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Workcamp in Nepal

Am Nachmittag des 30.08. landeten wir in Kathmandu. Das Abendteuer "Nepal" begann. Wir, Thomas und ich, hatten gerade unser Gepäck in Empfang genommen, als uns ein Nepali ansprach, uns einen Zettel mit unseren Namen und dem Name der Partnerorganisation zeigte und uns erklärte, dass er uns abholen wollte.

Name:Thomas G., Annika R.Einsatzstelle:BanepaInhaltliche Ausrichtung:Restauration von Gebäuden / Wasserfilteranlage

Etwas überrascht, aber zunächst guter Hoffnung, folgten wir ihm zu einem Auto, das vor dem Flughafengebäude parkte. Auf diesem Weg gesellten sich weitere 8 Nepali zu uns. Am Auto angekommen, baten sie uns lhnen 20 € für die Taxifahrt zu Zahlen (normal: ca. 3-4 C). Den überteuerten Preis erklärten sie mit der gegenwärtigen Benzinkrise. Etwas verunsichert zahlten wir den geforderten Betrag. Unsere Besucher waren glücklich über den erzielten Gewinn und verschwanden in Sekundenschnelle. Während wir noch etwas hilflos in dem fremden Auto saßen und überlegten, was nun zu tun sei, kam der tatsächliche FFN-Gesandte zu seinem Auto zurück.

 

Er hatte mit einem großen Schild in der Hand, auf dem unsere Namen und der Name der Partnerorganisation standen, vor dem Flughafengebäude auf uns gewartet. Der fremde Nepali hatte die Informationen einfach von dem Schild kopiert und uns abgefangen, bevor wir das Gebäude verlassen konnten - eine clevere Methode.

Geheilt von unserer europäischen Gutgläubigkeit kamen wir in dem von NIFC und IJGD empfohlenenHotel Encounter an, in dem wir die nächsten zwei Nächte vor Campbeginn verbrachten.Im Nachhinein zeigte sich, dass es auch problemlos möglich ist, vor Ort ein anderes Hotel zu besseren Konditionen zu finden. Am kommenden Tag machten wir uns auf die Suche nach dem NIFC-Büro, in dem unser Orientierungstag stattfinden sollte. Dank einer sehr guten Karte, in die ein Bekannter das Büro eingetragen hatte, fanden wir das Büro problemlos.

Am Orientierungstag lernten wir unsere Gruppe kennen: Zwei weitere Freiwillige aus Japan und zwei nepalesische Campleiter und erfuhren die Abfahrtszeit und den Abfahrtsort zu unserem Camp. Voller Vorfreude auf unsere Abreise nutzten wir den restlichen Tag um uns die Sehenswürdigkeiten von Kathmandu anzusehen. So erkundeten wir bereits an diesem Tag viele der wunderschönen buddhistischen Tempelanlagen.

Am nächsten Tag machten wir uns morgens mit dem Bus auf den Weg nach Banepa. Diese Busfahrt war unser erstes "Abenteuer" in Nepal. Der Verkehr in Kathmandu und auf der einzigen Verbindungsstraße Richtung Tibet erscheint für Europäer total chaotisch. Kühe, Hunde, fliegende Händler, Fahrräder, unzählige Mopets, Kleinwagen, Busse und LKWs teilen sich die schmalen Straßen. Eine Fahrt die bei freier Strecke ca. zwei Stunden dauern würde, kann so schnell vier Stunden und mehr in Anspruch nehmen. Wir erreichten nach ca. fünf Stunden Fahrt unser Ziel: Banepa, eine kleine, relativ arme Stadt an der einzigen Verbindungsstraße zwischen Kathmandu und Tibet. Von hier folgten ca. 30 min Fußweg durch wunderschöne, saftiggrüne Reisfelder und entlang eines schmalen Pfads durch .urwaldähnltches'' Gelände zu "unserem" Dorf.

Unser Camphaus war ein typisches nepalesisches Haus, in dem wir uns sofort wohl fühlten. Das Haus, das mitten im Dorf stand und, wenn kein Workcamp darin stattfand, von der Dorfbevölkerung genutzt wurde, gab uns das Gefühl im Dorf integriert zu sein. In der untersten Etage wurden Holz und die Kartoffelernte des Sommers gelagert. Im zweiten Stock befanden sich ein kleiner Raum in dem wir schliefen und eine kleine Küche (Gaskocher, Geschirr und ein Essteppich). Der Dachboden diente als Abstellraum (und bot zahlreichen Ratten ein angenehmes Zuhause). Direkt nach unserer Ankunft begrüßten uns die Kinder unserer Nachbarn, die während des Camps jede freie Minute mit uns
verbrachten.

Am Tag unserer Ankunft im Camp begann in Nepal ein dreitägiges hinduistisches Fest, an dem alle Frauen fasteten, beteten und vor allem in roten Gewändern (Saris) sangen und tanzten. Aus Rücksicht auf dieses Fest begannen wir mit unserer Arbeit erst einen Tag später als geplant. Unseren freien Tag nutzten wir um an den Zeremonien teilzunehmen. Abends wurd'en die japanische Campteilnehmefin und ich zum Tanzen mit allen Dorfbewohnerinnen eingeladen - ein
unvergessliches Erlebnis.

