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Heiligengrabe 2017

Ich werde niemals vergessen, wie viel Panik ich auf dem Weg dahin gehabt habe, wie es war, als ich die anderen das erste mal gesehen habe, wie wir singend und durch die Küche springend Pasta zubereiteten, wie wir zusammen fast auf dem Bahnsteig übernachtet haben, wie wir am Lagerfeuer Stockbrot machten und ...

Name:Anna und DeutschlandAlter:16 JahreEinsatzstelle:Gemeinde HeiligengrabeInhaltliche Ausrichtung:Renovierung- und Gartenarbeiten

...Musik hörten und wie ich viele neue Freunde aus verschiedenen Ländern und Kulturen bekommen habe.

 

Runter vom Sofa

Meine erste Entscheidung, die mich nach Heiligengrabe führte war, dass ich die nächsten Sommerferien nicht einsam auf dem Sofa liegend verbringen wollte Die zweite Entscheidung folgte direkt darauf  Ich wollte weg von zu hause aus meinem gewohnten Umfemd raus Da gab es also nur die eine Möglichkeit für mich  ein Camp  Den Rest tat das Internet welches mich dann auf die Seite von ijgd führten und sofort war klar  das ist es!

Meine Anreise...

Erst als ich um 4 Uhr am Morgen aufwachte und mein Vater mich zum Bahnhof brachte, wurde mir klar, auf war ich mich eingelassen habe und dass ich nun 8 Stunden alleine mit dem Zug ans andere Ende Deutschlands fahren muss. Tja... was dann passierte machte es nicht gerade besser: mein Zug verspätete sich, ich verpasste meinen zweiten Zug und meine Reservierungen waren zu nichts mehr zu gebrauchen. Am Ende kam ich natürlich am Ziel an, allerdings drei Stunden zu spät und mit einem Pudding anstatt einem Magen. So hatte ich mir meinen Geburtstag hundertprotzentig nicht vorgestellt. Dann war da der Bahnhof von Heiligengrabe: ein Gleis umringt von Feldern und Wald, und egal wohin man sah nur eine Straße. Man kann sich bestimmt vorstellen, wie verloren ich mich dann gefühlt habe, aber glücklicherweise hielt das nicht lange an, denn ich war nicht alleine aus dem Zug mit einem großen Koffer und Rucksack gestiegen und guckte verdattert in die Landschaft. Es war eine seltsame Situation, denn wir guckten uns nur an und trauten uns nicht einander anzusprechen, aus Angst wir müssten sofort anfangen irgendetwas auf Englisch zu erklären und obwohl ich wusste, dass das die Campsprache sein wird, war es schwerer es in die Tat umzusetzen, als gedacht. So starrten wir uns an, beide mit einer ausgedruckten Karte in der Hand und keiner Ahnung, was man in so einer Situation machen soll, bis wir am Ende des Gleises laute Musik und Geplapper auf Italienisch hörten. Es war insgesamt eine Gruppe aus 5 Italienern, die sich im Zug kennengelernt haben und nun auch auf uns zukamen. Sie waren das genaue Gegenteil von uns, aber wir fanden direkt eine gemeinsame Sprache und machten uns immer noch ohne einen Plan auf den Weg und da es sowieso nur eine Straße gab, konnten wir nicht so viel falsch machen.

Die Gruppe...

Um acht Uhr an dem Anreisetag kam dann die letzte Person an und wir waren insgesamt 12 Jugendliche und 2 Teamleader , davon 5 aus Italien, 3 aus Deutschland und 4 aus Frankreich, 3 Jungen und 9 Mädchen. Am ersten Tag war alles noch ein totales Chaos: Italiener sprachen auf Italienisch, Deutsche auf Deutsch und Franzosen auf Französisch. Natürlich war das nicht nur am ersten Tag so, aber am ersten Tag war es am meisten bemerkbar. Es verbesserte sich mit den Tagen, doch erst nach unserem ersten „Familymeeting“, wo sich jeder ausgesprochen hat, fiel die Spannung von der Gruppe und man konnte mit jedem auf Englisch reden, als wäre man schon lange Jahre befreundet. Es half auch sehr, dass wir die ganze Zeit zusammen waren und zusammen Probleme und Erlebnisse zu bewältigen hatten. Am Ende waren wir wie eine große Familie und ich habe nun Freunde in Rom, Torino, Paris, Cannes und Bayern, die ich jederzeit besuchen fahren kann.

Unser gemeinsamer Alltag und was wir zu bewältigen hatten...

