischem Obst, Säften oder anderen Leckereien. Von montags bis freitags lief im Camp ein festgelegtes Tagesprogramm ab.

Die Wochenenden waren frei und ihre Gestaltung stand jedem zur freien Verfügung. Ein gewöhnlicher Campalltag begann morgens um 7 Uhr mit einem wohltuenden Chai- Tee. Um halb 8 ging es dann mit dem öffentlichen Bus zum nächsten Ort. Dort befand sich die "St. Mary' s English School ' , wo wir jeden Morgen zwei Stunden lang von einem sehr professionellen und äußerst kompetenten Lehrer Yoga beigebracht bekamen. In 3 Wochen lernten wir nicht nur eine Vielzahl der körperlichen und geistigen Yogaübungen (u.a. Asanas, Pranayanam, Meditation ... ) kennen, sondern erfuhren auch, was sich hinter der indischen philosophischen Lehre verbirgt. Mittels seinem beeindruckenden Wissen und Können und seinem erfrischenden Sinn für Humor schaffte es unser Yoga meister unsere Begeisterung für die Lehre des Yogas noch stärker zu entfachen. Für mich war das Yoga eine einzigartige Erfahrung, die das Workcamp wirklich zu einem' Special Camp' machte. Nach einem wohl verdienten Frühstück ging es dann total entspannt zurück zur Schule, wo wir bereits von einigen Schülern freudig erwartet wurden. St. Mary' s Englisch School ist eine englischsprachige Schule, die von indischen Nonnen geleitet wird. Die Schüler werden größtenteils auf Englisch, aber auch auf der Landessprache Hindi und Malayalam (der regionalen Sprache Keralas) unterrichtet. Unser Team wurde in drei Arbeitsgruppen aufgeteilt. Eine Renovierungsgruppe gestalteten die Schulhofwände neu und eine andere Gruppe spielte, tanzte und bastelte mit einigen Schülern. Während die letzte Gruppe für das Unterrichten zuständig war. Beim Unterrichten war es in erster Linie wichtig den Schülern mit Spaß und auf eine spielerische Art und Weise Englisch beizubringen. Häufig unterrichteten wir Schüler der 3. bis 7. Klassen. Wir führten Theaterstücke vor, erzählten von unseren Herkunftsländern, sangen Lieder und spielten Spiele mit den Schülern.

Manchmal war es nicht immer einfach Ruhe in eine 45-köpfige Klasse zu bringen. Vor allem, weil die Schüler eine andere Art des Unterrichtens gewohnt sind und eine offene und freie Lernweise - wie wir sie von unseren Herkunftsländer kennen - ihnen weniger vertraut ist. Nach einiger Zeit konnten wir uns immer besser auf die Schüler einstellen und das Unterrichten und Spielen mit den Kindern bereitete viel Spaß. Außerdem waren wir auch an den Vorbereitungen für das alljährliche Schulfest, wie auch an dem Tag selbst, miteingebunden. Die Zeit an der Schule war sehr schön und brachte sehr viele Erfahrungen mit sich. Zu unserem Tagesprogramm zählte auch ein zweistündiger Ayurvedaunterricht am Nachmittag. Wir erfuhren einiges über die Lebenswissenschaft, Ayurveda ' . Die viele Sanskrit-Wörter, sowie viele unbekannte englische Fachbegriffe aus der Medizin machten das Verstehen leider etwas schwierig. Wenn man jedoch dran blieb und sich für das Thema
interessierte, konnte man auch einiges lernen.

Rückblickend kann ich sagen, dass das Workcamp meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen hat. Während dieser Zeit habe ich nicht nur andere Menschen, sondern auch mich selbst besser kennen gelernt und viele kostbaren Erfahrungen gemacht. "Be flexible, that ' s India!" - diese Redensweisheit der Inder hat mich in meiner Zeit in Indien wahrscheinlich am meisten geprägt. In Indien kann es nämlich manchmal anders kommen als man erwartet. Die Lebensweise der Inder und die eigenen Erfahrungen während meiner Zeit in Indien haben mich gelehrt flexibler und gelassener zu sein. Mit Sicherheit etwas, was man nicht nur in Indien gut gebrauchen kann.


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