Am zweiten Tag nach unserer Ankunft begann dann der Campalltag. Nach dem Frühstück (Weissbrot und Marmelade) begannen wir gegen 9.30 Uhr mit der Arbeit. Wir transportierten Sand für den Ausbau eines Gemeindehauses, reinigten eine natürliche Wasserfilteranlage von dem während der Regenzeit eingespülten Lehm, oder zerschlugen große Feldsteine in kleinere Steine um mit ihnen die Effizienz der Filteranlage zu erhöhen. Nach nur drei bis vier Stunden körperlich anstrengender Arbeit kehrten wir zum Mittagessen (Reis mit scharfem Gemüse un'd Linsensuppe), das unsere Campleiter für uns kochten, wieder ins Camphaus zurück. Die Hauptaufgabe der bei den Campleiter bestand
darin, die Verpflegung für die Gruppe zu sichern und die Arbeit zu organisieren. Direkte Mitarbeit der Leiter an den Projekten ist eher eine Ausnahme.

Am Nachmittag organisierten die Gruppe Ausflüge in die nähere Umgebung. Wir besichtigten die Nachbarstädte mit ihren sehr beeindruckenden Tempelanlagen, wir verteilten Bleistifte und Hefte an einer sehr armen, staatlichen Schule in einem winzigen Bergdorf und unternahmen Wanderungen durch die einmalige Berglandschaft am Fuße des Himalaya.

Auf einer dieser Wanderungen gerieten wir unverhofft in einen starken Monsunregenschauer, der mit einem kräftigen Gewitter einherging. Wir fanden Zuflucht bei einem einsamen, hinduistischen Mönch (Saddhu), der uns in seinem kleinen Haus neben einem Tempel, Zuflucht und einen heißen Tee anbot. Der Aufenthalt dort und das Gespräch mit ihm waren einfach eine einzigartige Erfahrung, die ein "normaler" Tourist sicher nie gemacht hätte: Normalerweise dürfen Nicht-Hindus solche heiligen Stätten nicht betreten. Wir hatten es der Anwesenheit unserer Campleiter zu verdanken, dass wir trotzdem hineingelassen wurden.

Ein anderer Ausflug führte uns zu einem buddhistischen Kloster. Wir waren überwältiqt von der Schönheit dieses Ortes und der Ruhe und Geborgenheit, die er ausstrahlt. Wir hatten Gelegenheit uns längere Zeit mit einem dort lebenden Mönch zu unterhalten. Abschließend hat er uns eingeladen, einer Gebetszeremonie beizuwohnen. Nach dem Abendbrot (wie im Land üblich: Dhal Bhad: Reis mit scharfem Gemüse und Linsensuppe) verbrachten wir den Abend mit Kartenspielen, Tagebuchschreiben oder Gesprächen. Die Campleiter sprachen sehr gut Englisch, sodass die Kommunikation hier problemlos funktionierte. Einer der beiden japanischen Campteilnehmer hatte leichte Schwierigkeiten, die jedoch mit Hilfe der anderen Teilnehmerin gelöst werden konnten.

So verging die Zeit im Camp sehr schnell und bald kam der Tag der Rückreise nach Kathmandu. Diesmal hielt der Bus unterwegs plötzlich an und nichts ging mehr: "Generalstreik, alle aussteigen, bitte!" Uns blieb nichts anderes übrig, als unser Gepäck auf den Rücken zu schnallen und den Rest der Strecke (ca. 4 h) bei sommerlichen 35°C und Sonnenschein zu Fuß zurückzulegen. Unterwegs hielt ein überfüllter Bus kurz vor uns an. Auf Anraten unserer Campleiter, versuchten wir zusammen mit zahlreichen Passanten in den Bus zu gelangen. Letztlich fuhr der Bus mit unbekanntem Ziel ab. Nur der japanischen Campteilnehmerin war es gelungen einen Platz in dem überfüllten Bus zu
bekommen. Der Rest der Gruppe und beide Campleiter gingen weiter zu Fuß. Die Campleiter, liefen zügigen Schrittes voraus während wir Campteilnehmer aufgrund des schweren Gepäcks Schwierigkeiten hatten zu folgen. Nach einiger Zeit war die Gruppe weitestgehend auseinander gefallen. Glücklicherweise hielt eine weitere Straßensperre den Bus mit der Japanerin und auch die Campleiter auf, sodass wir uns nach einigen Stunden alle wiederfanden.

Letztlich erreichten wir alle gemeinsam unser Ziel, die Innenstadt von Kathmandu und trennten uns dort von unseren Campleitern. Die beiden Japaner und wir fuhren am nächsten Tag weiter nach Pokhara um dort zusammen die wunderschöne Bergwelt des Himalayas zu erkunden, bevor die Japaner zurück nach Hause flogen und wir uns auf den Weg zu unserem zweiten Workcamp in Khairenitar machten.

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