Unser Alltag startete etwa um 8 Uhr am morgen. Bis 9 Uhr hatten wir Zeit zu Frühstücken und uns fertig für die Arbeit zu machen. Die Arbeit war nicht schwer und mit guter Gesellschaft und Musik auch sehr schnell vorbei. Wir musste den Rasen mähen, Gräber auf dem Friedhof in Ordnung bringen, Wände verputzen und an zwei Tagen ein Dach von einem alten Haus abnehmen. Alles in einem konnte man viel dabei lernen und eigentlich auch ziemlich viel Spaß haben.
Also...Selbstorganisation war da so eine Sache. Unser Team war einfach nicht talentiert in dieser Sache oder besser gesagt: einige vielleicht schon, aber die Mehrheit überwog mit keinem Talent und so kam es, dass am ersten Tag nur Italiener zum Einkaufen gingen und mit 8kg Pasta zurückkamen, welche uns dann bis zum Ende des Camps gereicht hat.
Der Rest war eigentlich gar nicht so schwierig. Wir teilten die Gruppe durch in drei Teams ein, die abwechselnd für das Essen und den Abwasch zuständig waren, was auch ganz gut geklappt hat, mit der Ausnahme, dass ich nun für längere Zeit genug Nudeln gegessen habe.
Genau wie alles andere außer der Arbeit, mussten wir unsere Freizeit auch selber organisieren, was zwar nicht immer gut geklappt hat, aber eigentlich konnte man immer was finden was man machen möchte und es fand sich auch immer jemand, mit dem man das machen konnte.
In den ersten Tagen, als noch die Sonne geschienen hat und es warm draußen war, haben wir draußen immer Volleyball und Fußball gespielt oder wir sind alle zusammen aufs Baumhaus geklettert und haben Karten gespielt oder uns einfach unterhalten.
Als dann die Regenphase anfing, konnten wir drinnen genauso gut Pingpong oder Babyfoot (So nennen Franzosen Kicker) spielen, auch war eine Option, in die Küche zu gehen und bei der Zubereitung des Essens zu helfen oder einfach nur da zu stehen, zuzusehen und Kekse mit Nutella und Erdnussbutter zu essen.

Unser erstes gemeinsames Wochenende

Als das erste Wochenende anbrach, haben wir uns dazu entschieden, nach Potsdam zu fahren. Da es Samstag war, fuhren die Züge seltener und wir sind erst so gegen 10.30 Uhr losgefahren. Es war eingeplant ca. 3 Stunden hin, dann 5 Stunden in Potsdam und dann wieder 3 Stunden zurück, so dass wir so gegen 9 Uhr am Abend wieder in Heiligengrabe wären. Allerdings war alles nicht ganz so einfach. Wegen Problemen mit der Kommunikation zwischen zwei Stationen an diesem Tag und der schlechten Organisation der Notfallbusse kamen wir erst um 5 Uhr am Nachmittag in Potsdam an und mussten eine Stunde später einen Zug zurück nehmen, denn sonst hätten wir den letzten Zug nicht mehr erreicht und hätten auf dem Bahnhof übernachten müssen. Doch es war leichter gesagt als getan, den die Notfallbusse waren so schlecht organisiert, dass nicht mal die deutsche Bahn selbst wusste, wann einer kommt und wohin, als wir dann einen bekamen , war es schon halb zehn und der letzte Zug, kam mit einer Stunde Verspätung, sodass wir auf dem Bahnhof feststeckten und dort auch hätten übernachten müssen, wären wir nicht abgeholt worden, was unser großes Glück war. So kamen wir um 2 Uhr nachts übermüdet in Heiligengrabe an.
Das hört sich bestimmt jetzt total schlimm an, wenn man das so hört, aber in Wahrheit, war es sehr lustig, hat uns sehr stark zusammengeschweißt und was die deutsche Bahn angeht abgehärtet, auch wenn ich gerne etwas mehr von Potsdam gesehen hätte, als nur den Bahnhof.

Der Abschied...

Zwei Tage vor der Abfahrt fing es schon an: allein beim Gedanken, dass es bald vorbei sein sollte, ging die Heulerei los. Niemand wollte weg. Und in diesen letzten Tagen merkte man auch erst wie wichtig die anderen einem geworden sind, aber man lernte einige auch erst so richtig kennen, was ich besonders schade fand.
Am letzten Abend blieben wir bis tief in die Nacht wach, machten noch ein letztes Lagerfeuern und obwohl es anfing zu regnen, blieben wir bis zu Letzt draußen sitzen und wollten nicht rein gehen, doch die Zeit verstrich und wir konnten es leider nicht weiter herauszögern. Das letzte gemeinsame Frühstück um 6 Uhr morgens, bevor die ersten das Camp verließen. Dann ein letztes mal ein Babyfoot-Match mit den anderen und am Ende war ich die Letzte, die abreiste, doch ein Gefühl von Trauer, dass dieses Abenteuer vorbei ist, blieb bis zu letzt.

 

Der Inhalt der Berichte liegt in der Verantwortung der jeweiligen Autorin / des jeweiligen Autors.