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Workcamp in Nepal

In den Jahren 2005 und 2007 habe ich bereits an zwei sehr spannenden und bereichernden Workcamps in Italien teilgenommen. Für das Jahr 2014 hatte ich eine längere Asienreise geplant und empfand dies als ideale Gelegenheit an einem Workcamp in einem nicht-europäischen Land teilzunehmen. Ein Workcamp bedeutet für mich...

Name:Leonie L.Einsatzstelle:Forest Conversation in Banepa, tatsächlich: Gemüseanbau in Jaranku (ca 8 km nordwestlich von Kathmandu)Inhaltliche Ausrichtung:Ökologie

...die Gelegenheit etwas abseits der üblichen Touristenpfade ein Land und seine Kultur kennen zu lernen. Den Austausch mit den anderen Freiwilligen über ihre jeweiligen Länder genieße ich ebenso wie die tägliche körperliche Arbeit, die für mich entspannend ist. Da ich mich auch in Deutschland freiwillig engagiere, ist ein Workcamp für mich das ideale Format, dieses Engagement in einem anderen Land auszuführen.

In meinem Workcamp waren zu Beginn neun Freiwillige (sieben Frauen, zwei Männer) aus drei verschiedenen Ländern (Frankreich, USA, Deutschland). Das Workcamp wurde von den zwei nepalesischen Campleadern Nabin und Mahesh durchgeführt. Die beiden sind sehr erfahren, denn sie leiten seit über 10 Jahren Workcamps und sprechen sehr gut Englisch, so dass wenige sprachliche Barrieren vorhanden waren. Auf dem Gelände des Workcamps befinden sich ein Wohnhaus, ein Lagerhaus, das Toiletten- und Duschhäuschen, ein paar Hühnerhäuser (ohne Hühner) und einige Felder. Wir schliefen in dem großen Raum des Wohnhauses alle nebeneinander auf Isomatten auf dem Teppichboden, wobei wir die Möglichkeit hatten unsere Moskitonetze an den Bambusstangen der Decke aufzuhängen. In der anderen Hälfte des Raumes hatten wir viel Platz für unser Gepäck und Gruppenspiele. Die Küche war durch eine Wand abgetrennt und abends war sie gleichzeitig unser Esszimmer.

Den Tagesablauf im Workcamp besprachen wir am allerersten Tag und legten die jeweiligen Uhrzeiten fest. Um 8 Uhr gab es Frühstück, wobei ich meistens schon seit über einer Stunde wach war und die friedliche Morgenstimmung genossen habe. Es gab Toast, Eier, schwarzen Tee und Marmelade und von Freiweilligen mitgebrachten Schokoaufstrich und Erdnussbutter. Morgens und mittags aßen wir an der frischen Luft in der gemütlichen Bambushütte vor unserem Haus. Um 8:30 Uhr begannen wir mit der Arbeit, die in den ersten Tagen aus Unkraut jäten bestand. Wir freuten uns über das schöne Wetter, mussten jedoch unsere Haut und unsere Köpfe teilweise vor der Sonne schützen. Ich schätze, dass tagsüber Temperaturen von ca 30°C und nachts ca. 10°C herrschten, wobei wir nachts und teilweise auch tagsüber noch etwas Monsunregen erleben durften. Auf den Feldern im Camp wird in biologischer Art und Weise Gemüse angebaut, das zum einen zur Produktion von Samen dient, die an Farmer in Banepa verteilt werden. Diese Farmer sollen davon überzeugt werden, keine gesundheitsschädlichen Pflanzenschutzmittel mehr zu verwenden und stattdessen die biologische Anbauweise zu wählen. Zum anderen wird auch Gemüse angebaut, das der Verpflegung der Workcampteilnehmer dient. Im Laufe der zwei Wochen jäteten wir das Unkraut auf allen vier Feldern, rissen abgestorbene Pflanzen heraus, gruben die Felder mit Handwerkzeugen um und säten anschließend Bohnen und Rettich ein. Neben diesen beiden Gemüsesorten werden auch Süßkartoffeln, Erdnüsse, Chillis, Spinat, Knoblauch und Zwiebeln angebaut. Obwohl ich mich nicht als Stadtkind bezeichnen würde, lernte ich sehr viel dazu, zum Beispiel wie Erdnüsse vor dem Rösten schmecken und wie die Pflanzen aussehen. Nach ca. dreistündiger Arbeit aßen wir Dhaal bhat zum Mittag und ruhten uns anschließend zwei Stunden aus. Nachmittags unternahmen wir Ausflüge mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Kathmandu, wanderten in der Umgebung des Workcamps durch die Dörfer zu verschiedenen Tempeln oder entspannten uns auf dem Gelände. Abends gegen sieben aßen wir das Abendessen in der Küche, da es draußen bereits dunkel und kühler war. Auch abends gab es das nepalesische Nationalgericht Dhaal bhat, das aus Reis mit einem Gemüsecurry und einer Linsensuppe besteht. Nabin und Mahesh sind sehr talentierte Köche und sie brachten durch unterschiedliche Gemüsesorten so viel Abwechslung wie möglich in unseren Speisplan. Ich persönlich konnte von dem Essen nie genug bekommen, weil es mir so gut geschmeckt hat und ich habe mir mehrere Rezepte aufgeschrieben. Nach dem Essen konnten wir den Abend selbst gestalten, wir konnten uns beim Lesen entspannen, draußen den wunderbaren Sternenhimmel anschauen, Spiele spielen oder einfach reden.

Das ijgd-Vorbereitungsseminar hat mich gut auf die Workcampsituation vorbereitet, da meine Sinne für kulturelle Unterschiede geschärft waren und ich bereits zu Hause mit der Vorbereitung (zum Beispiel Kleiderauswahl!) begonnen habe. Außerdem habe ich meine Erwartungen angeschaut und überprüft, so dass ich vor Ort beurteilen konnte ob meine Unzufriedenheit von einer falschen Erwartung herrührt oder nicht. Während des Seminars haben wir auch die Situation durchgespielt, dass eine einheimische Person von einem Touristen ungefragt fotografiert wird und genau diese Situation ist mir in Nepal ständig begegnet.

Eine der wichtigsten Erfahrungen im Workcamp waren die ausführlichen Gespräche mit den beiden Campleadern über die nepalesische Kultur und Religion. Wir konnten viele Fragen stellen und sie wurden sehr ausführlich beantwortet. So hatte ich das Gefühl, dass ich detailliertere Informationen bekomme als durch das Lesen von Reiseführern oder ähnlichem.

In meinen Alltag in Deutschland werde ich nach dem Workcamp definitiv mehr Gartenarbeit integrieren, da es mir sehr viel Spaß gemacht mit den nackten Füßen in der Erde zu stehen J . Ich werde mich bemühen offener durch die Straßen zu laufen und gelassener zu werden. Das Camp hat mir nämlich auch gezeigt wie deutsch ich manchmal bin J. Neben meiner freiwilligen Arbeit, die ich vor dem Camp bereits gemacht habe, werde ich schauen, ob es vielleicht nepalesische Studenten gibt, denen ich Fragen beantworten und das Leben in Deutschland durch Erklärungen erleichtern kann.

 


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